In der vorliegenden Arbeit, versucht Alfred Schütz die Handlungstheorie von Max Weber phänomenologisch zu begründen. Das entsprechende methodologische Konzept findet er in Edmund Husserls phänomenologischer Konstitutionsanalyse. Der zentrale Begriff des Handlungssinns wird von Schütz weiter ausgearbeitet. Schütz setzt beim Handelnden an und fragt nach der Konstitution des subjektiven Sinns. Dem Wissenschaftler ist der vom Akteur erzeugte Sinn nicht zugänglich und kann nicht identisch mit dem vom Beobachter selbst sein. Dabei beschreibt er die Problematik des Fremdverstehens und stellt sich die Frage wie unsere alltägliche Kommunikation in der Gesellschaft funktionieren kann. Schütz zufolge greifen Akteure im Alltag auf bestimmte Methoden zurück, die es ihnen ermöglichen, von einem intersubjektiv geteilten Sinn auszugehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Mitwelt, Umwelt, Alter ego, Idealtypus
2. Soziale Mitwelt und Idealtypus
2.1 Übergang zum Problem der sozialen Mitwelt. Kontinuierliche Sozialbeziehungen.
2.2 Das Alter ego in der Mitwelt als Idealtypus. Die Ihr-Beziehung
2.3 Die Konstitution des idealtypischen Deutungsschemas
2.4 Die Anonymität der Mitwelt und die Inhaltserfülltheit des Idealtypus
2.5 Die mitweltliche soziale Beziehung und die mitweltliche Beobachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Alfred Schütz' phänomenologische Begründung der Handlungstheorie von Max Weber, mit einem besonderen Fokus auf die Konstitution des subjektiven Sinns und die Funktionsweise alltäglicher zwischenmenschlicher Kommunikation.
- Phänomenologische Konstitutionsanalyse nach Husserl
- Differenzierung zwischen Umwelt und Mitwelt
- Konstitution sozialer Beziehungen durch Idealtypen
- Die Rolle von "um-zu" und "weil" Motiven im Handeln
- Anonymität und Vorurteile in sozialen Interaktionen
Auszug aus dem Buch
Das Alter ego in der Mitwelt als Idealtypus. Die Ihr-Beziehung
In diesem Abschnitt fragt Schütz nach den Konstitutionsweisen der Mitwelt und definiert die verschiedenen Beziehungen zwischen Individuen. Dabei unterscheidet er zwischen einer „reinen Wir-Beziehung“ und der so genannten „Ihr-Beziehung“. Bei Ersterer ist eine gemeinsame raum-zeitliche Anwesenheit gegeben. Die „reine Wir-Beziehung“ kann, so Schütz, auch als „lebendige umweltliche Beziehung“ bezeichnet werden und ist mit dem soziologischen Begriff der „Wechselwirkung“ von Georg Simmel vergleichbar. Soziale Interaktion ist die Wechselwirkung zwischen mindestens zwei Akteuren, die sich gegenseitig in ihrem Handeln beeinflussen. Als Kontrast stellt er der „Wir-Beziehung“ die so genannte „Ihr-Beziehung“ gegenüber, die ausschließlich auf die Mitwelt bezogen ist. Diese Art der Beziehung existiert zwischen Personen, die zwar zur gleichen Zeit leben, aber nicht unmittelbar in Interaktionen stehen.
Das Wissen über den anderen, seine Motive und Sinnzusammenhänge können nicht unmittelbar erworben werden. Solche Beziehungen können als Typus gesehen werden, der rein auf die eigene Erfahrung mit der Lebenswelt basiert und gedanklich konstruiert wird, um Handlungen zu verstehen und zu interpretieren. Als Beispiel gibt Schütz einen Freund an, der über seinen ihm unbekannten Bruder erzählt.
„Mein Freund schildert mir im Gespräch seinem mir unbekannten Bruder enthüllt sich bei näherer Analyse nur als Variation der soeben beschriebenen ersten Konstitutionsweise. Auch hier erfasse ich das mitweltliche alter ego in einem Typus seines So-seins, und zwar vermöge mitvollziehende Reproduktion von fremden Invariantsetzungen abgelaufener umweltlicher Erfahrungen. Indessen ich aber bei Konstitution der Mitwelt aus der Reproduktion meiner eigenen vergangenen Umwelt das Sosein des Du in der Fülle der mit ihm durchlebten Konkretisationsstufe des Wir in den Blick bringen kann, bin ich bei der Kostitution meiner Mitwelt aus der fremden vergangenen Umwelt auf Kundgabeakte desjenigen (meines Freundes) angewiesen, dessen vergangene Umwelt (Bruder) im Augenblick des Kundgebens ja nicht nur seine, sondern auch meine Mitwelt ist. (SCHÜTZ, Alfred 1932: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Seite 255).
Zusammenfassung der Kapitel
Mitwelt, Umwelt, Alter ego, Idealtypus: Dieses Kapitel führt in die grundlegenden Begriffe ein, die Schütz zur phänomenologischen Analyse der sozialen Welt heranzieht.
Soziale Mitwelt und Idealtypus: In diesem Hauptabschnitt wird die methodische Herleitung des Idealtypus als Werkzeug zum Verständnis des Fremdverstehens in verschiedenen sozialen Distanzverhältnissen erläutert.
Schlüsselwörter
Mitwelt, Umwelt, Alter ego, Idealtypus, Handlungstheorie, Sinnkonstitution, Phänomenologie, Wir-Beziehung, Ihr-Beziehung, um-zu Motive, weil-Motive, Anonymität, soziale Interaktion, Fremdverstehen, Typisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert Alfred Schütz' Versuch, die Handlungstheorie von Max Weber phänomenologisch zu fundieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Der Fokus liegt auf der Unterscheidung von Mitwelt und Umwelt, der Konstitution des subjektiven Sinns und der sozialen Kommunikation durch Idealtypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Akteure im Alltag auf Methoden zurückgreifen, um von einem intersubjektiv geteilten Sinn auszugehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die phänomenologische Konstitutionsanalyse angewandt, angelehnt an Edmund Husserl und erweitert durch die Typenbildung von Alfred Schütz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung von sozialen Beziehungen, der Typisierung von Handlungen und der Problematik des Fremdverstehens bei zunehmender Anonymität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mitwelt, Umwelt, Idealtypus, Alter ego sowie das Verständnis von Sinnkonstitution und Motivtypen.
Wie unterscheidet Schütz zwischen Umwelt und Mitwelt?
Die Umwelt ist die unmittelbar erlebte Sozialwelt, während die Mitwelt parallel dazu existiert, aber nicht direkt wahrgenommen wird.
Was besagt die Unterscheidung von "um-zu" und "weil" Motiven?
"Um-zu" Motive beziehen sich auf den Handlungsentwurf und den zukünftigen Zweck, während "weil" Motive Handlungen aus vergangenen Erfahrungen heraus erklären.
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- Abdullah Pinarbasi (Author), 2016, Textrekonstruktion zu "Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt" von Alfred Schütz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367549