strepitus, fumus et nebula. Leben im Rom der Kaiserzeit


Seminararbeit, 2014
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Rom - Metropole der Antike

2 Thesen und Quellenlage

3 Versorgung der Stadtbevölkerung
3.1 Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
3.2 Nahrungsmittelbeschaffung - Produktionsstätten in den Provinzen
3.3 Infrastruktur und Handelslogistik

4 Generelle Lebensbedingungen in der Stadt Rom
4.1 Lebenshaltungskosten
4.2 Mangelnde soziale Unterstützung
4.3 Bleivergiftungen

5 “Großstadteffekte”
5.1 Überbevölkerung
5.2 Lärm
5.3 Smog
5.4 Gewalt und Kriminalität

6 Roma crescet et olet

Literatur

Quellenverzeichnis

Anhang

1 Rom - Metropole der Antike

Kaum eine andere Stadt ist so eng mit Ruhm, Ehre und Macht verbunden, wie die Haupt- stadt des Imperium Romanum. Kaiser, Kriege und Päpste prägen den Ruf der Tiberstadt Rom. Der Aufschwung der Stadt in der Kaiserzeit verhalf Rom zu voller Blühte und präg- te das Stadtbild bis heute. Auf die Kaiserzeit folgten die Krisenjahre und die Jahre des Niederganges. Das Imperium zerfiel und die Bedeutung Roms lagt weniger in kulturellen, als in religiösen Bereichen.

Rom ist heute eine Millionenstadt und zählt ca. 2,6 Mio. Einwohner.[1] Zu Zeiten der größten Bevölkerungszahl um 330 n.Chr. drängten sich Schätzungen zufolge etwa 1 Million Einwohner auf den Straßen der ewigen Stadt. Man kann diese Zahlen nicht direkt belegen. Die Getreideempfängerzahlen sprechen aber dafür, dass diese Schätzung nicht abwegig ist.[2] Geht man von knapp 200 000 Empfängern aus, die für sich vermutlich noch drei Familienmitglieder zu ernähren hatten, vervierfacht sich die Zahl auf 800 000 Einwohner. Da es sich bei den Getreideempfängern um Angehörige der plebs handelte, müssen noch Senatoren, wohlhabendere Römer und Sklaven hinzugezählt werden. Damit wird die Schätzung von einer Million Einwohner durchaus plausibel.

Diese für die damalige Zeit hohen Einwohnerzahlen sind die Folge eines tiefgreifenden demografischen Wandels, welcher sich in der Stadt Rom vollzog. Getrieben von dem Wil- len und der Hoffnung eine bessere Zukunft in Rom zu haben, zog es viele Menschen aus dem Imperium in die Hauptstadt. Auf Dauer ergaben sich aus diesem rasanten Bevölke- rungsanstieg Probleme in der VErsorgung und der allgemeinen Lebensbedingunegn.

Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Beantwortung zweierlei Kernfragen beschäftigen. Zum einen soll ergründet werden, wie die römische Stadtverwaltung die Versorgung der Stadtbevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern sicherstellen konnte. Zum anderen stellt sich die Frage, welche Auswirkungen der demografische Wandel auf die Lebensqualität der stadtrömischen Bevölkerung hatte.

2 Thesen und Quellenlage

Basierend auf den Leitfragen ergeben sich Thesen, die mit Hilfe dieser Ausarbeitung diskutiert werden sollen:

1. Die Wasser- und Abwasserversorgung Roms begünstigten den schnellen Wachstum der Stadt.
2. Die Lage zum Tiber sowie die Hafenstadt Ostia ermöglichten es der Stadt Rom zur antiken Metropole heranzuwachsen und die Versorgung der stadtrömischen Bevöl- kerung zu garantieren.
3. Die Versorgung der stadtrömischen Bevölkerung war maßgeblich von den Provinzen abhängig.
4. Die schlechte Lebensqualität sowie die schlechten Lebensbedingungen in der Stadt Rom waren ein Produkt der gravierenden Überbevölkerung.

Die Quellenlage ist im allgemeinen sehr gut. Es gibt viele Dokumente, welche die Zustände jener Zeit bezeugen können. Die meisten Erkenntnisse entstammen aus den überlieferten Schriften von Philosophen und Dichtern, wie Plinius d. Ältern, Cato, Sene- ca und Horaz. Die Satiren von Juvenal und Epigramme von Martial geben eine überaus genaues Bild vom täglichen Leben und den Umständen im antiken Rom wieder. Aller- dings muss gerade bei den Satiren Juvenals auf deren vermeintlichen Wahrheitsgehalt geachtet werden. Schließlich überspitzen Satiren und provozieren. Es liegt in deren Natur die gegeben Verhältnisse in einer überzogenen Form darzustellen. Trotzdem können die Aufzeichnungen Juvenals als authentisch betrachtet werden. Einerseits liegt der Satire stets ein wahrer Kern zu Grunde und andererseits belegen Texte von Zeitgenossen die Eindrücke und Beschreibungen Juvenals.

Neben den schriftlichen Quellen finden sich architektonische Überreste der Wasserlei- tungen in und nach Rom. Diese ermöglichen einen Einblick in die antike Technik und die Möglichkeiten, welche die Römer besaßen, um die Trinkwasserversorgung zu garantieren. Gleichsam verhält es sich mit den Überresten der Lagerstätten in Ostia. Hier können die Dimensionen der römischen Handelslogistik sowie die der Transportmengen abgeleitet werden.

3 Versorgung der Stadtbevölkerung

3.1 Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Die Wasserversorgung der Stadt Rom wurde zentral verwaltet. Seit Augustus unterstand die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser den curatores aquarum. Das waren üblicherweise drei Senatoren, die untereinander jedoch nicht den selben Rang einnahmen. Einer von ihnen übernahm den Vorsitz des Kuratorenkollegiums. Die wesentlichen Aufgaben der curatores aquarum bestanden in der Erhaltung der Wasserleitungen sowie in der Gesamtbeaufsichtigung der für den Erhalt der Leitungen notwendigen Fachkräfte. Hinzu kam, dass sie sich an den Genehmigungsverfahren für private Wasseranschlüsse beteiligten und auch bei gerichtlichen Streitfällen mitwirkten.[3]

Auf Grund der steigenden Bevölkerungszahlen war man darauf angewiesen, das Wasser für Rom aus weit entfernten Gebieten zu beziehen. Im Jahre 312 v.Chr begann man mit der Errichtung der Aqua Appia. Diese besaß eine Gesamtlänge von 17,6 km und verband das Stadtzentrum mit den Quellen im Tal des Anio. Weitere Fernwasserleitungen folgten bis 226 n.Chr. Das waren unteranderem die Aqua Claudia mit 68,8 km, die Aqua Marcia mit 91,2 km und die Aqua Traiana mit einer Gesamtlänge von 59,2 km. All diese Zuleitungen garantierten eine konstante Versorgung der Stadt mit zum Teil Wasser von hervoragender Qualität. Zwar sorgten zahlreiche Mängel und Risse an den Aquädukten, sowie Sandablagerungen dafür, dass die Anlagen nicht immer einwandfrei funktionierten. Jedoch sind diesen Tatsachen angesichts der technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit keine allzu große Bedeutung beizumessen.[4]

Die Wasserleitungen führten von den Quellen bis in die Stadt hinein, wo sie meistens an Thermen und öffentliche Brunnen angeschlossen wurden. Unterirdische Bleileitungen transportierten das Wasser und verteilten es durch die ganze Stadt. An Endabgabestellen oder Brunnen war es der breiten Öffentlichkeit gestattet worden, das Wasser kostenfrei zu beziehen. Der curator aqua hat zudem Sorge zu tragen, dass zu jeder Tages und Nacht- zeit das Wasser für das Volk uneingeschränkt zur Verfügung steht. Für die Häsuer reicher Stadtrömer entstanden zum Teil private Wasserleitungen. Diesen Luxus konnten sich spä- ter auf Bewilligung und Bezahlung des Kaisers auch andere Bewohner einrichten lassen.[5]

Die Beschaffung von Trink- und Brauchwasser für Rom brachte ein neues Problem zu Tage: die Abwasserentsorgung. Die Abfälle und das Schmutzwasser gelangten in den Anfangsjahren über Zuläufe in den Tiber. Allerdings erschwerten es die kimatischen Be- dingungen auf Dauer diese Lösung beizubehalten. In heißen Wetterperioden war es nicht selten, dass die Zuläufe trocken lagen und in folge dessen die Abwasserentsorgung zum erliegen kam. Die steigende Gefahr von Epidemien war schon damals absehbar. Ein un- terirdisches Kanalsystem bewirkte schließlich eine Besserung der Verhältnisse. Durch das Überschusswasser aus den Fernwasserleitungen konnten die Kanäle gespült werden. Das Abwasser gelang in ein eigens angelegtes Auffangbecken, der cloaca maxima. Diese diente zudem der Entwässerung ganzer Stadtteile, wodurch sich neue Siedlungsmöglichkeiten und Lebensqualitäten eröffneten.[6]

Die Wasserversorgung Roms stellt einen wichtigen Indikator für den Aufstieg der Stadt zur antiken Metropole dar. Neben der Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigem Wasser profitierten auch Handwerker und andere Betriebe vom Fernwassersystem. Die Schaffung eines gut funktionierenden Abwassersystems trug außerdem dazu bei, dass krankheitsverursachende Fäkalien aus der Stadt gespüult werden konnten. Damit trug die römische Stadtverwaltung effektiv zum Erhalt eines hohen hygienischen Standards innerhalb der Stadtmauern bei. Auch konnte den steigenden Bevölkerungszahlen neuer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, indem man mit Ableitungen dafür sorgte, dass Risikogebiete überschwemmungsfrei blieben und notfalls entwässert werden konnten. Die Fortschrittlichkeit der Wasserver- und -entsorgung Roms ist kaum zu bestreiten.

3.2 Nahrungsmittelbeschaffung - Produktionsstätten in den Pro-

vinzen

Die Nahrungsmittel der Römer wurden größtenteils aus den Provinzen bezogen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein weitreichendes Massentransportwesen von Getreide, Wein, Öl, Fischsauce (garum) und weiteren Spezialitäten. Das Getreide ließ man aus Gegenden wie Ägypten, Nordafrika und Spanien anliefern. Aber auch die Kornkammer Sizilien galt als wichtiger Bezugspunkt. Den Olivenanbau für hochwertiges, kaltgepresstes Öl verlager- te man hauptsächlich in Regionen wie Apulien, Tripolitanien, Zentralasien oder Baetica. Den Wein bezog man überwiegend aus Messina, Südspanien, Südfrankreich und Griechen- land.[7] Cato der Ältere beschrieb in seinem Werk De agricultura, dass die Römer zudem eine ausgerpägte Gartenkultur pflegten. Sie bewirtschafteten ihre horti hinter ihren Häu- sern und bauten neben Erbsen und Bohnen, Gemüse (Kohl, Poree u.a.) sowie Heil- und Gewürzpflanzen an. Ermöglicht wurde ihnen dies durch die guten Bewässerungsmöglich- keiten auf Grund der modernen Wasserleitungen. Auch der Dichter Horaz folgte diesem Trend und bekundete öffentlich sein Wohlgefallen über sein Anwesen außerhalb Roms und dessen angrenzenden Garten:

“Mein höchster Wunsch war einst ein kleines Feld, | ein Garten, eine Quelle nah am Hause, | und etwas Wald dazu: die Götter haben mehr | und Besser’s mir gegeben: mir ist wohl, [...]”[8]

[...]


[1] Vgl. ISTAT: URBES - Il benessere equo e sostenibile nelle città, S. 91.

[2] Vgl. Kolb: Das Antike Rom, S. 79.

[3] Vgl. Eck: Organisation und Administration der Wasserversorgung Roms, S. 67 f.

[4] Vgl. Garbrecht: Wasserversorgungstechnik in römischer Zeit, S. 32-36.

[5] Vgl. ebd., S. 37.

[6] Vgl. Garbrecht: Wasserversorgungstechnik in römischer Zeit, S. 38 f.

[7] Vgl. Christ: Die Römische Kaiserzeit, S. ff.

[8] Horaz, Satire II.6

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
strepitus, fumus et nebula. Leben im Rom der Kaiserzeit
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V368053
ISBN (eBook)
9783668465091
ISBN (Buch)
9783668465107
Dateigröße
1811 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rom, Altertum, Geschichte, Leben, Alltag, Antike
Arbeit zitieren
Felix Eibenstein (Autor), 2014, strepitus, fumus et nebula. Leben im Rom der Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368053

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