Diese Hausarbeit behandelt umfassend die Organisation der „Polizei“ respektive der städtischen Sicherheit in der römischen Republik.
Das 1794 in Kraft getretene „Allgemeinen Landrecht für die Preussischen Staaten“ beinhaltet bereits den Begriff der Polizei, wie wir ihn kennen und verwenden. Neben der Polizei als Teil der Exekutiven stehen Legislative, die gesetzgebende Gewalt, und die Judikative, die gesetzsprechende Gewalt, und bilden zusammen die Glieder der Gewaltenteilung. Jeder Bürger und jede Bürgerin kann von der Polizei die Bewahrung seiner/ihrer Rechte fordern. Seit dem 19. Jahrhundert kommt der Aspekt der Gefahrenabwehr hinzu und enthebt die Bürger_innen einer Gesellschaft damit vom Gebrauch der individuellen sowie kollektiven Selbsthilfe. Anfänglich ist folglich mit Polizei keine Behörde gemeint, sondern ein allgemeiner Zustand. Die Institution gibt es in der Antike nicht, es fehlt „eine“ Polizei. Es stellt sich die Frage nun, wie man bestehendes Recht ohne einen Erzwingungsmaßstab, was die Polizei im modernen Sinne ist, durchsetzen konnte und eine Ordnung im Gemeinwesen herstellte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Probleme
3. Herstellung einer Ordnung
4. Mittel
5. Sicherung von Ordnung
6. Nach der Republik
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Organisation der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der römischen Republik und geht der Frage nach, ob der moderne, anachronistische Begriff "Polizei" auf die damaligen Organisationsformen anwendbar ist.
- Analyse der sozioökonomischen Lebensbedingungen der plebs urbana.
- Untersuchung der Rolle von Magistraten und ihren Amtsgehilfen bei der Konfliktbewältigung.
- Bewertung von Instrumenten wie Selbsthilfe, senatus consultum ultimum und Proskriptionen.
- Vergleich der republikanischen Ordnungssysteme mit den staatlich verwalteten Schutztruppen der frühen Kaiserzeit.
- Kritische Einordnung des Fehlens eines institutionalisierten Gewaltmonopols in der römischen Republik.
Auszug aus dem Buch
2. Probleme
Schauen wir im folgenden, woraus sich Konflikte in der römischen Antike ergeben haben könnten. Dafür werde ich folgend die vor allem alltäglichen Probleme jene die breite Masse der römischen Bevölkerung traf darzustellen, damit ein umfassendes Bild der Lebensbedingungen entsteht. Ein grundlegendes Problem ergibt sich daraus, dass die Geschichte nicht von „unten“ geschrieben worden ist. Die Zeugnisse, die wir zu den Problemen der Massen haben, ist recht gering. Erst in neuerer Zeit gibt es eine Unterschichtenforschung. Die breite Masse, die hier bereits mehrfach erwähnt worden ist, bezieht sich auf etwa eine Million Einwohner in der späten römischen Republik. Diese Menge lässt sogar das antike Rom nach heutiger Auffassung enorm erscheinen. Das elementarste Problem war, dass die Mehrheit der Bewohner Roms ärmer wurde und die herrschenden Schichten sich wirtschaftlich besserten. Die Reichen lebten in der Stadt in Villen, außerhalb auf großen Latifundien, während die plebs urbana, die städtische Bevölkerung Roms, in insulae (Einzahl insula) wohnten. Die insula ist, wenn überhaupt, vergleichbar mit einem heutigen Mehrfamilienhaus. Die Wohnsituation erlaubt auch die Verwendung des modernen Begriffs Slum. Zusammenwohnend in ärmeren Bezirken lebten die Allerärmsten auf engen Raum in den oberen Stockwerken eines Hauses, jene kein ordentliches Zusammenleben ermöglichten. Die Eigentümer dieser insulae sind in der Regel Wohlhabende gewesen, die aus den Mieteinnahmen auch den Hauptteil ihres Vermögens schöpften. Es ergeben sich zwei grundlegende Probleme im Bereich Wohnen. Zum einen sind die bewohnten Häuser an sich ein Problem und zweitens ist es die zu zahlende Miete, die die Masse trifft. Jene Probleme lassen sich gut an Crassus aufzeigen,
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung reflektiert den modernen Polizeibegriff und hinterfragt, wie in der römischen Republik öffentliche Sicherheit ohne ein solches Institutionengefüge gewährleistet wurde.
2. Probleme: Dieses Kapitel thematisiert die prekären Lebensbedingungen der römischen Massen, insbesondere die katastrophalen Wohnverhältnisse in den insulae und die schwierige Getreideversorgung.
3. Herstellung einer Ordnung: Hier wird das römische Verfassungssystem mit seinen Magistraten und deren Ordnungsfunktionen analysiert, wobei besonders die Grenzen ordentlicher und außerordentlicher Befugnisse beleuchtet werden.
4. Mittel: Dieses Kapitel untersucht die Instrumente zur Krisenbewältigung in der späten Republik, wie das senatus consultum ultimum, Selbsthilfe und die Rolle politischer Akteure wie Clodius und Milo.
5. Sicherung von Ordnung: Im Zentrum steht hier die Rolle der Apparitoren, insbesondere der Liktoren, als sichtbare, aber begrenzte Hilfsorgane der magistratischen Autorität.
6. Nach der Republik: Dieser Abschnitt beschreibt den Übergang zur Kaiserzeit unter Augustus, in der erstmals ständige Einheiten wie die vigiles zur Aufrechterhaltung der Sicherheit geschaffen wurden.
Fazit: Die abschließende Zusammenfassung kommt zu dem Schluss, dass die römische Republik kein mit modernen Maßstäben vergleichbares Polizeisystem besaß und ihr Ende eng mit der begrenzten Mittelverfügbarkeit zur Lösung sozialer Probleme verknüpft war.
Schlüsselwörter
römische Republik, Polizei, öffentliche Sicherheit, Magistrate, plebs urbana, insulae, Senat, Ordnung, Liktoren, senatus consultum ultimum, Selbsthilfe, Krisenmanagement, Augustus, vigiles, Coercitio
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Organisation der städtischen Sicherheit in der römischen Republik und untersucht die Möglichkeiten der Konfliktregulierung in einem System ohne institutionalisierte Polizei.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die sozialen Missstände der plebs urbana, die Machtbefugnisse der Magistrate sowie die Methoden der Krisenbewältigung bei politischer Instabilität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, wie öffentliche Ordnung in Rom bewahrt wurde und ob der moderne Begriff "Polizei" auf die dortigen Organisationsstrukturen zutrifft.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung antiker Quellen und moderner fachwissenschaftlicher Literatur zur römischen Geschichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lebensbedingungen, die Rolle der Magistrate und ihrer Gehilfen, die Anwendung von außerordentlichen Mitteln wie der Selbsthilfe sowie den Übergang zu kaiserzeitlichen Strukturen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie römische Republik, Magistratur, soziale Unruhen, Coercitio und die Transformation der Sicherheitsstrukturen unter Augustus geprägt.
Inwiefern beeinflusste die Wohnsituation in Rom die öffentliche Ordnung?
Die mangelhafte Qualität der Wohngebäude, die hohe Mietlast und die räumliche Enge führten zu sozialen Spannungen und einer ständigen Brandgefahr, was die Aufrechterhaltung der Ordnung erschwerte.
Warum wird die Rolle der Liktoren als so wichtig hervorgehoben?
Liktoren dienten als unverzichtbares Symbol der magistratischen Autorität und Legitimität, auch wenn sie aus heutiger Sicht keine polizeiliche Schutzfunktion im klassischen Sinne ausübten.
Welche Bedeutung hatte das "senatus consultum ultimum" in der späten Republik?
Es diente als letztes Mittel des Senats im Staatsnotstand, um die Ordnung bei drohender Tyrannis gewaltsam wiederherzustellen, was jedoch die politische Stabilität zunehmend untergrub.
Warum konnte Augustus schließlich ein Sicherheitssystem etablieren, das der Republik verwehrt blieb?
Augustus konnte die Macht zentralisieren und durch die Schaffung dauerhafter Einheiten wie der vigiles die Infrastruktur und die Brandbekämpfung institutionalisieren, was unter den republikanischen Vorzeichen der geteilten Macht so nicht möglich war.
- Arbeit zitieren
- Rick Stockrahm (Autor:in), 2017, Und was war eigentlich mit der Polizei? Zur Organisation der städtischen Sicherheit in der römischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367400