Seit nunmehr ca. acht Jahren ist in Deutschland zunächst das Interesse an der Anlage in Aktien, mit dem Börsengang der Deutschen Telekom, gestiegen. Für viele private Anleger hat die Aktie als Geldanlage jedoch in den drei schwierigen Börsenjahren ab März 2000 wieder an Bedeutung verloren. Dennoch hat seitdem die Berichterstattung über die Kapitalmärkte und die Präsenz in vielen Medien zugenommen. Unaufhaltsam verbunden damit ist die Verbreitung von Einschätzungen zum Kursverlauf verschiedener Aktien durch sog. Analysten. Dieser Beruf, der als Angestellter einer Bank oder als selbständiger Analyst ausgeübt werden kann, wurde stets kritisch betrachtet, da mögliche Kursziele oder anderweitige Prognosen nicht eingetroffen sind.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeit der Aktienbewertung mit Hilfe von Discounted Cashflow-Verfahren (DCF-Verfahren) darzustellen. Dieses Verfahren bietet Investoren die Möglichkeit, den aktuellen Kurswert einer Aktie mit ihrem inneren Wert zu vergleichen und eine Handlungsentscheidung zu treffen (vgl. STEINER/BRUNS 2002, 229). Es soll in dieser Arbeit insbesondere dargestellt werden, inwieweit die Zahlen realistisch sind und welche Möglichkeiten es gibt, den Wert einer Aktie zu beeinflussen, wenn bestimmte Parameter verändert werden. Zudem kommt die Frage zum Tragen, für wen die Aktienbewertung erfolgt und welche Interessen damit verfolgt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
1.1 Möglichkeiten der Aktienbewertung
1.2 Einordnung des DCF-Verfahrens
1.3 Aufgabenfeld des Aktienanalysten
2 Discounted Cashflow Modelle
2.1 Definition Cashflow
2.2 Grundsätzliche Annahmen
2.3 Nettoverfahren(Equity-Approach)
2.3.1 Darstellung des Verfahrens
2.3.2 Ermittlung des Flow to Equity
2.3.3 Ermittlung des Diskontierungszinssatzes
2.4 Bruttoverfahren (Entity-Approach)
2.4.1 WACC-Methode
2.4.1.1 Darstellung des Verfahrens
2.4.1.2 Ermittlung des free Cashflows
2.4.1.3 Ermittlung des Diskontierungszinssatzes
2.4.2 Ajusted Present Value-Verfahren (APV-Verfahren)
3 Ausgewählte Aktienanalyse in der Praxis
3.1 Berechnungsgrundlagen
3.2 Darstellung der verschiedenen Interessen
3.3 Auswirkungen bei Veränderungen des Betas
3.4 Auswirkungen bei Veränderungen der Risikoprämie
3.5 Ansatzpunkte für Maßnahmen eines unabhängigen Analysten
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenbereiche
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, Discounted Cashflow-Modelle (DCF-Verfahren) als methodisches Instrument der Aktienbewertung zu erläutern. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Analysten durch die Variation spezifischer Parameter den Unternehmenswert beeinflussen können und welche Interessenkonflikte dabei eine Rolle spielen.
- Grundlagen und Systematik der DCF-Verfahren
- Differenzierung zwischen Netto- und Bruttoverfahren
- Einfluss der Kapitalstruktur auf die Unternehmensbewertung
- Analyse praktischer Auswirkungen von Parameterveränderungen
- Regulatorische Rahmenbedingungen und Aufgaben von Aktienanalysten
Auszug aus dem Buch
2.4 Bruttoverfahren (Entity-Approach)
Die Bruttoverfahren, oder auch als indirekte DCF-Methoden bezeichnet, gehen zunächst vom Barwert der zufliesenden Zahlungsströme aller Kapitalgeber, d.h. Eigen- und Fremdkapitalgeber, aus. Vom so ermittelten Unternehmenswert wird im zweiten Schritt der Barwert des Fremdkapitals abgezogen, um den Unternehmenswert der Eigentümer zu ermitteln (vgl. AUDÖRSCH 2000, 35).
Beim WACC-Ansatz (Weighted Averege Costs of Capital) wird der Gesamtunternehmenswert ermittelt, indem die zukünftigen Zahlungsüberschüsse, die den Eigen- und Fremdkapitalgebern zufliesen, diskontiert werden (vgl. STEINER/BRUNS 2002, 245). Diese Zahlungsüberschüsse werden mittels Free Cashflow (FCF) ermittelt. Im zweiten Schritt wird der Markwert des Fremdkapitals subtrahiert (vgl. NOWAK 2003, 30). Beim Free Cashflow handelt es sich um einen zukunftsorientierten Wert, der mittels Planbilanzen und Planerfolgsrechnungen für einen fünf- bis zehnjährigen Zeitraum prognostiziert wird (vgl. KLAUS 2003, 35). Die Diskontierung erfolgt mit dem durchschnittlich gewogenen Kapitalkostensatz WACC. Die Berechnung des Marktwertes des Eigenkapitals kann anhand folgender Formel berechnet werden (vgl. AUDÖRSCH 2000, 35):
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Aktienbewertung ein, beleuchtet das Aufgabenfeld von Analysten und formuliert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Discounted Cashflow Modelle: Hier werden die theoretischen Grundlagen der DCF-Verfahren, einschließlich der Definition des Cashflows und der Annahmen des vollkommenen Kapitalmarktes, dargelegt.
3 Ausgewählte Aktienanalyse in der Praxis: Dieses Kapitel veranschaulicht die Anwendung der Modelle an einem fiktiven Unternehmen und analysiert die Auswirkungen von Parameterveränderungen sowie auftragsbedingte Interessenkonflikte.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Aussagekraft der Modelle und die Bedeutung regulatorischer Rahmenbedingungen für die Finanzanalyse.
Schlüsselwörter
Aktienbewertung, Discounted Cashflow, DCF-Verfahren, WACC-Methode, Equity-Approach, Aktienanalysten, Unternehmenswert, Kapitalkosten, Free Cashflow, CAPM, Betafaktor, Risikoprämie, Fundamentalanalyse, Shareholder Value, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Einsatz von Discounted Cashflow-Modellen zur Bewertung von Aktien und untersucht, wie verschiedene Berechnungsparameter den ermittelten Unternehmenswert beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Herleitung von DCF-Verfahren, die Unterscheidung zwischen Netto- und Bruttoansätzen sowie die kritische Betrachtung der Analystentätigkeit im Spannungsfeld zwischen Arbeitgeberinteressen und Anlegerschutz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Methode der DCF-Bewertung verständlich darzustellen und aufzuzeigen, inwieweit Analysten durch die gezielte Anpassung von Variablen Einfluss auf das Bewertungsergebnis nehmen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deduktive Analyse unter Einbeziehung finanzmathematischer Formeln (wie CAPM und WACC) sowie eine praxisorientierte Modellrechnung eines fiktiven Unternehmens verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte mathematische Herleitung der verschiedenen Bewertungsmodelle und eine praktische Fallstudie, die die Sensitivität der Ergebnisse gegenüber Beta-Werten und Risikoprämien demonstriert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aktienbewertung, DCF-Verfahren, Kapitalkosten, WACC, Shareholder Value und Finanzanalyse charakterisiert.
Wie wirken sich Veränderungen des Betas auf den Unternehmenswert aus?
Eine Veränderung des Beta-Faktors beeinflusst direkt die Renditeerwartung der Eigenkapitalgeber und damit die Kapitalkosten (WACC), was zu signifikanten Verschiebungen des berechneten Unternehmenswertes führt.
Warum ist die regulatorische Debatte um den Analystenkodex relevant?
Die Debatte verdeutlicht, dass aufgrund inhärenter Interessenkonflikte bei der Aktienbewertung gesetzliche Regelungen und Standards notwendig sind, um Objektivität zu fördern und Anleger vor manipulativen Empfehlungen zu schützen.
- Quote paper
- Jürgen Münch (Author), 2004, Discounted Cashflow-Modelle als Möglichkeit der Aktienbewertung und deren Anwendung durch Aktienanalysten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36774