Die Ausbreitung des Neoliberalismus und die Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

16 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Neoliberalismus
2.1. Geschichte des Neoliberalismus
2.2. Ethnologie und Neoliberalismus

3. Neoliberalismus und Entwicklungszusammenarbeit
3.1. Was ist Entwicklung?
3.2. System der Durchsetzung der neoliberalen Lehre
3.3. Auswirkungen auf die Entwicklungszusammenarbeit

4. Fazit und Ausblick

Bibliographie

1. Einleitung

Die ökonomische Lehre des Neoliberalismus prägt die politischen, wirtschaftlichen und so-zialen Dimensionen nun schon bereits seit Anfang der 1980er Jahre. Mit der Ablösung des Keynesianismus wurde eine neue wirtschaftliche Strategie übernommen, die seitdem die Strukturen und Beziehungen in unserer Gesellschaft formt. Eine Theorie, die nicht nur auf öko-nomischer Ebene von einschlägigen Veränderungen gekennzeichnet ist, sondern auch unser Denken, unsere Ansicht über die Welt und unsere Werte verändert. Deswegen ist die Thematik von großer Bedeutung für die Ethnologie.

Die vorliegende Arbeit widmet sich folgender Thematik: Die Beziehung zwischen dem Neoliberalis-mus und der Entwicklungszusammenarbeit. Was ist Entwicklung im neoliberalen Sinne? Es soll unter-sucht werden, ob sich in der Entwicklungszusammenarbeit durch das Aufkommen des Neoliberalis-mus ebenfalls eine Wandlung vollzogen hat.

Zuerst soll die Geschichte des Neoliberalismus skizziert werden und eine prägnante Definition gege-ben werden. Im Anschluss daran soll der ethnologische Blick auf den Neoliberalismus näher betrach-tet und die bestehenden Entwicklungskonzepte dargestellt werden. Bevor die Auswirkungen bespro-chen werden, sollen die Mechanismen genannt werden, die zur Durchsetzung und Ausweitung der neoliberalen Theorie benutzt werden. Zum Schluss werden die konkreten Auswirkungen des neolibe-ralen Handelns in Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit beleuchtet.

2. Neoliberalismus

2.1. Geschichte des Neoliberalismus

Für ein besseres Verständnis im Hinblick auf die vorliegende Thematik ist es unabdingbar, eine prägnante Definition des Neoliberalismus aufzustellen und dessen Geschichte kurz zu skizzieren. Der Neoliberalismus entstammt aus dem Kreis der Mont Pèlerin-Gesellschaft, die als ein Think Thank deklariert werden kann. Eine Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern, wie Ludwig von Mises, Milton Friedman und dem Philosophen Karl Popper reihen sich in dieser Gruppierung neben dem politischen Philosophen Friedrich von Hayek ein. Gemeinsam entwickelten sie die neoliberale Wirtschaftslehre mit dem Ziel, die klassischen Theorien von Adam Smith und allen voran Karl Marx zu verdrängen (Harvey 2007, 31-32). Die Theorie wandte sich gegen den Staatsinterventionismus und war überzeugt von einem Konkurrenz-prinzip, das in der Wirtschaft vorherrschen muss, um die Produktivität zu steigern. Der Markt wird als ein freier Raum erachtet, in dem Wissens- und Entdeckungsprozesse stattfinden.

Der Think Thank wurde bereits im Jahr 1947 gegründet, der Ansatz des Neoliberalismus blieb jedoch erst lange bei diesem und galt als Randerscheinungen. Der Durchbruch wird auf das Jahr 1979 datiert. In diesem Jahr gewann Margareth Thatcher die Wahlen in Großbritannien und ein Jahr später löste Ronald Reagan den damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter, ab. Diese vertraten die Überzeugung der ökonomischen Lehre und setzten die Ideen wie den Abbau des Sozialstaates und Deregulierungsprogramme um, damit der Markt sich selbst entfalten kann. Seit diesem Zeitpunkt, war der Neoliberalismus ein Charakteristi-kum der westlichen Politik und wurde als globale wirtschaftspolitische Strategie angewandt. Er galt als Leitlinie für die kapitalistische Welt (Nordmann 2005,17).

Eine Definition des Neoliberalismus aus einer wirtschaftlichen Perspektive lautet: ,, Den-krichtung des Liberalismus, die eine freiheitliche, marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung mit den entsprechenden Gestaltungsmerkmalen wie privates Eigentum an den Produkti-onsmitteln, freie Preisbildung, Wettbewerbs- und Gewerbefreiheit anstrebt, staatliche Ein-griffe in die Wirtschaft jedoch nicht ganz ablehnt, sondern auf ein Minimum beschränken will‘‘ (Pollert, Kirchner und Polzin 2010, 34).

Nachdem nun der Neoliberalismus kurz ausgeführt und definiert wurde, soll im nächsten Kapitel die Perspektive der Ethnologie auf die ökonomische Lehre beleuchtet werden.

2.2. Ethnologie und Neoliberalismus

Um Entwicklungszusammenarbeit und Neoliberalismus vergleichen zu können, sollen die Ansätze des Neoliberalismus aus einer ethnologischen Sichtweise im Folgenden ausgeführt werden.

In den letzten 15 Jahren ist der Neoliberalismus zum Gegenstand von vielen ethnologischen Forschungen und Aufsätzen geworden. Viele davon beschäftigen sich mit den Konsequenzen und den Veränderungen der sozialen Beziehungen, die durch die neoliberale Lehre für die Gesellschaft einhalten. Fragen nach der Verwirklichung und Umsetzung des Neoliberalismus geraten dabei ebenso in den Interessenfokus der Ethnologie. Warum ist der Neoliberalismus, eine Wirtschaftsreform, die den Keynesianismus ablöste, überhaupt relevant für die Ethno-logie? Der Neoliberalismus ist viel mehr als eine reine Wirtschaftsideologie, sie reicht viel weiter und betrifft die verschiedensten Dimensionen. Unser Handeln, unsere Sprache und unser Verständnis von Menschen und der Welt. Bestehende soziale Beziehungen werden aufgebrochen und verändert, Institutionen befinden sich durch die Umstrukturierungspro-gramme in einem Wandel. Die Ethnologie hat sich zur Aufgabe gemacht diese Dimensionen, die nicht von wirtschaftlicher Natur sind, zu beleuchten (Hilgers 2010, 351). ,,Neoliberalism has emerged in social anthropology as a central ‘explanatory trope’, a buzzword, and as a ‘master concept’ informing many ethnographies concerned with the world’s contemporary condition.” (Münster uns Strümpell 2014 , 3).

Man differenziert zwischen drei verschiedenen Definitionen oder Auffassungen des Neolibe-ralismus in der Ethnologie: Neoliberalismus als Kultur, Neoliberalismus als System und Neo-liberalismus als Regierungsform. Es gibt Grundannahmen, die von allen drei Ansätzen aufge-griffen werden. Eine allgemeingültige und feststehende Definition des Neoliberalismus, die kollektiv geteilt wird, ist jedoch nicht vorhanden. Entscheidend ist immer von wem und in welchem Kontext der Ausdruck ,,Neoliberalismus“ benutzt wird. Alle teilen in etwa die gleiche Annahme des Phänomens: ,,They apply the term to a radicalised form of capitalism, based on deregulation and the restriction of state intervention, and characterised by an op-position to collectivism, a new role for the state, an extreme emphasis on individual respon-sibility, flexibility, a belief that grows leads to development, and a promotion of freedom as a means to self-realisation that disregards any questioning of the economic and social condi-tions that make such freedom possible.” (Hilgers 2010, 352). Ein weiterer Aspekt, in dem sich die Vertreter der verschiedenen Ansätze übereinstimmen, ist die Differenzierung zwischen der Theorie des Neoliberalismus und der praktischen Ausübung des Neoliberalismus. Sie vereinen sich in einem gemeinsamen Ziel, die Produktion und Reproduktion in Gesellschaf-ten, wie auch die Verbreitung der neoliberalen Lehre zu erklären. Das Interesse an den Me-chanismen, die zur Verbreitung von Kultur verwendet werden, beschäftigt die Ethnologie schon seit dem 20. Jahrhundert.

Im Folgenden werden die drei Auffassungen des Neoliberalismus, die in der Ethnologie vor-herrschen, skizziert. Die erste Annahme versteht den Neoliberalismus als eine eigene Kultur. Diese beschäftigt sich mit einer Reihe von Annahmen, die charakteristisch sind für die neoli-berale Beziehung zu der Welt. Kultur wird als etwas Formbares, immer im Wandel Befinden-des gesehen, welche auch die politische Richtung bestimmt. Wichtige Vertreter dieser Auf-fassung waren John und Jean Comaroff, die als Ideengeber und Vordenker in vielen Teilge-bieten der Ethnologie gelten. Sie beschreiben in ihrer Publikation, mit dem Titel ,,Millenial

Capitalism‘‘ (Comaroff und Comaroff 2000), eine neue globale Kultur, die auf dem Vor-marsch ist. Die Ethik des Neoliberalismus beschreiben sie wie folgt: ,,A culture is shaped by an ethics of life,…,the ethics of neoliberalism rests on the belief that it is possible to produce wealth almost by magic.‘’ (Hilgers 2010, 353) Ansätze in der Ethnologie, die Neoliberalismus als eigenständige Kultur behandeln, beschäftigen sich häufig mit der Zunahme von okkulten Praktiken im Zuge des Aufkommens der ökonomischen Lehre. Darüber hinaus wird das Weltbild der Kultur untersucht.

Andere Ethnologinnen und Ethnologen begreifen den Neoliberalismus als ein System. Neoli-beralismus ist ein System oder eine Struktur, das ein Netzwerk von Beziehungen zwischen verschiedenen Akteuren in der sozialen Sphäre konstituiert. Es wird davon ausgegangen, dass die Entwicklung einer neoliberalen Gesellschaft systematischen Regeln unterliegt. Wie werden die Veränderungen wahrgenommen? Ein Beispiel hierfür ist, dass der vorherrschen-de aktive Sozialstaat, welcher im Keynesianismus von Bedeutung war, zu einem neoliberalen Obrigkeitsstaat umgewandelt wird. Ein Wirtschaftssystem wird abgelöst von einer neuen Form und verändert die Strukturen des Handelns des Staates. Diese Änderungen haben ei-nen direkten Einfluss auf die Gesellschaft, es entstehen neue Strukturen, die eine Herstel-lung von Ungleichheit in der Gesellschaft fördern. Gekennzeichnet war der Wandel durch das Kürzen der Sozialleistungen, sprunghaftem Kapital und flexiblem Arbeiten. Durch Ansät-ze, die Neoliberalismus als eine Art Struktur wahrnehmen, können Erklärungen gefunden werden für die steigende Kluft zwischen Arm und Reich.

Neoliberalismus als eine Art Regierungsform zu kennzeichnen und zu untersuchen, ist in an-deren ethnologischen Ansätzen zu finden, die den Neoliberalismus als Untersuchungsgegen-stand ihrer Arbeit haben. Die Inspiration des Ansatzes entstammt durch die Werke Foucaults. Neoliberalismus wird hier nicht als Theorie wahrgenommen, sondern als ein In-strument oder Werkzeug. Foucault bezeichnet den Neoliberalismus als eine Art Instrument der Regierung, um maximale Wirtschaftsleistungen zu erzielen. Der Ausdruck Neoliberalis-mus wird erst als moralisch neutraler Ausdruck angesehen und gewinnt seine Bedeutung erst durch das Handeln der Regierung. Viele Arbeiten, die Neoliberalismus als eine Regie-rungsform ansehen, beschäftigen sich mit der Frage: Wie schafft die Regierung es, neolibera-le Werte zu vermitteln? Die Regierung setzt auf Eigenverantwortung der Individuen und ver- ziert die Welt mit Begriffen des Wettbewerbs. Die Selbstverwirklichung wollen sie durch die Vergabe von Krediten steuern, schaffen so auch ein Abhängigkeitsverhältnis für eine optima-le Produktivität.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Ausbreitung des Neoliberalismus und die Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V366958
ISBN (eBook)
9783668456525
ISBN (Buch)
9783668456532
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungszusammenarbeit, Neoliberalismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die Ausbreitung des Neoliberalismus und die Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366958

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