Körpererfahrung am Beispiel Fußball


Hausarbeit, 2004
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Körpererfahrung und Schulsport
3.1. Bestandsaufnahme
3.2. Legitimation und Notwendigkeit der Körpererfahrung

4. Körpererfahrung und Sportspiele
4.1. Lässt sich der Körper in Sportspielen erfahren?
4.2. Körpererfahrung im Fußball

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Immanuel Kant sagte einmal, dass die Quelle aller Erkenntnis die Erfahrung sei. Das mag wohl soviel heißen, dass ich erst durch eine Ansammlung von Erfahrungen mit etwas meine Erkenntnisse und Schlüsse über etwas erreiche. Gleiches muss folglich auch für die Erfahrung mit dem Körper gelten: Nur durch individuelle Körpererfahrungen bekomme ich Erkenntnisse über mich selbst und meine Umwelt. Um diese These soll es in der vorliegenden Arbeit gehen, jedoch speziell angewandt auf den Sportunterricht und die Sportspiele.

In einem ersten Schritt möchte ich vorab eine kurze Bestandsaufnahme umreißen, in der es darum gehen soll, wie es eigentlich um die Körpererfahrung im Schulsport bestellt ist- leider ist es vermutlich eher so, dass dies im Schulsportalltag eher zu kurz kommt. Als Schlussfolgerung darauf möchte ich zeigen, warum es aber so enorm wichtig ist, und immer wichtiger werden wird, sportliche Körpererfahrungen zu machen.

Den Hauptteil der Arbeit will ich aber den Sportspielen und den in ihnen liegenden Möglichkeiten der Körpererfahrung widmen. Diese sollen danach am Beispiel Fußball konkret und praxisbezogen erläutert werden.

Bei der ganzen Bandbreite des Themas, die hier in Abschnitt 3 nur auszugsweise, aber hoffentlich schlüssig, bearbeitet wird, muss man sich eines stets vor Augen führen: Körpererfahrungen sind keine linearen Prozesse. Sie können für den Betroffenen auch Problemstellungen und Irrwege bedeuten, die aber für das Ziel der Erfahrung mehr als hilfreich sind. Diese Auffassung legen Brodtmann und Landau1 ihrer Forderung zu Grunde, dass im Sportunterricht dazu übergegangen werden solle, an Problemen und ursprünglichen Phänomenen zu lernen.

Die Frage nach Körpererfahrungen in den Sportspielen ist deshalb so spannend, weil in ihnen, anders als in manchen Individualsportarten (besonders im Turnen), die ursprüngliche Eigenschaft des Sports, nämlich völlig zweckfrei zu sein und um seiner selbst Willen betrieben zu werden2, zum Tragen kommt. Schaut man sich einmal fußballspezifische Bewegungen und Regeln an, stellt man fest, dass beispielsweise der Torschuss keine Bewegung mit Alltagsbezug, und schon gar nicht mit alltäglichem Nutzen ist.

Es wird aber zu zeigen sein, dass auch bei etwas scheinbar Zweckfreiem, Körpererfahrungen gemacht werden können.

3. Körpererfahrung und Schulsport

3.1. Bestandsaufnahme

Ganz banal gesehen, bietet natürliche jede sportliche Betätigung, jeder Sportunterricht dem Schüler gewisse Erfahrungsmöglichkeiten mit seinem Körper aufgrund des Handelns an sich. Versteht man den Begriff jedoch umfassender, nämlich dass jeder körperlichen Erfahrung eine bewusste Wahrnehmung zu Grunde liegen sollte3 und zwar in der Art und Weise, dass der Schüler vor ein Bewegungsproblem4 gestellt wird und dieses in einen Sinnzusammenhang einordnet, muss man leider feststellen, dass der heutige Sportunterricht diese Definition von Körpererfahrung oft nicht berücksichtigt.

Jürgen Funke reklamiert drei pädagogische Grundpfeiler für den Sportunterricht:

Neben Bewegung und Spielen eben auch die Körpererfahrung.5 Oft „bricht“, um bei Funkes Bild zu bleiben, der letzte Pfeiler im Sportunterricht weg, und Bewegung und Spielen werden zur reinen Übernahme vorgefertigter Bewegungsabläufe, „Problemlosigkeit wird zum methodischen Ziel.“6 In der Lehrmethode, Bewegungen so durchzuführen wie der Könner oder das Idol, werden diese als Ist-Zustand vorgegeben, und dem Schüler somit die Möglichkeit genommen, den Weg hin zur fertigen Bewegung, den auch der Könner einst gehen musste, selber zu gehen. Er kann sich nicht die Frage stellen, was er tun muss, um gewisse Effekte zu erzeugen, und erfährt nicht, ob die jeweilige Bewegungslösung für ihn individuell überhaupt die erfolgversprechendste ist.

Auch hinsichtlich der Sportspiele ist der Sportunterricht bezüglich bewusster Erfahrung und Wahrnehmung defizitär. Oft werden zerkleinert fertige Techniken erlernt, die aus dem Bedeutungszusammenhang gerissen sind.7 Der Schüler macht keine Erfahrung mit den Problemen in bestimmten Spielsituationen.

Hier ist aber das komplette Gegenteil, unreflektiert nur spielen zu lassen, ebenso wenig hilfreich, aber leider oft Gang und Gäbe.

Die vier Möglichkeiten, wie der Körper im Sportunterricht erfahren werden kann8, kommen nur dann zum Tragen, wenn sich der Schüler seine Bewegungen und seine damit verbundenen Wahrnehmungen bewusst macht, und dafür bietet der Sportunterricht oftmals leider zu wenig Möglichkeiten, zu wenig Methoden aber auch zu wenig Zeit.

3.2. Legitimation und Notwendigkeit der Körpererfahrung

Die Notwendigkeit, im Sportunterricht mehr auf Körpererfahrungen wert zu legen, ergibt sich in gewisser Weise aufgrund eines Stichwortes: Primärerfahrungen. Um den Kreis zu schließen, möchte ich hier im folgenden von primären Körpererfahrungen sprechen.

Der in 1. bereits zitierte Dietrich Kurz spricht in selbigem Aufsatz davon, dass es lange Zeit keine pädagogische Begründung des Sports gab. Das mag zu einer Zeit gewesen sein, als Kinder im Vor- und Grundschulalter noch primäre Körpererfahrungen machen konnten, machen durften. Wann dies aufhörte bzw. zumindest weniger wurde, ist sicherlich nicht zu datieren, sondern eher als diachronischer Prozess zu sehen. Fest steht aber, dass die Möglichkeit, solche Erfahrungen zu machen, in der heutigen Playstation- und Vivajugend zunehmend abnimmt. Es machen eben immer weniger Kinder und Jugendliche die außerschulischen Erfahrungen, beispielsweise auf Kletterlandschaften auf Spielplätzen zu spielen, mit dem Schlitten Abhänge hinabzufahren, auf Mauern zu balancieren, im Wald zu sein, oder auf einem Hinterhof gegen eine Wand zu „kicken“. Die Schule ist also gefordert, diese Lücke zu schließen. In einer Zeit, in der Kinder immer weniger körperliche Fähigkeiten mit in die Schule bringen, wird der „Sport als Ersatz für den Mangel an unmittelbaren Erfahrungen“9 notwendig. Geht man noch einen Schritt weiter, legitimiert sich die verlorengegangene Körpererfahrung im Sportunterricht nicht nur dadurch, dass Kinder jene nicht mehr ausreichend erwerben, sondern sogar dadurch, dass in unserer Gesellschaft Handlungsziele mit möglichst immer geringerem körperlichen Aufwand betrieben werden sollen.10

Gründe wie die zunehmende Übergewichtigkeit und die vornehmlich passiven Einflüsse, wie Fernsehen, Internet etc., die auf die Kinder und Jugendliche einwirken und die aktiven, körperlichen Einflüsse abstumpfen lassen, seien hier nur erwähnt. Aber auch sie zeigen deutlich die Notwendigkeit der Körpererfahrung im Sportunterricht.

4. Körpererfahrung und Sportspiele

4.1. Lässt sich der Körper in Sportspielen erfahren?

„[...] Die traditionellen Sportarten sind reicher und tiefer mit

Erfahrungsmöglichkeiten ausgestattet, als die Art sie zu betrachten und sie zu lehren gegenwärtig zugänglich macht.“11 Geht man von dieser Auffassung aus, so schlummert auch in den gängigen Sportspielen ein großes Potential, den eigenen Körper zu erfahren; und das trotz der eigentlichen, bereits erwähnten, Zweckfreiheit. Im Grunde genommen besteht auch kein großer Unterschied zwischen Körpererfahrungen in Individualsportarten und Mannschaftssportarten. In gewisser Weise ist sie in Sportspielen nur weiterentwickelt und fortgeschritten. Nimmt der Individualsportler vornehmlich sich selber war und kann sich auf diese Wahrnehmung konzentrieren, steht die individuelle Körpererfahrung in Sportspielen im Zusammenhang mit der der Mit- oder Gegenspieler, Körpererfahrungen korrespondieren dort und treffen aufeinander, sie ergänzen sich. Körpererfahrungen in den Sportspielen zu machen heißt, die eigenen Sinne anzusprechen. Der gelernte Handballspieler wird den zu großen Raum zwischen zwei Verteidigern nicht als geometrischen Abstand zwischen diesen beiden sehen, sondern als Möglichkeit zum Durchbruch in den Kreis. Anfänger haben aufgrund zu komplexer Situationen aber oft nicht die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen. Deshalb gilt es, Möglichkeiten zu finden, wie dies möglich gemacht werden, und jeder seines individuellen Potentials entsprechend in Spiele eingebunden werden und Körpererfahrungen sammeln kann.

[...]


1 Vgl. Brodtmann; Landau (1982).

2 Vgl. Kurz (1979). Seite 25.

3 Vgl Leist (1983). Seite 138. Karl-Heinz Leist geht in seinem Aufsatz „Körpererfahrung“ darauf ein, dass Erfahrungen grundsätzlich als wiederholbare Wahrnehmungen zu verstehen sind.

4 Vgl. Brodtmann; Landau (1982).

5 vgl. Funke (1983). Seite 10.

6 Vgl. Brodtmann; Landau (1982). Seite17. Die Autoren beschreiben die Folgen problemlosen Vorgehens sehr

einleuchtend an den Beispielen Tiefstart und Klettern und geben Alternativvorschläge anhand von Bewegungsfragen zu den ursprünglichen Bewegungsphänomenen.

7 Bietz (1999) geht in seinem Aufsatz explizit auf die normierten Ausführungsformen in den Sportspielen ein.

8 Vgl. Funke (1983). Seite 7 f. Funke stellt hier fest, dass Körpererfahrung und Sportunterricht Erfahrung des Körpers, Erfahrung mit dem Körper, Erfahrung meines Körpers im Spiegel der anderen und Erfahrung in der Darstellung meines Körpers und der Interpretation der Körpersprache der anderen ist.

9 Vgl. Kurz (1979). Seite 28. Kurz vertritt die Meinung, dass die Begründung des Sports darin liegt, dass er sich in bezug auf die veränderten Lebensumstände mit verändern muss.

10 Vgl. Funke (1992). Seite 17 f. Jürgen Funke entwirft ein Szenario der Elektronisierung und Roboterisierung, dessen Ziel es ist, die körperliche Bewegung auf ein Minimum herabzusetzen.

11 Vgl. Funke (1992). Seite 21.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Körpererfahrung am Beispiel Fußball
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V36706
ISBN (eBook)
9783638362511
ISBN (Buch)
9783638749435
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Hausarbeit wird das Thema Körpererfahrung aus sportpädagogischer Sicht mit Schulsport und Sportspielen verknüpft. Einem theoretischen Teil folgt eine Analyse am Beispiel Fußball.
Schlagworte
Körpererfahrung, Beispiel, Fußball
Arbeit zitieren
Till-Bastian Fehringer (Autor), 2004, Körpererfahrung am Beispiel Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36706

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