Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzil von Trient von 1521 - 1545, sowie dessen Einfluss auf die Kirche und die dementsprechenden historischen Gegebenheiten.
50 Jahre II. Vatikanum - hieß es 2012 und wurde sowohl in den Medien, als auch überall an den katholischen Einrichtungen und Universitäten mit zahlreichen Beiträgen und Thementagen gewürdigt. So auch beim Dies Academicus oder durch die Ringvorlesung mit vielen Augenzeugen und anderen Theologen im letzten Wintersemester an der Ludwig Maximilians Universität.
Aber auch das Jahr 2013 ist ein ganz besonderes Jahr im Rahmen der Kirchen- und Konzilsgeschichte: Vor genau 450 Jahren endete das Trienter Konzil, auch Tridentinum genannt. Das Konzil wurde aufgrund der Unruhen um und mit Martin Luther dringend benötigt. Die Päpste bis Paul III. wussten allerdings ein Konzil lange zu verhindern. Ein Schnitt zog sich durch Deutschland - die Konfessionalisierung wurde durch fehlende Konzilsbeschlüsse in Glaubens- und Kirchenfragen immer weiter beschleunigt.
Schafft es das Trienter Konzil 25 Jahre nach dem Anschlag der Thesen Luthers die Katholische Kirche gegen das Luthertum abzugrenzen und sich selbst zu erneuern?
Inhaltsverzeichnis
1. Weg zum Konzil von Trient von 1521 bis 1545
2. Vorgeschichte
2.1. Die Ergebnisse aus der ersten Konzilsperiode
2.2. Suspension des Konzils nach der zweiten Phase
2.3. Zwischenereignis: Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden
2.4. Wiedereinberufung des Konzils
3. Beginn der 3. Tagungsperiode (1562/ 63)
3.1. Vorzeichen und Differenzen – Beeinflussung der Krise
3.1.1. Ercole Gonzaga
3.1.2. Girolamo Seripando
3.1.3. Ludovico Simonetta
3.2. Erste Krisenphase im Frühjahr 1562
3.3. Zweite Krisenphase im Herbst 1562
4. Blick in den weiteren Verlauf des Konzils
5. Rezeption des Konzils und die weitere Konzilsgeschichte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzil von Trient unter dem Fokus der Krisenhaftigkeit, die insbesondere die dritte Tagungsperiode (1562/63) prägte. Dabei wird analysiert, wie ekklesiologische Differenzen, insbesondere die Frage des „Ius divinum“ der bischöflichen Residenzpflicht, und das Misstrauen zwischen den Konzilslegaten sowie gegenüber der päpstlichen Kurie das Konzil an den Rand des Scheiterns brachten.
- Die historische Genese des Trienter Konzils von 1521 bis 1545.
- Einfluss der politischen Gesamtlage, einschließlich des Augsburger Religionsfriedens, auf das Konzil.
- Detaillierte Analyse der Konfliktlinien zwischen den Kardinälen Gonzaga, Seripando und Simonetta.
- Die krisenhafte Entwicklung während der dritten Tagungsperiode durch die Residenz-Debatte.
- Die Rolle der päpstlichen Autorität und die Einflüsse von Frankreich und Spanien.
Auszug aus dem Buch
3.2. Erste Krisenphase im Frühjahr 1562
Die erste Krise wurde gleich zu Beginn der dritten Konzilsphase eingeleitet. Das Dekret über die Residenzpflicht aus der ersten Periode blieb unrezipiert und die Residenzpflicht war weiterhin unwirksam, was ein Missstand bedeutete. Da nun die Verhandlungen wegen des Dekretes wieder aufgenommen wurden, flammte auch wieder die Streitfrage über das Ius divinum der bischöflichen Residenz auf. Simonetta fand, das Ius divinum verstoße gegen die kirchliche Praxis und die richtige Funktion der Kurie würde dadurch erschwert werden. Vielmehr sollte man die Residenzpflicht als „strenge Gewissenspflicht hin[stellen], von der kein Vorwand und keine aufgrund von Vorwänden erlangte päpstliche Dispens entbinden könne“ Einige plädierten deshalb dafür, einfach die Strafen zu erhöhen und den Bischöfen, die sich an das Dekret halten und residieren, zu belohnen
Zum Zweiten argumentierte Simonetta, würde das Ius divinum gegen die päpstliche Autorität verstoßen, denn dann würde die Fülle des bischöflichen Hirtenamtes nicht mehr vom Papst kommen, sondern von Gott selber. Dies würde die Macht des Papstes wesentlich einschränken, denn wäre die Residenzpflicht göttlichen Rechtes, könnte „der Papst nicht mehr von ihr dispensieren, die Primatialgewalt wird geschmälert“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Weg zum Konzil von Trient von 1521 bis 1545: Dieses Kapitel skizziert die Ausgangslage, geprägt durch die Reformation Martin Luthers und die politische Spaltung des Deutschen Reiches, die schließlich zur Einberufung des Konzils durch Papst Paul III. führte.
2. Vorgeschichte: Hier werden die ersten beiden Phasen des Konzils, ihre Ergebnisse sowie die Zäsur durch den Augsburger Religionsfrieden und die spätere Wiedereinberufung unter Pius IV. behandelt.
3. Beginn der 3. Tagungsperiode (1562/ 63): Dieser Hauptteil analysiert die komplexen politischen und ekklesiologischen Spannungsfelder sowie die Rolle der zentralen Kardinäle, welche in zwei krisenhaften Phasen mündeten.
4. Blick in den weiteren Verlauf des Konzils: Dieses Kapitel beschreibt, wie nach dem Tod der Kardinäle Gonzaga und Seripando und der Ernennung von Giovanni Morone zum Präsidenten das Konzil zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden konnte.
5. Rezeption des Konzils und die weitere Konzilsgeschichte: Abschließend wird die Bedeutung des Trienter Konzils als kirchliche Reformantwort bewertet und in den größeren Kontext bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil gestellt.
Schlüsselwörter
Konzil von Trient, Tridentinum, Gegenreformation, Residenzpflicht, Ius divinum, päpstliche Kurie, Legatenkollegium, Ercole Gonzaga, Girolamo Seripando, Ludovico Simonetta, Konfessionalisierung, Kirchengeschichte, Weihesakrament, Ekklesiologie, Pius IV.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Krisengeschichte des Konzils von Trient, mit einem besonderen Fokus auf die dritte Tagungsperiode zwischen 1562 und 1563.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die dogmatischen Abgrenzungen zur Reformation, die innerkirchlichen Reformbestrebungen, die ekklesiologische Debatte um die bischöfliche Jurisdiktion und das Machtverhältnis zwischen Papst und Bischöfen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Interessensgruppen und machtpolitische Erwägungen das Konzil in schwere Krisen stürzten und wie diese internen Spannungen die Konzilsentscheidungen beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung kirchengeschichtlicher Fachliteratur und Quellen, um die historischen Ereignisse chronologisch und inhaltlich zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die dritte Tagungsperiode, die Rolle der drei Legaten Gonzaga, Seripando und Simonetta sowie die beiden großen Krisenphasen im Frühjahr und Herbst 1562.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind das Konzil von Trient, Residenzpflicht, Ius divinum, Konzilslegaten, Kurialismus und die Reformation.
Warum lehnte der Papst eine Klärung des "Ius divinum" während der Konzilssitzungen ab?
Der Papst fürchtete, dass eine solche Festlegung die primatiale Autorität des Papstes schwächen und das kuriale System zugunsten einer stärkeren bischöflichen Eigenständigkeit beschädigen würde.
Inwiefern beeinflussten die französischen und spanischen Bischöfe den Verlauf des Konzils?
Beide Gruppen vertraten eine episkopalistische Sichtweise, die die bischöfliche Jurisdiktion direkt auf Christus zurückführte, was die Konfrontation mit der päpstlich orientierten Kurie verschärfte und das Konzil mehrfach blockierte.
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- Tatjana Hämmerle (Author), 2013, Das Konzil von Trient (1521 - 1545). Eine Krise um die Erneuerung der Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367674