[...] Schon seit 150 Jahren befassen sich Fachautoren auf kritische Art und Weise mit dem Diktat.2 Sowohl die Vor- als auch die Nachteile des Diktats wurden in vielen Aufsätzen ausführlich dargestellt. Immer noch ist das Diktat ein Reizthema, bei dem die Meinungen extrem auseinander gehen. Doch trotz der teilweise vehementen Kritik am Diktat, konnte es bis heute noch nicht wirklich aus dem Unterricht verbannt werden. Warum dies so ist, soll unter anderem in dieser Arbeit näher erläutert werden. Doch zunächst wird beschrieben, wie die Diktat-Praxis gegenwärtig in den meisten Fällen vonstatten geht und wie sie, im Gegensatz dazu, sein sollte. Anschließend werden die Probleme, die das Diktieren mit sich bringt, dargelegt. Danach wird, in Hinblick auf den Aspekt des Schwierigkeitsgrades, der Unterschied zwischen geübten und ungeübten Diktaten erläutert. Punkt vier und fünf widmen sich der Korrektur und der Benotung des Diktats. Dabei geht es um die Korrektur durch den Schüler, die Fehlerzählung durch die Lehrkraft und die Fehlermarkierung und Diktatberichtigung. Außerdem wird näher beleuchtet, was beurteilt und wie benotet wird. Bevor das Referat vorgetragen wurde, wurde in Gruppenarbeit nach Gründen gesucht, die gegen das Prüfungsdiktat sprechen. Viele der gefundenen Kritikpunkte können mithilfe der Fachliteratur bestätigt werden. Einige dieser Argumente werden in Punkt sechs aufgeführt. Wie bereits erwähnt, kommt das Diktat im Rechtschreibunterricht immer noch sehr häufig zum Einsatz. Punkt sieben befasst sich mit den Gründen dafür. Auf das herkömmliche Prüfungsdiktat sollte man möglichst verzichten, doch es sind bereits viele Alternativformen bekannt, die es sich lohnt, im Rechtschreibunterricht einzusetzen. Dazu gehören beispielsweise das Eigendiktat, das Partnerdiktat und das Zweistufendiktat. In Punkt neun werden notwendige Forderungen und sinnvolle Möglichkeiten hinsichtlich des Diktats vorgestellt. Abschließend wird anhand eines Praxisbeispiels gezeigt, wie man, auch mit Diktaten, selbstständig rechtschreiben üben kann. Dabei wird in erster Linie auf Alternativformen zum herkömmlichen Prüfungsdiktat zurückgegriffen. 2 Fix, Martin: Geschichte und Praxis des Diktats im Rechtschreibunterricht. Frankfurt/Main, 1994. S. 11
Inhaltsverzeichnis
1. Diktat-Praxis – wie sie gegenwärtig praktiziert wird und wie sie sein sollte
2. Die Problematik des Diktierens
3. Geübte und ungeübte Diktate
4. Korrektur
4.1 Korrektur durch den Schüler
4.2 Fehlerzählung durch die Lehrkraft
4.3 Fehlermarkierung und Diktatberichtigung
5. Benotung
5.1 Was wird beurteilt
5.2 Wie wird benotet
6. Kritik am Diktat
6.1 Auswertung der Gruppenarbeit
6.2 Argumente gegen das Prüfungsdiktat
7. Gründe für die unveränderte Diktatpraxis
7.1 Ursachen, die in den Anforderungen der Gesellschaft an die Schule zu suchen sind
7.2 Ursachen, die in den Anforderungen der alltäglichen Unterrichtssituationen an die Lehrer begründet sind
8. Alternativformen zum herkömmlichen Diktat
8.1 Das Eigendiktat
8.2 Das Partnerdiktat
8.3 Das Zweistufendiktat
9. Notwendige Forderungen und sinnvolle Möglichkeiten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Problematik herkömmlicher Prüfungsdiktate im Rechtschreibunterricht der Grund- und Hauptschule und beleuchtet alternative Ansätze, die den Lernprozess stärker in den Vordergrund stellen als die bloße Leistungsüberprüfung.
- Aktuelle Praxis des Diktats im Vergleich zu didaktischen Anforderungen
- Kritische Analyse von Korrektur- und Benotungsmethoden
- Diskussion über Gründe für die Persistenz des klassischen Diktats
- Vorstellung von Alternativformen wie Eigendiktat, Partnerdiktat und Zweistufendiktat
- Notwendigkeit einer pädagogischen Neuausrichtung des Rechtschreiblernens
Auszug aus dem Buch
2. Die Problematik des Diktierens
Riehme ermahnt den Lehrer, dass er „beim Diktieren stets so spricht, wie es die Schüler auch sonst von ihm gewöhnt sind: in natürlichem Sprechton und mit normaler hochlautender Aussprache. (...) Jedes unnatürliche, von der gewohnten Sprechweise des Lehrers abweichende Diktieren beeinträchtigt das Resultat der Rechtschreibleistungen der Schüler.“8 Leider wird dieser Forderung in der Praxis nur in den wenigsten Fällen nachgegangen. Beim Diktieren wird der Redeprozess verfälscht und zwar insbesondere durch die Dehnung und das Einschieben von Pausen.9
Die verschiedenen Möglichkeiten des Diktierens sollen nun anhand eines Beispielsatzes aufgezeigt werden.10
Beispielsatz:
„Sie sah / einen hellen Blitz / und ist gleich wieder / ins Haus / hineingerannt.“
Dieser Satz steht in einem Diktattext für das 5. Schuljahr. Der Satz wird von der Lehrkraft zuerst einmal vorgelesen, so dass der Sinn verstanden werden kann. Für das anschließende Diktieren stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung:
1. Möglichkeit
Der Satz wird Wort für Wort so langsam und gedehnt gesprochen, dass er von den Kindern mitgeschrieben werden kann. Zwischen den Wörtern werden möglicherweise noch Pausen eingefügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Diktat-Praxis – wie sie gegenwärtig praktiziert wird und wie sie sein sollte: Beschreibt die Diskrepanz zwischen dem praktizierten Prüfungsdiktat und den pädagogisch sinnvoll erscheinenden Zielen eines Rechtschreibunterrichts.
2. Die Problematik des Diktierens: Analysiert, wie unnatürliche Sprechweisen beim Diktieren den Schreibprozess verfälschen und die Leistung der Schüler negativ beeinflussen.
3. Geübte und ungeübte Diktate: Erläutert, warum nur geübte Diktate als Lernzielkontrolle geeignet sind, da sie das orthographische Denken statt reiner Gedächtnisabrufe fördern.
4. Korrektur: Behandelt die verschiedenen Formen der Fehlerfeststellung, wobei die Korrektur durch den Schüler sowie die pädagogische Markierung im Vordergrund stehen.
5. Benotung: Diskutiert die Konflikte bei der Zensierung, insbesondere zwischen Leistungsdruck und der notwendigen Ermutigung für schwächere Rechtschreiber.
6. Kritik am Diktat: Führt Argumente aus der Fachdidaktik und der Praxis an, die gegen die traditionelle Form des Prüfungsdiktats sprechen.
7. Gründe für die unveränderte Diktatpraxis: Untersucht institutionelle, gesellschaftliche und unterrichtspraktische Ursachen, die den Verbleib des Diktats im Schulalltag sichern.
8. Alternativformen zum herkömmlichen Diktat: Stellt innovative Ansätze wie das Eigen-, Partner- und Zweistufendiktat vor, die auf Selbstständigkeit und Differenzierung setzen.
9. Notwendige Forderungen und sinnvolle Möglichkeiten: Formuliert abschließende Empfehlungen, um den Fokus im Unterricht von der Überprüfung hin zum echten Lernen zu verlagern.
Schlüsselwörter
Diktat, Rechtschreibunterricht, Prüfungsdiktat, Fehleranalyse, Rechtschreibstrategien, Differenzierung, Leistungsbeurteilung, Eigendiktat, Partnerdiktat, Zweistufendiktat, orthographisches Denken, Lernzielkontrolle, Fehlerkultur, Grundwortschatz, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der traditionellen Diktatpraxis in Schulen auseinander und hinterfragt deren Nutzen als Instrument der Rechtschreibmessung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Praxis der Diktatführung, Korrektur- und Benotungsverfahren, die Kritik am Prüfungsdiktat sowie die Vorstellung pädagogisch wertvollerer Alternativformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, warum herkömmliche Diktate pädagogisch oft kontraproduktiv sind, und stattdessen Methoden zu fördern, die Rechtschreiblernen und orthographisches Denken nachhaltig stützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung basierend auf fachdidaktischer Literatur sowie einer praxisbezogenen Auswertung innerhalb eines Seminars.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Diktierproblematik, der Korrektur- und Benotungskriterien, der Ursachenforschung für die Beibehaltung der Diktate sowie die Darstellung konkreter Alternativmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rechtschreibfähigkeit, Fehlerkultur, Differenzierung und die notwendige Abkehr vom rein produktorientierten Prüfungsdiktat definiert.
Warum wird das Partnerdiktat in der Arbeit positiv hervorgehoben?
Das Partnerdiktat fördert den Austausch zwischen den Lernenden und den bewussten Umgang mit Fehlern, wodurch ein wertvolles Rechtschreiblernen außerhalb des reinen Notendrucks ermöglicht wird.
Welche Rolle spielt das Wörterbuch bei den neuen Methoden?
Das Wörterbuch wird als essenzielles Lernwerkzeug betrachtet, das die Eigenverantwortung und den Reflexionsprozess des Schülers bei der Textarbeit stärkt.
Warum wird die „formalistische Regelung“ bei der Benotung kritisiert?
Weil sie rein quantitativ vorgeht, individuelle Lernfortschritte ignoriert und den Fehler zum primären Maßstab erhebt, was demotivierend auf leistungsschwächere Schüler wirken kann.
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- Christine Erdel (Author), 2004, Die Problematik des Schreibens von Diktaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36776