Das Leben auf der Insel Utopia und im England des 16. Jahrhunderts

Ein Vergleich an ausgewählten Beispielen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1.0 Von der Insel Utopia
1.1 Thomas Morus verfasst das Werk Utopia
1.2 England im 16. Jahrhundert

2.0 Vergleich zwischen dem Leben auf der Insel Utopia und England im Jahrhundert
2.1 Das Werk, der Forschungsstand und ein Einblick in die Literatur
2.2 Analyse
2.2.1 Das familiäre Zusammenleben und die Gemeinschaft auf der Insel Utopia
2.2.2 Die Arbeitswelt auf der Insel Utopia

3.0 Abschluss
3.1 Zusammenfassung und Fazit

4.0 Anhang
4.1 Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur

1.0 Von der Insel Utopia.

1.1 Thomas Morus verfasst das Werk Utopia.

„Thomas Morus, Lordkanzler von England, dessen Seele reiner war als der reinste Schnee, dessen Genius so groß war, wie England nie einen hatte, ja nie wiederhaben wird, obgleich England eine Mutter großer Geister ist,“ (von Rotterdam 1986) schrieb der niederländische Theologe und Autor Erasmus von Rotterdamm über seinen Freund Thomas Morus, in dem 1509 verfassten WerkLob der Torheit. Jenes Zitat beschreibt dabei deutlich die Weitsicht und Intelligenz des Autors, dessen berühmtestes Werk folgend näher analysiert werden soll.

Der 1478 in London geborene Thomas Morus war englischer Staatsmann und Autor zahlreicher humanistischer und geistlicher Schriften, die im 16. Jahrhundert veröffentlicht wurden. Nach dem Studium der Grammatik, Jura, Musik, Astronomie und Dialektik in London und Oxford, wurde er politisch aktiv, war als Mitglied des Unterhauses und ab 1529 als Lordkanzler unter König Heinrich VIII. tätig (Höffe 2016: 51). Zum Bruch kam es mit dem englischen König, nachdem Thomas Morus die antipäpstliche Politik dessen kritisierte und daraufhin seine Ämter niederlegen musste, da er in Ungnade fiel. Als er schließlich 1534 sich weigerte demAct of Successionzuzustimmen, wurde Morus in den Kerker verbannt und im Juli 1535 wegen Hochverrates zum Tode verurteilt.

Hinterlassen hat Morus zahlreiche Bücher und Schriften, aus denen ein Werk besonders herausragt - „De optimo stau rei publicae deque nova insula Utopia (Von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia)“ (Morus 1986). Knapp 500 Jahre später schreibt der Journalist Marc Reichwein in seinem Artikel „Sechs-Stunden-Tag, Einheitskleidung, goldene Klos“ (Reichwein 2016), dass das Werk Morus „Heilmittel für eine erschöpfte Gesellschaft sei“ (Reichwein 2016) und die Botschaft lautet: „Wenn nichts mehr hilft, hilft es, die Dinge radikal anders anzugehen“ (Reichwein 2016). Thomas Morus Werk ist auch 500 Jahre nach der Veröffentlichung noch aktuell.

Der Journalist Der WELT reiht sich mit seinem Interpretationsansatz in eine schier endlos scheinende Auflistung von Interpretationen des Werks Utopia ein. Denn Morus Werk bietet seit Jahren die Grundlage zahlreicher Spekulationen, was er mit der Schrift ausdrücken wollte. Für Wissenschaftler ist die Geschichte von der Insel Utopia die kritische Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Problemen des 16. Jahrhunderts in England, wiederum andere Wissenschaftler deuten Morus berühmtestes Werk als Satire in Darstellung Englands der damaligen Zeit.

Obwohl beide Deutungsansätze noch heute neue Interpretationen und Analysen hervorbringen, ist die Version der kritischen Betrachtung Morus der damaligen Zeit als Interpretationsansatz wahrscheinlicher. Die Autorin und Journalistin Jenny Kreyssig geht in ihrer Untersuchung „Die Utopia des Thomas Morus. Studien zur Rezeptionsgeschichte und zum Bedeutungskontext“ (Kreyssig 1988) davon aus, dass Morus mit seinem Werk die Bevölkerung zum Nachdenken bringen und Lösungsansätze für die Missstände aufzeigen wollte.

1.2 England im 16. Jahrhundert.

Morus schrieb sein Werk in jener Zeit, die zur „Geistesbewegung des Humanismus“ (Burkard, Kunzmann 2011: 93) zählt. Der Humanismus beinhaltete die Abneigung gegen festgefahrene Traditionen und fordert „eine Wiedergeburt des Menschen aus dem antiken Geist“ (Burkhard, Kunzmann 2011: 93). Im Mittelpunkt des Humanismus steht der Mensch, die Historie, die Sprache sowie die Natur (Burkhard, Kunzmann 2011: 93). Jene Interessensgebiete, für die sich Morus Zeitlebens interessierte. Auch Morus setzt den Mensch in seinem Werk Utopia in den Mittelpunkt. Ziel jenes Werkes war die fiktive Schaffung eines kommunistischen Idealstaates und die Unterbreitung zahlreicher Vorschläge für politische und wirtschaftliche Reformen gegen das stark von erstarrten Traditionen geprägte Großbritannien.

Eng verknüpft mit der Frage nach der Struktur Englands im 16. Jahrhundert, ist die Betrachtung der Epoche der Tudors zur damaligen Zeit. Denn als der Papst die Scheidung der Ehe von König Heinrich VIII. verweigerte, vollzog sich ein tiefgreifender Bruch mit der Kirche in Rom. Als Reaktion ließ sich der englische König zum weltlichen Oberhaupt der englischen Kirche ausrufen. England ist zu Beginn der Neuzeit stark von sozialer Ungleichheit geprägt, so herrschte extreme Armut in der Bevölkerung und starke Unterschiede innerhalb der Gesellschaft führten zu einer unterschiedlichen Ausprägung von Bildung und Eigentum der Bevölkerung. Besonders betroffen waren die Landwirte auf den englischen Dörfern. Parallel dazu existierte eine unvernünftige Politik am Königshof in England (Spreen 2004: 1), die Morus ebenso scharf kritisierte. All jene Missstände bewegten den Autor zum Verfassen des Werkes Utopia als Gegenentwurf zum England der damaligen Zeit. In der vorliegenden Arbeit soll ein Vergleich des fiktiven Staates Utopia mit den Gegebenheiten Englands zur damaligen Zeit vollzogen werden, hierbei werden die Unterschiede analysiert und abschließend die Kritik von Thomas Morus erläutert.

2.0 Vergleich zwischen der Insel Utopia und England.

2.1 Das Werk, der Forschungsstand und ein Einblick die Literatur.

Für Thomas Morus war das 1516 veröffentlichte Werk Utopia starker Ausdruck von Kritik am damaligen Staatssystem, politischen und gesellschaftlichen Missständen und zugleich brachte er in jenem Werk Vorschläge für einen gerechteren, gleicheren und humaneren Staat ein.

Das Buch unterteilt sich hierzu in zwei verschiedene Bücher. Im ersten Buch bringt Morus seine Kritik am vorherrschenden Staatssystem der damaligen Zeit vor, urteilt negativ über die durchgeführte Todesstrafe, die unvernünftige Politik der Herrscher in Europa sowie deren machtgierige Berater und den starken Expansionsdrang der Mächtigen. Auch die Haltung der Herrscher gegenüber den Untertanen missfiel ihm. So bemängelte er die starke Kapitalisierung des Ackerbaus, der zu Lasten der ärmeren Bevölkerung ging, die kaum noch bewohnbare Landflächen finden, da die Landschaften für die Tierzucht verwendet wird. Dadurch steigen die Preise und Menschen werden aus dem Land vertrieben.

Thomas Morus kommt zu dem abschließenden Urteil, dass die englische Politik reformunfähig geworden ist und eine Abkehr der vorherrschenden Gegebenheiten kaum möglich scheint (Morus 1986: 15-57).

Im zweiten Buch beschreibt der Autor die fiktive Insel Utopia und das gesellschaftliche Leben auf ihr, hierbei berichtet der Seefahrer Hytholdeus von seinen Eindrücken auf der Insel Utopia. Besonders die Einheit und Gleichheit innerhalb der Gesellschaft erhält hierbei große Bedeutung (Morus 1986: 58-72).

Jeder Inselbewohner erhält seine Rechte und Pflichten, alle Bewohner sind gleich, niemand wird bevorzugt. Der Journalist Marc Reichwein befindet, dass Thomas Morus die Insel „Utopia als Alternative zur sozialen Ungleichheit, zum ausbeuterischen Schafswollkapitalismus und zur Verelendung der bäuerlichen Bevölkerung auf der britischen Insel“ (Reichwein 2016) kreiert.

So detailliert Morus auf der einen Seite das Leben auf der Insel Utopia beschreibt, so frei lässt er dem Lesepublikum Spielraum zur persönlichen Interpretation des Werkes. Politikwissenschaftler Nils Spreen von der Ruhr-Universität Bochum kommt zu dem Entschluss, dass „man das Buch Utopia als eine Satire oder als zweite Politeia ansehen“ kann (Spreen 2004: 7). Jeder Leser, so Spreen, erhalte die Chance, mit einer persönlichen Sichtweise „die Insel Utopia zu erforschen“ (Spreen 2004: 7).

Besonders die philosophiepolitische Wissenschaft befasst sich bis heute intensiv mit Morus Werk. Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass er sein Werk direkt an wichtige Funktionsträger richtete, hierfür spricht die hochgebildete Sprache und die Verwendung der lateinischen Schrift. Dennoch wurde sein Werk mehrheitlich von den Zeitgenossen mit großer Begeisterung und Zuspruch gelesen, viele sahen jene kritische Auseinandersetzung mit der Politik und Gesellschaft Englands als Beginn einer Reformwelle an.

Frei von Kritik blieb Morus Schrift über die Insel Utopia dennoch nicht, besonders in gebildeten Kreisen, aus Adel und Klerus stammend, bewertete man die Vorschläge als nicht umsetzbar. In den folgenden Jahren bildete das Werk stets die Grundlage für neue Interpretationsansätze und fundierte dadurch, politische Ideen vom Kommunismus über den Liberalismus hin zum Imperialismus. Dagegen ist die Forschung einig darüber, dass Morus Werk als kritischer Gegenentwurf zur damaligen Zeit betrachtet werden kann. Allgemein werden Morus Vorschläge für die damalige Zeit als äußerst modern bewertet.

Besonders das Buch „Politische Utopien der Neutzeit - Thomas Morus, Tommaso Campanella, Francis Bacon“ (Höffe 2016) von Otfried Höffe, sowie „Die Utopia des Thomas Morus. Studien zur Rezeptionsgeschichte und zum Bedeutungskontext“ (Kreyssig 1988) der Autorin Jenny Kreyssig analysieren ausführlich die verschiedenen Ansätze zur Intrepretation von Morus Werk. Dabei wird nicht nur das Wirken von Thomas Morus detailliert beschrieben, sondern auch mit verschiedenen anderen politischen Utopien verglichen.

Besonders die 500. Jährung der Veröffentlichung der „Utopia - Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia“, war Anlass für zahlreiche neue Interpretationsansätze und bot die Grundlage für weitere Essays, Bücher und Artikel in Fachzeitschriften.

2.2 Analyse

2.2.1 Das familiäre Zusammenleben und die Gemeinschaft auf der Insel Utopia.

Besonders ausführlich beschreibt Thomas Morus im zweiten Buch der Utopia das Zusammenleben der Familie auf der fiktiven Insel. Geprägt ist dieses Leben von klaren Hierarchien und penibler Gleichheit. So herrschen innerhalb des Familienbundes klare Strukturen und strenge Rangordnungen. Die jüngsten Kinder stehen in der Rangordnung an letzter Stelle, davor befinden sich die Frauen und letztlich, an erster Stelle, die Männer (Morus 1964: 77). Der älteste Mann ist das Oberhaupt der Familie und hat den Vorsitz.

Jenes klassische Rollenverständnis innerhalb der Familie gleicht dem in England zur damaligen Zeit. Anders allerdings, als die exakten Angaben über die Zusammensetzung der Familie, die sind nämlich streng niedergeschrieben und gleichen sich dadurch in jedem Familienverbund auf der Insel. So zählt kein ländlicher Haushalt weniger als vierzig Köpfe an Männern und Frauen, der Hausvorstand setzt sich aus Hausvater und Hausmutter zusammen (Morus 1986: 60). Mit dieser strengen Regelung wollte Morus eine Gleichheit unter den einzelnen Haushalten schaffen, da eine der wichtigsten Eigenschaften des Lebens auf der Insel die Homogenität der Gruppen war.

Gleichheit gilt auch unter den Bewohnern in Bezug auf ihre Stellung, alle waren gleich und nicht in Stände unterteilt, wie es in England zur damaligen Zeit der Fall war.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Leben auf der Insel Utopia und im England des 16. Jahrhunderts
Untertitel
Ein Vergleich an ausgewählten Beispielen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V367614
ISBN (eBook)
9783668460317
ISBN (Buch)
9783668460324
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas Morus, Morus, Utopia, Politische Philosophie, Mittelalter, Großbritannien, Utopie, utopisch
Arbeit zitieren
Verena Rau (Autor), 2017, Das Leben auf der Insel Utopia und im England des 16. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367614

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