Das Konzil von Trient (1521 - 1545). Eine Krise um die Erneuerung der Kirche


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Weg zum Konzil von Trient von 1521 bis

2. Vorgeschichte
2.1. Die Ergebnisse aus der ersten Konzilsperiode
2.2. Suspension des Konzils nach der zweiten Phase
2.3. Zwischenereignis: Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden
2.4. Wiedereinberufung des Konzils

3. Beginn der 3. Tagungsperiode (1562/ 63)
3.1. Vorzeichen und Differenzen – Beeinflussung der Krise
3.1.1. Ercole Gonzaga
3.1.2. Girolamo Seripando
3.1.3. Ludovico Simonetta
3.2. Erste Krisenphase im Frühjahr
3.3. Zweite Krisenphase im Herbst

4. Blick in den weiteren Verlauf des Konzils

5. Rezeption des Konzils und die weitere Konzilsgeschichte

6. Literaturverzeichnis

1. Weg zum Konzil von Trient von 1521 bis 1545

50 Jahre II. Vatikanum - hieß es 2012 und wurde sowohl in den Medien, als auch überall an den katholischen Einrichtungen und Universitäten mit zahlreichen Beiträgen und Thementagen gewürdigt. So auch beim Dies Academicus oder durch die Ringvorlesung mit vielen Augenzeugen und anderen Theologen im letzten Wintersemester an der LMU.

Aber auch dieses Jahr 2013 ist ein ganz besonderes Jahr im Rahmen der Kirchen- und Konzilsgeschichte: Vor genau 450 Jahren endete das Trienter Konzil, auch Tridentinum genannt. Das Konzil wurde aufgrund der Unruhen um und mit Martin Luther dringend benötigt. Es begann 1545 und endete 1563, dauerte also insgesamt rund 18 Jahre, auch aufgrund zahlreicher Unterbrechungen. Aber noch länger war der Weg bis zum Konzil.

Mit Martin Luthers „Thesenanschlag“ im Jahr 1517 wurde die Einheit des westlichen Christentums nach dem Schisma von 1054 mit der Ostkirche auf eine weitere harte Probe gestellt. Ein Schnitt zog sich durch Deutschland, weil sich die Lehre Luthers immer weiter ausbreitete und sich viele der Theologie Luthers anschlossen, der allerdings 1521 von Papst Leo X. durch das Wormser Edikt verbannt wurde. 1530 kam es in Augsburg zu einem Reichstag, in dem die Protestanten ihren Glauben in der Confessio Augustana darlegten. Die Katholiken stimmten zwar in einigen Punkten zu, wiesen aber auf unüberbrückbare Differenzen hin, die sich besonders auf die Sakraments- und Rechtfertigungslehre bezogen.

Auch politisch gesehen war das Deutsche Reich in zwei Parteien gespalten. Auf der einen Seite gab es die Reichsherren, die katholisch waren und bleiben wollten und auf der anderen Seite diejenigen, die den protestantischen Glauben annahmen und ihre Untertanen ebenfalls dazu zwangen, sich zum protestantischen Glauben zu bekennen. Die Konfessionalisierung wurde durch fehlende Konzilsbeschlüsse in Glaubens- und Kirchenfragen immer weiter beschleunigt. Schon seit Anfang der 20er Jahre wurde von beiden Seiten nach einem Konzil verlangt.

Doch die Päpste bis Paul III. wussten geschickt ein Konzil zu verhindern und ihre jeweilige Verschleppungstaktik blieb lange erfolgreich. Doch als die Forderungen immer lauter wurden und da Kaiser Karl V. sein Reich wieder zu einen versuchte, da ihm das Zusehen von Rom schon viel zu lang andauerte, berief Papst Paul III. auch auf Drängen Karls V. Anfang 1542 ein Konzil nach Trient ein.

2. Vorgeschichte

2.1. Die Ergebnisse aus der ersten Konzilsperiode

Die erste Phase des Konzils (1545- 1548) begann noch sehr verhalten, da kaum Bischöfe vertreten waren, die Hauptbeteiligung lag bei italienischen und spanischen Bischöfen. Die Leitung übertrug der Papst auf drei Kardinäle.[1] Dennoch konnten einige Lehrdekrete verabschiedet werden, unter anderem zur Rechtfertigung, zu den Sakramenten und der Erbsünde. Außerdem wurde man sich einig über das Verhältnis von Schrift und Tradition als Glaubensquellen, sowie die Festlegung des Kanons, um sich von Luther abzugrenzen und dem sola scriptura entgegenzuwirken. Des weiteren wurden Themen zur Reform der katholischen Kirche diskutiert und vier Dekrete wurden angenommen: Über die Authentizität der Vulgata, die Ausbildung der Priester mit der Einrichtung von Priesterseminaren, das Verbot der Pfründenkumulation und außerdem das durch einen Kompromiss geschlossene Reformdekret der Residenzpflicht der Bischöfe und Priester.

Das Dekret über die Residenzpflicht war von großer Notwendigkeit, denn es kam häufig zum Missbrauch der Pfründen. Somit war nun rechtlich festgelegt, dass jeder Bischof bzw. Priester nur eine Diözese bzw. eine Pfarrei leiten durfte. Neben der Geldeinnahme war nun auch der Wunsch nach einer besser funktionierenden Seelsorge gerecht geworden.[2] Es wurde viel über die Inhalte des Dekretes diskutiert, vor allem um die Frage des Ius divinum , eine ekklesiologische Grundfrage, die von den spanischen Bischöfen vertreten wurde. Somit läge die Fülle der Vollmacht nicht beim Papst, sondern das Bischofsamt wäre direkt von Gott verliehen. In der ersten Phase kam es zu einem Kompromiss und die Bischöfe wurde zur Residenz verpflichtet, aber das Ius divinum wurde nicht weiter beachtet.

Doch diese Frage entwickelte sich später zu einem großen Streitthema, welches das Konzil in der dritten Konzilsphase noch stark diskutiert und beinahe das Konzil zum Scheitern brachte. Auf dieses Thema wird im zweiten Teil der Arbeit noch genauer darauf eingegangen.[3]

2.2. Suspension des Konzils nach der zweiten Phase

In der zweiten Konzilsphase waren nun auch viele deutsche Bischöfe und zum ersten Mal auch Vertreter der Protestanten in Trient anwesend. Während in Trient Themen wie Eucharistie oder Buße verhandelt wurden, begannen die protestantischen Fürsten sich unter der Führung von Moritz von Sachsen im Deutschen Reich gegen Kaiser Karl V. aufzulehnen.[4] Nachdem sich die Fürsten mit Frankreich verbündet hatten, erklärten diese Karl V. den Krieg. Dieser wurde daraufhin in Innsbruck angegriffen, als die Truppen nach Süden marschierten. Das Konzil suspendierte sich deshalb am 28.4.1552 von selbst.[5]

2.3. Zwischenereignis: Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden

Nachdem das Konzil nun stillgelegt war und keine neue Einberufung in Sicht war, gelang im Deutschen Reich ein großer Durchbruch zur Einigung der verschiedenen Konfessionen. Am 25.9.1555 wurde der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden geschlossen. Hier wurden sowohl das katholische als auch das lutherische Glaubensbekenntnis rechtlich im ganzen Reich anerkannt. Die zuständige Obrigkeit eines Gebietes erhielt das Recht auf Konfessionsbestimmung, kurz zusammengefasst in cuius regio, eius religio , übersetzt „wessen Land, dessen Religion“ [6] . Dieser Vertrag verhinderte ein Auseinanderbrechen des Deutschen Reiches in zwei Parteien und ermöglichte nun ein friedliches Miteinander beider Konfessionen. Karl V. war sehr erfreut über diesen Friedensbeschluss. Dieser sorgte jedoch in Rom für großen Unmut, weil eine wichtige kirchenpolitische Entscheidung betraf und ohne Zustimmung oder Wissen des Papstes geschlossen wurde.

Dennoch war und blieb der Religionsfriede im Deutschen Reich gültiges Gesetz, bis es durch den dreißigjährigen Krieg erschüttert wurde, weil „sich die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 angestauten konfessionellen Spannungen“[7] entluden. Erst mit dem Westfälischen Frieden und Ende des Krieges 1648 konnte wieder eine Einigung zwischen Protestanten und Katholiken erzielt werden. Der Religionsfriede „soll in all seinen mit einmütiger Zustimmung des Kaisers, der Kurfürsten, Fürsten und Stände beider Konfessionen aufgenommenen und beschlossenen Artikeln für gültig gehalten und unverletzlich beachtet werden“.[8]

2.4. Wiedereinberufung des Konzils

Da Frankreich 1560 dem Papst androhte ein Nationalkonzil einzuberufen, um dort zu klären, wie mit den Protestanten und den erstarkten Calvinisten zu verfahren sei, berief Papst Pius IV. daraufhin das Konzil wieder nach Trient ein. Er wollte unter allen Umständen ein nationales Konzil vermeiden, da dort Beschlüsse ohne die Zustimmung des Papstes gefällt werden könnten.[9]

Dennoch stand die Frage im Raum, ob das Konzil nun eine Fortsetzung des alten sei, oder ob es als ein Neues einberufen wird. Der Hintergrund dafür war, dass sowohl der Papst als auch die spanischen Bischöfe das neue Konzil in Kontinuität mit dem unabgeschlossenen und unvollendeten Konzil von Trient bis dato sahen. Frankreichs König und Kaiser Ferdinand befürworteten aber die Einberufung für ein neues Konzil, weil sie so auf ein Unionskonzil hofften, bei dem man neu mit den Protestanten z.B. über die Rechtfertigung verhandeln konnte.[10] Alle Hoffnung auf ein Unionskonzil wurde aber zerschlagen, denn „die Protestanten (…) lehnten nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 und der fortgeschrittenen calvinistischen Bekenntnisbildung eine Teilnahme kategorisch ab.“[11]

3. Beginn der 3. Tagungsperiode (1562/ 63)

3.1. Vorzeichen und Differenzen – Beeinflussung der Krise

Im Gegensatz zur Zweiten Tagungsperiode waren diesmal trotz großer Beteiligung von fast 200 Teilnehmern kaum katholische Bischöfe aus dem Deutschen Reich anwesend. Der Grund hierfür war die undurchsichtige politische Lage. Die Bischöfe „protested that leaving their dioceses would make them vulnerable to Protestant military and propaganda offensives.“[12] Da ihnen das Risiko zu hoch war und sie den Protestanten keine Möglichkeit geben wollten, nahmen weder die deutschen katholischen Bischöfe am Konzil teil, noch die Protestanten, weil für sie kein Anlass mehr bestand.

Neben den ekklesiologischen Interessensgegensätzen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich auf der einen Seite und dem Papsttum auf der anderen Seite, der für Kurienreformen grundsätzlich nicht offen war, gab es auch auf dem Konzil innerhalb des Legatenkollegiums zu Differenzen. So standen die reformwilligen, eher liberalen Bischöfe Ercole Gonzaga und Girolamo Seripando dem Bischof Ludovico Simonetta gegenüber, der eine streng kuriale Sichtweise vertrat und einen engen Kontakt zum Papst hatte, der später noch die Krise um die Debatte des Ius divinum verstärkte.[13] Zum besseren Verständnis sollen die drei Kardinäle im Folgenden genauer dargestellt werden.

3.1.1. Ercole Gonzaga

Ercole Gonzaga war der Sohn einer reichen und angesehenen Fürstenfamilie in Mantua. Dadurch erhielt er eine exzellente Bildung, u.a. auch in Theologie. Als Fürstbischof von Mantua war er sehr gewissenhaft in seinem Amt und arbeitete recht schnell und äußerst effizient an Reformen in seiner Diözese. So setzte er „rigorose Sparmaßnahmen durch u. sorgte für den Ausbau der Wirtschaft.“[14] Durch eine geschickte Heiratspolitik in seiner Familie, konnte er sehr schnell das Vertrauen des Papstes erlangen.

Neben seiner hohen sozialen Stellung verbesserten vor allem seine Führungspersönlichkeit und seine Intelligenz seine Autorität im Konzil, wo er als primus interpares , also als Dienstältester und Ranghöchster, im Legatenkollegium wirkte und arbeitete.[15]

3.1.2. Girolamo Seripando

Girolamo Seripando stammte aus einer weniger reichen Familie. Er war früherer Priorgeneral der Augustiner-Eremiten und setzte sich „für Reformen des Ordens ein u. bekämpfte reformator. Einflüsse“[16], bevor er 1554 zum Erzbischof von Salerno, einer Diözese in Süditalien, ernannt. Schon in den ersten beiden Sitzungsperioden spielte Seripando als bedeutender Impulsgeber in einigen dogmatischen Fragen eine große Rolle.

Er selber galt als bestes Beispiel dafür, warum Reformen in der Struktur der Kirche dringend notwendig waren, denn er konnte als Bettelmönch nicht die hohen Gebühren nach Rom senden, um seine Stelle als Bischof anzunehmen.[17] Zusammen mit Gonzaga bildete Seripando die liberale und reformbereite Seite. Beide versuchten „nichts Unmögliches zu verlangen, was das Konzil spalten könnte“[18], was jedoch an Simonetta, dem dritten bedeutenden Kardinal, gescheitert ist.

[...]


[1] Vgl. Schatz, Klaus, Allgemeine Konzilien - Brennpunkte der Kirchengeschichte, Paderborn u.a., 22008, 177-179.

[2] Vgl. Bischof, Franz-Xaver u.a. (Hg.), Einführung in die Geschichte des Christentums, Freiburg u.a., 2012, 534-535.

[3] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 188f.

[4] Vgl. zur Mühlen, Karl-Heinz, Reformation und Gegenreformation, Teil II, Göttingen, 1999, 120.

[5] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 193.

[6] Vgl. zur Mühlen, Reformation und Gegenreformation, 54.

[7] Bischof, Einführung in die Geschichte des Christentums, 280.

[8] Leppin, Volker, Reformation, Neukirchen- Vluyn 2005 (KTGQ 3), 282.

[9] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 194.

[10] Vgl. ebd, 196.

[11] Bischof, Einführung in die Geschichte des Christentums, 538.

[12] Vgl. O´Malley, John W., Trent, What Happened at the Council, Cambridge (MA), London 2013, 169.

[13] Vgl. Schatz, Allgemeine Konzilien, 197.

[14] Jaitner, Klaus, Art. Gonzaga, in: LThK 4 (1995), 834.

[15] Vgl. O´Malley, Trent, 174.

[16] Ganzer Klaus, Art. Seripando, in: LThK 9 (32000), 488.

[17] Vgl. O´Malley, Trent, 174

[18] Schatz, Allgemeine Konzilien, 197.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Konzil von Trient (1521 - 1545). Eine Krise um die Erneuerung der Kirche
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V367674
ISBN (eBook)
9783668464148
ISBN (Buch)
9783668464155
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kirchengeschichte, Konzil, Trient, Erneuerung, Krise
Arbeit zitieren
Tatjana Hämmerle (Autor), 2013, Das Konzil von Trient (1521 - 1545). Eine Krise um die Erneuerung der Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367674

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