Die Indikatoren des Human Development Report (HDR)


Seminararbeit, 2004
15 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

I. Die Notwendigkeit von Indikatoren

II. United Nations Development Programme (UNDP)
1. Historische Hintergründe und Organisation
2. Ziele

III. Human Development Report (HDR)
1. Organisation
2. Ziele

IV. Die Indikatoren des Human Development Report
1. Human Development Index (HDI)
2. Gender-related development index (GDI)
3. Gender empowerment measure (GEM)
4. Human Poverty Index (HPI)
5. Human Freedom Index (HFI) / Political Freedom Index(PFI)
6. Kritik an den Indikatoren des HDR

V. Zusammenfassung und Ausblick: Ist Entwicklung mit den Indikatoren des HDR messbar?

Literaturverzeichnis

I.Die Notwendigkeit von Indikatoren

In vielen Ländern der Welt ist der Stand der Entwicklung immer noch nicht ausreichend, um den dort lebenden Menschen zufriedenstellende Lebensbedingungen ermöglichen zu können. Deshalb wurden überall auf der Welt Einrichtungen gegründet, die versuchen wollen, diesen Entwicklungsrückstand zu beseitigen.

Ein Problem solcher Einrichtungen und Organisationen, wie der gesamten Entwicklungszusammenarbeit ist zunächst einmal die Erfassung des Entwicklungsstandes eines Landes. Nur anhand von Vergleichswerten ist es möglich, das Ausmaß der Armut verschiedener Länder zu erkennen und herauszufinden, in welcher Region oder welchem Land Unterstützung am ehesten benötigt wird und an welcher Stelle Hilfe ansetzen muss, um bestmögliche Erfolge erzielen zu können.

Daten, die den Entwicklungsstand eines Landes anzeigen sind auch deshalb unerlässlich, da sie eine Quantifizierung bereits erreichter Verbesserungen ermöglichen.

Ein Versuch den Stand der Entwicklung eines Landes durch Indikatoren greifbar zu machen, stammt vom United Nations Development Programme und wurde im Rahmen seines Human Development Reports veröffentlicht.

II. United Nations Development Programme (UNDP)

1. Historische Hintergründe und Organisation

Am 22.November 1965 wurde das United Nations Development Programme, das Programm für menschliche Entwicklung, als globales Entwicklungsnetzwerk von der Generalversammlung der Vereinigten Staaten im Zuge der „Resolution 2029 (XX)“ ins Leben gerufen. Finanziert wird das Programm zum größten Teil aus freiwilligen Beiträgen der Industrienationen, die allerdings in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind.

Der deutsche Beitrag sank im Zeitraum der Jahre 1998 bis 2000 von insgesamt 62 Milliarden US-Dollar auf nur noch 24 Milliarden.

Zuständig für die Koordination des Programms ist zur Zeit noch der Administrator Mark Malloch Brown.

UNDP verfügt über einen Exekutivrat (Executive Board), dem die Steuerung und Kontrolle des Entwicklungsprogramms unterliegt. Diesem wird nach Absprache des UNDP mit den Regierungen des jeweiligen Entwicklungslandes ein Programmvorschlag für die Verteilung der Unterstützung vorgelegt. Diese Programme umfassten 1970 noch einen Zeitraum von fünf Jahren, der jedoch aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Beitragsleistungen über einen so langen Zeitraum hinweg, 1997 erst auf eine Dreijahresplanung, 1998 dann auf das Beitragssystem MYFF umgestellt wurde.

1998 war UNDP mit 132 Büros in den Entwicklungsländern vertreten. Von dort aus werden Programme in insgesamt 174 Ländern koordiniert. Der Sitz dieser Organisation befindet sich in New York.

2. Ziele

Der United Nations Development Programme (UNDP) ist ein von den Vereinten Nationen initiiertes Entwicklungsprogramm, das versucht den Menschen dieser Welt bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. Oberstes Ziel ist die Halbierung der Armut auf der Welt bis zum Jahre 2015. Die Vereinten Nationen arbeiten mit 166 Ländern zusammen und versuchen gemeinsam mit diesen in verschiedenen Bereichen der Entwicklung Verbesserungen zu erzielen. UNDP ist verantwortlich für die Koordination und Finanzierung der Hilfsprojekte.

Während die einzelnen Entwicklungsländer an eigenen Strategien arbeiten, um eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen, versteht sich UNDP „als Anwalt für diese von den Staaten in eigener Regie initiierten Lösungen[1] “. Im Vordergrund steht dabei zum Beispiel die Förderung innovativer Pilotprojekte, eine Stärkung der Rolle der Frau im Entwicklungsprozess oder die Ermöglichung eines Zugangs der entwicklungsschwächeren Länder zu Fördermitteln.

Auch Krisenprävention und –bewältigung zählen zu den Aufgaben des UNDP, das in diesem Bereich versucht, Frühwarnsysteme und Konfliktlösungen zu entwickeln sowie immer vor Ort präsent zu sein, um direkt Unterstützung anbieten zu können. UNDP verfolgt außerdem das Ziel, Umweltzerstörung zu beseitigen und den Zugang zu sauberen, bezahlbaren Dienstleistungen zu ermöglichen, indem es die Länder dabei unterstützt ihre Kapazitäten zu stärken, indem es Lösungsansätze bietet und innovative Politikberatung zur Verfügung stellt. Ebenfalls wird die Entwicklung von Strategien angestrebt, die es möglich machen den Zugang zu Information- und Kommunikationstechnologie zu erweitern oder um die Bekämpfung von Krankheiten wie zum Beispiel Aids voranzutreiben.

Insgesamt verfolgt UNDP das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung und versucht dies durch eine sinnvolle Verteilung der Ressourcen zu erreichen.

III. Human Development Report (HDR)

1. Organisation

Seit 1990 wird alljährlich vom UNDP der „Human Development Report“ (HDR), der Bericht über die menschliche Entwicklung herausgegeben, der seit 1994 auch ins Deutsche übersetzt erscheint.

Zuständig für diesen Bericht ist ein Team unabhängiger Mitarbeiter verschiedener Nationen, Fachleute aus Wissenschaft, Politik oder Zivilgesellschaft, die Daten und Ideen aus ihren eigenen Aufgabenbereichen beisteuern. Die Leitung übernehmen gegenwärtig Sakiko Fukuda-Parr und Nancy Birdsall.

Die Berichte beinhalten jeweils ein Thema der gegenwärtigen Entwicklungsdebatte, sie enthalten zunächst eine Hinführung an die Problemstellung, des weiteren Lösungsvorschläge und liefern außerdem die zugehörigen Daten.

Insgesamt soll die politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung in 174 Ländern analysiert werden. Die Darstellungen des HDR sind nicht auf die Sichtweise der westlichen Länder beschränkt, die Thematik wird auch vom Standpunkt der gesamten internationalen Gesellschaft aus betrachtet.

2. Ziele

Ziel des HDR ist es, auch die menschliche Dimension von Entwicklung zu behandeln und dabei weniger nur das wirtschaftliche Wachstum als Maßstab für die Entwicklung zu betrachten.

So konstatiert der HDR: „Der Vorteil des Wirtschaftswachstums ist nicht die Mehrung des Wohlstands, sondern die Erweiterung der menschlichen Wahlmöglichkeiten (the prozess of widening people`s choice)“[2]

Eine damit verbundene Erhöhung des Wohlstandsniveaus soll zur Bildung von Fähigkeiten beitragen, die für die Bevölkerung eine Notwendigkeit darstellen um ihre Entwicklung voranzutreiben.

Der HDI verfasste einige Ansätze zur Problematik der Verwendung des Pro-Kopf-Einkommens als Indikator für menschliche Entwicklung:

Das häufig verwendete Bruttosozialprodukt (BSP) stellt zwar einen Indikator für wirtschaftliche Entwicklung dar, lässt allerdings soziale Faktoren unberücksichtigt, so dass die Erhöhung der Wachstumszahlen einer Bevölkerung nicht mit einem angemessenen Grad der Entwicklung gleichzusetzen ist.

Unbeachtet bei der Erstellung des Bruttosozialprodukts bleiben die nicht-monetäre Werte, die der Bevölkerung oftmals ein besseres Leben ermöglichen, auf der anderen Seite Belastungen, die das Leben trotz Wachstum zerstören können.

Zudem erfasst das BSP nur Leistungen, die über den Markt gehen. Unberücksichtigt bleiben deshalb der eventuell hohe Anteil an Selbstversorgern sowie der informelle Sektor der Subsistenzwirtschaft, Bereiche, die oft einen großen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Neben einer möglichen Manipulation des BSP von Seiten der Entwicklungsländer selbst, um sich Zugang zu günstigen Krediten zu verschaffen, ist auch die fehlende Aussagekraft des BSP über die tatsächliche Kaufkraft einer Währung ein Kritikpunkt des HDR.

Auch die Zusammensetzung der Güter und Dienstleistungen geht nicht mit in die Berechnungen ein. So werden Luxusgüter honoriert, gleichermaßen aber die für die Bevölkerung notwendigen Dienste und Leistungen als unrelevant erachtet.

Der wichtigste Punkt ist aber vielleicht, dass dieser Indikator nicht die Einkommensverteilung innerhalb eines Landes berücksichtigt.

Das Bruttosozialprodukt ist also dazu geeignet das wirtschaftliche Wachstum einer Nation zu bestimmen. Nicht möglich ist jedoch die Erfassung unzureichender Lebensbedingungen.

Um die Entwicklungsungleichheiten zwischen den einzelnen Ländern besser darzustellen, sind von der UNDP im Rahmen des HDR einige Indikatoren konzipiert worden, darunter der Human Development Index (HDI), der Gender Related Index (GDI), das Gender Empowerment Measure (GEM), sowie der Human Poverty Index (HPI).

IV. Die Indikatoren des Human Development Report

1. Human Development Index (HDI)

Der HDI wurde 1990 im Rahmen des Human Development Report veröffentlicht, ein Indikator für Entwicklung, der dem HDR weltweites Ansehen einbrachte.

Erstellt wurde der HDI, um den Status von 174 Ländern (insgesamt über 1 Mio. Einwohner) vergleichen zu können. Er wird als Indikator für wirtschaftliche und soziale Entwicklung betrachtet.

Der HDI setzt sich aus drei Subindikatoren zusammen:

- 1) Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (longvity) als Indikator für Gesundheit und die allgemeinen Lebensbedingungen. Ein langes Leben stellt für die Bevölkerung einen Wert für sich selbst dar, ermöglicht außerdem die Verwirklichung selbst gesteckter Ziele und steht für eine ausreichende Ernährungsgrundlage sowie gute Gesundheitsversorgung und hinreichende Ausbildung.

- 2) Der Bildungsstand (educational attainment) als Kombination aus

a) der Alphabetisierungsrate, also Lese- und Schreibfähigkeit der erwachsenen Bevölkerung, der zu 2/3 in die Berechnung eingeht und
b) der Nettogesamteinschulungsrate auf primärer, sekundärer und tertiärer Bildungsstufe, der zu 1/3 in die Berechnung eingeht.

Dieser Teilindikator beruht auf der Überlegung, dass eine ausreichende Bildung die wichtigste Voraussetzung für die weitere Ausbildung und somit für ein angemessenes Leben ist.

Die Kombination aus Lebenserwartungs- und Bildungsgrad „verkörpert die entscheidenden Faktoren zur Akkumulation des human capital und reflektiert Niveau und Veränderung der sozialen Komponenten Ernährung, Wohnung, Wohlfahrt und Umwelt[3]

- 3) Der Lebensstandard (standard of living) gemessen an der realen Kaufkraft pro Person (PPP = Purchase Power Parities) in US$, also die Verfügbarkeit über Ressourcen. Dabei wird das Pro-Kopf-Einkommen um internationale Preisdifferenzen korrigiert.

Die Unterschiede zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen und der realen Kaufkraft pro Kopf (PPP) in einigen ausgewählten Ländern zeigt folgende Übersicht:

Tab. 1: Unterschiede zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen und der realen Kaufkraft pro Kopf (PPP) im Jahre 1993; Quellen: HDR 1996; Weltentwicklungsbericht 1995[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Berechnung des HDI ist eine Normierung der Teilindizes nötig, deshalb werden den drei Subindikatoren jeweils ein real ermittelter Minimal- und Maximalwert zugewiesen:

- Lebenserwartung: 25 / 85 Jahre
- Alphabetisierungsrate: 0 / 100 %
Einschulungsrate: 0 / 100 %
- Lebensstandard: 100 / 40000 PPP US$

(“Die Einkommen, die über dem Weltdurchschnitt liegen, werden mit einer progressiv steigenden Diskontrate abdiskontiert”[5] )

Die Situation einer Bevölkerung wird dann für jeden Teilindikator auf einer Skala von 0 bis 1 erfasst, 0 für den niedrigsten Wert und 1 für den höchsten auftretenden Wert weltweit. Die Indikatoren für Lebenserwartung und Bildung errechnen sich dabei wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Berechnung des Index für den Lebensstandard wird zusätzlich der Logarithmus verwendet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das arithmetische Mittel dieser Abweichungen vom Minimal- bzw. Maximalwert ergibt dann den Human Development Index, der die erfassten Länder in verschiedene Kategorien einteilt:

- Hoher Entwicklungsstand (HDI zwischen 0,8 und 1)
- Mittlerer Entwicklungsstand (HDI zwischen 0,5 und 0,8)
- Niedriger Entwicklungsstand (HDI unter 0.5)

Der HDI gibt an, wie weit ein Land noch von bestimmten Zielen im Bereich der Entwicklung entfernt ist oder inwieweit sich sein Stand der Entwicklung von dem anderer Ländern unterscheidet.

Unberücksichtigt bei der Berechnung dieses Indikators bleibt die Frage, um welche gesellschaftlichen Gruppen und um welche Art von Defiziten es sich handelt. Aus diesem Grund wurden vom UNDP weitere Indikatoren konzipiert:

2. Gender-related development index (GDI)

Der geschlechtsbezogene Entwicklungsindex wurde erstmals 1997, im Rahmen des Human Development Reports veröffentlicht. Er wurde für 137 Länder berechnet und setzt sich aus den gleichen Indikatoren wie der HDI zusammen, der Lebenserwartung bei Geburt, der Alphabetisierungs- und Einschulungsrate und der Kaufkraft pro Person.

Hierbei werden lediglich die Unterschiede zwischen Mann und Frau miteinbezogen. Je nach sozialer, politischer oder wirtschaftlicher Ungleichheit werden an den einzelnen Indikatoren Abschläge vorgenommen. Das bedeutet, je größer die Differenzen zwischen den Geschlechtern, umso niedriger fällt der HDI-Wert aus.

Die Minimal- und Maximalwerte lauten in diesem Falle:

- Lebenserwartung (Frauen): 27,5 / 87,5 Jahre
- Lebenserwartung (Männer): 22,5 / 82,5 Jahre
- Alphabetisierungsrate: 0 / 100 %
Einschulungsrate: 0 / 100 %
- Lebensstandard: 100 / 40000 PPP US$

Die Berechnung der Indikatoren für Lebenserwartung und Bildung ergibt sich aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Generell lässt sich sagen, dass in keiner Gesellschaft Frauen den Männern gegenüber gleich behandelt werden.

3. Gender empowerment measure (GEM)

Der GEM ist wie der GDI erstmals 1997 erschienen, wurde aber nur für 104 Länder erhoben. Dieses Maß der Ermächtigung der Geschlechter verwendet verschiedene Parameter um die Verteilung von Männern und Frauen im Bereich politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen anzuzeigen:

- Politische Beteiligung: Anteile von Männern und Frauen in Verwaltungs- und Führungspositionen (in %)
- Wirtschaftliche Beteiligung: Anteile von Männern und Frauen an Parlamentssitzen und Anteile von Männern und Frauen an selbstständigen, qualifizierten und technischen Berufen (jeweils in %)
- Möglichkeit über ökonomische Ressourcen zu verfügen: Anteile von Männern und Frauen am Erwerbseinkommen (in %)

Geschlechtsspezifische Differenzen, wie sie der GEM und der GDI ausdrücken, sind häufig mit menschlicher Armut verbunden.

In einzelnen Fällen ist jedoch kein Zusammenhang dieser Werte mit den Werten des Human Development Index erkennbar. So lässt sich feststellen, dass in Ländern mit einem hohem HDI, Frauen oft dennoch nicht gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen, während vereinzelte arme Länder sogar einen besseren Rang belegen als die Industrienationen Die Gleichstellung der Geschlechter ist also unabhängig vom Entwicklungsstand einer Nation möglich.

Die größten Diskrepanzen zwischen GDI und HDI lassen sich in Ländern mit einem hohem Pro-Kopf-Einkommen wie den erdölexportierenden Ländern finden.

Was die Gleichstellung von Mann und Frau betrifft, geht in den letzten Jahren nur sehr langsam vorwärts. Der Vergleich zwischen GDI und GEM zeigt, dass die Möglichkeit für Frauen, gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilzunehmen sich oft noch schwieriger gestaltet als deine „bloße“ Verbesserung ihrer Lebensbedingungen.

4. Human Poverty Index (HPI)

HPI1 (auf Entwicklungsländer bezogen):

1997 wurde auch der HPI eingeführt, der, ähnlich wie beim HDI, drei zentrale Aspekte des menschlichen Lebens erfasst:

- 1) Die Lebensdauer oder die Anfälligkeit für den Tod in relativ jungem Alter also der Anteil der Menschen, die wahrscheinlich das 40. Lebensjahr nicht erreichen werden (= P1)
- 2) Bildung und Wissen gemessen am Anteil der Analphabeten unter den Erwachsenen (= P2)
- 3) Die ökonomische Versorgung (staatlich und privat) als Mittelwert aus den Anteilswerten der Bevölkerung ohne Zugang zu Trinkwasser und dem untergewichtiger Kindern unter 5 Jahren (= P3)

Der HPI wird nach folgender Formel berechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Analog dazu errechnet sich der

HPI2 (auf Industrieländer bezogen) :

Er erfasst folgende Komponenten:

- Die Lebensdauer oder die Anfälligkeit für den Tod in relativ jungem Alter also der Anteil der Menschen, die wahrscheinlich das 60. Lebensjahr nicht erreichen werden (= P1)
- Bildung und Wissen gemessen am Anteil der Analphabeten unter den Erwachsenen (= P2)
- Der Lebensstandard, gemessen am Anteil der Bevölkerung, der unter der Armutsgrenze (50% des durchschnittlichen Haushaltseinkommens) lebt (= P3)
- Soziale Ausgegrenztheit gemessen an der Rate der Langzeitarbeitslosigkeit (12 Monate oder länger) (= P4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch den HPI werden die Einschränkungen des menschlichen Lebens in den einzelnen Ländern erfasst. Während der HDI den gesamten Fortschritt eines Landes darstellt, bildet der HPI die eher Verteilung des Fortschritts ab und misst noch vorhandenen Rückstände.

5. Human Freedom Index (HFI) / Political Freedom Index (PFI)

Der PFI bezieht folgende Aspekte in die Berechnung mit ein:

- Sicherheit der Person
- Rechtsstaatlichkeit
- Meinungsfreiheit
- Politische Beteiligung
- Chancengleichheit

Der HFI und PFI sind allerdings noch nicht implementiert, was die Schwierigkeit zeigt, solch komplexe Aspekte der menschlichen Entwicklung abzubilden.

Neben diesen eher allgemeinen Indikatoren, die UNDP herausgebracht hat, entstanden auch länderspezifische Indikatoren auf die jetzt nicht im Einzelnen eingegangen werden kann. Mit diesen ist es möglich die spezifischen Lebensverhältnisse der Bevölkerung eines bestimmten Landes zu erfassen.

6. Kritik an den Indikatoren des HDR

Obwohl die Indikatoren des UNDP eine weitaus bessere Möglichkeit für die Messung von Entwicklung darstellen als das einseitig wirtschaftlich ausgerichtete Pro-Kopf-Einkommen, wurden mit ihrer Erscheinung auch einige Kritikpunkte laut.

Die größte Problematik bei der Berechnung der Indikatoren zeigte sich in der unzureichenden Vergleichbarkeit der einzelnen Daten. In manchen Ländern fehlen einige Daten komplett oder sind so veraltert, dass sie kaum noch verwendet werden können. Auch werden die Daten fast überall nach unterschiedlichen Kriterien erhoben und beruhen oft nur auf Schätzungen.

Bei der Berechnung des HDI zum Beispiel ist schon die Umrechnung des Pro-Kopf-Einkommens in Kaufkraftparitäten (PPP) mit einige Fehlerquellen verbunden.

Auch der Teilindikator der Lebenserwartung bei Geburt ermittelt nur die Quantität des Lebens, unberücksichtigt bleibt die Qualität, so dass aufgrund verbesserter medizinischer Versorgung die Bevölkerung in einigen Ländern sehr alt wird, dennoch aber unter Armut und unwürdigen Lebensbedingungen zu leiden hat.

Eine weitere fehlerhafte Interpretation der Indikatoren kann dadurch entstehen, dass in einem Land zwar die Zahl der Schulabgänger und so der Wert des HDI steigt, dass aber durch die in Entwicklungsländern weitverbreitete Arbeitslosigkeit, keine Möglichkeit einer Verbesserung der Situation vorhanden ist.

Außerdem werden die Teilindizes der Indikatoren gleich gewichtet, so dass sich daraus kaum qualitative Aussagen ableiten lassen. Auch kann es zwischen den einzelnen Teilindikatoren zu Überlappungen kommen, die nicht erfasst werden.

Einige Kritikpunkte sind auch politisch motiviert. So erhielt Japan den höchsten HDI-Wert, obwohl dort viele gesellschaftliche Benachteiligungen von Frauen zu erkennen sind, auch die sozialistischen Staaten bekamen trotz ihrer fraglichen Menschenrechtslage eine Position in den oberen Rängen zugewiesen

Abschließend lässt sich noch ein Zitat von Karl Wohlmuth anbringen:

„Insgesamt ist wohl die Umsetzung des Konzepts der menschlichen Entwicklung in den HDI nicht befriedigend gelöst worden; dieser Index ist die eigentliche Schwachstelle des Berichts. Der HDI kann daher für apologetische Zwecke, für das Heranziehen irrelevanter Entwicklungsmodelle als Leitmodelle missbraucht werden[6].“

V. Zusammenfassung und Ausblick: Ist Entwicklung mit den Indikatoren des HDR messbar?

Zusammenfassend kann man sagen, dass mit den Indikatoren des Human Development Programme ein guter Ansatz geschaffen wurde die Entwicklung eines Landes abzubilden.

Allerdings ist die Verwendung dieser Indikatoren auch mit einigen Schwierigkeiten verbunden, was ja schon die Kritikpunkte des letzten Abschnitts gezeigt haben.

So sind sie zwar geeignet, um den Grad der Entwicklung eines Landes zu erfassen und erste Vergleiche zwischen einzelnen Ländern anzustellen, dass man in Bezug auf eine Interpretation des Ganzen jedoch sehr vorsichtig vorgehen und Ergebnisse immer aus der kritischen Perspektive betrachten sollte.

Nun kann man sich die Frage zu stellen, inwieweit Organisationen wie das United Nations Development Programme oder die Weltbank durch eine eventuelle Verbesserung und Erweiterung der von ihnen erstellten Indikatoren in Zukunft dazu beitragen können, die Unterschiede einzelner Länder in ihrer Entwicklung noch besser darzustellen.

Abzuwägen wäre auch eine eventuelle Einbeziehung des Faktors „Umwelt“ in die Erstellung der Indikatoren, ein Aspekt der in den nächsten Jahren sicherlich immer stärker an Bedeutung gewinnen wird.

Derartige Verbesserungen könnten dabei helfen, vielen Menschen auf dieser Welt ein angenehmeres Leben zu ermöglichen.

Literaturverzeichnis

- Bohle, Hans-Georg & Graner, Elvira (1997): Arme Länder – Reiche Länder. Neue Untersuchungen über Nachhaltigkeit und den Reichtum der Nationen. In: Geographische Rundschau, Heft 12, S.735-742.
- Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (Hg.) (1997 / 2000 / 2002): Bericht über die menschliche Entwicklung. Technische Erläuterungen. Bonn
- Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (Hg.) (1997): Bericht über die menschliche Entwicklung. Menschliche Entwicklung messen: Die Indices für menschliche Entwicklung. Bonn
- Hoffmann, Lutz (1997a): Zum Problem der Erfassung wirtschaftlicher Entwicklung. In: Geographie und Schule 107, S.8-11.
- Hoffmann Reinhard (1997b): „Human Development“ Fachdidaktische Überlegungen zum Konzept menschlicher Entwicklung. In: Geographie und Schule 107, S.12-17.
- Neske, Matthias & Falk Dietmar (1997): Wie weit führt Südamerikas Sprung? Zwölf Staaten im Spiegel des Human Development Index (HDI). In: Praxis Geographie, Heft 3 (Bd.27), S. 47-49.
- Nohlen, Dieter & Nuscheler, Franz (1993): Indikatoren von Unterentwicklung und Entwicklung. In: Nohlen, Dieter & Nuscheler Franz (Hg.): Handbuch der dritten Welt; Bd.1. Grundprobleme, Theorien, Strategien. Bonn. S.76-108.
- Nuscheler, Franz (1995): Human Development – Ein neues Entwicklungsparadigma oder alter Wein in neuen Schläuchen? In: Geographie und Schule 107, S.2-7.
- Taubmann, Wolfgang (1997): Armut in der dritten Welt. Abgrenzung, Verbreitung, Ursachen. In: Geographie heute, Heft 156, S.29-31.

Internet

- Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e. V. (Hg.) (2002): Berichte über die menschliche Entwicklung 2002. Über UNDP. Abgerufen am 18.06.2004 http://www.dgvn.de/pdf/hdr2002undp.pdf
- Außenministerium Österreich (Hg.) (o.A.): Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Abgerufen am 18.06.2004 http://www.bmaa.gv.at/view.php3?f_id=4932&LNG=de&version
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.) (o.A.): Gender Mainstreaming. Fakten und Grundlagen der Facharbeit. Abgerufen am 18.06.2004 http://www.gender-mainstreaming.net/gm/Service/kontakt.html
- Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH (Hg.) (o.A.): Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. United Nations Development Programme (UNDP). Abgerufen am 18.06.2004 http://www.gtz.de/indigenas/deutsch/andere-geber/un-undp.htm
- Deutscher Bundestag (Hg.) (o.A.): Schlussbericht der Enquetekommission. Globalisierung der Wirtschaft. Herausforderungen + Antworten. Geschlechtsspezifische Problemlage. Abgerufen am 18.06.2004 http://www.bundestag.de/gremien/welt/glob_end/6_1_1.html
- Payer M, Payer A. (1998): Entwicklungsländerstudien. Die Indices des Human Development Report (HDR) des UNDP. Abgerufen am 18.06.2004 http://www.payer.de/entwicklung/entw01htm
- Universität Potsdam (Hg.) (o.A.): Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Abgerufen am 18.06.2004 http://www.uni-potsdam.de/u/mrz/stichw/stichw7.htm
- United Nations Development Programme (Hg.) (o.A.): Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Abgerufen am 18.06.2004 http://www.undp.org/teams/deutsch/about.htm

[...]


[1] Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (2002), o.A.

[2] Nuscheler (1997), S. 2

[3] Addicks 1977, S.331 in Nuscheler (1997), S.5

[4] Nuscheler (1997a), S.5

[5] Hoffman (1997a), S.11

[6] Nohlen, Nuscheler (1993), S.93

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Details

Titel
Die Indikatoren des Human Development Report (HDR)
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Einführung in die Entwicklungsländerforschung
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V36734
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indikatoren, Human, Development, Report, Einführung, Entwicklungsländerforschung
Arbeit zitieren
Miriam Rottmann (Autor), 2004, Die Indikatoren des Human Development Report (HDR), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36734

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