Die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens im Dreißigjährigen Krieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens im 30 jährigen Krieg
2.1 Der Streit um die böhmische Krone
2.1.1 Die Rolle der „Pfalz“ in Person Friedrichs diesem Konflikt
2.1.2 Bayerns Rolle im Böhmischen Krieg
2.2 Die Folgen des Konflikts und die Frage nach der Reichsacht Friedrichs
2.3 Die Kurtranslation für Bayern und die damit verbundenen Schwierigkeiten
2.4 Versuche einer Restitution Friedrichs und Schwedens Kampf um die Pfalz
2.5 Die Pfalzfrage als „Friedenshindernis“

3. Resümee

4. Literaturliste

1. Einleitung

Mit dem Dreißigjährigen Krieg assoziieren viele Menschen in erster Linie einen Kampf der Konfessionen, welcher unter modernen Gesichtspunkten auch stark an einen Bürgerkrieg erinnert, in welchem Reichsmitglieder unterschiedlicher religiöser Überzeugung gegeneinander in die Schlacht zogen. Dass es um die Einigkeit im Reich zu dieser Zeit freilich nicht so bestellt war, wie man sich das unter modernen Gedanken zur Staatlichkeit vorstellen darf, liegt jedoch auf der Hand und soll an dieser Stelle auch nicht weiter erläutert werden. Eventuell verbindet manch einer auch ein Eingreifen weiterer europäischer Mächte mit diesem Konflikt, wodurch er den Charakter eines „Bruderkrieges“ verliert und zu einem Ereignis von eminenter Bedeutung für ganz Europa wird.1 Beispielhaft hierfür finden sich in der fränkischen Lokalgeschichte einige Mythen, welche in vielen Orten als Pate für Namensgebungen standen. So ranken sich in Möhrendorf wilde Spekulationen um die sogenannten „Schwedenföhren“, welche den schwedischen Truppen zum Anbinden ihrer Pferde gedient haben sollen. Wenngleich Untersuchungen ergeben haben, dass die Bäume zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges noch gar nicht gestanden haben, so ist die ehemalige Präsenz schwedischer Truppen doch in den Köpfen der Menschen verankert. Neben den bereits genannten Aspekten des Krieges, lieferte dieser aber auch einen anschaulichen Beleg dafür, dass neben den immer im Raum stehenden konfessionellen Konflikten auch eine „reichsstaatliche Frage“ für das lange Fortwähren der Kampfhandlungen mitverantwortlich war. Konkret geht es dabei um die „Pfalzfrage“ und die damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen. Allerdings ist unter der Pfalzfrage nicht nur die Frage nach der pfälzischen Kurwürde zu verstehen, sondern auch der dieser Problematik vorausgegangene Konflikt um die böhmische Krone, welcher es überhaupt erst „ermöglicht“ hat, dass die Kurwürde der Pfalz zum „Spielball“ der Mächte wurde. Daher soll im Verlauf dieser Arbeit als erstes erläutert werden, wie der Streit um die böhmische Krone zu der „Pfalzfrage“ als solche führte und inwieweit sich diese dann während des Dreißigjährigen Krieges als antreibende Kraft des Kriegsgeschehens darstellte, ehe abschließend die retardierende Rolle der „Pfalzfrage“ vor dem Hintergrund der Friedenskongresse betrachtet werden soll.

2. Die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens im 30 jährigen Krieg

2.1 Der Streit um die böhmische Krone

Wenngleich die zu klärende Frage auf die Situation in der Pfalz und die damit verbundene Kurwürde ausgerichtet ist, so muss der Ursprung dieses Konflikts doch in dem, dem dreißigjährigen Krieg vorausgegangenen Streit um den böhmischen Thron betrachtet werden.2 Inwiefern dies für die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens relevant ist, soll im Folgenden sukzessiv erläutert werden. Nachdem sich in Böhmen alte Konfliktherde wieder aufgewärmt hatten, kam es zu einem Aufstand der böhmischen Stände gegen Kaiser Matthias. Zuvor hatte dieser aus Sicht des böhmischen Adels gegen den von Rudolf II verabschiedeten Majestätsbrief3 verstoßen, indem er seinen Vetter Ferdinand aus dem Hause der Habsburger als Nachfolger für die böhmische Krone präsentierte.4 Durch diesen Schritt sahen die böhmischen Stände ihre durch den Majestätsbrief zugesicherte Religionsfreiheit bedroht und formierten sich in Form einer böhmischen Ständeregierung, unter der Führung von Graf Thurn gegen dieses Vorhaben.5 Diesem Schritt war der so berühmte „Prager Fenstersturz“ vorausgegangen, bei dem die Opposition die beiden königlichen Statthalter zur Flucht zwang.6 Nach dem Tod von Kaiser Matthias erfuhr dieser Streit noch weitere Brisanz durch den Anschluss der Schlesischen Stände Oktober des Jahres 1618 und dem Zusammenschluss zur Confoederatio Bohemica mit den Ständen Böhmens, Schlesiens, Mährens und der Lausitz.7 Wichtige Merkmale der Confoederatio waren ihre Ablehnung eines Königtums, welches die Bestimmung eines Thronfolgers noch zu Lebzeiten dessen Vorgängers vorsah. Stattdessen lies man ein Wahlkönigtum „festschreiben“ und berief sich auf den Majestätsbrief als eine Art Grundgesetz. Damit einher ging ebenfalls die freie Religionsausübung für alle Protestanten, welche nach Möglichkeit auch die öffentlichen Ämter bekleiden sollten.8 So gesehen kann die Confoederatio Bohemica durchaus als wichtiger Schritt hin zur „Bildung eines protestantischen böhmischen Ständestaates“ angesehen werden, welcher im weiteren Verlauf des Krieges und der Frage nach dessen „Motor“ eine nicht unwichtige Rolle zukam. Auf der anderen Seite sorgte der Tod des Kaisers für weiteren Zündstoff in der Frage nach dessen Nachfolger, da sich der zuvor vertriebene Erzherzog Ferdinand aus habsburgischer Tradition als der rechtmäßig designierte Nachfolger erachtete.9

2.1.1 Die Rolle der „Pfalz“ in Person Friedrichs diesem Konflikt

Auf protestantischer Seite war man darauf aus, diese Wahl zunächst noch zu verschieben, versuchte dann aber eine für die Katholiken akzeptable, jedoch nicht habsburgische Lösung zu präsentieren, welche man in Maximilian von Bayern gefunden zu haben glaubte.10 Nachdem dieser nicht den gewünschten Rückhalt der übrigen Kurfürsten erfuhr und auch weitere Gegenkandidaten wie Bethlen Gabor von Siebenbürgen oder Herzog Karl von Savoyen nicht in Frage kamen11, geriet der junge pfälzische Kurfürst Friedrich V. in den Fokus der Protestanten. Neben seiner besonderen Stellung als Repräsentant des stärksten Unions Mitglied des Reiches, machte ihn vor allem auch seine Verbindung als Schwiegersohn des englischen Königs zu weiteren protestantischen Mächten in Europa interessant.12 Wenngleich es aus den Reihen des pfälzischen Adels einige Bedenken zu der Person Friedrichs gab, die auf der einen Seite die mit dessen Wahl verbundenen Konsequenzen fürchteten13 und auf der anderen Seite die Kandidatur gegen Ferdinand auch als Felonie, also ein Ausbleiben der Lehenstreue erachteten14, kam es im August 1619 zur Königswahl Friedrichs durch den Prager Generallandtag, nachdem man König Ferdinand aufgrund angeblicher Verfehlungen im Amt förmlich abgesetzt hatte.15

[...]


1 Kampmann, Christoph: Europa und das Reich im Dreißigjährigen Krieg (Geschichte eines europäischen Konflikts), Stuttgart 2008, S. 1.

2 Schaab, Meinrad: Die Geschichte der Kurpfalz (Neuzeit, Band 2), Stuttgart, Berlin, Köln 1992, S. 109.

3 Burkhardt, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt am Main 2006, S. 77. Bedürftig, Friedmann: Der Dreißigjährige Krieg. Ein Lexikon, Darmstadt 2006, S. 21.

4 Schaab, Meinrad: Kurpfalz, S. 109f.

5 Lahrkamp, Helmut: Dreißigjähriger Krieg. Westfälischer Frieden, Münster 1999, S. 8f.

6 Bedürftig, Friedmann: Der Dreißigjährige Krieg, S. 137f.

7 Kampmann, Christoph: Europa, S. 36.

8 Kampmann, Christoph: Europa, S. 36.

9 Schaab, Meinrad: Kurpfalz, S. 110f.

10 Schaab, Meinrad: Kurpfalz, S. 111.

11 Kampmann, Christoph: Europa, S. 37.

12 Barteček, Ivo, Hroch, Miroslav: Die Böhmenfrage im Dreißigjährigen Krieg, in: Durchardt, Heinz (Hrsg.): Beihefte der historischen Zeitschrift (Beiheft 26: Der Westfälische Frieden), München 1998, S. 447.

13 Kampmann, Christoph: Europa, S. 37.

14 Schaab, Meinrad: Kurpfalz, S. 111.

15 vgl. Schaab, Meinrad: Kurpfalz, S. 112; Kampmann, Christoph: Europa, S. 37f. 4

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens im Dreißigjährigen Krieg
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V368106
ISBN (eBook)
9783668467415
ISBN (Buch)
9783668467422
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pfalzfrage, motor, kriegsgeschehens, dreißigjährigen, krieg
Arbeit zitieren
Fabian Zschiesche (Autor), 2010, Die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens im Dreißigjährigen Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368106

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Pfalzfrage als Motor des Kriegsgeschehens im Dreißigjährigen Krieg



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden