Kommunikation in neuen Kontexten - Der Computerrahmen als Voraussetzung computervermittelter Kommunikation


Hausarbeit, 2005
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Rahmen

3. Computerrahmen
3.1 Ent- und Rekontextualisirung
3.1.1 Verlust des realen Raumes und des thematischen Kontextes
3.1.2 Verlust metakommunikativer Sprachelemente
3.1.3 Virtualisierung, Imagination und Egalität

4. Resümee

1. Einleitung

Jede Form der menschlichen Interaktion ist durch Regeln geprägt, welche eine vernünftige Kommunikation überhaupt erst möglich machen. Diese Regeln sind allerdings keine feststehenden und generell gültigen Verhaltensnormen, sondern eher ein ganzes „Regelwerk“, das es je nach Situation, Art der Kommunikation und Kommunikationspartner neu anzuwenden gilt. Zunächst muss also herausgefunden werden, in welchem Rahmen man sich befindet, ehe man beginnt zu interagieren. Erst wenn man einen (oder auch mehrere) Rahmen richtig identifiziert, machen menschliche Interaktionen Sinn, bzw. sie werden verständlich und wir werden in die Lage versetzt richtig darauf zu reagieren.[1]

Die Veränderung von Kommunikation bringt also neue Handlungsanweisung mit sich, oder man könnte auch sagen, das bestehende Regelwerk muss auf diese Veränderung angewandt werden, sodass also auch dann, wenn ein neues technisches Medium zur Vermittlung von Kommunikation unsere Möglichkeiten erweitert, also neue Rahmen schafft, diese aus Erfahrungen bestehende Organisationsprinzipien neu ausgerichtet werden müssen. So auch bei der computervermittelten Kommunikation: alte Grenzen (geographische, zeitliche usw.) verlieren an Bedeutung, neue Grenzen (eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten) kommen hinzu. Dieser Verschiebung von Rahmenbedingungen muss in der Kommunikation Rechnung getragen werden, will man die computervermittelte Kommunikation nicht als chaotisch, sondern ebenfalls als sinnvoll ansehen.

In dieser Arbeit soll es genau um diese Verschiebung gehen, wobei ich weniger auf die Erweiterung von Möglichkeiten eingehen möchte, sondern mein Hauptaugenmerk soll auf den Einschränkungen der computervermittelten Kommunikation liegen und inwieweit sich neue Kommunikationsformen, Kontexte und Rahmenbedingungen, aufgrund dieser Einschränkungen entwickelt haben. Es geht also hauptsächlich um Ent- und Rekontextualisierung.

2. Der Rahmen

Ausgangspunkt für Erving Goffman ist die Situation, in der sich ein Mensch befindet und der er sich mit der Frage zuwendet: „Was ist hier eigentlich los?“.[2] Es geht also nicht um die Frage, was Wirklichkeit ist oder was sie ausmacht, sondern um die Frage, wie ein Mensch seine Wirklichkeit wahrnimmt und vor allem, wie er sie organisiert. In den wenigsten Fällen schafft sich der Mensch seine Wirklichkeit (die Situation in der er sich befindet) selbst und auch die Definition ist zumeist eine bereits festgelegte, sodass er für gewöhnlich „nur“ noch feststellen muss, was die Situation für ihn bedeutet und wie er sich in dieser Situation verhalten muss.[3] Wenn Goffman also von einem Rahmen spricht, so meint er bestimmte Situationen, in denen sich ein Mensch befinden kann und die ihm Verhaltensregeln und Erwartbarkeiten, also einen (oder auch mehrere) Rahmen mitgibt. Ein grundlegendes Organisationselement also im Kontext der Definition einer Situation.[4]

Wichtig für die Rahmenanalyse bei Goffman sind die „sozialen Rahmen“, welche, im Gegensatz zu den „natürlichen Rahmen“, nicht als einfach vorhandene, unwillkürliche Rahmen existent sind, sondern hinter denen immer eine Intelligenz, in den meisten Fällen die eines Menschen, steht. Soziale Rahmen sind also Rahmen, hinter denen ein Ziel, eine Absicht oder ein gesteuertes Eingreifen steht.[5] Solche vom Menschen geschaffene Rahmen, sind dabei nicht unveränderbar, sondern können von jedem daran Beteiligten beeinflusst, verändert oder auch korrigiert werden. Wichtig für das Verständnis des Rahmenbegriffes ist, dass der Mensch, welcher sich einer bestimmten Situation gegenübersieht, auch gleichzeitig die Bedingungen dieser Situation einzuschätzen weiß und somit erkennen kann, welche Verhaltensweisen angebracht sind und welche nicht.[6] Diese Bedingungen sind wiederum vielfältiger Art. Rahmenbedingungen können sein: die Örtlichkeit der interpersonalen Kommunikation, die Kommunikationspartner, denen man sich gegenüber sieht, die Zeit oder auch der Zeitraum, in der sich der Rahmen befindet, der Anlass für das Zusammentreffen, usw.

Ohne nun zu weit in die Theorie der Rahmenanalyse eindringen zu wollen, sei hier nur noch kurz festzuhalten, dass in den wenigsten Fällen nur ein Rahmen allein die menschliche Interaktion beeinflussen wird. Meist werden sich mehrere Rahmen „überlappen“ oder auch ineinander spielen. Rahmen gehen fließend ineinander über und manchmal wissen wir auch erst ganz am Ende einer interpersonalen Interaktion, was nun eigentlich los war und wie wir hätten handeln sollen.

Aus seiner Erfahrung heraus ist der Mensch in den meisten Fällen dazu in der Lage, den jeweiligen Rahmen zu erkennen, auch mehrere Rahmen gleichzeitig zu meistern und den Erwartungen der Beteiligten gerecht zu werden, wobei man dann von einem klaren Rahmen spricht. Lt. Goffman: „Nennt man einen Rahmen klar, so heißt das nicht nur, jeder Beteiligte habe eine hinlänglich richtige Vorstellung, von dem was vor sich geht, sondern im allgemeinen auch, er habe eine hinlänglich richtige Vorstellung von den Vorstellungen der anderen, einschließlich deren Vorstellungen von seiner eigenen Vorstellung.“[7] Bei einem solchen „klaren Rahmen“ ist es dabei nicht von Belang, dass alle Beteiligten eine eindeutig gleiche Sichtweise auf die ablaufende Situation haben. So hat bei einem offiziellen Gespräch zwischen Chef und Angestellten der Chef eine andere Sichtweise auf die Situation als der Angestellte, dennoch sind beide dazu in der Lage, die Situation richtig zu erkennen und sich dementsprechend zu verhalten, auch wenn sich Chef und Angestellter zuvor schon des öfteren „inoffiziell“ getroffen haben sollten.

Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass die richtige Einschätzung von dem was da vor sich geht, grundlegende Bedingung für menschlich sinnvolle Interaktion ist, da die falsche Einschätzung einer Situation zu einem Verlauf der Handlung führen kann, der zu nichts führt und somit der Handlung selbst jede Sinnhaftigkeit beraubt. Dann darf angenommen werden, dass nicht nur ein Teil der Handlung, die auf einem Irrtum beruht, fehlerhaft ist, sondern der gesamte Handlungsablauf.[8]

[...]


[1] Vgl. Willems, S.33

[2] Vgl. Goffman, S.16

[3] ebd. S.9

[4] Vgl. Höflich (2003), S.39

[5] Vgl. Goffman, S.32

[6] zumindest in den meisten Fällen

[7] Goffman, S. 396

[8] Vgl. ebd. S. 339

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kommunikation in neuen Kontexten - Der Computerrahmen als Voraussetzung computervermittelter Kommunikation
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Mediatisierte interpersonale Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V36792
ISBN (eBook)
9783638363198
ISBN (Buch)
9783638824125
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Kontexten, Computerrahmen, Voraussetzung, Mediatisierte
Arbeit zitieren
Marko Tomasini (Autor), 2005, Kommunikation in neuen Kontexten - Der Computerrahmen als Voraussetzung computervermittelter Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36792

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