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Die Aktualität des Automatenmotivs in E. T. A. Hoffmanns "Der Sandmann" (1816) und Ernst-Wilhelm Händlers "Der Überlebende" (2013)

Title: Die Aktualität des Automatenmotivs in E. T. A. Hoffmanns "Der Sandmann" (1816) und Ernst-Wilhelm Händlers "Der Überlebende" (2013)

Bachelor Thesis , 2017 , 42 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Marie H. (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Ziel der Arbeit ist die Beantwortung zweier Fragen: Inwiefern eignet sich "Der Überlebende" als Vergleich zu "Der Sandmann" und inwiefern mutiert man selber zur Maschine, verliert also seine Menschlichkeit, durch eine Beziehung zu ebensolchen?

E. T. A. Hoffmann ist der erste Literat, der die um 1800 sichtbar werdende Industrialisierung auf ihre Veränderung der „conditio humana“ befragt. Diese Bachelorarbeit befasst sich mit einem der vielen Motive der Erzählung: dem Automaten. Da sich die menschliche Technologie in den letzten Jahren der Praxis von künstlicher Intelligenz immer mehr nähert, sich das Wissen exponentiell vermehrt und sich zunehmend mit Robotern und ihrer Beziehung zu Menschen befasst, liegt der Gedanke eines Aktualitätsbezuges zum 200-jährigen Jubiläum des Märchens vom Sandmann nahe.

Um den Aktualitätsbezug zu intensivieren und an die Jetzt-Zeit anzuknüpfen, wird das Werk eines deutschen, zeitgenössischen Autors hinzugezogen: Ernst-Wilhelm Händler bietet sich als Autor für diese Erweiterung des Automatenmotivs an, der im vergangenen Jahr erneut für den Deutschen Buchpreis mit seinem Roman München (2016) nominiert war.

Ernst-Wilhelm Händler schloss sein Studium der Betriebswirtschaftslehre und Philosophie in München mit einer Promotion zum Thema Logische Struktur und Referenz von mathematischen ökonomischen Theorien (1980) ab und übernahm das familieneigene Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung. Vor dem Hintergrund dieses Praxiswissens über das Verhältnis von Mensch und Maschine unter den historischen Gegebenheiten der fast vollständig vollzogenen digitalen Transformation in Ökonomie und Gesellschaft, ergibt sich ein spannungsvolles Verhältnis von E. T. A. Hoffmanns analoger Maschine zu digital gesteuerten Maschinen, an deren vorläufigem Endstadium die vollständige Substitution der menschlichen Intelligenzleistungen durch die ihnen weit überlegene sogenannte künstliche Intelligenz in Ernst-Wilhelm Händlers Werk steht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Analytische Methoden

3 Das Automatenmotiv in E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann

3.1 Historischer Kontext

3.2 Der Sandmann – eine kurze Inhaltsangabe

3.3 Nathanael und Olimpia

3.3.1 Das Automatenmotiv der weiblichen Protagonistinnen

3.3.2 Nathanaels Menschlichkeitsverlust

4 Eine Analyse der Gegenwartsliteratur: Ernst-Wilhelm Händlers Der Überlebende

4.1 Historischer Kontext der Jahrtausendwende

4.2 Wer ist „der Überlebende“?

4.3 Das Motiv der unkontrollierten Selbstzerstörung zum Schutz der S-bot Roboter.

4.3.1 Maren

4.3.2 Peter

4.3.3 Greta

5 Ein Vergleich zwischen Nachtstück und Roman: Was sagt die Beziehung zu Robotern über die Menschlichkeit aus?

5.1 Vergleich der beiden Werke mit besonderer Rücksicht auf Nathanael und den Werkleiter

5.2 Was unterscheidet den Menschen von der Maschine?

5.3 Die Menschlichkeit Nathanaels und des Werkleiters

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Aktualität des Automatenmotivs, indem sie E. T. A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann (1816) mit Ernst-Wilhelm Händlers Gegenwartsroman Der Überlebende (2013) vergleicht. Ziel ist es, die psychologische Dynamik zwischen Mensch und künstlichem Gegenüber zu beleuchten und der Frage nachzugehen, inwiefern eine obsessive Bindung an Automaten den Verlust der eigenen Menschlichkeit provoziert.

  • Psychologische Untersuchung der Motive Narzissmus, Soziopathie und Psychopathie in Bezug auf künstliche Intelligenz.
  • Analyse des historischen Wandels vom analogen Automaten zum digital gesteuerten Roboter.
  • Untersuchung der Projektionsmechanismen, durch die der Mensch das künstliche Wesen als Spiegel seines Selbst nutzt.
  • Gegenüberstellung von Nathanaels existentieller Krise und dem modernen, auf Effizienz getrimmten Gotteskomplex des Werkleiters.
  • Beantwortung der Frage, was den Menschen im Zeitalter digitaler Substitution noch von der Maschine unterscheidet.

Auszug aus dem Buch

3.3.1. Das Automatenmotiv der weiblichen Protagonistinnen

Die Beziehung zwischen Nathanael und Olimpia findet zwar nur auf 14 der 42 Seiten der Erzählung statt, bildet aber den Kern der Geschichte: Die Beziehung zwischen Mensch und totem Artefakt sowie seiner Tauglichkeit als beliebig besetzbarer Spiegel menschlicher Projektion. Die Ambivalenz zwischen totem und belebtem zeigt sich zunächst am deutlichsten in der Wahrnehmung der Bedeutung des Blicks der Automatenfrau Olimpia für Nathanael.

Als Nathanael zum ersten Mal Spalanzanis Tochter erblickt, so geschieht dies durch eine Glastür: er sieht ein „hohes, sehr schlank im reinsten Ebenmaß gewachsenes, herrlich gekleidetes Frauenzimmer […] [, mit] engelschöne[m] Gesicht [, doch] hatten ihre Augen etwas Starres“, „weil eben in den Augen der androiden Protagonistin[…] sich das Geheimnis ihrer (Un-) Menschlichkeit und (Un-) Beseeltheit verbirgt.“ Peter von Matt beschreibt diese Szene als „auffällig, da die Geschichte ja auf die Liebe Nathanaels zu Olimpia hin angelegt“ sei. Diese Starre verliert Olimpia erst, als Nathanael sie durch ein Fernglas beobachtet, denn „nur von ihren Augen her wird sie ganz liebenswert [.]“ Die Augen, als immer wiederkehrendes Motiv der Erzählung, werden auch Teil eines Gedichtes von Nathanael – allerdings sind es hier Claras „holde Auge: die springen in Nathanaels Brust wie blutige Funken“ und lassen seine Verlobte blind zurück.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsabsicht, eine Verbindung zwischen Hoffmanns Der Sandmann und Händlers Der Überlebende im Kontext der technologischen Entwicklung zu ziehen.

2 Analytische Methoden: Darlegung der theoretischen Grundlage, basierend auf Peter Tepes Deutungsoptionen und dem Fokus auf psychologische Ansätze sowie philosophischen Dualismus/Monismus.

3 Das Automatenmotiv in E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann: Historische Kontextualisierung der Erzählung und detaillierte Analyse von Nathanaels Projektionen auf die Automatenfrau Olimpia.

4 Eine Analyse der Gegenwartsliteratur: Ernst-Wilhelm Händlers Der Überlebende: Untersuchung des Romans vor dem Hintergrund der digitalen Transformation und der psychopathischen Züge des Ich-Erzählers.

5 Ein Vergleich zwischen Nachtstück und Roman: Was sagt die Beziehung zu Robotern über die Menschlichkeit aus?: Synthese beider Werke, in der die Parallelen zwischen Nathanael und dem Werkleiter sowie die Frage nach dem menschlichen Wesen im Fokus stehen.

6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Aktualität des Automatenmotivs und Antwort auf die Frage nach der Mutation des Menschen zur Maschine durch die Beziehung zu dieser.

Schlüsselwörter

Automatenmotiv, E. T. A. Hoffmann, Der Sandmann, Ernst-Wilhelm Händler, Der Überlebende, Künstliche Intelligenz, Menschlichkeit, Narzissmus, Soziopathie, Psychopathie, Identität, Projektion, Digitale Transformation, Robotik, Spiegelbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht das Automatenmotiv in E. T. A. Hoffmanns klassischer Erzählung Der Sandmann mit dem zeitgenössischen Roman Der Überlebende von Ernst-Wilhelm Händler.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die psychologischen Aspekte der Mensch-Maschine-Beziehung, der Einfluss von Technologie auf die menschliche Psyche sowie der Verlust von Menschlichkeit durch narzisstische oder psychopathische Tendenzen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Es soll untersucht werden, ob und wie der Kontakt zu künstlichen Wesen (Automaten bzw. Robotern) zu einer Entfremdung von sozialen Beziehungen führt und ob der Mensch durch diese Bindung seine eigene Menschlichkeit verliert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt primär psychologische Analysemethoden (nach Peter Tepe) und philologische Ansätze, um die Texte im Kontext ihrer jeweiligen Entstehungszeit und Weltbilder zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse beider Werke, wobei jeweils historische Hintergründe, die Psyche der Protagonisten (Nathanael und der Werkleiter) und deren obsessives Verhältnis zu geschaffenen "künstlichen" Figuren im Fokus stehen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Narzissmus, Soziopathie, Psychopathie, Künstliche Intelligenz, Gotteskomplex, Entfremdung und Projektion.

Wie unterscheidet sich die Rolle der Automaten in den beiden untersuchten Werken?

Während Olimpia im Sandmann ein explizites Liebesobjekt und zentraler Spiegel für Nathanaels Wahn ist, dienen die S-bots im Überlebenden primär als arbeitsintensive "Schöpfungen", deren Schutz der Protagonist mit Manipulation und Zerstörung seines sozialen Umfelds erkauft.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin über den "Gotteskomplex" der Protagonisten?

Beide Protagonisten streben durch das Erschaffen oder Kontrollieren von Automaten nach einer gottgleichen Position, was jedoch zwangsläufig zur sozialen Isolation und zum Verlust des empathischen Bezugs zur menschlichen Umwelt führt.

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Details

Title
Die Aktualität des Automatenmotivs in E. T. A. Hoffmanns "Der Sandmann" (1816) und Ernst-Wilhelm Händlers "Der Überlebende" (2013)
College
RWTH Aachen University  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Grade
2,7
Author
Marie H. (Author)
Publication Year
2017
Pages
42
Catalog Number
V368364
ISBN (eBook)
9783668467033
ISBN (Book)
9783668467040
Language
German
Tags
Hoffmann Sandmann Händler Vergleich Automaten Automatenmotiv künstliche Intelligenz Verlust der Menschlichkeit Der Überlebende Aktualitätsvergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marie H. (Author), 2017, Die Aktualität des Automatenmotivs in E. T. A. Hoffmanns "Der Sandmann" (1816) und Ernst-Wilhelm Händlers "Der Überlebende" (2013), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368364
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