Die heutige Gesellschaft kann insgesamt als geprägt durch Diversität beschrieben werden, wobei sich dieses pluralistische Gesamtbild auf vielerlei Bereiche bezieht. In Deutschland leben Menschen aus verschiedenen Nationen, Ethnien, Kulturen und Religionen zusammen, sodass im Laufe der letzten 20-30 Jahren die Fülle an Religionen und anderen spirituellen Angeboten deutlich zunahm. Desweiteren ist ein erheblicher Bedeutungszuwachs der etablierten christlichen Konfessionen festzustellen.
Hinzukommt, dass es in Deutschland, gerade durch die Flüchtlingssituation zu einer Zunahme an vertretenen Religion kommt, sei das der Islam oder christliche Konfessi-onen aus dem Orient. Grundsätzlich gilt es daher festzustellen, dass es "Religion" heute in Deutschland nur noch im Plural gibt. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesellschaft, sondern insbesondere auch auf den Religionsunterricht an deutschen Schulen. Hier gilt es abzuwägen, inwiefern ein konfessioneller Religionsunterricht dieser Situation entgegenwirken kann.
Im Folgenden soll vorab die Situation des religiösen Pluralismus in Deutschland erläutert werden. Anschließend wird sich der Zivilreligion sowohl in historischer als auch aktueller Perspektive gewidmet, bevor auf Basis beider Ausführungen Konsequenzen für die Religionspädagogik abgeleitet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Einordnung religiöser Pluralismus
2. Zivilreligion
3. Religionspädagogische Konsequenzen
Schlussworte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der religiösen Pluralisierung der modernen Gesellschaft, dem Phänomen der Zivilreligion und den daraus resultierenden Herausforderungen für den konfessionellen Religionsunterricht in Deutschland.
- Die gesellschaftliche Diversität und ihre Auswirkungen auf religiöse Strukturen.
- Historische und aktuelle Perspektiven des Begriffs der Zivilreligion.
- Die Rolle der Zivilreligion als gemeinsames Band in säkularisierten Gesellschaften.
- Die Anpassung des Religionsunterrichts an eine pluralistische Schülerschaft.
- Das Potenzial interreligiöser Ansätze zur Förderung von Toleranz und Konfliktlösung.
Auszug aus dem Buch
2. Zivilreligion
Die erste Nennung erfährt der Begriff Zivilreligion („religion civile“) im Gesellschaftsvertrag (1762) von Jean-Jacques Rousseau, hier wird darunter eine Religion beschrieben, die das Gemeinwohl einer Gesellschaft religiös begründet, wobei die Gesellschaft sich diese Religion selbst gibt. Rousseau stellt die Hypothese auf, dass ohne diesen religiösen Rückhalt keine Staatsform dauerhaft von den Menschen unterstützt werden würde, da in solchen z.B. der Demokratie das Interesse des Einzelnen denen der Gemeinschaft untergeordnet ist.
Betrachtet man linguistisch die einzelnen Bestandteile des Begriffes ergibt sich das „Zivile“ und das „Religiöse“. Zwar kann diese Unterteilung keinen Aufschluss über den begrifflichen Inhalt geben, man kann aber die Tendenz erkennen, dass es sich um ein Phänomen der Religion handeln muss, welches öffentliche Dimensionen im Leben der Menschen aufweist. Zivil kann demnach als Betroffenheit der Bürgerinnen und Bürger eines Staates verstanden werden, wobei die Zivilreligion den normative Kern aus moralischer Sicht darstellt, gerade bei öffentlichen Entscheidungen und Prozessen.
Etwas plakativer und verständlicher zusammengefasst, kann der Begriff „Zivilreligion“ als gemeinsames Band aller Bürgerinnen und Bürger gesehen werden, welches trotz der Säkularisierung die Plurale Gesellschaft verbindet und zusammenhält. Dabei ist ein komplexes Wechselverhältnis zwischen Religion und Politik festzustellen. In vielen Fällen sind bei bestimmten Formen politischer Kommunikation, gerade bei Reden, viele sakrale und religiöse Elemente enthalten. Um die Plurale Gesellschaft ansprechen zu können, müssen die dogmatischen Inhalte auf ein Minimum reduziert sein, damit liegt die Zivilreligion grundsätzlich jenseits der Kirchen und wird eher als Kulturreligion verstanden. Dabei ist allgemein eine hohe Abstraktheit festzustellen, wobei z.B. von Gott nur in allgemeiner und unverbindlicher Weise gesprochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Diversität der deutschen Gesellschaft durch Migration und konfessionelle Vielfalt und leitet die Relevanz dieser Entwicklung für den Religionsunterricht ab.
1. Einordnung religiöser Pluralismus: Dieses Kapitel analysiert den religiösen Pluralismus als Realität der Lebenswelt und diskutiert die Herausforderungen für die christlichen Kirchen sowie die Chancen für Toleranz und Konfliktlösung im Unterricht.
2. Zivilreligion: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Zivilreligion von Rousseau bis hin zu modernen Ansätzen, wobei ihre Rolle als identitätsstiftendes Element in einer säkularisierten Gesellschaft herausgearbeitet wird.
3. Religionspädagogische Konsequenzen: Das Kapitel befasst sich mit der Notwendigkeit eines pädagogischen Handlungskonzepts und dem Potenzial eines interreligiösen Zugangs, um der gesellschaftlichen Pluralität in der Schule gerecht zu werden.
Schlussworte: Die Schlussworte fassen die Bedeutung der Zivilreligion als rechtliches und moralisches Gefüge zusammen und plädieren für eine Besinnung auf gemeinsame Werte zur Stärkung des Gemeinwesens.
Schlüsselwörter
Religiöser Pluralismus, Zivilreligion, Religionsunterricht, Diversität, Gesellschaftsvertrag, Säkularisierung, Interreligiöser Zugang, Christliche Konfessionen, Toleranz, Politische Kommunikation, Kulturreligion, Religionspädagogik, Wertevermittlung, Gemeinwohl, Plurale Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von religiöser Pluralität in der deutschen Gesellschaft zur Zivilreligion und welche pädagogischen Konsequenzen dies für den Religionsunterricht an Schulen hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Soziologie der Religion, die Theorie der Zivilreligion und die didaktische Weiterentwicklung des konfessionellen Religionsunterrichts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie der Religionsunterricht auf die Zunahme religiöser Vielfalt reagieren kann und inwieweit zivilreligiöse Elemente dabei helfen können, eine pluralistische Gesellschaft zu einen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse religionswissenschaftlicher und pädagogischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung aktueller Studien zur Situation des Religionsunterrichts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme des Pluralismus, die theoretische Erläuterung der Zivilreligion sowie die Ableitung konkreter Folgerungen für die schulische Religionspädagogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind religiöser Pluralismus, Zivilreligion, interreligiöser Dialog, konfessioneller Religionsunterricht und gesellschaftliches Gemeinwohl.
Wie unterscheidet sich die deutsche Zivilreligion laut Text von der amerikanischen?
In den USA ist die Zivilreligion politisch stärker aufgeladen und historisch begründet, während sie in Deutschland eher ein rechtliches Gefüge darstellt, das sich beispielsweise in der Nennung Gottes im Grundgesetz manifestiert.
Welches Problem identifiziert der Autor beim aktuellen Religionsunterricht?
Der Autor stellt fest, dass der Unterricht oft in einer rein theoretischen Abarbeitung verharrt und der direkte Lebensweltbezug zur religiösen Pluralität in der Klasse zu kurz kommt.
- Arbeit zitieren
- Franziska Feß (Autor:in), 2016, Religiöser Pluralismus und Zivilreligion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368068