Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage: Sollten unterschiedliche Wörterbücher für Übersetzungs- bzw. Verständniszwecke für deutsche und russische Muttersprachler herausgegeben werden? Wenn ja, wie sollten sie aussehen? Welche Merkmale sollten die Einträge aufweisen? Im Anschluss an den theoretischen Teil wurden vier Wörterbücher auf ihre Adressatenbezogenheit hin untersucht. Ich habe dafür nur größere Wörterbücher mit mehr als 50 000 Lemmata herangezogen, weil bei kleineren Wörterbüchern wegen des geringeren Umfangs eine Orientierung an der Typologie eher nicht zu erwarten ist. Es ist besonders für Übersetzer wichtig, sich Kenntnisse über Wörterbücher zu verschaffen, was die Typologie der Wörterbücher einschließt. Schließlich stellen die Wörterbücher eines der wichtigsten Hilfsmittel des Übersetzers dar. Um die Qualität eines Wörterbuchs beurteilen zu können ist es notwendig, sich Grundkenntnisse aus der Lexikographie anzueignen. Es besteht ein großer Unterschied, ob ein deutscher Übersetzer ein aktives oder passives russisch-deutsches Wörterbuch benutzt. Dieser Unterschied sollte deshalb jedem Übersetzer klar sein. In der vorliegenden Arbeit beurteile ich daher die Typologie und die einzelnen Wörterbücher primär aus der Sicht des Übersetzers, versuche aber auch, die Sichtweise anderer Benutzer einzubeziehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Typologie zweisprachiger Wörterbücher
1.1. Л. В. Щерба zur zweisprachigen Lexikographie
1.2. Einteilung der Wörterbücher nach der Sprachrichtung
1.3. Einteilung der Wörterbücher nach ihrer Funktion
1.4. Typologie der Wörterbücher aus Sicht des Übersetzers
2. Umsetzung der Theorie in die Praxis
2.1. Anforderungen an die Makrostruktur aktiver/passiver Wörterbücher
2.2. Anforderungen an die Mikrostruktur aktiver/passiver Wörterbücher
3. Praktische Umsetzung der Typologie anhand ausgewählter Wörterbücher
3.1. Vorgehensweise
3.2. Das Deutsch-Russische Wörterbuch von Ronald Lötzsch
3.2.1. Makrostruktur
3.2.2. Mikrostruktur
3.2.3. Gesamteindruck
3.3. Das Große Deutsch-Russische Wörterbuch von О.И. Москальская
3.3.1. Makrostruktur
3.3.2. Mikrostruktur
3.3.3. Gesamteindruck
3.4. Das Russisch-Deutsche Wörterbuch von Е.И. Лепинг
3.4.1. Makrostruktur
3.4.2. Mikrostruktur
3.4.3. Gesamteindruck
3.5. Das Russisch-Deutsche Wörterbuch von Hans Holm Bielfeldt
3.5.1. Makrostruktur
3.5.2. Mikrostruktur
3.5.3. Gesamteindruck
Zusammenfassung
Übersichtstabelle
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Adressatenbezogenheit aktueller russisch-deutscher und deutsch-russischer Wörterbücher. Ziel ist es zu analysieren, wie Wörterbücher für unterschiedliche Benutzergruppen (Übersetzer vs. Verständniszwecke) gestaltet sein sollten und inwieweit die theoretische Unterscheidung in aktive und passive Wörterbücher in der praktischen Lexikographie umgesetzt wurde.
- Typologie zweisprachiger Wörterbücher nach Щерба und anderen Lexikographen
- Unterscheidung zwischen aktiven (Hinübersetzung) und passiven (Herübersetzung) Wörterbüchern
- Makro- und Mikrostrukturanalyse ausgewählter Wörterbücher
- Kritische Bewertung der Eignung für professionelle Übersetzer und Spracherwerbende
- Bedarf an empirischen Untersuchungen zur Benutzersituation
Auszug aus dem Buch
1.4. Typologie der Wörterbücher aus Sicht des Übersetzers
Bei den Theorien zur Typologie von Wörterbüchern geht man von den Funktionen Übersetzen, Rezipieren und Produzieren aus. Dabei wird jedoch die Benutzersituation aus der Zweckbestimmung des Wörterbuchs, d. h. auf deduktivem Weg, abgeleitet. Möglich wäre aber auch der umgekehrte induktive Weg, bei dem man durch vorangegangene Tests bzw. Umfragen die Funkion von Wörterbüchern empirisch ermittelt (Duda). Analytische Verfahren zur Ermittlung von Benutzersituationen existieren jedoch praktisch nicht. Es fehlen soziologische Benutzerumfragen, die potentielle Benutzergruppen, ihre linguistische Kompetenz und ihre Bedürfnisse beschreiben (Kromann).
So wurden Theorien auf Grund der Annahme einer Benutzersituation aufgestellt, für die empirische Beweise fehlen. Meiner Meinung nach stellt das einen großen Mangel bei dem Versuch der Erarbeitung adressatenbezogener Wörterbücher dar. Dass sich die Vorstellung von Lexikographen bzw. Wörterbuchautoren über die Funktion des Wörterbuchs und die eigentliche Benutzersituation oft nicht decken, sieht man gut am Beispiel Щерба's. Zum Benutzerkreis seines Russisch-Französischen Wörterbuchs sagt er im Vorwort, es sei ein Wörterbuch für jene Benutzer, „die eine Fremdsprache nicht besonders gut kennen und dennoch von Zeit zu Zeit etwas in diese Sprache übersetzen müssen.“ (Щерба in Duda, 12). Hier wird das vorausgesetzt, was heute immer noch häufiger die Praxis ist, und zwar, dass Übersetzungen von Laien angefertigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zur Adressatenbezogenheit zweisprachiger Wörterbücher für deutsche und russische Muttersprachler.
1. Typologie zweisprachiger Wörterbücher: Theoretische Grundlagen der Lexikographie, insbesondere Konzepte von Щерба, sowie Einteilung nach Sprachrichtung und Funktion.
2. Umsetzung der Theorie in die Praxis: Erörterung der methodischen Anforderungen an Makro- und Mikrostrukturen von aktiven und passiven Wörterbüchern.
3. Praktische Umsetzung der Typologie anhand ausgewählter Wörterbücher: Detaillierte Analyse von vier Wörterbüchern (Lötzsch, Москальская, Лепинг, Bielfeldt) hinsichtlich ihrer Struktur und Nutzbarkeit.
Zusammenfassung: Fazit über den aktuellen Stand der Wörterbuchlandschaft und Forderung nach mehr empirischer Forschung zur translatorischen Praxis.
Schlüsselwörter
Zweisprachige Lexikographie, aktive Wörterbücher, passive Wörterbücher, Adressatenbezogenheit, Makrostruktur, Mikrostruktur, Übersetzungswissenschaft, Deutsch-Russisch, Lemmaselektion, Benutzersituation, Wortschatz, Übersetzerhilfe, Translation, Lexikographie, Sprachrichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Qualität und Gestaltung von aktuellen russisch-deutschen und deutsch-russischen Wörterbüchern im Hinblick auf deren Eignung für verschiedene Benutzergruppen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Typologie zweisprachiger Wörterbücher, die Trennung zwischen aktiven und passiven Funktionen sowie die praktische Umsetzung dieser Konzepte in der Wörterbuchherstellung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist festzustellen, ob Wörterbücher die Anforderungen ihrer Zielgruppen – insbesondere von Übersetzern – konsequent erfüllen und wo theoretische Konzepte in der Praxis an ihre Grenzen stoßen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Analyse, basierend auf einer Auswertung der Einleitungen, Vorworte und Stichproben aus den Wörterbucheinträgen der untersuchten Werke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Lexikographie sowie eine detaillierte praktische Fallstudie zu vier spezifischen Wörterbüchern unter Berücksichtigung ihrer Makro- und Mikrostruktur.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind die aktiv/passiv-Typologie, Lemmaselektion, Adressatenbezogenheit sowie die Unterscheidung zwischen Hin- und Herübersetzungswörterbüchern.
Wie bewertet die Arbeit das Wörterbuch von Ronald Lötzsch?
Das Wörterbuch von Lötzsch wird als konsequent auf deutsche Benutzer ausgerichtetes aktives Wörterbuch gewertet, leidet jedoch unter einem umständlichen Verweissystem und einer überarbeitungsbedürftigen Wortliste.
Welche Rolle spielt die Empirie bei der Wörterbucherstellung?
Die Arbeit kritisiert das Fehlen soziologischer Benutzerumfragen und fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Lexikographen und Übersetzern, um den tatsächlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.
- Quote paper
- Katja Dudzinska (Author), 2002, Adressatenbezogenheit der aktuellen russisch-deutschen und deutsch-russischen Wörterbücher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36743