Diese Arbeit will die Qualität des Arguments, wonach Doping im Sport legalisiert werden soll, untersuchen. Dazu wird im folgenden das entsprechende Argument von Savulescu et al. ihres Artikels „Why we should allow performance enhancing drugs in sport“ analysiert. Die Autoren fordern, Doping im Sport zu erlauben. Für die weitere Analyse wird zunächst die Argumentationskette dargestellt. Anschließend folgen Definitionen wichtiger Begriffe. Danach wird das Argument rekonstruiert und in eine formale Form gebracht. Es folgen die Bewertung und das Attackieren des Arguments. Dazu werden drei verschiedene Methoden verwendet:
(1) Überprüfung der Validität mittels einer Wahrheitstabelle
(2) Widerlegung des Arguments mittels eines Reductio ad absurdum-Arguments
(3) Widerlegung des Arguments mittels eines Gegenbeispiels.
Dem Autor ist bewusst, dass eine erfolgreiche Methode der drei gelisteten für die Widerlegung ausreichen würde. Da in dieser Arbeit aber verschiedene Methoden anhand des genannten Arguments demonstriert werden sollen, werden alle drei Methoden auf das Argument angewendet. Ein zusammenfassendes Fazit schließt die Analyse des Arguments ab. Dieses zeigt final, ob das Argument haltbar ist oder nicht. Am Ende folgt ein kleiner Ausblick auf die Zukunft der Dopingproblematik im Hochleistungssport.
Dass der Sport ein Dopingproblem hat, wurde beispielsweise im vergangen Jahr durch die McLaren-Berichte bewiesen. McLaren zeigte dabei im Auftrag der WADA russisches Staatsdoping rund um die Olympischen Winterspiele 2014. Ähnliches berichtete die New York Times. Andere Beispiele für Probleme mit Doping sind die positiven Dopingtests bei jamaikanischen Sprintern während der Olympischen Sommerspiele in Peking oder der US-amerikanische Radsportler Armstrong, der zugab, bei all seinen Tour de France-Siegen gedopt gewesen zu sein. Diese Beispiele zeigen Probleme des Sports im Hinblick auf Doping: Staatlich unterstütze Dopingprogramme, positive Tests ohne Auswirkungen und durch verbotene Dopingmittel erfolgreiche Sportler. Da sich Viele dieser Probleme bewusst sind, wurden verschiedene Vorschläge gemacht, diese Themen anzugehen. Der Olympiasieger von London 2012 im Diskuswerfen, Harting, schlug eine Legalisierung von Doping vor. Auch in Wissenschaftlerkreisen hat sich eine Denkweise herausgebildet, die für eine Freigabe von Dopingsubstanzen im Sport plädiert. Andere stehen einer Legalisierung allerdings kritisch gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
1 Aktuelle Probleme mit Doping im Hochleistungssport
2 Das Argument „Warum Doping im Sport legalisiert werden sollte“ und die Bewertung desselben
2.1 Die Argumentationskette der Autoren
2.2 Definitionen
2.3 Rekonstruktion des Arguments
2.4 Bewertung und Attackieren des Arguments
2.4.1 Überprüfung der Validität
2.4.2 Widerlegung durch ein Reductio ad absurdum-Argument
2.4.3 Widerlegung durch ein Gegenbeispiel
2.5 Zusammenfassung und Fazit
3 Ausblick auf die Zukunft der Dopingproblematik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die argumentative Qualität des Plädoyers von Savulescu et al. für eine Legalisierung von Doping im Hochleistungssport, um zu prüfen, ob deren Forderung einer kritischen Überprüfung standhält.
- Analyse der Argumentationskette von Savulescu et al.
- Formale Rekonstruktion und deduktive Überprüfung der Validität mittels Wahrheitstabellen
- Kritische Auseinandersetzung durch eine Reductio ad absurdum
- Widerlegung zentraler Prämissen durch sportgeschichtliche Gegenbeispiele
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Widerlegung durch ein Gegenbeispiel
Die dritte und letzte Methode, mit der das Argument von Savulescu et al. nun noch attackiert wird, ist die Widerlegung durch ein Gegenbeispiel. Diese Methode knüpft inhaltlich in Teilen an die zweite Methode der Reductio ad absurdum an. Um ein Argument zu widerlegen, soll bei einem Gegenbeispiel eine Prämisse des Arguments widerlegt werden. Um zu zeigen, dass die zu widerlegende Prämisse falsch ist, wird ein Gegenbeispiel gebracht (Sinnott-Armstrong und Fogelin 2014: 334).
Savulescu et al. argumentieren, dass die Freigabe von Doping den Sport sicherer und fairer macht (Savulescu u. a. 2004: 667f.). In ihren Augen scheint dies auch die Legalisierung der Dopingsubstanz Erythropoetin (EPO) einzuschließen (Savulescu u. a. 2004: 667f.). Konsequent weitergedacht, gehen Savulescu et al. also davon aus, dass durch die Freigabe von Doping bzw. dann auch von EPO der Sport für Athleten sicherer würde. Diese Prämisse wird nun im nächsten Schritt mit einem Gegenbeispiel widerlegt:
Viele Beispiele der Sportgeschichte weisen darauf hin, dass die Einnahme von EPO als Dopingmittel keine Steigerung der gesundlachen Sicherheit für Athleten bringt. Im Gegenteil konnte gezeigt werden, dass der Tod einer Vielzahl von europäischen Profiradsportlern auf die Einnahme von EPO zurückzuführen ist (Noakes 2006: 291f.). Andere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass EPO ernsthafte gesundheitliche Risiken mit sich bringt (Loland 2011: 327). Allein diese zwei Beispiele zeigen, dass das Argument von Savulescu et al. durch ein Gegenbeispiel widerlegt werden kann. Im Gegensatz zur Annahme der Autoren, dass EPO eine sichere Dopingsubstanz sei, die in ihren Augen deshalb freigegeben werden darf, um die gesundheitliche Sicherheit der Athleten zu verbessern, zeigen empirische Befunde das Gegenteil: EPO ist ein Risiko für alle Sportler und kann im Extremfall sogar den Tod bedeuten. Dadurch ist das Argument von Savulescu et al. durch ein Gegenbeispiel widerlegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aktuelle Probleme mit Doping im Hochleistungssport: Dieses Kapitel skizziert die Problematik des Dopings im modernen Hochleistungssport anhand aktueller Beispiele und führt in die wissenschaftliche Debatte um eine mögliche Legalisierung ein.
2 Das Argument „Warum Doping im Sport legalisiert werden sollte“ und die Bewertung desselben: Hier wird die Argumentationskette der Autoren Savulescu et al. analysiert, definiert und in eine formale, deduktive Struktur überführt, um sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
2.1 Die Argumentationskette der Autoren: Dieser Abschnitt fasst die wesentlichen Argumente und Annahmen von Savulescu et al. zur Legalisierung von Doping im Sport zusammen.
2.2 Definitionen: Hier werden zentrale Begriffe der Arbeit, wie „Doping“, „Sport“ und „Fairness“, präzise bestimmt, um terminologische Missverständnisse während der Analyse zu vermeiden.
2.3 Rekonstruktion des Arguments: In diesem Teil wird das Argument der Autoren in eine formale logische Struktur (Prämissen und Schlussfolgerung) gebracht, um eine abstrakte Bewertung zu ermöglichen.
2.4 Bewertung und Attackieren des Arguments: Dies ist der methodische Hauptteil, in dem das rekonstruierte Argument mittels Wahrheitstabellen, Reductio ad absurdum und Gegenbeispielen kritisch untersucht wird.
2.4.1 Überprüfung der Validität: Die Validität des Arguments wird hier formal mithilfe einer Wahrheitstabelle geprüft, wobei sich das Argument als nicht valide erweist.
2.4.2 Widerlegung durch ein Reductio ad absurdum-Argument: Dieser Abschnitt zeigt durch eine Reductio ad absurdum, dass das Argument der Autoren zu absurden Konsequenzen führt, wie etwa einem allgemeinen Dopingzwang.
2.4.3 Widerlegung durch ein Gegenbeispiel: Hier wird die Behauptung, Doping erhöhe die Sicherheit, durch den Verweis auf die gesundheitlichen Risiken von EPO widerlegt.
2.5 Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel bündelt die Ergebnisse der Untersuchung und stellt fest, dass das Argument von Savulescu et al. auf allen drei gewählten Wegen widerlegt werden konnte.
3 Ausblick auf die Zukunft der Dopingproblematik: Abschließend wird konstatiert, dass die Legalisierung von Doping keine Lösung darstellt und internationale Sportverbände gefordert sind, neue Ansätze zur Problemlösung zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Doping, Hochleistungssport, Savulescu, Argumentationsanalyse, Legalisierung, Ethik, Reductio ad absurdum, Validität, Wahrheitstabelle, Erythropoetin, Sportgeist, Chancengleichheit, Gesundheitsschutz, Deduktion, Sportethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kritischen Überprüfung des Arguments von Savulescu et al., die eine Legalisierung von Doping im Hochleistungssport befürworten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die aktuelle Dopingproblematik im Profisport, die logische Rekonstruktion ethischer Argumentationen und die Überprüfung von deren Stichhaltigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Qualität und Haltbarkeit des Arguments für eine Doping-Legalisierung durch verschiedene methodische Ansätze wissenschaftlich zu bewerten.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Der Autor nutzt die formale logische Überprüfung der Validität mittels Wahrheitstabellen, das Verfahren der Reductio ad absurdum sowie die Anwendung von empirischen Gegenbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der formalen Rekonstruktion des Arguments in Prämissen und Schlussfolgerungen sowie der anschließenden Dekonstruktion und Widerlegung durch die genannten logischen Methoden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe für die Einordnung sind Doping, sportethische Argumentation, Validitätsprüfung und die sportwissenschaftliche Debatte um Leistungssteigerung.
Warum führt die Legalisierung laut Autor zu einem „Dopingzwang“?
Der Autor argumentiert, dass eine Freigabe den Leistungsdruck so weit erhöhen würde, dass selbst Sportler, die Doping aus gesundheitlichen oder moralischen Gründen ablehnen, gezwungen wären zu dopen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Existenzgrundlage zu wahren.
Welche Rolle spielt die Substanz Erythropoetin (EPO) in der Argumentation?
EPO dient als konkretes Gegenbeispiel, um die These der Autoren zu widerlegen, dass Doping den Sport sicherer mache; der Nachweis gesundheitlicher Risiken bis hin zum Tod entkräftet diese Annahme.
- Arbeit zitieren
- Fabian Herbst (Autor:in), 2017, Warum Doping im Sport legalisiert werden sollte. Argumentation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368357