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Aus dem Leben befördert. Inszenierung von Tod und Sterben und seine erzählte Rechtfertigung bei Heinrich Kaufringer

Title: Aus dem Leben befördert. Inszenierung von Tod und Sterben und seine erzählte Rechtfertigung bei Heinrich Kaufringer

Term Paper , 2000 , 18 Pages , Grade: 2-

Autor:in: Monique Weinert (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

In Kaufringers erzählter Welt geht es kaum anders zu als in unserer realen. Da gibt es gute und böse Menschen, es wird geliebt, geheiratet, gelogen und betrogen und gelegentlich natürlich auch gestorben, nur geschieht dies dann eher selten auf natürliche Weise. Und vor allem die Art, wie da aus dem Leben befördert wird, mag für den einen oder anderen doch recht grausam anmuten. Es rollen Köpfe, Kinder sterben einen Erstickungstod, Leute werden ertränkt und wieder andere fallen einen gesellschaftlichem Tod zum Opfer, die möglicherweise grausamste Art zu sterben, weil man sich bis zu seinem wirklichen Tod bewußt damit konfrontiert sieht. Ich möchte nun anhand von vier Geschichten untersuchen, wer da unter welchen Umständen sterben mußte und ob und inwieweit diese Tode von Kaufringer gerechtfertigt werden.*

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Einsiedler und der Engel

2. Die unschuldige Mörderin

3. Die Rache des Ehemanns & Drei listige Frauen

4. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Inszenierung von Tod und Sterben in ausgewählten Erzählungen von Heinrich Kaufringer und analysiert, inwieweit diese von den Protagonisten oder dem Erzähler als gerechtfertigt legitimiert werden.

  • Darstellung und Funktion von gewaltvollem Sterben in mittelalterlichen Mären
  • Die Rechtfertigung von Tötungsdelikten durch göttliche Vorsehung oder moralische Ordnung
  • Der gesellschaftliche Tod als Form der Ausgrenzung
  • Wechselwirkungen zwischen individueller Schuld und erzählerischer Perspektive
  • Die Rolle von Kaufringers Texten als „Lehrstücke“ oder provokative Gesellschaftskritik

Auszug aus dem Buch

Die Rache des Ehemanns & Drei listige Frauen

Zu guter letzt möchte ich anhand zweier Geschichten noch kurz auf eine Sonderform des mittelalterlichen Sterbens eingehen, nämlich auf den gesellschaftlichen Tod. Da verlieren Menschen ihr „Gesicht“, werden sozusagen „gebrandmarkt“, doch inwiefern geschieht dies zurecht?

Im Fall „Die Rache des Ehemanns“ erfährt dieses Schicksal eine junge Frau, die ihren Mann, „ain ritter küen und hochgemuot“ (1) nicht nur mit einem Pfarrer betrügt, sondern ihn darüber hinaus noch verspottet, indem sie ihm auf Wunsch ihres Geliebten zwei „stockzan“ ausbrechen läßt (79 ff.), aus welchen sich jener dann zwei Würfel fertigen läßt. (120 ff.) Schon bald kommt es zu einem Spiel zwischen den beiden Männern. (141 ff.) Natürlich wird viel getrunken und schon bald berichtet der Pfarrer übermütig von der Herkunft der Würfel. (174ff.) Sofort erkennt der Ritter den Betrug und sinnt auf Rache. Zuerst dringt er während eines Liebesspiels zwischen dem Pfarrer und seiner Frau in das Schlafgemach ein, schneidet dem Pfarrer im Dunkeln unerkannt das Geschlecht ab (211 ff.) und läßt daraus „ain veines pütelein“ (272) machen. Dann zwingt er den Pfarrer unter Androhung des Todes, der jungen Frau die Zunge abzubeißen, was dieser aus Angst dann auch tut. (370 ff.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Einsiedler und der Engel: Das Kapitel analysiert die Morde eines Engels an einem Kind und einem Mann als Handlungen zur Rettung des Seelenheils und untersucht die Rolle der göttlichen Unergründlichkeit als Rechtfertigungsgrund.

2. Die unschuldige Mörderin: Hier wird der Umgang mit Schuld bei einer adligen Dame betrachtet, deren Tötungsdelikte durch eine Verkettung unglücklicher Umstände entstehen und als moralisch gerechtfertigt durch den Erzähler gerahmt werden.

3. Die Rache des Ehemanns & Drei listige Frauen: Dieses Kapitel widmet sich dem gesellschaftlichen Tod und der physischen Bestrafung von Ehebrechern, wobei die Frage der Verhältnismäßigkeit zwischen Verrat und grausamer Vergeltung thematisiert wird.

4. Schluß: Der Schlussteil fasst zusammen, dass Kaufringers Geschichten den Leser durch ihre provokante und unterhaltsame Art zur kritischen Reflexion über das dargestellte Unrecht und die moralische Doppeldeutigkeit anregen.

Schlüsselwörter

Heinrich Kaufringer, Märe, mittelalterliche Literatur, Tod und Sterben, Rechtfertigung, Gottes Gnade, gesellschaftlicher Tod, Gewalt in der Literatur, moralische Ordnung, Erzählperspektive, Schuld und Sühne, Seelenheil, Selbstjustiz, mittelalterliches Rechtsverständnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von gewaltsamen Todesfällen und Sterbeszenen in Mären von Heinrich Kaufringer und untersucht, wie der Autor diese Ereignisse legitimiert.

Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?

Die zentralen Themen sind das mittelalterliche Verständnis von Schuld und Sühne, die Rolle der göttlichen Vorsehung bei grausamen Handlungen und die moralische Bewertung von Gewalt durch den Erzähler.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kaufringer seine Protagonisten und deren Taten (wie Mord oder Verstümmelung) in ein moralisches oder religiöses Bezugssystem einbettet, um sie für den Leser als gerechtfertigt erscheinen zu lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär die Textpassagen in den Kontext der Stofftradition stellt und dabei Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Literatur des 15. Jahrhunderts heranzieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei inhaltliche Analysen: die Erzählung vom Einsiedler und Engel, die Geschichte der unschuldigen Mörderin sowie die Thematik von Rache und gesellschaftlichem Tod in weiteren Mären.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Literatur des Mittelalters, Erzählanalyse, Gewaltlegitimation und moralische Laienethik treffend beschreiben.

Warum erscheint die Tötung des Kindes in der Geschichte vom Einsiedler als besonders problematisch?

Die Autorin stellt heraus, dass der Mord an einem unschuldigen Kind selbst für einen gläubigen Leser schwer nachvollziehbar ist, da er die Grenze zur moralischen Akzeptanz überschreitet, selbst wenn der Text eine höhere göttliche Logik behauptet.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Erzählers Kaufringer?

Die Autorin sieht Kaufringer nicht nur als moralisierenden Dichter, sondern auch als Provokateur, der durch seine extremen Schilderungen den Leser zum kritischen Hinterfragen von schwarz-weißen Moralvorstellungen anregen möchte.

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Details

Title
Aus dem Leben befördert. Inszenierung von Tod und Sterben und seine erzählte Rechtfertigung bei Heinrich Kaufringer
College
http://www.uni-jena.de/  (Literaturwissenschaft)
Course
Heinrich Kaufringer
Grade
2-
Author
Monique Weinert (Author)
Publication Year
2000
Pages
18
Catalog Number
V36850
ISBN (eBook)
9783638363693
Language
German
Tags
Leben Inszenierung Sterben Rechtfertigung Heinrich Kaufringer Heinrich Kaufringer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Monique Weinert (Author), 2000, Aus dem Leben befördert. Inszenierung von Tod und Sterben und seine erzählte Rechtfertigung bei Heinrich Kaufringer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36850
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