Friedrich I. Barbarossa - er ist wohl eine der bekanntesten und zugleich umstrittensten Figuren des Mittelalters. Das Urteil der Historiker reicht vom "größten deutschen Politiker und bedeutendsten Kaiser des deutschen Mittelalters" (Marcel Pacaut) bis hin zu einem Regenten dessen Politik "rückschrittlich und anachronistisch" gewesen sei (Friedrich Heer). Eines muss man bei aller Diskrepanz in der Beurteilung der Person Friedrichs eingestehen: Es ist schon erstaunlich wie präsent ein Kaiser, welcher vor über 800 Jahren lebte, im Bewusstsein des deutschen Volkes heute noch ist. Von vielen seiner Vorgänger und Nachfolger kann man dies nicht behaupten. Vor allem im 19. Jahrhundert, als man verzweifelt um ein nationales Bewusstsein und vor allem um einen einheitlichen Staat rang, erlebte Barbarossa als Symbol für Friede und Einheit eine wahre Renaissance. Insbesondere die Schriftsteller erkoren ihn häufig zum Motiv ihrer Werke. Es war aber nicht nur sein politisches Wirken in Deutschland und Italien, welches ihn in den Köpfen der Menschen unsterblich machte. Seine Person ist untrennbar mit einem der großen Ereignisse des Hochmittelalters verbunden: Dem Dritten Kreuzzug. Sein plötzlicher und unerwarteter Tod in Kleinasien entsetzte seine Gefährten und Zeitgenossen. Es war der Anfang vom Ende einer der aussichtsreichsten Unternehmungen, das heilige Land für die Christenheit zurückzuerobern. Seitdem beflügelt Barbarossa den Geist und die Herzen der Menschen, welche ihn letztendlich ins Reich der Legenden entrückten und im Kyffhäuser schlafen lassen, wo er seine Rückkehr auf den deutschen Thron erwartet. Die vorliegende Arbeit untersucht die Umstände von Friedrichs Tod und begleitet seine sterblichen Überreste auf den verschiedenen Etappen seiner Beisetzung, um letztendlich die Frage beantworten zu können, wo Barbarossa begraben liegt, wobei auch auf die Legenden eingegangen wird, welche mit seinem Tod untrennbar verbunden sind.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Politische Situation in Deutschland und Vorbereitung des Kreuzzuges
2. Der lange Marsch und Tod Friedrich Barbarossas
3. Die Beisetzung Friedrichs I. und das Ende des Kreuzzuges
4. Der Mythos Barbarossa
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Umstände des Todes von Friedrich I. Barbarossa während des Dritten Kreuzzuges sowie die nachfolgenden Versuche seiner Beisetzung. Dabei wird der Frage nachgegangen, wo sich die letzte Ruhestätte des Kaisers befindet, und es werden die mit seinem Tod eng verknüpften Legenden sowie deren Entwicklung und Bedeutung analysiert.
- Politische Rahmenbedingungen und Vorbereitung des Dritten Kreuzzuges
- Ereignisverlauf des Kreuzzuges und der Tod Friedrichs I. in Kleinasien
- Dokumentation und Quellenlage zum Tod und zur Einbalsamierung
- Problematik der Grabstätte und historisch-archäologische Suchaktionen
- Entstehung und Wandel des Barbarossa-Mythos in der deutschen Geschichte
Auszug aus dem Buch
2. Der lange Marsch und Tod Friedrich Barbarossas
Trotz der akribischen Vorbereitung schien die Unternehmung unter keinem guten Stern zu stehen. Entgegen aller Vereinbarungen leisteten der byzantinische Kaiser und der Sultan von Iconium Widerstand. Im Herrschaftsbereich Isaac Angelos' hatten die Kreuzfahrer erheblich durch nächtliche Überfälle der Bevölkerung zu leiden. Vereinbarte Proviantdepots fehlten, und bei Philippopel kam es sogar zum Kampf mit byzantinischen Truppen. Aufgrund der dadurch verursachten immensen Verzögerung des Marsches - Friedrich war mittlerweile beinahe ein Jahr unterwegs - drohte das Geld auszugehen und der Kreuzzug Barbarossas geriet ernstlich in Gefahr. Erst eine eilends herbeigerufene Flotte aus Pisa drängte den byzantinischen Kaiser zum Einlenken.
Wie Isaac Angelos brach auch Kilidsch Arslan II. die Abmachungen, indem er Friedrichs Heer Nahrung verweigerte. In Iconium kam es zu Überfallen seldschukischer Reiter, sodass der Durchmarsch mit Waffengewalt erkämpft werden musste. Beide Herrscher hatten wohl angesichts des großen Kreuzfahrerheeres Angst um ihren Einfluss und ihre Besitzungen. Am 18. März 1190 errangen die Truppen Barbarossas einen großen Sieg über die Seldschuken, welcher sogar Sultan Saladin beeindruckte. Es sollte die letzte Schlacht des Kaisers sein... Bald darauf kam das Heer Friedrichs nach Armenien. Der dortige Herrscher Baron Leon war den Kreuzfahrern freundlich gesonnen und sicherte ihnen seine Hilfe zu. Barbarossa beabsichtigte, Leon zum König zu erheben und sein Land zu belehnen, um auf diese Weise Gebiete im Orient zu besitzen. In Seleuca an der Salephmündung war dazu ein gemeinsames Treffen geplant.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Vorstellung der historischen Bedeutung von Friedrich I. Barbarossa und Erläuterung der zentralen Fragestellung bezüglich seines Todes und Grabes.
1. Politische Situation in Deutschland und Vorbereitung des Kreuzzuges: Analyse der Machtverhältnisse im Reich und der akribischen Vorbereitungen, die Barbarossa als greiser Kaiser für das Unternehmen traf.
2. Der lange Marsch und Tod Friedrich Barbarossas: Darstellung der Schwierigkeiten auf dem Landweg und der kontroversen Quellenberichte über den Unfalltod des Kaisers im Fluss Saleph.
3. Die Beisetzung Friedrichs I. und das Ende des Kreuzzuges: Untersuchung der Bemühungen zur Überführung der sterblichen Überreste nach Jerusalem und die Ungewissheit über das endgültige Grab.
4. Der Mythos Barbarossa: Erörterung der legendären Überhöhung des Kaisers, insbesondere der Sage vom schlafenden Kaiser im Kyffhäuser, bis hin zur politischen Instrumentalisierung im 19. Jahrhundert.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Einflusses der Führungspersönlichkeit Barbarossas und der Unmöglichkeit, seine letzte Ruhestätte zweifelsfrei zu identifizieren.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Sekundärliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Friedrich I. Barbarossa, Dritter Kreuzzug, Staufer, Hochmittelalter, Saleph, Kyffhäuser, Legendenbildung, Beisetzung, Historische Quellen, Kaisertum, Mittelaltergeschichte, Kreuzfahrerheer, Mythos, Überreste, Reichsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den Tod des Kaisers Friedrich I. Barbarossa während des Dritten Kreuzzuges, die damit verbundenen Begräbnisbemühungen sowie die Mythen, die sich um seine Person ranken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Kreuzzugsvorbereitungen, die faktischen Umstände des Todes am Fluss Saleph, die Probleme bei der Leichenkonservierung und die spätere politische Mystifizierung des Kaisers.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historischen Umstände von Friedrichs Tod zu untersuchen, seine Beisetzungsetappen nachzuvollziehen und die Frage nach seinem Verbleib sowie der Entstehung der damit verbundenen Sagen zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Sekundärliteratur, zeitgenössischen Chroniken und historischen Forschungsberichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Vorbereitung, den beschwerlichen Marsch, die Beisetzungspraxis der Zeit sowie die spätere Verwandlung der historischen Figur zum nationalen Mythos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Barbarossa, Kreuzzug, Kyffhäuser, Staufer, Saleph, Kaisergrab, Sagenmotive, Mittelalter, Historische Legende, Machtanspruch.
Wie sicher ist die Quellenlage bezüglich des Todesortes?
Die Quellenlage ist widersprüchlich; einige Berichte deuten auf ein Bad im Fluss hin, während andere von einem Hitzschlag oder einem Unfall bei der Flussüberquerung sprechen, was den historischen Kontext des Todes unsicher macht.
Warum konnte das Grab von Barbarossa nie eindeutig gefunden werden?
Aufgrund der Zerstörung historischer Stätten (wie der Kathedrale von Tyrus durch ein Erdbeben) und der Tatsache, dass Leichenteile im Mittelalter häufig getrennt bestattet wurden, blieb eine eindeutige archäologische Identifizierung bis heute aus.
Welche Rolle spielt der Kyffhäuser in diesem Zusammenhang?
Der Kyffhäuser dient als Ort der nationalen Legendenbildung, in der Barbarossa als ruhender Kaiser stilisiert wurde, der darauf wartet, sein Volk in Zeiten der Not zu retten und zu neuer Einigkeit zu führen.
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- Martin Schröder (Author), 2004, Tod und Begräbnis Friedrich I. Barbarossa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36692