Von der Landnahme zur Staatenbildung Israels. Die biblische Zeit der Richter


Essay, 2016

7 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

EINLEITUNG

Das Richterbuch behandelt die Ereignisse der Zeit zwischen Landnahme und Staatenbildung Israels. Die Geschichte Israels war zwischen der Landnahme und Staatenbildung ein unablässiges Auf und Ab, eine beständige Wiederkehr von Zeiten des Abfalls von Jahwe, der Strafe, der Errettung und des Friedens. Die Israeliten taten was Jahwe missfiel; sie verehrten die Baalgottheiten des Kulturlandes und die Götter anderer Völker und reizten Jahwe dadurch zum Zorn. Die Strafe folgte sofort und Jahwe gab sie in die Hand äußerer Feinde, die sie bedrängten, knechteten und ihre Existenz bedrohten. Daraufhin schrien die Israeliten zu Jahwe um Hilfe und er erbarmte sich ihrer und erweckte ihnen Helden, Rettergestalten, denen es gelang die Gefahr zu bannen und die Feinde zu vertreiben. Nach einer Zeit des Friedens begannt der Abfall von neuem wieder und wieder bis zur Staatenbildung.

Nach W. Richter ist das Richterbuch ein „Retterbuch aus der zweiten Hälfte des 9. Jh. V. Chr.

STAATENBILDUNG ISRAEL

Es ist hinreichend deutlich, dass die israelitischen Stämme eine längere Zeit im Zustand der Staatenlosigkeit verharrten. Für die Gründe gibt es verschiedene Erklärungen:

Zum einen ist die besondere Lebensform von den israelitischen Stämmen zu bedenken. Israel war ein Verband von Stämmen, welcher untereinander nicht Spannungsfrei, politisch sehr locker zusammengefügt war und das gemeinsame Ziel der Verehrung des Gottes Jahwe hatte. Dieser Verband überließ sämtliche Sorgen den einzelnen Sippen und Stämmen selbst, dass sie sich selbst um die Lösung der Probleme zu kümmern hatten. Israel überließ seinem Gott Jahwe die Errettung des Volkes aus der Gefährdung, welcher von Fall zu Fall die sogenannten Charismatiker erweckte, die die Gefahren von Israel abwandten. Aus diesem Grund bestand keine Notwendigkeit darin, die Stämme zu einem Nationalstaat zusammenzufassen.

Zum anderen müssen Hemmungen gegen Staatenbildung und die eines Königtums vorhanden gewesen sein, welche sich wohl auf den theokratischen Herrschaftsanspruchs Jahwes zurückführen lässt. So als Überzeugung, dass Israel keines Königs bedürfe, da es den Gott König Jahwe habe. Dieses wird in Richter 8,22-23 bezeugt, wo es heißt: »Und die Männer von Israel sagten zu Gideon: Herrsche über uns, sowohl du als auch dein Sohn und deines Sohnes Sohn! Denn du hast uns aus der Hand Midians gerettet. Gideon aber sagte zu ihnen: Nicht ich will über euch herrschen, auch mein Sohn soll nicht über euch herrschen. Der HERR soll über euch herrschen.« Hier wird die Bindung Israels an den Willen und den Herrschaftsanspruch seines Gottes Jahwe sichtbar. Trotzdem ist es in Israel später dann doch zur Staatenbildung gekommen.

Es erfolgte zunächst ein versuch der Staatenbildung durch den Manassisten Abimelech, welcher ein Sohn des Jerubbaals oder auch Gideon genannt war. Er versuchte ein Herrschaftsgebilde aus dem kanaanäischen Stadtstaat von Sichem und dem Gemeindewesen Ophra, welches von manassistischen Ortsältesten geleitet wurde, zu bilden.Welches ihm auch zunächst gelang. Es dauerte auf jeden Fall nicht lange bis Empörung der Sichemiter ausbrach, da Abimelech sich die Herrschaft gewaltsam aneignete. Dies führte zuletzt auch dazu das Abimelech mit Waffengewalt gegen Sichem vorging und sich somit selbst angriff und dadurch sein Herrschaftsgebilde zerbrach. Schließlich zog Abimelech sich zurück und starb durch eine Belagerung von Tebez, eine Frau warf ihm einen Mühlstein auf den Kopf, ein Diener gab ihm den Gnadenstoß, sodass er nicht durch die Hand einer Frau starb.

Der Fall Abimelechs wird höchstwahrscheinlich dazu beigetragen haben, dass die anti königliche Tendenz Israels anstieg.

Da Israel somit wahrscheinlich keine eigene Interesse dazu hatte einen Staat zu gründen müssen andere Umstände die Volksgruppen dazu bewegt bzw. gezwungen haben. Und in der Tat muss das erste israelitische Staatswesen ein Notprodukt gewesen sein. Die Bedrohung die den Stämmen begegnete wird nicht das zur Zeit vorderorientalische Großreich am Niel und Mesopotamien gewesen sein, denn die Reiche befanden sich zu jener Zeit in einem Zustand der Schwäche, sondern die Bedrohung kam von den Philistern. Denn von der Bedrohung anderer Feinde um Israel her haben sich die Stämme bereits durch die von Jahwe berufenen Charismatiker befreit.

Die Philister waren zur zeit Ramses III. Und seiner Nachfolger in den Südteil der palästinischen Küstenebene gekommen. Als die Macht Ägyptens aufs Nilland zurücksank, fühlten sie sich als die Nachfolger der ägyptischen Herrschaftsordnung in Palästina. Die Philister nahmen die Küstenebene bis zum Karmel ein und drangen bis zum Hügelland und Aphek vor. Dort kam es dann zum ersten größeren Zusammenstoß mit einer israelitischen Streitmacht. Israel wurde hart geschlagen und die Lade Jahwes geriet als Beute in die Hände der Philister. Danach tauchten die Philister auch in der südwestlich von Jerusalem gelegenen Stadt Kegila auf. Letztendlich eroberten sie das Gebirge und richteten dort feste Posten zur Herrschaftsausübung und Kontrolle ein. In Geba, am Paß von Michmas und im judäischen Bethlehem. Aus diese Bedrohung der Philister, die im Gegegensatz zu früheren Bedrohungen nicht mehr punktuell sondern andauernd war, ist die israelitische Staatenbildung entsprungen.

Der ausschlaggebende Grund zur Staatenbildung, war die Unzufriedenheit mit der Art, wie Samuels Söhne – welcher zu der Zeit Richter und Prophet war - ihr Richteramt ausübten. Diese veranlassten die Ältesten Israels dazu Samuel darum zu bitten einen König über Israel einzusetzen. Wie auch andere Völker einen solchen König haben. Diese bitte richtete sich direkt gegen Jahwe, den eigentlichen König Israels. Trotzdem gab Jahwe dem Samuel den Auftrag der Bitte des Volkes nachzugehen. Jahwe möchte das Israel seine eigenen Erfahrungen aus dieser Situation zieht. Er weiß natürlich das es schlechte Erfahrungen sein werden und warnt deshalb das Volk Israel durch den Mund Samuels (1. Samuel 8, 11-18): »und sprach: Das wird des Königs Recht sein, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen für seinen Wagen und seine Gespanne, und dass sie vor seinem Wagen herlaufen, und zu Hauptleuten über tausend und über fünfzig, und dass sie ihm seinen Acker bearbeiten und seine Ernte einsammeln und dass sie seine Kriegswaffen machen und was zu seinen Wagen gehört. Eure Töchter aber wird er nehmen, dass sie Salben bereiten, kochen und backen. Eure besten Äcker und Weinberge und Ölgärten wird er nehmen und seinen Großen geben. Dazu von euren Kornfeldern und Weinbergen wird er den Zehnten nehmen und seinen Kämmerern und Großen geben. Und eure Knechte und Mägde und eure besten Rinder und eure Esel wird er nehmen und in seinen Dienst stellen. Von euren Herden wird er den Zehnten nehmen und ihr müsst seine Knechte sein. Wenn ihr dann schreien werdet zu der Zeit über euren König, den ihr euch erwählt habt, so wird euch der HERR zu derselben Zeit nicht erhören.«

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Von der Landnahme zur Staatenbildung Israels. Die biblische Zeit der Richter
Hochschule
Theologisches Seminar des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden K.d.ö.R
Note
3,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
7
Katalognummer
V367017
ISBN (eBook)
9783668456921
ISBN (Buch)
9783668456938
Dateigröße
856 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Richter, Bibel, Richterbuch, Buch der Richter, Altes Testament, Jaweh, Gideon, Abimelech, kleine Richter, Simson, Saul, große Richter, Charismatiker, Israel, Otniel, Ehud, Schamgar, Debora, Barak, Tola, Jair, Jiftach, Ibzan, Elon, Abdon, JHWH
Arbeit zitieren
Joel Overbeck (Autor), 2016, Von der Landnahme zur Staatenbildung Israels. Die biblische Zeit der Richter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367017

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