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Das Berliner Kinderschutzverfahren

Titel: Das Berliner Kinderschutzverfahren

Referat (Ausarbeitung) , 2017 , 12 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Henning Becker (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit werden exemplarisch das Berliner Kinderschutzverfahren und seine "Zweistufigkeit" näher vorgestellt.

Mehrere tragische Kindeswohlgefährdungsfälle (teilweise mit Todesfolge sowie oft mit großer medialer Aufmerksamkeit) führten am 01.10.2005 zum Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetzes (KICK). Durch die Neudefinierung des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung (§ 8a SGB VIII) sollten die Handlungsmöglichkeiten und -verpflichtungen der Jugendhilfe erweitert und konkretisiert werden. Eingriffe in das grundgesetzlich geschützte Elternrecht (Art. 6 Abs. 2 GG) wurden für die Familiengerichte erleichtert (§ 1666 BGB). Bundesweit wurden Kinderschutzverfahren entwickelt, die zu einer größeren Handlungssicherheit führen sollten. Mit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes zum 01.01.2012 wurden diese Verfahren noch einmal erweitert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rechtliches

3. Berliner Kinderschutzverfahren

3.1 1.Stufe – „1.Check-Bogen“

3.2 2. Stufe – Kinderschutzbogen

4. Ersteinschätzungsbögen für freie Träger von Diensten und Einrichtungen

5. Vorteile des Kinderschutzverfahrens anhand des „Fallbeispiels Westphal“

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse des Berliner Kinderschutzverfahrens als zentralem Instrument zur Wahrnehmung des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung. Ziel ist es, die systematischen Prozesse der Gefährdungseinschätzung, insbesondere die Anwendung der standardisierten Dokumentationsinstrumente, auf Basis der gesetzlichen Vorgaben darzustellen und deren Wirksamkeit sowie Notwendigkeit kritisch zu beleuchten.

  • Rechtliche Grundlagen des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII.
  • Struktur und zweistufiges Verfahren des Berliner Kinderschutzprozesses.
  • Anwendung des „1.Check-Bogens“ und des „Kinderschutzbogens“ als Diagnoseinstrumente.
  • Rolle und Verantwortung freier Träger in der Risikoabklärung.
  • Kritische Reflexion der Verfahren anhand des Fallbeispiels Westphal.

Auszug aus dem Buch

5. Vorteile des Kinderschutzverfahrens anhand des „Fallbeispiels Westphal“

Die nachfolgende Falldarstellung soll dazu dienen, gemachte Fehler sowie die Chancen des Kinderschutzverfahrens aufzuzeigen. Familie Westphal war dem Jugendamt seit Anfang der 90er Jahre bekannt. Die beiden ältesten Söhne, Karl und Stefan (geb. 1991 und 1992), der allein erziehenden Mutter, Sybille Westphal (geb. 1972), lebten wegen Vernachlässigung und Traumatisierung seit 1995 in stationärer Jugendhilfe. Der Kindesmutter war die elterliche Sorge vom Familiengericht entzogen worden. Frau Westphal gebar in den Jahren 2000 und 2003 zwei Töchter, Melanie und Cheyenne. Sie lebte damals mit dem Vater der Kinder, Herrn Markus Lackmus (geb. 1976), zusammen und war auf keine Hilfen des Jugendamtes angewiesen. Nach Trennung von ihrem Partner im Jahr 2004 und nach Geburt des fünften Kindes, Ronny, im Jahr 2006 stellten sich jedoch Überforderungssituationen ein, die ohne Hilfe zu einer Kindeswohlgefährdung hätten führen können.

Frau Westphal wurde daher ca. 3,5 Jahre bis Herbst 2007 durch eine sozialpädagogische Familienhilfe unterstützt. Diese wurde auf Empfehlung der Helfer (!) beendet, da Frau Westphal die Hilfe gut habe nutzen können und keine Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung ersichtlich seien. Die Bewertung der Helfer sollte sich als gravierende Fehleinschätzung heraus stellen. Nur ca. zwei Wochen nach Beendigung der Hilfe wurde die 7jährige Tochter während der Schulzeit mit einer Gehirnerschütterung von einem Passanten auf der Straße angetroffen. Da das Mädchen einen verwirrten Eindruck machte, rief der Passant die Polizei. Diese konnte die Identität des Mädchens ermitteln und brachte es nach Hause. Dort fand es eine komplett verwahrloste Wohnung vor. Die drei Kinder waren in ungepflegtem Zustand. Frau Westphal wirkte apathisch und alkoholisiert. Die Rücksprache der Polizei mit der Schule des 7jährigen Mädchens ergab unentschuldigte Fehlzeiten seit fünf Wochen. Die Polizei informierte das Jugendamt. Dort wurde ein umgehender Hausbesuch veranlasst. Während dessen wurde die Notwendigkeit sofortiger Schutzmaßnahmen (Inobhutnahme der Kinder) deutlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesetzliche Neudefinierung des Schutzauftrags durch das KICK und das Bundeskinderschutzgesetz als Reaktion auf medienwirksame Kindeswohlgefährdungsfälle.

2. Rechtliches: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Bestimmungen des § 8a SGB VIII, die den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung sowie die Pflichten der Jugendhilfe und der Einrichtungen regeln.

3. Berliner Kinderschutzverfahren: Hier werden die Aufgaben des Jugendamtes sowie der zweistufige Prozess der Gefährdungseinschätzung beschrieben, der auf Interdisziplinarität und standardisierten Instrumenten basiert.

4. Ersteinschätzungsbögen für freie Träger von Diensten und Einrichtungen: Das Kapitel thematisiert die Rolle freier Träger, die trotz fehlender Wächteramt-Funktion zur Risikoabklärung und Dokumentation mittels Ersteinschätzungsbögen verpflichtet sind.

5. Vorteile des Kinderschutzverfahrens anhand des „Fallbeispiels Westphal“: Anhand einer detaillierten Falldarstellung wird aufgezeigt, wie standardisierte Verfahrensinstrumente Fehleinschätzungen vermeiden und die Handlungssicherheit der Fachkräfte erhöhen können.

Schlüsselwörter

Kinderschutzverfahren, Kindeswohlgefährdung, Jugendamt, § 8a SGB VIII, Gefährdungseinschätzung, Berliner Kinderschutzbogen, 1.Check-Bogen, Schutzauftrag, soziale Diagnose, Risikoabklärung, Familienhilfe, Fallbeispiel Westphal, Handlungssicherheit, Krisenintervention, Inobhutnahme.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und praktischen Anwendung des Berliner Kinderschutzverfahrens im Kontext der gesetzlichen Vorgaben zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die gesetzlichen Anforderungen des § 8a SGB VIII, die methodische Vorgehensweise bei Gefährdungsmeldungen und die Bedeutung standardisierter Instrumente wie der Kinderschutzbögen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Darstellung der Prozesse innerhalb des Berliner Kinderschutzsystems und deren kritische Überprüfung anhand konkreter Fallpraxis, um die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Kombination aus rechtlicher Analyse der gesetzlichen Grundlagen und einer fallbasierten Reflexion (Fallstudie Familie Westphal), um die praktische Anwendung theoretischer Konzepte aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die Beschreibung der zweistufigen Berliner Verfahrensstandards sowie die Analyse der Instrumente (Check-Bogen und Kinderschutzbogen) unter Einbeziehung eines Fallbeispiels.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Publikation wird maßgeblich durch Begriffe wie Kinderschutzverfahren, Gefährdungseinschätzung, § 8a SGB VIII, Diagnoseinstrumente und Handlungssicherheit definiert.

Welche Rolle spielen freie Träger im Berliner Kinderschutzverfahren?

Freie Träger sind verpflichtet, bei der Risikoabklärung mitzuwirken und eigene Ersteinschätzungsbögen zu nutzen, wobei sie jedoch keine Befugnis zur Datenherhebung bei Dritten haben.

Warum wird im Fallbeispiel Westphal eine "Fehleinschätzung" durch Helfer betont?

Das Beispiel verdeutlicht, dass die Abwesenheit standardisierter Diagnoseinstrumente dazu führen kann, dass positive Kooperation von Eltern über die tatsächliche, latent gefährdende Lebenslage der Kinder hinwegtäuscht.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Berliner Kinderschutzverfahren
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Veranstaltung
Sozialanamnese und Sozialdiagnostik
Note
1,3
Autor
Henning Becker (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V368187
ISBN (eBook)
9783668466531
ISBN (Buch)
9783668466548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderschutz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Henning Becker (Autor:in), 2017, Das Berliner Kinderschutzverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368187
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  12  Seiten
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