Filmmusik im Musikunterricht. Zwei 60-minütige Unterrichtseinheiten zu Bernard Herrmann


Unterrichtsentwurf, 2011

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Bernard Herrmann
1.1. Zur Person Bernard Herrmann
1.2. Kompositionstechniken Herrmanns

2. Planungsphase der Unterrichtsstunde
2.1. Vorüberlegungen zum Unterricht
2.2. Die Stationen des Unterrichts im Überblick

3. Durchführung und Reflexion der Unterrichtsstunde

4. Fazit

5. Anhang

Handout 1. Stunde

Handout 2. Stunde

Spannungskurve

Rhythmuspattern

1. Bernard Herrmann

1.1 Zur Person Bernard Herrmann

Bernard Herrmann lebte von 1911-1975 und war ein berühmter US- amerikanischer Dirigent und Komponist, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock bekannt wurde. Er entstammte einer russisch, jüdischen Familie und wuchs in New York City auf. Bereits früh zeigte sich sein vielseitiges Interesse an Musik. So erlernte er Klavier und Violine und studierte später an der renommierten Juilliard School. 1931 trat er der Young Composers Group um den bekannten Aaron Copland eine Gruppe, gegründet zur Förderung der zeitgenössischen amerikanischen Musik. Im Anschluss arbeitete er lange Zeit als Dirigent und war als Komponist für den Sender CBS tätig. Bei CBS lernte er auch den Regisseur Orson Welles kennen, für dessen spätere Filme Citizen Капе (1941) und The Magnificent Ambersons (1942) er die Filmmusik schrieb. 1940 übernahm er die Leitung des CBS Symphony Orchestra. Des Weiteren folgten Aufführungen als Gastdirigent des New York Philharmonic Orchestra, des Royal Philharmonic Orchestra, des London Philharmonic Orchestra und mehrfach des Hallé Orchestra in Manchester. In den 50er Jahren machte er die Bekanntschaft mit Alfred Hitchcock, für dessen Filme er nun an die Musik schrieb. Diese Zeit wird als Hochpunkt seiner Karriere gesehen. Es entstanden u.a die Filme The Trouble with Harry (1956), Vertigo (1958), North by Northwest, (1959), Psycho (1960), The Birds (1963), Marnie (1964). Mit Psycho erlangte Herrmann seinen wohl größten Coup. Außergewöhnlich ist diese Partitur durch den ausschließlichen „Einsatz eines bloßen Streichorchesters“.[1] Die Szene des Mordes unter der Dusche, eine der visuell bekanntesten des Films, sollte nach Hitchcocks Vorstellungen erst gar keine Musik erhalten. Die von Herrmann komponierten dissonanten hochlagigen Violinschreie überzeugten ihn vom Gegenteil und die Szene wurde zu einem der größten Momente der Filmgeschichte.

Später 1966 kam es zum Bruch zwischen Herrmann und Hitchcock.[2] Er zog nach England und schrieb dort 1966 die Musik zu François Truffauts Fahrenheit 451 und später auch zu dessen Kinofilm Die Braut trug schwarz. Weitere Filme unter der Feder von Brain de Palma wie Sisters oder die Wiege des Bösen folgten. Herrmann starb kurz nach dem die Aufnahmen zu seinem letzten Film Taxi Driver (1976, Regie: Martin Scorsese) beendet waren. Er hinterlässt neben seinen zahlreichen Filmmusiken auch einige kammermusikalische Werke. Insgesamt erhielt er fünf Oscar Nominierungen und eine Golden Globe Nominierung.

1.2 Kompositionstechniken Herrmanns

Herrmann entwickelte Zeit seines Lebens bei Filmmusiken einen ganz eigenen Kompositionsstil, der ihn später so bekannt machte. Im Vergleich zu anderen Filmkomponisten seiner Zeit wie Erich Wolfgang von Korngold oder Max Steiner, die in der goldenen Filmära Hollywoods in den 1940er und 1950er wirken, war Herrmann weniger auf einen vollen, pompösen Orchesterklang aus. „Seine Vorzüge lagen viel mehr auf den so genannten short cellsu.[3] Dies waren kleine Motive, oft aus nur wenigen Noten. Diese cells bestanden nicht aus langen Perioden (4 + 4 Takte zum Beispiel) oder klassisch strukturierten Melodielinien wie sie Steiner, Waxmann oder Korngold zu verwenden pflegten, sondern vielmehr aus sehr kurzen markanten Patterns, rhythmisch als auch melodisch. Des Weiteren legte Herrmann in seinen Filmmusiken weniger darauf Wert ein ganzes Sinfonieorchester in Anspruch zu nehmen, sondern versuchte die Musik „an die Dramaturgie des Films anzupassen“.[3] [4] [5] So kam es vor das ganze Instrumentengruppen eines Sinfonieorchesters fehlen. Laut Herrmann ist es die Aufgabe der Filmmusik mit dem Film zu verschmelzen. Er verlässt so die in den 1950er Jahren, also in den Jahren seines Hauptwirkens, übliche Denkweise ein volles spätromantisch, expressionistische Sinfonieorchester erfülle die Aufgaben eines ganzen Filmes.

Des Weiteren bleibt Herrmann harmonisch oft sehr offen. Dissonanzen werden nicht aufgelöst und verbleiben in ihrer Struktur. Dadurch wird Spannung und eine gewisse Unruhe beim Zuhörer bzw. Zuschauer ausgelöst. Diese Merkmale machten ihn gerade für Alfred Hitchcock, dem Master of Suspence[5] interessant. So kam es seit den späten 1950er Jahren zu einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern, die letzten Endes bis zu zehn Jahre andauem sollte und zahlreiche Projekte wie ,,die Vögel“, „Psycho“ oder der „North by Northwest“[6] hervorbrachte. Mit den eben genannten Techniken entwickelte Herrmann eine grandiose Leitmotivtechnik. So tauchen die kleinen Motive, Zellen etc. im Laufe des Filmes immer wieder auf und werden bestimmten Personen oder einer ganz bestimmten, charakteristischen Stimmung zugeschrieben. Der Zuschauer fühlt sich so schnell von der Musik und damit zusammenhängenden Geschehen auf der Leinwand in einen Bann gezogen. Diese Einflussnahme auf die Dramaturgie des Films ist es, die Herrmann so berühmt machte.

2. Planungsphase der Unterrichtsstunde

2.1. Vorüberlegungen zum Unterricht

Die Aufgabe meines Kollegen Stephan Summers und mir war es, zwei Unterrichtstunden zu je sechzig Minuten zu Bernard Herrmann zu erarbeiten. Aus organisatorischen und zeitlichen Gründen werden wir allerdings hier getrennte Beschreibungen/Reflexionen über diese beiden Unterrichtstunden abgeben. Auch wenn die Unterrichtsstunde zusammen detailliert geplant und durchgeführt führte, so liegt die Ausarbeitung beijedem selbst.

Das Seminar hatte das Thema Filmmusik zum Thema. Hier wurden in verschiedenen Sitzungen unterschiedliche spezielle Filme aber auch Komponisten und deren Filme vorgestellt. Die anwesenden Studenten fungierten als Testpersonen (Ersatzschüler) und sollten in den Unterricht eingebunden werden und diesen in einer anschließenden Diskussionsrunde kritisch reflektieren. Der Unterricht konnte je nach vorliegendem Thema alleine oder in einer kleinen Gruppe von maximal drei Personen durchgeführt werden.

Wir entschieden uns zu Beginn des Semesters für das Thema Bernard Herrmann, da hier bereits einige grobe Kenntnisse der Person und Musik vorlagen. Da Herrmanns Musik eng mit den Filmen Hitchcocks in Verbindungen zu bringen ist und seine kompositorisches Schaffen sehr umfangsreich ist wurden für das Thema „Bernard Herrmann“ gleich zwei Unterrichtsstunden, also zweimal sechzig Minuten angesetzt. Wir waren anfangs zu dritt, doch aus terminlichen Gründen müsste der dritte Mann zwei Wochen vor der Präsentation abspringen, was etwas ärgerlich war und für uns etwas mehr Aufwand zu zweit bedeutete, den wirjedoch meisterten.

Im Laufe dieser Arbeit werden ich immer wieder den Terminus Schüler verwenden, wobei hier natürlich unsere Mitstudenten gemeint sind, die während der Sitzung als Testpersonen agierten.

Unsere Aufgabe war es nun den „Schülern“ Bernard Herrmanns Kompositionstechnik im Film näher zu bringen. In der Durchführung waren wir jedoch auf uns alleine gestellt, da es keine weiteren Vorgaben gab. So waren wir, was die genauen Vorgaben für eine Unterrichtsplanung anging, relativ frei.

Wir schauten zunächst wie wir diese beiden uns zur Verfügung stehenden Stunden füllen könnten. Was wissen die Schüler bereits über Herrmann, wissen sie überhaupt etwas? Wo kann man sie abholen. Was kann man verlangen, wie weit kann man gehen?

Da es sich um eine Gruppe Musikstundenten handelt kann man natürlich höhere Erwartungen im Voraus stellen. Doch wir wollten die Unterrichtsstunde „schülergerecht“ stellen.

So fingen wir an allerlei Literatur zu Bernard Herrmann und Musikbeispiele zu sammeln und uns mit Unterrichtskonzepten zum Thema Filmmusik zu beschäftigen. Dabei stießen wir auch auf Konzepte die zwar nichts mit Herrmann oder dergleichen zu tun hatte, aber für uns interessant schien. Zunächst lasen wir uns in die Vita Herrmanns ein und befassten uns mit seiner Kompositionstechnik. Dann schauten wir, welche Filme Herrmann vertonte. Einige davon waren uns bereits bekannt. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns schließlich für drei Filme Citizen Kane, North by Northwest und Taxi Driver. Jede dieser drei Filme spiegelt in gewisser Weise Herrmanns Stil wieder und doch sind es drei verschiedene Arten von Filmen aus drei unterschiedlichen Jahrzehnten. Bei Citizen Kane handelt es sich um einen Film aus dem Jahr 1942. Ein Meisterwerk von Orson Welles, das Filmgeschichte schrieb. Ein Film der irgendwie zwischen Thriller und Melodram schwankt, den man anfangs nicht einzuordnen weiß. North by Northwest, ein klassischer Hitchcock, ein raffiniert in Szene gesetzter hochintelligenter Agententhriller nach einem Drehbuch von Ernest Lehmann und zu guter letzt Taxi Driver aus dem Jahre 1976 von Martin Scorsese,

Hermanns letzter Film, da er noch im selben Jahr verstarb. In diesem Film es geht um den Taxifahrer Travis, ein Vietnamveteran der in New York sein Geld mit Taxi fahren verdient. Traumatisiert durch die Erlebnisse im Krieg, gezeichnet von Einsamkeit und Sehnsucht nach einer besseren Welt macht er sich daran die Stadt zu „säubern“. Er möchte das Stadtbild, das von Prostitution und Diebstahl und anderer Sünden gezeichnet ist, auf eigene Faust befreien. In diesem Film wird der Stil Herrmann besonders deutlich, wie er dramaturgisch auf das Geschehen eingeht. Natürlich hätte es noch eine Vielzahl anderer Filme gegeben aber da das Thema Alfred Hitchcock schon mal Gegenstand einer Unterrichtsstunde, haben wir uns dagegen entschieden nur Hitchcockfilme für unseren Unterricht zu nehmen und uns so für drei Filme fast unterschiedlichen Genres entschieden.

2.2. Die Stationen des Unterrichts im Überblick

Nun war es soweit. Wir hatten uns für drei Filme Citizen Капе, Taxi Driver und North by Northwest entschieden. Jetzt ging es darum, den genauen Ablauf und unsere Unterrichtsziele festzulegen. Zunächst legten wir folgende grobe Ziele fest.

Die Schüler sollten:

- etwas zur Vita des Komponisten erfahren
- einen kurzen Überblick über die Filme bekommen
- die Kompositionstechnik Herrmanns mit Hilfe ihres musikalischen Wissens zunächst beschreiben, später verinnerlichen können. Dann mit denen anderer Komponisten der Zeit gegenüberstellen
- schlussendlich selbst aktiv werden und das über Herrmanns Gelernte zu einer vorgegeben Filmszene im Idealfall selbst anwenden

So entstand ein genauer Verlaufsplan für die erste Stunde.

Ein guter Einstieg war zunächst von Nöten, der diese Besonderheit Herrmanns in irgendeiner Weise darstellt. Wir entschieden uns für einen Einstieg, der einerseits frontal aber die Schüler doch zum Nachdenken anregen sollte und warfen zwei Notenbeispiele an das Smart Board: Ein Beispiel Tara’s Theme aus Gone with the Wind, das andere ein Beispiel Herrmanns aus Citizen Kane. Die dazugehörigen Aufnahmen sollten den Schüler vorgespielt werden. Dazu kommt die Klasse als

Aufgabe: „Vergleicht die beiden Beispiele?“. Hier sollte die Klasse herausfinden, dass Herrmanns Musik anders angelegt war und keine periodische Form aufweist wie Steiners Beispiel. Nach dem Einstieg sollte eine Problematisierung folgen, ein Kernproblem, eine Fragestellung, die sich dann durch die folgenden Unterrichtsstationen zieht und die Schüler aufhorchen lässt. Diese hieß: Wodurch zeichnet sich Herrmanns Kompositionsstil konkret aus? Folgen sollte eine Arbeitsphase, in der wir vom Allgemeinen ins Konkrete gehen. Wir gingen chronologisch vor und wählten Citizen Капе. Die Klasse sollte zu allererst nur ein Musikstück aus dem Film ohne Bilder sehen und beschreiben, wie sich das Geschehen abspielen könnte. Erst nach der Beschreibung folgt die vollständige Sequenz. Vorgesehen war hierfür die markante Frühstücksszene aus Citizen Капе in der die beiden Hauptprotagonisten quasi eine Zeitreise durchleben, während sie am Frühstückstisch sitzen. Herrmann begleitet das musikalisch in anspruchsvoller Weise. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe bekommt die Aufgabe: Überlegt euch, welches Bild die Musik hier untermalen könnte? Die Zweite: Beobachtet, wie sich das Stück charakterlich entwickelt. Wodurch?

Herausgefunden werden sollte, dass die Instrumentation ständig wechselt, ein Kernmotiv zweimal auftaucht und am Schluss das Stück bedrohlichen Charakter bekommt. Ziel war es hier herauszufinden, dass Filmmusik in diesem Kontext dramaturgisch gebracht wurde und nicht als bloße Untermalung der Handlung fungiert. Eine Besonderheit baute Herrmann in diese Szene noch ein. So zitierte er in dieser Szene den mittelalterlichen kirchlichen Hymnus Dies Ime, der bis 1970 in der römischen Liturgie als Sequenz der Totenmesse gesungen wurde. Fast alle namenhaften Komponisten über die Jahrhunderte hindurch darunter Verdi, Mozart oder Dvorak, um nur einige zu nennen, haben sich dran gemacht diesen Hymnus zu vertonen. Auch in jüngster Zeit gab es zahlreiche Vertonungen in Filmen wie in der Trilogie der Herr der Ringe oder König der Löwen. Was das Unterrichtsthema Herrmann angeht, ist dies jedoch nur eine kleine Anekdote, zeigt aber auch am Rande dass sich Herrmann, den Kontext der Szene beachtend, mit den Filmcharakteren des Films sehr auseinandergesetzt hat. Da sich ja in der besagten Szene das Leben der beiden Schausteller vor dem inneren Auge des Zuschauers abspielt und sich das Leben der beiden nun dem Ende zuneigt.

Im Anschluss daran wird nun die komplette Frühstücksszene gezeigt. Wir geben den Schülern den Kontext und fragen dann anschließend danach, was die Szene aussagt?

[...]


[1] Kloppenburg, Josef: Die dramaturgischeFunktion derMusik in denFUmenAlfredHitchcocks. München 1986. S.169

[2] Kloppenburg, Josef: Die dramaturgische Funktion der Musik in den Filmen Alfred Hitchcocks. München 1986. S.170

[3] Rieger, Eva: Alfred Hitchcock und die Musik. Eine Untersuchung zum Verhältnis von Film, Musik und Geschlecht. Bielefeld 1996. S. 162 ff.

[4] Rieger, Eva: Alfred Hitchcock und die Musik. Eine Untersuchung zum Verhältnis von Film, Musik und Geschlecht. Bielefeld 1996. S.178

[5] http://www.bernardherrmann.org/articles/bio/aboutthecomposer/

[6] http://www.bernardherrmann.org/articles/bio/aboutthecomposer/

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Filmmusik im Musikunterricht. Zwei 60-minütige Unterrichtseinheiten zu Bernard Herrmann
Hochschule
Hochschule für Musik Detmold  (Institut für Musikpädagogik)
Veranstaltung
Filmmusik im Unterricht
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V367422
ISBN (eBook)
9783668454927
ISBN (Buch)
9783668454934
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernard Herrmann, Filmmusik im Unterricht, Filmmusik, Filmmusiktechniken, Scores, Unterrichtsreihe zu Filmmusik, Ausarbeitung, HfM Detmold
Arbeit zitieren
Sven Gerrlich (Autor), 2011, Filmmusik im Musikunterricht. Zwei 60-minütige Unterrichtseinheiten zu Bernard Herrmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367422

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