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Wie politisch ist die "heilige Johanna der Schlachthöfe"? Einflüsse und Intentionen hinter Brechts epischem Theaterstück

Titel: Wie politisch ist die "heilige Johanna der Schlachthöfe"? Einflüsse und Intentionen hinter Brechts epischem Theaterstück

Seminararbeit , 2017 , 22 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Auf den ersten Blick mag die Frage "Wie politisch ist die heilige Johanna der Schlachthöfe" obsolet wirken. Die Johanna gilt immerhin als erstes großes Lehrstück Brechts und hat deutlich gesellschaftskritische Züge - was also soll daran nicht politisch sein?

Im Folgenden wird zunächst einmal die Entstehungsgeschichte (2.) des Stücks beleuchtet. Das ist in diesem Fall besonders wichtig, weil sie ein Potpourri an ideologischen, literarischen und weltgeschichtlichen Einflüssen eröffnet, was bei der Einschätzung des Werks von großem Nutzen sein wird. Sodann folgt eine kurze Zusammenfassung des Inhalts (3.) mit besonderem Fokus auf der Wirtschaftshandlung und einer kurzen Erwähnung verschiedener logischer Schwächen im Handlungsaufbau.

Als nächstes werden die beiden Hauptfiguren Johanna (4.) und Mauler (5.) genauer unter die Lupe genommen. Dabei geht es vor allem darum, ein klares Bild von den Figuren zu bekommen, die durchaus vielschichtig angelegt sind. Zuletzt darf eine genauere Untersuchung der Einflüsse durch die Schriften von Karl Marx (6.) nicht fehlen, denn sie sind auffällig und für eine Einschätzung der politischen Bedeutung des Stücks natürlich sehr wichtig.
Im Abschluss (7.) werden dann die gesammelten Erkenntnisse auf die Leitfrage bezogen: Wie politisch ist die heilige Johanna der Schlachthöfe?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einflüsse und Entstehungsgeschichte

2.1 Börsen, Marx & Wirtschaftskrise

2.2 Eine neue Form des Theaters

2.3 Literarische Vorlagen

3. Inhalt und Aufbau

3.1 Die Handlung

3.2 Speziell: Die Wirtschaftshandlung

3.3 Logische Schwächen

4. Der Erkenntnisweg der Johanna

4.1 Johanna Dark und Jeanne d’Arc

4.2 Drei Gänge in die Tiefe

5. Mauler, König der Raubtiere

5.1 Wie viel Menschlichkeit steckt in Mauler?

5.2 Mauler und der Regen: Wer trägt die Verantwortung?

6. Spuren von Marx

6.1 Corner und marxistisches Krisenmodell

6.2 Religion als “Opium des Volkes”

6.3 Kapitalismus als Gewaltherrschaft der Ausbeutung

7. Ideologie als Fundament und Propaganda

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Dimension von Bertolt Brechts Stück "Die heilige Johanna der Schlachthöfe", ausgehend von der provokanten These, Brecht sei ein unpolitischer Autor gewesen. Ziel ist es, durch eine Analyse der Entstehungsgeschichte, der Figurenkonstellation um Johanna und Mauler sowie der marxistischen Einflüsse zu klären, inwieweit das Werk als politisches Stück und Instrument der Aufklärung fungiert.

  • Analyse des Einflusses ökonomischer Theorien und des Marxismus auf Brechts Werk.
  • Untersuchung des epischen Theaters als neue Darstellungsform.
  • Charakterisierung der Hauptfiguren Johanna Dark und Pierpont Mauler.
  • Kritische Beleuchtung der Verbindung von Wirtschaftsmacht und religiöser Ideologie.
  • Diskussion der politischen Relevanz und der aufklärerischen Funktion des Stücks.

Auszug aus dem Buch

4.2 Drei Gänge in die Tiefe

Die von Brecht selbst im Stück so betitelten “Gänge in die Tiefe” stellen die wichtigsten Schritte im Erkenntnisprozess der Johanna dar. Ein Erkenntnisweg, den sie allerdings für sich selbst als Theaterfigur unternimmt und nicht, wie Walter A. Behrendson in seiner Schrift von 1970 fälschlich annimmt, um zum “Sprachrohr des Dichters” (Behrendson 1970, S. 52) zu werden. Denn das ist ja gerade eine der Neuheiten an Brechts neuer Form des Theaters, dass der Held keine Vorbildfunktion mehr hat, sondern vielmehr als Lernobjekt studiert werden soll. Deshalb sind Übereinstimmungen zwischen Brechts Ansichten und Johannas Aussagen am Schluss zwar durchaus vorhanden - jedoch gibt es keinerlei Grund dafür, eine Deckungsgleichheit anzunehmen. Johanna wird nicht zum Sprachrohr Brechts, sondern sie entwickelt sich in den Händen von Brecht zu der Figur, die dann sagt, was sie sagen muss.

Zurück zu den drei Gängen in die Tiefe. Der erste Gang führt sie zu Mauler, weil sie dort den Verursacher des Elends der Arbeiter wähnt. In ihrer religiösen Prägung setzt sie auf Menschlichkeit und versucht, auf Mauler einzureden, an sein Mitleid zu appellieren. Was sie nicht merkt, ist dass Mauler (während des gesamten Stücks) ihre Bitten in ökonomische Entschlüsse umwandelt, die scheinbar auf ihre Anliegen Bezug nehmen - eigentlich aber sogar das Gegenteil bewirken.

Der zweite Gang führt sie in Begleitung Slifts zu den Arbeitern. Hier lässt sie sich jedoch nicht täuschen, sondern kommt zu der autonomen Erkenntnis, dass die Armut an der Schlechtigkeit der Armen schuld sei. Die pure Existenzangst treibt die Arbeiter dazu, jede Moral fahren zu lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage nach der politischen Relevanz des Stücks, motiviert durch ein Zitat von Marcel Reich-Ranicki über Brechts vermeintliche Unpolitischkeit.

2. Einflüsse und Entstehungsgeschichte: Dieses Kapitel beleuchtet Brechts Auseinandersetzung mit der Weltwirtschaftskrise, dem Marxismus und die Entwicklung des epischen Theaters als notwendige Konsequenz für die Stoffverarbeitung.

3. Inhalt und Aufbau: Neben einer Zusammenfassung der dramatischen Handlung werden die ökonomischen Abläufe im Stück analysiert und einige logische Schwachstellen im Handlungsaufbau aufgezeigt.

4. Der Erkenntnisweg der Johanna: Es wird die literarische und historische Vorbildfunktion der Jeanne d’Arc untersucht und Johannas individueller Erkenntnisprozess durch die sogenannten "Gänge in die Tiefe" nachgezeichnet.

5. Mauler, König der Raubtiere: Dieses Kapitel dekonstruiert das zwiespältige Bild Maulers und diskutiert die Frage nach der individuellen Verantwortung innerhalb eines anonymen Wirtschaftssystems.

6. Spuren von Marx: Der Autor zeigt auf, wie marxistische Konzepte wie die Krisentheorie, Religionskritik und die Theorie der ursprünglichen Akkumulation Brechts Text maßgeblich geprägt haben.

7. Ideologie als Fundament und Propaganda: Abschließend wird argumentiert, dass das Stück durch seine ideologiekritische Ausrichtung und das Ziel, den Zuschauer zum eigenständigen Denken anzuregen, grundlegend politisch ist.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Die heilige Johanna der Schlachthöfe, episches Theater, Marxismus, Kapitalismus, Pierpont Mauler, Johanna Dark, Wirtschaftskrise, Religionskritik, Klassenkampf, Ideologiekritik, Aufklärung, Börse, soziale Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Bertolt Brechts Theaterstück "Die heilige Johanna der Schlachthöfe", um zu prüfen, ob es sich dabei um ein politisches Werk handelt, und begegnet damit der Ansicht, Brechts Wirken sei unpolitisch gewesen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das epische Theater, die ökonomische Struktur des Kapitalismus, die Rolle von Religion als ideologisches Instrument sowie die Entwicklung der Hauptfiguren Mauler und Johanna im Kontext gesellschaftlicher Krisen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, die politische Bedeutung des Lehrstücks herauszuarbeiten und zu belegen, dass Brecht durch die Desillusionierung des Publikums eine aufklärerische Wirkung anstrebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischer Forschungsliteratur, marxistischen Theorien und den historischen Entstehungshintergründen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Aufarbeitung des Stücks, eine tiefgehende Figurenanalyse, eine Untersuchung marxistischer Einflüsse sowie die kritische Reflexion des Spannungsfelds zwischen ökonomischer Macht und religiöser Ideologie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kapitalismuskritik, episches Theater, marxistisches Krisenmodell, ideologische Manipulation und gesellschaftliche Aufklärung charakterisieren.

Inwieweit hinterfragt die Autorin die Glaubwürdigkeit des Handlungsaufbaus?

Die Arbeit identifiziert logische Schwächen wie das perfekte Timing von Briefen oder die Naivität der Marktteilnehmer, stellt jedoch fest, dass diese das Stück in seiner Gesamtaussage nicht entwerten.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit bezüglich Maulers Charakter?

Mauler wird nicht als rein "gespaltener" Mensch gesehen, sondern als ein Akteur, dessen Handeln im kapitalistischen System konsistent nachvollziehbar ist, da er innerhalb ökonomischer Zwänge agiert.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wie politisch ist die "heilige Johanna der Schlachthöfe"? Einflüsse und Intentionen hinter Brechts epischem Theaterstück
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Brecht und die Ökonomie
Note
1,3
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V368385
ISBN (eBook)
9783668467071
ISBN (Buch)
9783668467088
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht Marx Ökonomie Die heilige Johanna der Schlachthöfe Materialismus Bertolt Brecht Bert Brecht Brecht und die Politik Politisches Drama Johanna Ideologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2017, Wie politisch ist die "heilige Johanna der Schlachthöfe"? Einflüsse und Intentionen hinter Brechts epischem Theaterstück, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368385
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Leseprobe aus  22  Seiten
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