Wer kennt das nicht: Die Verkäuferin eines Ladens kommt scheinbar entzückt auf einen Kunden zu, der sich noch nicht recht entscheiden kann, ob das ausgewählte Kleidungsstück wirklich das richtige ist. Komplimente, Versicherungen, Zustimmung, wie ausgezeichnet es aussehe. Was macht der Kunde? Fühlt er sich geschmeichelt und kauft von allen Zweifel befreit das Kleidungsstück? Oder misstraut er der Verkäuferin? Vorerst kann der Leser diese Fragen nur aus dem Gefühl heraus beurteilen, er kann sich in die Situation versetzen und „irgendwie“ zu einer Meinung kommen. Dass dabei verschiedene Prozesse ablaufen, er die vorliegenden Informationen möglichst sinnvoll nutzt, er darin einem Modell entspricht, welches sein Handeln vielleicht voraussagbar, zumindest aber erklärbar machen kann - das alles interessiert den Leser in diesem Moment noch nicht. Wer sich aber näher mit der Attributionstheorie beschäftigt, wird schnell staunen: Wir alle gehen nach einem Muster vor, das mal mehr, mal weniger dem statistischen Mittelmaß entspricht. Es ist nicht abzustreiten (und doch irgendwie beruhigend), dass wir unsere Entscheidungen nicht willkürlich fällen. Leser, die genau wissen wollen, wie sich der Kunde im Geschäft entschieden hat, werden an dieser Stelle enttäuscht: Selbst für eine Wissenschaft hält dieses Beispiel zu wenig Informationen bereit, als dass eine sichere Prognose erstellt werden kann. Wer sich dagegen für die Hintergründe und für erstaunlich nachvollziehbare Ergebnisse interessiert, sollte an dieser Stelle unbedingt weiterlesen...
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung: Die Attributionstheorie
1.1 Attribution
1.2 Personen- und Selbstwahrnehmung
2 Kelley’s Kovarianzmodell
3 Schlussdiskussion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundlagen der Attributionstheorie zu erläutern und das Kovarianzmodell von Harold Kelley detailliert darzustellen, um zu verdeutlichen, wie Menschen in ihrem Alltag Handlungen und Ereignisse durch Ursachenzuschreibungen interpretieren und voraussagbar machen.
- Grundbegriffe der Attribution und ihre Bedeutung im Alltag
- Prozesse der Personen- und Selbstwahrnehmung
- Funktionsweise und Kriteriumsdimensionen des Kovarianzmodells nach Kelley
- Anwendung der Kovarianzanalyse zur Identifikation von Ursachenquellen
- Praktische Relevanz von Attributionsstilen, insbesondere im medizinischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Kelley’s Kovarianzmodell
Das Kovarianzmodell von Kelley trägt seinen Namen von dessen Überlegung, dass ein Effekt mit seiner Ursache kovariiert. Wie viele vor ihm versucht Kelly das Muster zu finden, das Handeln wissenschaftlich erklärbar (eventuell voraussagbar) macht. Er ist jedoch der erste, der sich dabei nicht bloß auf die gerade vorliegende Handlung (bzw. deren Ergebnis) stützt, sondern zusätzliche Informationen heranholt: weitere Handlungen der betreffenden Person und anderer Personen zu verschiedenen Zeitpunkten, in Bezug auf verschiedene Zielgegenstände (Entitäten) und unter verschiedenen Umständen. Das macht seine Arbeit zu einer wissenschaftlichen Analyse, in der es mehrere Variablen gibt, und unterscheidet sie damit von den eher spekulativen Überlegungen seiner Vorgänger.
Grundsätzlich kommen für Kelley drei Möglichkeiten als Ursachenquelle in Frage. Es kann selbstverständlich die handelnde Person selbst sein (ihre Charaktereigenschaften etc.), ebenso aber auch die Entität oder die jeweiligen Umstände (der Zeitpunkt).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Attributionstheorie: Dieses Kapitel führt in das Konzept der Attribution als "Zuschreiben von Ursachen" ein und beleuchtet die Grundlagen der Personen- und Selbstwahrnehmung.
1.1 Attribution: Hier werden der Begriff der Attribution und die psychologische Bedeutung der Ursachensuche im menschlichen Alltag anhand von Alltagsbeispielen erläutert.
1.2 Personen- und Selbstwahrnehmung: Dieser Abschnitt differenziert zwischen der Wahrnehmung anderer und der eigenen Person und führt Modelle zur Kontrollüberzeugung ein.
2 Kelley’s Kovarianzmodell: Das Kapitel stellt Kelleys wissenschaftlichen Ansatz zur Analyse von Kovariationsmustern vor, der durch Kriteriumsdimensionen wie Distinktheit, Konsens und Konsistenz Ursachen identifizierbar macht.
3 Schlussdiskussion: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse in den praktischen Kontext überführt, wobei insbesondere die Rolle von Attributionsstilen bei der Krankheitsbewältigung in der Medizin hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Attribution, Attributionstheorie, Kovarianzmodell, Kelley, Ursachenzuschreibung, Personenwahrnehmung, Selbstwahrnehmung, Kontrollüberzeugung, Kriteriumsdimensionen, Distinktheit, Konsens, Konsistenz, Kovarianzanalyse, Verursachung, Motivationspsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen Attributionstheorie und der Frage, wie Menschen intuitiv Ursachen für Handlungen und Ereignisse in ihrem Umfeld zuschreiben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Informationsverarbeitung bei der Ursachensuche, die Abgrenzung von Fremd- und Selbstwahrnehmung sowie die systematische Analyse von Kausalität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Erläuterung des Kovarianzmodells von Kelley als wissenschaftliches Werkzeug, um die meist unbewussten Entscheidungsprozesse bei der Interpretation von Handlungen erklärbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung des logisch-statistischen Kovarianzmodells zur Einordnung von Verhaltensereignissen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Attribution, eine Differenzierung zwischen Personen- und Selbstwahrnehmung sowie die detaillierte Vorstellung und Anwendung von Kelleys Kovarianzmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Attribution, Kovarianzmodell, Kontrollüberzeugung, Ursachenzuschreibung und die Kriteriumsdimensionen Distinktheit, Konsens und Konsistenz.
Wie unterscheidet sich Kelleys Ansatz von früheren Theorien?
Kelley betrachtet nicht nur eine einzelne Handlung, sondern zieht zusätzlich Informationen über andere Personen, Zeitpunkte und Zielgegenstände heran, was eine wissenschaftliche Analyse ermöglicht.
Warum spielt die Attribution eine wichtige Rolle in der Medizin?
Die Art und Weise, wie Patienten die Ursache einer Krankheit attribuieren – etwa auf sich selbst oder auf das Schicksal – hat einen maßgeblichen Einfluss auf ihre Motivation zur Rehabilitation und Genesung.
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- Janine Linke (Author), 2004, Attribution und Kelley's Kovarianzmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36783