Privatheit am Arbeitsplatz. Gibt es ein Bedürfnis nach Privatheit am Arbeitsplatz in Zeiten "Digitaler Nomaden“ und "Radikaler Transparenz“?


Seminararbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1.0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Umwelteinflüsse der heutigen Gesellschaft
2.1 Digitalisierung und Flexibilität
2.2 Radikale Transparenz
2.3 Schutz der Individualität

3 Privatheit am Arbeitsplatz
3.1 Definition und Gestaltungsmöglichkeiten
3.1.1 Grundtypen von Privatheit nach Westin
3.1.2 Raum und Identität
3.2 Negative Effekte
3.3 Positive Effekte

4 Fazit und Handlungsempfehlung für die Praxis

Literaturverzeichnis

Reflexionsanteil

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Privatheit am Arbeitsplatz. Konkret soll im Folgenden untersucht werden, ob in der heutigen Gesellschaft in Zeiten „Digitaler Nomaden“ und „Radikaler Transparenz“ ein Bedürfnis nach einer privaten Atmosphäre am Arbeitsplatz besteht. Ferner wird darauf eingegangen, wie man eine personalisierte Gestaltung vornehmen könnte und welche möglichen Effekte dies mit sich bringt

Dazu werden themenspezifische Umwelteinflüsse, welche auf die heutige Gesellschaft einwirken, untersucht. Die Analyse macht deutlich, dass gerade heutzutage ein akutes Bedürfnis nach Privatheit am Arbeitsplatz besteht. Darüber hinaus berücksichtigt sie den mit der Implikation des Konzepts verbundenen Aufwand für die Organisationen, stellt jedoch zugleich fest, dass dieser im Vergleich zu dem späteren Nutzenzuwachs vernachlässigt werden kann

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung des Arbeitsplatzes: Zusammenhänge von Arbeitsmethoden und Büroformen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Für Kafka war das Büro ein Albtraum - die physische Manifestation einer lebenszerstörenden Bürokratie. Für den amerikanischen Maler und Künstler Edward Hopper war das vielerorts durch Grossraum-Büros geprägte Stadtbild der Anlass für einen bitteren Kommentar über die Leere und Melancholie des modernen Lebens (Duffy, 1999, S.14). Einer der Hauptgründe dafür war die triste Ausgestaltung der Bürogebäude nach oftmals strikt hierarchischen Modellen. Die Kontrollsysteme, welche durch die architektonische Konzeption solcher Planungsbüros bestärkt wurden, stellten sich jedoch als überaus negativ auf die Arbeitsatmosphäre und somit schliesslich auf das Gesamtergebnis der Unternehmungen heraus. Der Mensch wird nämlich besonders durch das soziale Gefüge innerhalb einer Organisation beeinflusst und die Motivation zur Leistung sowie das persönliche Wohlergehen eines Arbeiters sind entscheidend für dessen Produktivität (Schuler, 2005, S.86-92). Wenn ein Arbeitsplatz nicht dessen Benutzer durch die Bereitstellung von Platz, Arbeitsmaterial und einem adäquaten Arbeitsumfeld in seiner Tätigkeit unterstützen kann, wird der Arbeiter bei der Ausführung dieser eher behindert, als motiviert. Ein Büro, welches keine Anpassung an die speziellen Anforderungen der Angestellten bieten kann, ruft Unzufriedenheit und Effizienzverluste hervor.

Bereits im Jahr 1975 postulierte Irwin Altman das Bedürfnis nach Privatheit daher als essentiell und kulturell universal. Er beschrieb es als eine ständige Abwechslung von Zugänglichkeit und Unzugänglichkeit, von Kommunikation und Isolierung (S.11).

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob dieses Bedürfnis nach Privatheit in der heutigen Zeit immer noch besteht. Dazu werden im zweiten Kapitel zunächst verschiedene themenspezifische Umwelteinflüsse, welche aktuell auf die Gesellschaft einwirken, beschrieben und die damit verbundenen Konsequenzen für die Arbeitswelt erläutert. Dabei lässt sich Individualität als Megatrend der heutigen Generation erkennen.

Kapitel drei behandelt das Thema „Privatheit am Arbeitsplatz“. Nach einer Definition des Begriffs und der kurzen Beschreibung verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten wird eine konkrete Gegenüberstellung von negativen und positiven Effekten von Privatheit auf der Arbeit vorgenommen, wobei sie als ein essentieller Aspekt für die Mitarbeiterzufriedenheit und Leistungsförderung herausgestellt wird. In einer anschliessenden Diskussion der Ergebnisse aus der Analyse der Umwelteinflüsse im Zusammenhang mit Privatheit am Arbeitsplatz wird diese als ein Grundbedürfnis eines jeden Arbeiters erklärt. Das positive Fazit bezüglich der ursprünglichen Fragestellung, welches die wichtigsten Resultate der durchgeführten Analyse noch einmal zusammenfassend angibt, wird durch eine Handlungsempfehlung für die Praxis ergänzt. Die Grundlage für die vorliegende Untersuchung bieten hauptsächlich durch Lektüre wissenschaftlicher Texte und Statistiken erhaltene Informationen. Der Umfang der Arbeit setzt sich zusammen aus der Kombination von eigenem Allgemeinwissen, während der Veranstaltungen im Rahmen des Kurses erhaltenen Informationen und relevanten Quellen aus Literatur und international anerkannten Artikeln im Internet.

Momentan besteht ein gesteigertes Interesse daran, sich mit dem Thema der Arbeitsplatzgestaltung bzw. der Frage nach dem Bedürfnis von Privatheit am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen. Denn die Arbeitswelt, beeinflusst von dem ständigen technologischen Fortschritt und den durch Digitalisierung und wachsenden Forderungen nach Transparenz veränderten Umweltbedingungen, befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Der Einfluss der Arbeitsplatzgestaltung auf die Produktivität und somit den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens wird bislang immer noch grösstenteils unterschätzt. Dieser Zusammenhang soll in der vorliegenden Arbeit ausführlich erläutert werden.

2 Umwelteinflüsse der heutigen Gesellschaft

Aus sozioökonomischer Sicht verändern sich die Umwelteinflüsse, welche das Alltagsgeschehen in der Gesellschaft und im Arbeitsumfeld massgeblich bedingen, in einem laufenden und ewig anhaltenden Prozess durch ständig voranschreitenden technischen und wissenschaftlichen Fortschritt. Aus diesem Grund ist der Mensch dazu genötigt, sich fortwährend anzupassen und seine Lebens- sowie Arbeitsweise zu adaptieren. (Berger, 2009, S.1)

Die im vorangehenden Abschnitt erläuterte Entwicklung lässt sich nicht nur generell auf soziale und gesellschaftliche Sektoren anwenden, sondern auch auf die moderne Unternehmensführung. Die Arbeitsweisen in sämtlichen Bereichen passen sich branchenübergreifend ständig an den technischen Fortschritt und die neuen Erkenntnisse der jeweiligen Zeit an (Funken & Schulz-Schaeffler, 2008, S.11). Durch die Industrialisierung und den Einsatz von Maschinen in Produktions- und Dienstleistungsprozessen, fielen einige Berufssparten weg. Dafür wurden neue Anstellungsmöglichkeiten kreiert und die Tätigkeitsfelder bereits bestehender Arbeitsplätze wurden komplexer. In den Abschnitten 2.1 - 2.3 werde ich vor dem Hintergrund des engen Rahmens dieser Arbeit nur auf einzelne Kernaspekte eingehen, die als essentiell für die Beantwortung der prinzipiellen Fragestellung erachtet werden.

2.1 Digitalisierung und Flexibilität

Digitalisierung ist ein Megatrend der heutigen Gesellschaft und beeinflusst diese massgeblich in unterschiedlichen Bereichen. Unter anderen bringt er eine Beschleunigung und Disruption in der Wirtschaft mit sich. Das bedeutet konkret, dass traditionelle Unternehmensstrukturen modifiziert werden, Grenzen sich auflösen und generell flexible und mobile Arbeitsmodelle entstehen. Darüber hinaus verändert sich auch die Einstellung und Werthaltung der Mitarbeiter.

Die durch Digitalisierung ermöglichte Flexibilität befähigt die Angestellten dazu, die eigene Arbeit von jedem beliebigen Arbeitsplatz in der Unternehmung oder sogar von zuhause aus zu erledigen. Man nennt dieses Phänomen auch „Digitale Nomadenschaft“ (Kühn, 2016, S.5 f.). Allerdings führt der Mangel von territorialer Abgrenzung schnell zu der Problematik der ständigen Erreichbarkeit und dem Fehlen privater Rückzugsräume.

Die Gallup-Studie 2014 verdeutlicht, dass die Identifikation und die emotionale Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen bereits jetzt enorm gering sind. Demzufolge macht der Grossteil der Angestellten lediglich Dienst nach Vorschrift, während nur knapp ein Drittel noch eine emotionale Bindung zur Organisation verspürt (Nink, 2014, S40 ff). Die steigende Komplexität der Umwelt in der heutigen Zeit erfordert die Einführung einer Struktur, welche vermag, diese möglichst zu verringern. Eine Lösung könnte die Einführung von Privatheit bei der Arbeitsplatzgestaltung bieten. Auf diesen Aspekt wird in Kapitel drei der vorliegenden Arbeit dezidierter eingegangen.

2.2 Radikale Transparenz

Transparenz ist definitorisch nicht nur eine Forderung, sondern vielmehr ein Prozess der gegenseitigen Offenlegung und des Verständnisses zwischen Bezugsgruppen und Organisationen (Benetele & Seiffert, 2012, S.47). Sie schafft Nachvollziehbarkeit und räumt Unklarheiten aus dem Weg. Radikale Transparenz ist die extreme Form dieses Prinzips, welcher zufolge alles offengelegt werden sollte, was nicht in erheblichem Mass die Privatsphäre verletzt. Zentrale Elemente der Manifestation radikaler Transparenz in Unternehmen sind eine „uneingeschränkte Durchlässigkeit [und] die bedingungslose Kommunikation“ (Alloa, 2016). Dadurch entsteht jedoch leicht das Gefühl, unter ständiger Beobachtung zu stehen und alles preisgeben zu müssen, sodass dem Individuum selbst nichts Eigenes, nichts Authentisches mehr bleibt. In diesem Konstrukt entwickelt sich schnell psychischer Druck bei den Mitarbeitern, wobei man Acht geben muss, dass man nicht selbst transparent wird bzw. die eigene Identität, den Kern der eigenen Persönlichkeit, verliert.

Radikale Transparenz ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein ursprünglich der Offenheit gewidmetes Modell durch Radikalisierung zu einem Konstrukt totaler Kontrolle und Überwachung modifizieren kann.

Radikale Transparenz kann somit besonders auf der Arbeit zu einem zusätzlichen Stressfaktor für jene Mitarbeiter werden, welche ständig in Sorge um die Offenlegung ihrer Vergangenheit oder Ihrer Privatsphäre handeln müssen. Dies führt rasch zu Einschüchterung und einem repressiven Arbeitsklima, welches sich letztlich wiederum negativ auf die Unternehmung auswirkt. Und erneut bietet die Schaffung von Privatheit am Arbeitsplatz einen eleganten Lösungsweg. Diese könnte als Minimalgrenze der individuellen Privatsphäre der Mitarbeiter dienen und somit vor Manipulation oder totaler Kontrolle schützen. Auch an dieser Stelle möchte ich auf die detaillierte Erörterung in Kapitel drei verweisen.

2.3 Schutz der Individualität

In den zwei vorigen Abschnitten ist bereits durch die nähere Betrachtung von Digitalisierung, Flexibilität und radikaler Transparenz als bedeutende Umweltfaktoren der heutigen Gesellschaft deutlich geworden, dass durch eben diese Einflüsse die Individualität des Menschen immer wieder droht, in den Hintergrund zu geraten oder gar beeinträchtigt zu werden. Die genannten Trends spielen vor allem in der sich ständig wandelnden Arbeitswelt eine grosse Rolle. In Zeiten der Globalisierung und der Vereinheitlichung in vielen Sektoren ist daher speziell in dieser Umgebung der persönliche Bereich zu schützen, ohne dabei jedoch der Leistungserbringung der jeweiligen Unternehmung zu schaden. Doch das Eine schliesst das Andere nicht aus. Die Wahrung der Privatsphäre im beruflichen Umfeld könnte durch das nun bereits mehrfach erwähnte Modell der Gestaltung des Arbeitsplatzes im Sinne der Privatheit gewährleistet werden, welches gleichzeitig dem Unternehmen als innovativer Ansatz zur Leistungssteigerung seiner Mitarbeiter dienen könnte. Diese Überlegung führt uns zum nächsten Kapitel.

3 Privatheit am Arbeitsplatz

Der Arbeitsplatz hat sich im Rahmen von Globalisierung und der generellen Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft über die Jahrzehnte fortschreitend modifiziert. Wie in Abbildung eins ersichtlich, haben sich Arbeitsmethoden und Büroformen von einem strikt hierarchisch geprägten Konzept mit statischen Arbeitsabläufen, zentralisierter Organisation und starren Arbeitszeiten zu einem dynamischeren modernen Modell entwickelt. Dieses ist geprägt von Teamarbeit, Ergebniskontrolle, Zeitmanagement und dem Arbeiten in Eigenkontrolle.

Abbildung 1 Entwicklung des Arbeitsplatzes: Zusammenhänge von Arbeitsmethoden und Büroformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung. Aus Seminarunterlagen Skript von C. Zeidenitz (2016)

Um sich an die veränderten Gegebenheiten anpassen zu können, muss eine Organisation ständig die Einrichtung der Arbeitsplätze überdenken und optimieren. Unter Arbeitsplatzgestaltung wird die Gestaltung des Arbeitsumfeldes zur Förderung der Arbeitsbedingungen und des Leistungspotenzials verstanden. Es wird dabei vor allem versucht, soziale Isolierung in einer Organisation zu vermeiden (Schramhauser, 2005, S.14).

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Details

Titel
Privatheit am Arbeitsplatz. Gibt es ein Bedürfnis nach Privatheit am Arbeitsplatz in Zeiten "Digitaler Nomaden“ und "Radikaler Transparenz“?
Hochschule
Universität St. Gallen
Note
1.0
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V368487
ISBN (eBook)
9783668459182
ISBN (Buch)
9783668459199
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
privatheit, arbeitsplatz, gibt, bedürfnis, zeiten, digitaler, nomaden, radikaler, transparenz
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Privatheit am Arbeitsplatz. Gibt es ein Bedürfnis nach Privatheit am Arbeitsplatz in Zeiten "Digitaler Nomaden“ und "Radikaler Transparenz“?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368487

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