Gründe und Ursachen für den Ersten Punischen Krieg

Unter Berücksichtigung der Rolle der römischen Nobilität


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik und Auswahl
2.1 Polybios
2.2 Cassius Dio / Zonaras
2.3 Diodor

3. Gründe und Ursachen für den Ersten Punischen Krieg
3.1 Die Lage auf Sizilien bis 264 v. Chr.
3.2 Das Hilfegesuch der Mamertiner und dessen Folgen
3.3 Die Rolle des römischen Senats beim Kriegseintritt
3.4 Ein Krieg gegen Karthago oder Hilfe für Messana

4. Schlussbetrachtungen

5. Bibliographie
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1. Einleitung

Wie es der Titel dieser Abhandlung bereits impliziert, wird selbige vornehmlich der Frage nachgehen wie es zu dem Ausbruch des Ersten Punischen Krieges kam. Bereits Polybios erkennt im Jahr 264 v. Chr. einen besonderen Einschnitt in der römischen Geschichte[1], als die Römer mit ihrem Übergang nach Sizilien nicht nur vermeintlich den Ersten Punischen Krieg einläuteten, sondern, wie wir im Nachhinein wissen und Joachim Molthagen betont, einen wichtigen Schritt auf ihrem Weg zur fast uneingeschränkten Herrschaft über die antike Welt machten.[2] Zugleich ergibt sich aus den Formulierungen des Polybios eine gewisse Problematik hinsichtlich der Fragestellung dieser Arbeit:

„Ferner werden wir den Grund für den Übergang anzugeben haben, jedoch mit klarer Beschränkung auf diesen selbst, damit nicht, wenn wir nach der Ursache der Ursache fragen, der Anfang unseres ganzen Werkes und die Behandlung seines Gegenstandes sich ins Bodenlose verliert.“[3]

An dieser Stelle stellt Polybios klar, wie wichtig der Beginn der römischen Intervention auf sizilianischem Boden ist, er den Hintergründen dieses Ereignisses nicht all zu große Beachtung schenken kann und möchte, es aber vielmehr als einen „Anfangspunkt wählen [möchte], der zeitlich unbezweifelbar festliegt und allgemein bekannt ist“[4], so dass man von diesem ausgehend der weiteren Narration Glauben schenken kann. Unter der Prämisse dieses fast schon epochalen Ereignisses lohnt es sich umso mehr, auch für die weitere Geschichte der römischen Republik der Frage nach den Ursachen bzw. Einflussfaktoren für den Ausbruch des Ersten Punischen Krieges nachzugehen. Insbesondere sollen dabei die Rollen bzw. die Beteiligungen der jeweiligen Mächte Rom sowie Karthago, aber auch der potentielle Einfluss von Hieron II. und den Marmertinern untersucht werden. Hierfür wird an erster Stelle der Bericht des Polybios als hilfreiches Quellenmaterial herangezogen, aber auch Vergleiche und Ergänzungen durch Diodor und Zonaras (Cassius Dio) sollen bei der Klärung der Fragestellung Beachtung finden. Darüberhinaus wird ebenso auf eine Fülle an Abhandlungen zu diesem Thema, sei es in Form von Aufsätzen, Monographien oder Zeitschriftenartikeln zurückgegriffen werden, wobei es natürlich von besonderer Wichtigkeit ist, die verschiedenen Meinungen, welche sich zu der Fragestellung über die Jahre entwickelt und manifestiert haben, gegeneinander abzuwägen und dadurch eventuell weitere Erkenntnisse zur Klärung dieser polarisierenden Frage zu gewinnen sowie ein Gesamtbild zu schaffen, welches der Komplexität und Bedeutung dieses Ereignisses gerecht wird.

2. Quellenkritik und Auswahl

2.1 Polybios

Nachdem die Auswahl der für diese Arbeit herangezogenen Quellen eingangs bereits kurz angedeutete wurde, soll deren jeweilige Auswahl an dieser Stelle noch kurz begründet werden. Unumstritten liefert Polybios einen eminent wichtigen Beitrag zur Erforschung zentraler Fragen rund um den Ersten Punischen Krieg. Wenngleich von seinem Werk lediglich die ersten fünf Bände vollständig und nicht nur fragmentarisch, wie die übrigen zur Verfügung stehen[5], ist der Wert seiner Überlieferungen „besonders hoch einzuschätzen“[6], da er als einziger Historiker relativ zeitnah nach dem Ersten Punischen Krieg schreibt, sich dazu auch selber auf die ältesten Quellen stützt und zudem „alle seine Nachfolger an Wissen und Können überragt“.[7] So gesehen erscheint die Wahl des Polybios als Quelle zunächst besonders geeignet und gleichermaßen wurde in der Vergangenheit gerne das Wort des Polybios für bare Münze genommen, ohne dabei kritisch weitere Quellen zu Rate zu ziehen. Allerdings ist es Polybios selber, der hervorhebt, besonders für die Zeit der Anfänge des Ersten Punischen Krieges nicht allzu detaillierte Überlieferungen vorzulegen, da er sich hier zum einen nicht ins „Bodenlose“ verlieren möchte und dabei gleichzeitig den Anfang des Ersten Punischen Krieges als eine Art Einschnitt bzw. Startpunkt für seine große, ganze Geschichte begreifen möchte.[8] Darüberhinaus lässt Polybios keine Zweifel daran, dass es sich bei dem sizilischen Krieg, also bereits den ersten Kampfhandlungen rund um Messana von Anfang an um einen römisch-karthagischen Krieg gehandelt habe[9], so dass weitere Interpretationsmöglichkeiten, auf die im Verlauf dieser Arbeit noch explizit eingegangen wird, aus seinen Schilderungen schwer zu gewinnen sind. Aus diesem Grund ist es nicht nur ratsam, sondern schlichtweg dringend notwendig, weitere Quellen zu einer möglichst umfassenden Beantwortung der Fragestellung heranzuziehen.

2.2 Cassius Dio / Zonaras

Um diese Lücken, die Polybios‘ „allgemein“ gehaltener Bericht enthält, zu schließen und um eventuell eine weitere Wertung hinsichtlich der Frage wer gegen wen Krieg führte zu erlangen, dient unter anderem das Werk von Cassius Dio. Dieser folgt den annalistischen Traditionen und zeigt dabei, dass nicht alle annalistische Geschichtsschreibung verteufelt werden solle und liefert zudem oftmals einen anderen Blick auf die Sicht der Dinge, als dies Polybios tat, so dass sich einige Alternativen zu dessen Berichten herausstellen.[10] Allerdings ist es bei Cassius Dio gerade für die Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges kaum mehr möglich originale Dokumente zu erhalten, da sein 43. Buch nur noch sehr fragmentarisch und ansonsten nur aus dem Exzerpt des Zonaras vorhanden ist, wobei dieser unglücklicherweise bei seinen Exzerpten auf einige Details verzichtet, indem er Jahres-, Namens- und Ortsangaben insgesamt nur sehr minimalistisch wiedergibt.[11] Allerdings kann man erfreulicherweise feststellen, dass Zonaras „den Traditionen byzantinischer Gelehrsamkeit entsprechend“ seine Schilderungen vollkommen ohne eigene Zusätze oder sonstige Kommentare seinerseits verfasst hat. Da sich die meisten relevanten Passagen hinsichtlich der für diese Arbeit formulierten Fragestellung bei Zonaras finden, werde ich im weiteren Verlauf auf diesen zurückgreifen und auf eine zusätzliche Nennung der entsprechenden Dio Textstelle verzichten.

2.3 Diodor

Ebenfalls sollen die Überlieferungen Diodors mit in die Beantwortung der Fragestellung einfließen, wobei dieser mit Philinos sehr sicher auf das gleiche Quellenmaterial zurückgegriffen hat wie Polybios.[12] Dennoch erscheint ein Einbezug des diodorischen Materials als durchaus lohnenswert, da dieser eine deutlich genauere und nicht durch eigene Ergänzungen beeinflusste Interpretation des gleichsam benutzten Quellenmaterials liefert. Besonders die Schilderungen zur Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges lassen sich dabei gut zwischen den beiden Historikern vergleichen, was aber unter anderem auch daran liegt, dass gerade hierzu Fragmente des Diodors vorhanden sind. Genau darin besteht nämlich der große Nachteil seiner Überlieferungen, nämlich dass diese schlichtweg nur sehr partiell erhalten sind.[13]

3. Gründe und Ursachen für den Ersten Punischen Krieg

3.1 Die Lage auf Sizilien bis 264 v. Chr.

Bereits vor dem vermeintlichen Ausbruch des Ersten Punischen Krieges, kam es auf Sizilien zu Spannungen bzw. auch kriegerischen Konflikten zwischen zwei anderen Parteien als Rom und Karthago. Wenngleich der Konflikt zunächst zwischen den Mamertinern in Messana und dem König Hieron II. von Syrakus entstand, ist es wichtig, auch diesen in den Kontext der Gründe und Ursachen für den Ersten Punischen Krieg einzuordnen. Besonders für diese Phase oder Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges liefert Polybios als die wichtigste Quelle zur Bearbeitung dieses Themas jedoch nur zusammenfassend das Wichtigste, als er zu Beginn von 1, 13 klar stellt, dass „Es [...] jedoch an der Zeit ,[ist] diese Erörterungen abzubrechen und uns unserer eigentlichen Aufgabe zuzuwenden“[14], so dass diverse Theorien aus dem vorhandenen Quellenmaterial entstanden sind. Auf der einen Seite versucht Joachim Molthagen die Thesen von Heuß zusammenzufassen, so dass auf der einen Seite die Theorie aufgeworfen wird, nach welcher die Römer, als sie den Marmertiner zu Hilfe kamen, lediglich einen Krieg gegen Syrakus im Sinn hatten.[15] Dem gegenüber steht vor allem die These von Hoffmann, auf welche aber im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch explizit eingegangen werden soll.

Bei der Aufarbeitung der Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges, in welcher selbstredend auch Gründe und Ursachen gesucht werden können, fällt in erster Linie immer wieder ein Name: König Hieron II. von Syrakus. Nach seiner Erhebung zum „strategos autokrator“, also einem bevollmächtigten Strategen[16] im Jahr 275/74 v. Chr. schaffte er vermutlich friedliche Einigungen mit den Karthagern, so dass die einzigen militärischen Aktivitäten gegen die Mamertiner, welche Messana unter ihre Kontrolle gebracht hatten, gerichtet waren.[17] Zu diesem Vorstoß ranken sich sogar Mythen des Zonaras, wonach die Römer und Hieron phasenweise in der Region kooperiert haben, welche durch Zonaras annalistische Schreibweise jedoch für sehr unwahrscheinlich erachtet werden kann.[18] Nichtsdestotrotz sollte diese Darstellung zumindest für die spätere Kriegsschuldfrage relevant werden[19], worauf jedoch an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll.

Von wesentlich größerer Bedeutung bei der Frage nach potentiellen Gründen, Ursachen und Auslösern für den Ersten Punischen Krieg, stellt sich die Schlacht am Longanos heraus, welche laut Hoffmann nach vormals längerer Diskussion endgültig für das Jahr 269 v. Chr. datiert werden kann.[20] Diese stellt einen entscheidenden Einschnitt dar, als es König Hieron im zweiten Versuch gelang, die Mamertiner zu besiegen und hinter die Tore Messanas zu zwingen.[21] Auffällig bei der Schilderung Heftners, welche jedoch die Kernaussage, dass die Mamertiner sich hilflos zurückziehen mussten, zeigt, ist, dass dieser lediglich den Bericht des Polybios zur Bearbeitung herangezogen hat, oder zumindest den des Diodors außer Acht gelassen hat. Anders offenbart es dagegen Molthagen, der zwar ebenfalls auf die kurze Abhandlung des Polybios eingeht, welche besagt, dass sich Hieron nach dem Sieg ohne erkennbaren Grund nach Syrakus zurückkehrte, wo er „einstimmig als König begrüßt“ wurde.[22] Darüberhinaus verweist Molthagen jedoch auch noch auf die deutlich ausführlichere Passage des Diodor.[23] Dieser berichtet davon, dass die Karthager eine Kapitulation der Mamertiner um jeden Preis verhindern wollten, so dass sich ihr Admiral Hannibal an Hieron wand, um diesen geschickt zu täuschen, indem er vorgab, diesem „zu gratulieren, tatsächlich aber um Hieron durch Betrug auszumanövrieren“.[24] Schlussendlich gelang es Hannibal, die Mamertiner dazu zu bewegen, dass diese ihre Stadt nicht kampflos an König Hieron abgaben und gleichzeitig ein karthagisches Truppenkontingent als Sicherung in die Stadt verlegen zu lassen.[25] Dieser Schritt stellt lediglich eine logische Konsequenz seitens der Karthager dar, welche bereits im Phyrroskrieg auf die Hilfe der Mamertiner bauen konnten und vehement daran interessiert waren, die Stadt Messana, die neben Syrakus die zweitbedeutenste Stadt Ostsiziliens darstellt, als strategisch wichtigen Punkt gegen König Hieron zu erhalten.[26] Diesem potentiellen direkten Konflikt mit Karthago ging König Hieron folglich aus dem Weg, wie Diodor und Polybios gleichermaßen berichten. Für die Zeit nach der Belagerung Messanas und dem später folgenden Hilfegesuch der Mamertiner liefern die bekannten Überlieferungen keinerlei nennenswerte Informationen über das Verhältnis der Mamertiner und der Karthager, so dass davon auszugehen ist, dass sich selbiges eher ruhig und unproblematisch verhielt. Wieso aber kam es nun fünf Jahre nach der Schlacht bei Longanos zu einer Invervention Roms auf Sizilien? Dieser Frage soll im weiteren Verlauf genauer nachgegangen werden, wobei zunächst das Hilfegesuch der Mamertiner im Fokus stehen wird.

[...]


[1] Pol. 1, 5.

[2] Molthagen, Joachim: Der Weg in den Ersten Punischen Krieg, in: Chiron 5 (1975), S. 89.

[3] Pol. 1, 5.

[4] Pol. 1, 5.

[5] Dreyer, Boris: Die Innenpolitik der Römischen Republik. 264 - 133 v. Chr., Darmstadt 2006, S. 3.

[6] Molthagen: Chiron, S. 90.

[7] Hoffmann, Wilhelm: Das Hilfegesuch der Mamertiner am Vorabend des Ersten Punischen Krieges, in: Historia 18 (1969), S. 156.

[8] Pol. 1, 5.

[9] Molthagen: Chiron, S. 126.

[10] Dreyer: Innenpolitik, S. 4.

[11] Bleckmann, Bruno: Die römische Nobilität im Ersten Punischen Krieg. Untersuchungen zur aristokratischen Konkurrenz in der Republik, Berlin 2002, S. 35.

[12] Bleckmann: Nobilität, S. 34.

[13] Bleckmann: Nobilität, S. 34.

[14] Pol. 1, 13; vgl. auch Hoffmann: Historia, S. 157.

[15] Molthagen: Chiron, S. 89f.

[16] Heftner, Herbert: Der Aufstieg Roms. Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago (280-146 v. Chr.), Regensburg 1997.

[17] Molthagen: Chiron S. 92.

[18] Molthagen: Chiron, S. 93f.

[19] Molthagen: Chiron, S. 94.

[20] Hoffmann: Historia, S. 158.

[21] Heftner: Aufstieg, S. 112.

[22] Pol. 1, 9.

[23] Molthagen: Chiron, S. 95.

[24] Diodor 22, 13, 6-8.

[25] Diodor 22, 13, 6-8.

[26] Hoffmann: Historia, S. 155.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gründe und Ursachen für den Ersten Punischen Krieg
Untertitel
Unter Berücksichtigung der Rolle der römischen Nobilität
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V368109
ISBN (eBook)
9783668480742
ISBN (Buch)
9783668480759
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gründe, ursachen, ersten, punischen, krieg, unter, berücksichtigung, rolle, nobilität
Arbeit zitieren
Fabian Zschiesche (Autor), 2011, Gründe und Ursachen für den Ersten Punischen Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368109

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