Die Gründung Israels als Zäsur für den Nahen Osten. Offizielle Reaktionen Ben-Gurions und der arabischen Liga


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenvergleich 2.1 Interpretationen der Vergangenheit 2.2 Der Blick in die Zukunft

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Auch heute noch, knapp 69 Jahre nach der Gründung des Staates Israel, am 14. Mai 1948, beschäftigt uns der damals beginnende Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten fast wöchentlich. Die Unabhängigkeitserklärung des jüdischen Staates, welche die politische Entwicklung des Nahen Ostens bis heute nachhaltig geprägt hat, kann somit als vielleicht sogar eine der wichtigsten Zäsuren der Zeitgeschichte nach 1945 bezeichnet werden.

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich deshalb mit den ersten unmittelbaren offiziellen Reaktionen der damals Beteiligten auseinandersetzen. Als Grundlage für diese Arbeit liegen mir drei Primärquellen vor, die ich zur Erstellung herangezogen habe.

Zum einen wären das der ursprüngliche Wortlaut der Unabhängigkeitserklärung selbst, sowohl im hebräischen Original als auch in Deutsch und die deutsche Übersetzung einer Rede des ersten israelischen Ministerpräsidenten, David Ben-Gurion vom 15. Mai 1948. Außerdem steht mir eine englische Erklärung der Liga der arabischen Staaten, ebenfalls vom 15. Mai 1948, zur Verfügung. Diese Auswahl eignet sich meiner Ansicht nach gut um einen Eindruck der Perspektiven der zwei beteiligten Lager, also des neugegründeten Staates Israels und seinen arabischen Nachbarstaaten zu bekommen. Alle drei Quellen vermitteln ein Bild der Sichtweisen und Einschätzungen Offizieller auf die damaligen Ereignisse. In meiner Arbeit möchte ich diese, ausgehend vom Gründungsdatum Israels analysieren und vergleichen. Im Fokus sollen dabei die Interpretationen der Vergangenheit und der Blick auf die Zukunft stehen, welche die beteiligten Akteure der internationalen Gemeinschaft vermitteln möchten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass man sich in dieser Zeit inmitten bürgerkriegsähnlicher Zustände und am Anfang eines Krieges1 befand, der einer Rechtfertigung bedurfte. Die Problematik, dass man sich nach wie vor inmitten eines ernsten Konfliktes befindet besteht auch heute noch wie man feststellen muss, wenn man sich mit Forschung zum Nahostkonflikt im Allgemeinen auseinandersetzt. Der Konflikt hat immer noch eine hohe politische Brisanz sowohl in den betroffenen Regionen als auch weltweit, wenn es zum Beispiel darum geht wie mit „palästinensischen Flüchtlingen“ aus Lagern oder internationalen Hilfsgeldern in den palästinensischen Gebieten umzugehen sei. Naturgemäß gibt es zudem von Seiten der involvierten Konfliktparteien, ein großes Interesse vergangene und zukünftige Entscheidungen mit Blick auf Geschehnisse der Vergangenheit vor der internationalen Staatengemeinschaft zu legitimieren2. Ganz allgemein lässt sich jedoch sagen, dass es an Literatur und Forschung zur Historie des Nahostkonfliktes nicht mangelt. Jedoch beschreiben die beiden Historiker Eugene L. Rogan und Avi Shlaim eine asymmetrische Verteilung und Aufarbeitung von Aufzeichnungen und Quellen zu Ungunsten der Palästinenser, bei denen es wegen fehlender organisatorischer Strukturen immer an Möglichkeiten gemangelt habe Dokumente zu archivieren.

2. Quellenvergleich

2.1 Interpretationen der Vergangenheit

Mit Ende des britischen Mandates um Mitternacht des 14.Mai 19483 und der Ausrufung des israelischen Staates und seiner Anerkennung durch große Teile der internationalen Gemeinschaft, sollte für den Nahen Osten eine Ära geprägt von vielen Kriegen und Auseinandersetzungen beginnen, die bis heute anhält. Auch wenn man den Konflikt zwischen Arabern und Juden in den Wochen und Monaten vor der offiziellen Gründung Israels durchaus als Bürgerkrieg bezeichnen kann4, stellt der 14. bzw. 15. Mai mit der Verkündung der Unabhängigkeit und der Invasion regulärer arabischer Truppen der Liga der arabischen Staaten einen bedeutenden Wendepunkt dar. Im Folgenden möchte ich deshalb die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Geschehnisse anhand der in der Einleitung schon erwähnten Quellen vergleichen.

Der Rückblick auf die Geschichte des jüdischen Volkes nimmt in der von Ben-Gurion mitverfassten Unabhängigkeitserklärung5 einen großen Raum ein. Dabei wird die Verbundenheit aller Juden mit dem Land ihres geistigen und religiösen Ursprunges betont. Laut dem Text des Schreibens „suchten Juden aller Generationen in ihrem alten Lande wieder Fuß zu fassen.“6 Im weiteren Verlauf wird dann Bezug auf die Jahrzehnte vor der Staatsgründung im Jahre 1948 genommen. Erwähnt werden dabei insbesondere die Pioniere und Einwanderer welche „Einöden zur Blüte“ erweckten und eine eigene Gemeinschaft mit „eigener Wirtschaft und Kultur, die nach Frieden strebte“ errichteten.7 Dieser Bezug auf die Pioniere (wie zum Beispiel Dr. Chaim Weizmann) und den Akt der Staatsgründung findet sich auch in der Rede des ersten Premierministers David Ben-Gurion, der ansonsten die Vergangenheit nicht weiter adressiert. Eine wichtige Rolle spielt in der Unabhängigkeitserklärung auch der Weg der internationalen Anerkennung. Dabei wird zum Beispiel der Zusammentritt des ersten Zionistenkongresses im Jahre 18978 genannt, der das Recht des jüdischen Volkes auf eine nationale Erneuerung in seinem Land verkündete. Die Balfour-Deklaration aus dem Jahre 19179 und das Völkerbunds-Mandat, welche dieses Recht anerkennen, unterstreichen die internationale Unterstützung. Auch der Holocaust bleibt als „Katastrophe, die in unserer Zeit über das jüdische Volk hereinbrach und in Europa Millionen von Juden vernichtete“, nicht unerwähnt. Er wird in der Unabhängigkeitserklärung als Beweis für die Unabdingbarkeit eines jüdischen Staates „dessen Pforten jedem Juden offenstehen“ interpretiert. Darüber hinaus finden auch die Vertreter der jüdischen Gemeinschaft eine Erwähnung, die von Israel aus ihren Beitrag im Kampf gegen den Nationalsozialismus geleistet haben. Der Rückblick auf die Vergangenheit innerhalb der Erklärung schließt mit dem Hinweis auf die internationale Unterstützung für die Errichtung eines israelischen Staates durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 29. November 1947.

Die Erklärung der Liga der arabischen Staaten10 welche den englischen Titel „5. Arab League declaration on the invasion of Palestine, 15 Mai 1948“ trägt, beginnt dagegen zeitlich gesehen früher, mit Palästina als Teil des osmanischen Reiches.11 Im ersten Abschnitt der in zehn Abschnitte geteilten Beschreibung des Weges hin zur Unabhängigkeitserklärung im Mai 1948, wird dabei die arabische Mehrheit innerhalb des osmanisch besetzten Palästinas in den Mittelpunkt gestellt. Man legt Wert darauf, dass die kleine jüdische Minderheit immer dieselben Rechte und Religionsfreiheit sowie Zugang zu religiösen Stätten genossen habe. Hier betont man das Bestreben der Araber nach Unabhängigkeit und bezieht sich dabei auf ein Versprechen, welches die Engländer nach der Unterstützung durch die arabische Bevölkerung im Ersten Weltkrieg in Bezug auf eine mögliche Eigenstaatlichkeit gegeben hätten. Genau wie in der Unabhängigkeitserklärung des israelischen Staates wird hier Bezug auf die Balfour Erklärung der englischen Regierung im Jahre 1917 genommen, gegen die man nach eigener Aussage protestiert hätte. Im weiteren Verlauf wirft man England vor, sein Wort entgegen anderslautender Versprechungen nicht gehalten zu haben und Palästina als Mandat unter Kontrolle gebracht zu haben, statt wie zuvor versprochen Unabhängigkeit zu gewähren. Zudem betont man die arabische Geschichte, Kultur und geographische Lage Palästinas und kritisiert die Tatsache, dass in der Vergangenheit vorgetragene Befürchtungen über die Einwanderung zahlreicher Juden nicht ausreichend ernstgenommen wurden. Der zweite Weltkrieg jedoch findet nur am Rande eine kurze Erwähnung im siebten Abschnitt, der die Notwendigkeit einer Gründung der Liga der arabischen Staaten beschreibt. Anders als in der Unabhängigkeitserklärung und bei der Rede Ben-Gurions wird der Holocaust ebenso wie die allgemeine Situation der Juden nicht erwähnt.

[...]


1 Nachdem es schon 1947 nach Verabschiedung des UN-Teilungsplanes zu Kämpfen zwischen arabischen und jüdischen Organisationen gekommen war, kam es am 15. Mai, also wenige Stunden nach der Unabhängigkeitserklärung, zum Angriff einer Allianz arabischer Staaten auf israelisches Territorium mit dem Ziel den neugegründeten Staat zu beseitigen.

2 Zum Beispiel wenn es darum geht die Siedlungspolitik im Westjordanland zu (de-)legitimieren.

3 Segev,Tom: Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, München 2005, S.562.

4 Segev,Tom: Es war einmal [..]S.560 ff.

5 Vgl.: Originaltext: Unterschrieben von Ben-Gurion.

6 Siehe 5.

7 Siehe 5.

8 Der erste Kongress von Anhängern des Zionismus aus aller Welt im Jahre 1897 in Basel. (Vgl.: Protokoll im Anhang).

9 Eine Erklärung vom 2. November 1917 an Lord Walter Rothschild in denen die englische Krone ihre Sympathien für die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina erklärt. (Vgl.: Deutsche Übersetzung im Anhang).

10 Liga der arabischen Staaten: Internationale Organisation gegründet im März 1945 von ursprünglich sieben arabischen Staaten. (Vgl.: Macdonald W. Robert: The League of Arab States: A Study in Dynamics of Regional Organization, 1965 Princeton, S. 41 f.).

11 Mehrere hundert Jahre hatte Palästina unter osmanischer Herrschaft gestanden, während des ersten Weltkrieges gelangte es dann 1917 unter britische Kontrolle. (Vgl.:Segev,Tom: Es war einmal ein Palästina[…]S.ϭϬf.).

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Details

Titel
Die Gründung Israels als Zäsur für den Nahen Osten. Offizielle Reaktionen Ben-Gurions und der arabischen Liga
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V367079
ISBN (eBook)
9783668457201
ISBN (Buch)
9783668457218
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Israel, Naher Osten, Palästina, Ben Gurion, Arabische Liga, Holocaust, Jerusalem, Juden, Araber, Ägypten, Jüdischer Staat, 1948
Arbeit zitieren
Tim Wörner (Autor), 2017, Die Gründung Israels als Zäsur für den Nahen Osten. Offizielle Reaktionen Ben-Gurions und der arabischen Liga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367079

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