Eine Konkurrenzanalyse des Romans und gleichnamigen Filmes "Fight Club"


Akademische Arbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Thematische Einführung

3 Konkurrenzanalyse
3.1 Wertekataloge
3.2 Kriterien der Konkurrenz
3.3 Der Fight Club als Produkt der Wettbewerbsordnung
3.4 Der Fight Club als „soziale Hegung“
3.5 Gleichgewicht der Kräfte

Schluss

I Literaturverzeichnis

Abstract

Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob zwischen der Alltagsgesellschaft und der Organisation ,Fight Club’ im gleichnamigen Roman auf gesellschaftlicher Ebene ein Konkurrenzverhältnis besteht. Die Analyse schliesst an die im Rahmen des Kurses gehaltene Präsentation an und baut auf intensiven Untersuchungen des Romans, eigenen Überlegungen sowie dem Bezug zu theoretischen Texten auf. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die beiden Organisationsformen nicht miteinander konkurrieren, da der Fight Club und die Alltagsgesellschaft nicht um ein drittes, aussenstehendes Ziel Wettstreiten. Zudem resultiert aus der Analyse, dass der Fight Club als Instrument und als Produkt des Konkurrenzkampfes in dem alltäglichen Wettkampf innerhalb der Gesellschaft ausgelegt werden kann

1 Einleitung

„Hierzulande [USA] gibt es keinen Unterschied zwischen dem wirtschaftlichen Schicksal und den Menschen selbst. Keiner ist etwas anderes als sein Vermögen, sein Einkommen, seine Stellung, seine Chancen. [...] Jeder ist so viel wert, wie er verdient, jeder verdient so viel er wert ist.

- Horkheimer und Adorno (1987, S. 241)

„Du bist nicht deine Arbeit. Du bist nicht wieviel Geld du am Konto hast. Du bist nicht das Auto, das du fährst. Du bist nicht der Inhalt deiner Geldbörse.“

- Tyler Durden (Fincher , 1999, Min . 54)

Bereits anhand dieser beiden Zitate wird die der westlichen Konsumgesellschaft gegenüber stark konträre Sichtweise von Tyler Durden deutlich, der eine strikte Ab- und Auflehnung gegen das Streben nach Materialismus vertritt.

Vor dem Hintergrund dieser Lebensphilosophie fusst die Entstehung des Fight Club, dessen Verhältnis zur Alltagswirklichkeit im Roman im Verlauf der Arbeit an Hand einer nicht abschliessenden Liste von Konkurrenzaspekten dargelegt und analysiert wird. Dies geschieht durch eine knappe Darstellung der prägenden Charakteristika des Fight Club, gefolgt von einer Analyse unter Einbezug von theoretischen Werken und von eigenständigen Überlegungen. Der Vergleich und die Analyse beziehen sich hierbei auf den Fight Club als Gesamtorganisation gegenüber der Alltagswelt, nicht jedoch auf Verhältnisse innerhalb des Fight Club oder dessen Mitglieder.

Dabei bilden die Texte „Wettbewerb als Interaktionsmodus" von Hartmut Rosa und „Soziologie der Konkurrenz" von Georg Simmel die theoretischen Grundlagen des Verständnisses und der Folgerungen bezüglich der Konkurrenz. Die Erläuterungen der beiden einbezogenen Theorien und der Bezug auf den Roman erfolgen jeweils simultan, um den vorgegebenen Rahmen einzuhalten.

2 Thematische Einführung

Vor Beginn der inhaltlichen Auseinandersetzung in dieser Arbeit gilt es, einige für das Verständnis der Auslegungen wichtige Einschränkungen darzulegen. So bezieht sich die gesamte Analyse lediglich auf den Fight Club, nicht jedoch auf das daraus erwachsende Projekt Chaos sowie deren aktive Auflehnung gegen gesellschaftliche Institutionen. Zudem wird der Inhalt des Romans für das Verständnis der Arbeit vorausgesetzt. Abhängig von der Darstellung der einzelnen Konkurrenzaspekte, werden sowohl der Roman von Chuck Palahnuik als auch Elemente der sehr textnahen Verfilmung von David Fincher herangezogen. Die wörtlichen Zitate sind eigenständig aus der englischen Originalfassung übersetzt.

Bei ihrem zweiten Aufeinandertreffen zwischen Tyler Durden und dem namenlosen Protagonisten findet ein kameradschaftlicher und zweckorientierter Faustkampf zwischen den beiden statt, die den Grundstein für die Entstehung des Fight Club bildet. Der Kampf der beiden und folglich alle späteren Kämpfe des Fight Club sind zweckorientiert in der Hinsicht, dass prinzipiell weder der physische Kampf an sich, noch der Ausgang des Kampfes von Interesse sind, sondern dieser der Selbsterfahrung und der Bewältigung von inneren Konflikten dient. Dieser .praktische’ Zweck der Kämpfe wird im Verlauf des Romans mehrmals unterstrichen: „Im Fight Club geht es nicht um gewinnen oder verlieren." (Palahnuik, 2004, S. 35)

3 Konkurrenzanalyse

An Hand dieses Verständnisses lässt sich der Fight Club als eine Art Institution zur Selbsthilfe auffassen. Diese Interpretation wird auch durch den Protagonisten des Romans bei einem Gespräch mit der ehemals rivalisierenden ,Selbsthilfegruppentouristin’ Marla Singer bekräftigt. Auf die Frage, ob er seine alten Gruppen nicht mehr besuche, antwortet er mit der Aussage „Ich hab 'ne neue" (Fincher, 1999, Min. 97). Betrachtet man das Verhältnis des Fight Club zu der im Roman dargestellten Alltagsrealität, so steht der Fight Club als eine Art Subgesellschaft der modernen Gesellschaft mit dieser weder in direkter noch in indirekter Konkurrenz. Vielmehr wäre dieser eine Folge und ein Instrument innerhalb des innergesellschaftlichen Konkurrenzkampfes, das zur Bekämpfung persönlicher Probleme dient. Diese These gilt es, anhand der folgenden Untersuchungen unter Einbezug der erwähnten theoretischen Arbeiten zu überprüfen.

3.1 Wertekataloge

Bei der ersten Betrachtung des Fight Club als Subgesellschaft der im Roman dargelegten modernen, kapitalistischen und profitorientieren Alltagsrealität - auf eine Untersuchung, ob der Fight Club den Anforderungen einer Gesellschaft genügt, wird in dieser Arbeit verzichtet - fallen zunächst deren extrem gegensätzliche Normvorstellungen auf. So scheint der Fight Club als System viele der für die westliche Welt charakteristischen Merkmale abzulehnen. Die Teilnehmer haben vor Beginn ihres nächtlichen zweckorientierten Faustkampfes „Hemd und Schuhe" abzulegen (Palahniuk, 2004, S. 33). Diese dienen in der im Roman etwas überspitzt dargestellten Konsumgesellschaft als primäre Erkennungsmerkmale für soziale wie berufliche Zuordnungen.

Im Fight Club wird durch die ,rohe' Prügelei eine gesellschaftlich als unsittlich bewertete und nicht akzeptierte Tätigkeit ausgeübt (Ausnahme: Sportart Boxen), woraus sich die Frage ergibt, ob die skizzierte Gegensätzlichkeit als Konkurrenz der Verhaltensweisen vergesellschafteter Individuen in unterschiedlichen „Kreisen" (Simmel, 1903, S. 7) zu interpretieren ist.

3.2 Kriterien der Konkurrenz

Simmels und Rosas Verständnis von Konkurrenz kennzeichnet sich diese durch einen indirekten Kampf um ein Drittes und hebt sich klar von der Kampfform des Konfliktes ab. Damit wird verdeutlicht, dass die beiden involvierten Parteien nicht in dem Sinne miteinander im Wettstreit sind, dass das Ziel in der Schädigung oder Schwächung des anderen liegt. Der Wettbewerb verfolgt nicht den direkten Sieg über einen anderen, sondern das Erreichen eines aussenstehenden Ziels. Allerdings streben beide Konkurrenten auf das gleiche Ziel hin, sodass derjenige als Sieger hervorgeht, der den vom Kampf unabhängigen Wert erreicht hat. Sofern die Bezwingung des Konkurrenten für diese Erreichung notwendig ist, kann auch in der Konkurrenz die direkte Bekämpfung des Gegners vorgefunden werden. Allerdings ist diese im Kontext der Konkurrenz nur ein Mittel zum Zweck und bedeutet noch nicht den Sieg in der Konkurrenz, also das Erreichen des dritten Ziels. Zudem stimmen beide Autoren über das Ergebnis der aufgewandten Energien überein. Während das Ergebnis beim Konflikt in der Differenz zwischen den Energien der beiden Parteien liegt, heben sich die Energien in der Konkurrenz nicht auf, sondern addieren sich teilweise. (Simmel, 1903, S. 3 ff.; Rosa, 2015, S. 84 ff.)

Zunächst ist zu klären, ob es sich um einen Konflikt oder Kampf handelt, dessen Ziel in der Beschädigung oder der Beseitigung des Kontrahenten liegt (Simmel, 1903, S. 4). Dies lässt sich anhand mehrerer Indizien verneinen. So wird zwar an mehreren Stellen erkennbar, dass sich der Dissens zwischen den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen innerhalb des namenlosen Protagonisten unter Umständen als ein solcher Kampf identifizieren lässt (Palahniuk, 2004, S. 110 ff.). Dies trifft jedoch nicht für den Fight Club als organisationale gesellschaftliche Struktur zu. So sticht beispielsweise heraus, dass die ersten beiden Regeln des Fight Club dessen Mitglieder explizit dazu auffordern, nicht über den Fight Club zu reden und das Wissen über dessen Existenz nicht zu verbreiten (Palahniuk, 2004, S. 32). Folglich wird ausdrücklich keine aktive Mitgliederakquise, mit dem Ziel, Individuen aus der Alltagsrealität abzuwerben, betrieben. Diese Auffassung wird unterstützt durch die Tatsache, dass der Fight Club nur zu bestimmten Zeiten existiert (Palahniuk, 2004, S. 33). Somit strebt dieser nicht an, in einen aktiven Kampf gegen die stetig präsente Alltagswelt zu treten. Diese eher theoretische Schlussfolgerung lässt sich auch anhand einer Szene aus dem Roman belegen. Auf Seite 112 ff.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Eine Konkurrenzanalyse des Romans und gleichnamigen Filmes "Fight Club"
Hochschule
Universität St. Gallen
Veranstaltung
Kultur der Konkurrenz
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V367466
ISBN (eBook)
9783668459373
ISBN (Buch)
9783668459380
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fight Club, Konkurrenz, Wettbewerb, Analyse, Hartmut Rosa, Wettbewerb als Interaktionsmodus, Soziologie der Konkurrenz, Georg Simmel, Tyler Durden
Arbeit zitieren
Frederik Frank (Autor), 2015, Eine Konkurrenzanalyse des Romans und gleichnamigen Filmes "Fight Club", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367466

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