Alternativer Risikotransfer bei Naturkatastrophenrisiken. Untersuchung der Bedeutung der Verbriefung


Seminararbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

1. Alternativer Risikotransfer

2. Verbriefung des versicherungstechnischen Risikos

3. Entwicklung von Naturkatastrophenrisiken
4.1 Verbriefung von Naturkatastrophenrisiken
4.2 Naturkatastrophenanleihen in der Assekuranz

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In den vergangenen Jahren sind die gesamtwirtschaftlichen Schäden, verursacht durch Natur- katastrophen rapide angestiegen. Insbesondere ist dieser enorme Zuwachs auf den Klimawan- del zurückzuführen, welcher in den nächsten Jahren die Anzahl der Naturkatastrophenereig- nisse vermutlich weiterhin zunehmen lassen wird.1 Von drastischer Bedeutung ist hierbei nicht nur die erhöhte Frequenz der Katastrophenereignisse, sondern auch die überdurch- schnittliche Belastung für die Versicherungsunternehmen.2 Betrachtet man hier im vergange- nen Jahrzehnt die verursachten Schäden durch Hurrikane, Erdbeben, Tsunamis etc., ist es zu Schadensummen von hunderten Millionen USD, sowie Tausenden Toten gekommen.3 4 Um in Zukunft Millionen- und Milliardenbeträge decken zu können, steht für die Versicherungs- wirtschaft das Interesse im Vordergrund, die risikopolitischen finanziellen Mittel zu erwei- tern.5 6

Ziel der Arbeit ist es, den Alternativen Risikotransfer (ART), als risikopolitisches Instrument der Versicherungswirtschaft, zur Deckung von Naturkatastrophenrisiken anzuführen und zu analysieren, ob dieser eine Alternative zur traditionellen Rückversicherung bietet. Hierzu wird zunächst auf die Funktionsweise des ART und der Verbriefung eingegangen. Im nächsten Schritt werden die Entwicklung von Naturkatastrophen und deren Auswirkungen auf die As- sekuranz aufgegriffen. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der versicherungstech- nischen Abwicklung von Schadenfällen über den Kapitalmarkt anhand der Verbriefung von Naturkatastrophen. Im letzten Schritt, wird anhand der erlangten Erkenntnisse die Frage ge- klärt, ob der ART eine äquivalente Alternative zur traditionellen Rückversicherung darstellt.

1. Alternativer Risikotransfer

„Das Versicherungsgeschäft enthält als Kern den Risikotransfer vom Versicherungsnehmer auf den Versicherer, in anderer Formulierung den Transfer einer Schadenverteilung, gegen (tendenziell) feste Prämie.“7 Beim Risikotransfer liegt in der Erstversicherung meist ein ein- zelnes, definiertes Risiko vor, während in der Rückversicherung häufig im Kollektiv viele Risiken versichert sein können.8 Rückversicherung bedeutet, dass ein Erstversicherer „einen Teil der von ihm selbst übernommenen Risiken weiter an einen oder mehrere Rückversiche- rer“ gibt.9 Insbesondere bei dem ART, sind es meist Kumulrisiken, deren Risiken weiterge- geben werden, da hier ein einzelnes Schadenereignis gleichzeitig mehrere Schäden auslöst und somit mehrere Policen betrifft.10 Nimmt man hier als Beispiel eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben, werden durch dieses eine Ereignis mehrere Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen etc. verursacht. Naturkatastrophen treten meist zu unvorhergesehener Zeit und Größe ein und sind aufgrund unkalkulierbarer Einflussfaktoren schwer vorherzusagen.11 12 Hierdurch kön- nen Großschadenmöglichkeiten entstehen, welche sogar die Insolvenz mehrerer Versicherer bedeuten können.13 Somit ist die höchstmögliche Schadengröße als Kriterium der Versicher- barkeit in Relativität zur Größe des Versicherungsbestands sowie den risikopolitischen Mög- lichkeiten des Versicherungsmarktes zu sehen.14 Um in den Versicherungsbestand die Risi- ken von Großschadenmöglichkeiten einzuschließen, werden üblicherweise die Kapazitäten vieler Versicherer in Form von Mitversicherung, Rückversicherung oder Versicherungspools zusammengefasst.15 Um dennoch mehr von diesen Risiken in das Versicherungsportfolio auf- zunehmen, wird häufig von Versicherern der ART, als Instrument der versicherungstechni- schen Risikopolitik genutzt. Der Begriff Risiko selbst, bezieht sich weiterhin auf das versi- cherungstechnische Risiko. Die wirtschaftliche Interpretation dieses Risikos, ist die „Wahr- scheinlichkeitsverteilung von Ergebnissen wirtschaftlichen Handelns, darin besonders die un- günstigen Abweichungen im Sinne von Schäden.“16 Das Adjektiv alternativ bezieht sich bei dem Begriff ART auf den Risikoemittent, z.B. das Rückversicherungsunternehmen, und den Risikonehmer, z.B. den Kapitalmarktteilnehmer.

Der Kapitalmarktteilnehmer ist häufig ein sogenanntes „Special Purpose Vehicle“. Ein SPV ist eine Versicherungszweckgesellschaft. Nach § 121g VAG ist sie „eine Kapitalgesellschaft oder eine Personengesellschaft […], die kein bestehendes Erst- oder Rückversicherungsunter- nehmen ist und Risiken von Erst- und Rückversicherungsunternehmen übernimmt, wobei sie die Schadenrisiken vollständig über die Emission von Schuldtiteln oder einen anderen Finan- zierungsmechanismus absichert […].“17 Sie wird ausschließlich zum Zweck der Versiche- rungsrisikoverbriefung gegründet, damit die aufsichtsrechtlichen Bedingungen von Versiche- rungsunternehmen, siehe Kapitel 2, erfüllt werden. Das Investorenkapital wird in einem Zwi- schenunternehmen angelegt und dem Versicherungsunternehmen im Schadenfall ausgezahlt werden.18 Zudem wird bei einer Ausschüttung der Anleihe, nicht das ursprüngliche Unter- nehmen des Investors selbst belastet sondern lediglich das SPV. Somit weichen die Produkte des ART von der traditionellen Rückversicherung ab. Dies bedeutet volkswirtschaftlich eine Ausweitung der Erst- und Rückversicherungsmärkte auf die Finanz- und Kapitalmärkte.19 Durch die Expansion auf den Kapitalmarkt ist es den Versicherern möglich, für aufgenomme- ne Risiken liquide, finanzielle Mittel bereitzustellen.20 Im Hinblick auf Solvency II und die damit verbundenen Forderungen an Versicherungsunternehmen, hat diese Erweiterung der Liquidität positiven Einfluss auf deren Solvabilität, denn es müssen weniger Mittel aus dem Eigenkapital für Schadenzahlungen entnommen werden.21 Trotz der Übertragung des risiko- theoretischen Risikos an den Finanzmarkt, bleiben die rechtlichen Leistungspflichten beim Versicherer.22 Da hier nicht mehr die Technik des versicherungstraditionellen Ausgleichs im Kollektiv und in der Zeit Anwendung findet, erfolgt dieser meist über den Einsatz originärer Finanztitel.23 24

2. Verbriefung des versicherungstechnischen Risikos

Unter Finanzgeschäfte, welche Versicherungsunternehmen betreiben dürfen, fallen nach § 7 Abs. 2 VAG nur Geschäfte, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Versicherungsge- schäft stehen.25 Ein Zusammenhang liegt vor, wenn es sich um die Absicherung von Kurs- oder Zinsänderungsrisiken bei vorhandenen Vermögenswerten, späteren Erwerb von Wertpa- pieren oder zusätzlichen Erträge aus diesen handelt. Die Unterdeckung des gebundenen Ver- mögens darf hier nicht eintreten.26 Das Geschäft der Versicherer am Kapitalmarkt verfolgt den Zweck, Sicherheit, Profitabilität und Rentabilität zu schaffen um nach §§54ff VAG, den Verpflichtungen aus Versicherungsverträgen nachzukommen.27 28 In der Assekuranz werden sowohl verschiedene Arten von Verbriefungstransaktionen, als auch Finanzinstrumente als „Insurance - Linked Securitization“ (ILS) oder „Risk Securitization“ bezeichnet.29 Häufig findet die Verbriefung von Versicherungsrisiken durch Anleiheemissionen, auch Insurance - Linked Bonds (ILB), zu Deutsch „Versicherungsanleihen“, statt.30

Diese werden von Versicherungsunternehmen als kapitalmarktspezifisches Instrument ver- wendet, um vorwiegend die beschränkten Zeichnungskapazitäten und die Grenzen der Versi- cherbarkeit von Rückversicherern zu erweitern.31 32 So ist es diesen möglich, Risiken in ihr Portfolio aufzunehmen, welche entweder für gewöhnlich nur begrenzt gedeckt werden kön- nen oder eine zu hohe Prämienleistung für den Kunden voraussetzen würden.33 Über die Emission eines versicherungstechnischen Risikos entstehen die sogenannten festverzinslichen ILB’s. Üblich ist hier, dass der Investor einen Anspruch auf Rückzahlung des eingesetzten Kapitals im Nominalwert, auch „Principal“ genannt, hat. Zudem wird eine Zinszahlung, „Coupon“, vereinbart. Das versicherungstechnische Risiko kann hier je nach vertraglicher Vereinbarung an den Principal oder den Coupon gebunden werden.34 Für Emittent und Inves- tor wird im Voraus vertraglich ein Zeitraum festgelegt, in welchem die Entschädigungszah- lungen oder die Kapitalrückzahlungen und Zinszahlungen geleistet werden müssen.35

Diese Rückzahlungen an den Investor sind abhängig vom positiven oder negativen Schadenverlauf des versicherungstechnischen Risikos.36 37

Findet kein Schadenereignis statt, erfolgt die Rückzahlung des Nominalwerts und des verein- barten Zinsbetrags vollständig. Für diesen Fall werden vom Emittenten bereits im Voraus die- se Werte in Form eines Treuhandvermögens zur Verfügung gestellt, um die Zahlungsforde- rungen der Anleiheinvestoren erfüllen zu können oder diese für anfallende Schadenzahlungen zu nutzen.38 Bei einem negativen Schadenverlauf innerhalb des Vertragszeitraums, wird vom Versicherer der Nominalbetrag des ILB’s genutzt um die eingetretenen Schäden zu finanzieren.39 Je nach Schadengröße erhält der Investor entweder lediglich einen Teil des Kapitals oder keine Kapitalrückzahlung.40 Ist das Risiko vertraglich nur an den Coupon gebunden entfällt ausschließlich die Zinszahlung.41

3. Entwicklung von Naturkatastrophenrisiken

Für den Katastrophenbegriff gibt es unzählige von der Gesellschaft geprägte Definitionen. Um hier abzugrenzen, werden im Rahmen dieser Arbeit lediglich Eigenschaften genannt, die aus versicherungstechnischer Sicht von Bedeutung sind. Zu unterscheiden sind sogenannte Man-Made-Katastrophen, welche durch direkten Einfluss von Menschen verursacht werden, und Naturkatastrophen (NatCats) verursacht durch Elementarrisiken.42 Zu den Man-Made- Katastrophen gehören z.B. Umwelt,- Explosions, - Politik, - Verkehrs, und Gentechnikkata- strophen etc.43 Das Terrorrisiko fällt ebenfalls hierunter, ist aber aufgrund seiner schweren Einschätzbarkeit schwierig an den Kapitalmarkt zu transferieren.44 Naturkatastrophen können in vier verschiedene Extreme unterschieden werden. In geophysikalische Ereignisse, wie z.B. Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche. In meteorologische Ereignisse, wie tropische/- außertropische Stürme, konvektive Stürme und lokale Stürme. In hydrologische, wie Über- schwemmungen und , und zuletzt in klimatologische Ereignisse, wie Extremtemperaturen, Dürre und Waldbrände.45 46

In der folgenden Statistik der Münchener Rückversicherung, siehe Abb.1, ist gut sichtbar, dass die Schadenereignisse bedingt durch Naturkatastrophen seit 1980 deutlich angestiegen sind. In der Graphik sind lediglich Schäden verzeichnet, verursacht durch Elementarrisiken. Folgende Indikatoren verdeutlichen die Ursachen des extremen Anstiegs der Anzahl an Naturkatastrophen in den letzten 35 Jahren.

[...]


1 Vgl. Münchener Rückversicherungsgesellschaft (2015a).

2 Vgl. Kuck (2000), S. 59.

3 Vgl. Münchener Rückversicherungsgesellschaft (2015b).

4 Ebenda.

5 Vgl. Kuck (2000), S. 60.

6 Vgl. Greiser (2010), S. 70.

7 Vgl. Farny (2011), S. 40.

8 Vgl. Farny (2011), S. 40.

9 Ebenda S. 449.

10 Ebenda S. 85.

11 Vgl. Brühwiler (1994), S. 251.

12 Vgl. Greiser (2010), S. 113.

13 Ebenda S. 116.

14 Vgl. Farny (2011), S. 38.

15 Ebenda S. 38-39.

16 Ebenda S. 32.

17 VAG § 121g Abs. 1, Satz 1.

18 Vgl. Farny (2011), S. 42.

19 Vgl. Kuck (2000), S. 58.

20 Vgl. Greiser (2010), S. 70.

21 Ebenda S. 74

22 Ebenda S. 49.

23 Ebenda S. 38.

24 Vgl. Liebwein (2009), S. 434.

25 VAG § 7 Abs. 2, Satz 1.

26 VAG § 7 Abs. 2, Satz 2.

27 VAG §§ 54 ff.

28 Vgl. Greiser (2010), S. 73-74.

29 Ebenda S. 30.

30 Ebenda S. 32.

31 Ebenda S. 70.

32 Ebenda S. 115.

33 Ebenda S. 69.

34 Vgl. Liebwein (2009), S. 466.

35 Vgl. Greiser (2010), S. 72.

36 Ebenda S. 32.

37 Vgl. Farny (2011), S. 41.

38 Vgl. Greiser (2010), S. 72.

39 Vgl. Nguyen, (2007), S. 237.

40 Vgl. Liebwein (2009), S. 466.

41 Vgl. Pusch (2009), S. 51-52.

42 Vgl. Greiser (2010), S. 112.

43 Vgl. Kuck (2000), S. 9.

44 Vgl. Greiser (2010), S. 113.

45 Vgl. Münchener Rückversicherungsgesellschaft (2015c), S. 3.

46 Vgl. Kuck (2000), S. 12.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Alternativer Risikotransfer bei Naturkatastrophenrisiken. Untersuchung der Bedeutung der Verbriefung
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin  (Fachbereich 2)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V366946
ISBN (eBook)
9783668456365
ISBN (Buch)
9783668456372
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alternativer, risikotransfer, naturkatastrophenrisiken, untersuchung, bedeutung, verbriefung
Arbeit zitieren
Saskia Hofbauer (Autor), 2015, Alternativer Risikotransfer bei Naturkatastrophenrisiken. Untersuchung der Bedeutung der Verbriefung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366946

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