Quantitative und qualitative Methoden der Sozialforschung als Instrumente der kommunalen Bürgerbeteiligung


Hausarbeit, 2016

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einführung

B Grundlagen der Bürgerbeteiligung

C Methodische Grundlagen
1. Qualitative Interviewmethoden
1.1 Leitfadeninterviews
1.1.1 Vor- und Nachteile
1.2 Das problemzentrierte Interview
1.2.1 Vor- und Nachteile
1.3 Gruppendiskussionen
1.3.1 Vor- und Nachteile
2. Anonymisierte Online-Befragungen
2.1 Vor- und Nachteile
3. Mixed-Methods-Ansatz
3.1 Vor- und Nachteile
4. Zwischenfazit und Festlegung

D Anwendung am Modell
1. Vorstellung der Modellgemeinde „Musterhausen“
1.1 Vorstellung der fiktiven Bürgerbefragung
1.1.1 Vorstellung der Akteure
2. Umsetzbarkeit des sequenziellen Designs
2.1 Umsetzung des qualitativ-vertiefenden-Designs
2.1.1 Anonymisierte Online-Befragungen
2.1.2 Gruppendiskussionen

E Fazit

F Ausblick auf Weiterforschungsmöglichkeiten

Literaturverzeichnis

A Einführung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Forschungsgegenstand von Bürgerbefragungen. Am Beispiel der fiktiven Modellstadt Musterhausen wird die Forschungsfrage nach geeigneten quantitativen und qualitativen Methoden der Sozialforschung in Bezug auf kommunale Bürgerbefragungen beantwortet. Die exakte Forschungsfrage die dieser Arbeit zu Grunde liegt lautet: Welche quantitativen und qualitativen Methoden der Sozialforschung sind für eine kommunale Bürgerbefragung geeignet?

Zur Veranschaulichung der Thematik wird in der Modellstadt Musterhausen eine Bürgerbefragung durchgeführt, welche das örtliche Schwimmbad betrifft. Um eine bestmögliche Abbildung von kollektiven Meinungen, Ideologien und Vorurteilen bekommen zu können, lässt die Verwaltung, als Akteurin und Kommunikationsinitiatorin, eine Bürgerbefragung von einem Meinungsforschungsinstitut durchführen.

Erläuternd werden zum Einstieg, unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen, die Grundlagen von Bürgerbefragungen aufgezeigt. Nach diesem ersten Überblick werden im Kapitel C die methodischen Grundlagen von Leitfadeninterviews, problemzentrierten Interviews und Gruppendiskussionsverfahren, als qualitative Methoden, einer Online-Befragung als quantitativer Methodik sowie des Mixed-Methods-Ansatzes deskriptiv betrachtet. Eine Abwägung der Vor- und Nachteile schließt die jeweiligen Unterkapitel ab. Ein Zwischenfazit komplettiert den methodischen Grundlagenteil. Im Zwischenfazit wird ein methodisches Verfahren ausgewählt, welches im Teil D dieser Arbeit auf eine Realisierbarkeit in einer fiktiven Bürgerbefragung untersucht wird.

In Teil D wird die Anwendung des in Teil C ausgewählten methodologischen Vorgehens auf Umsetzbarkeit, Aufwendung und Realisierbarkeit eingehend untersucht. An dieser Stelle wird zunächst die Modellstadt Musterhausen zusammen mit den handelnden Akteuren und des fiktiven Grundes der ebenfalls fiktiven Bürgerbefragung vorgestellt. Nach diesem Überblick über das Feld erfolgt die Subsumtion des vorab ausgewählten methodologischen Designs anhand der gegebenen Anforderungen und Bedingungen des Untersuchungsgegenstandes. In diesem Schritt wird zunächst nur das übergeordnete sequenzielle Design betrachtet, das qualitativ-vertiefende-Design in seinen Teilstudien wird nachstehend untersucht.

Nach einem anschließenden Gesamtfazit, welches auf dem Zwischenfazit aufbaut, schließt die Arbeit mit einem Ausblick auf Weiterforschungsmöglichkeiten und zeigt hier Aspekte auf, die in dieser Arbeit nicht behandelt werden konnten, dennoch aber erforschungswürdig sind.

B Grundlagen der Bürgerbeteiligung

Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung gibt es zwei Arten von dialogischer Kommunikation die angewandt werden können: in der formellen Form geht die Kommunikation hauptsächlich von der Verwaltung aus, die Bürger(innen) fungieren hierbei lediglich als Empfänger der Informationsleistung der Verwaltung, während in der informellen Form ein Dialog mit allen Akteuren geführt wird (vgl. Windhaus & Schlicht 2013: 42). Darüber hinaus stellen Windhaus und Schlicht (2013) im Bereich der Massenkommunikation die vom Kommunikationsinitiator abhängige Push- beziehungsweise Pull-Kommunikation vor: Während die Initiative bei der Push-Kommunikation von der der Kommune ausgeht, geht sie bei der Pull-Kommunikation von den Bürger(inn)en aus (vgl. ebd.: 42).

Diese Formen der Kommunikation werden im Verlauf der Arbeit unter dem Punkt D1.1 Vorstellung der fiktiven Bürgerbefragung näher betrachtet.

Als rechtliche Grundlage ist vorwegzunehmen, dass die Modellgemeinde Musterhausen auf dem Gebiet des Bundeslandes Niedersachsens liegt und somit der § 35 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) gilt, in dem Bürgerbefragungen wie folgt geregelt sind: “1 Die Vertretung kann in Angelegenheiten der Kommune eine Befragung der Einwohnerinnen und Einwohner, die mindestens 14 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten den Wohnsitz in der Kommune haben, beschließen. 2 Satz 1 gilt nicht in Angelegenheiten einzelner Mitglieder der Vertretung, des Hauptausschusses, der Stadtbezirksräte, der Ortsräte und der Ausschüsse sowie der Beschäftigten der Kommune.“ (NI-VORIS 2016).

In den nachstehenden Kapiteln des Abschnittes C Methodische Grundlagen sollen zunächst die möglichen Methoden zur Durchführung einer Bürgerbefragung vorgestellt werden.

C Methodische Grundlagen

In den nachfolgenden Unterkapiteln werden zunächst die theoretischen Grundlagen ver­schiedener qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden erörtert; nämlich das Leit­faden­interview, das problemzentrierte Interview, die Gruppendiskussion, eine anonymi­sierte Online- Befragung sowie ein möglicher Mixed-Methods-Ansatz. Ihre einzelnen Definitio­nen sowie die Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile für eine praktische Umsetzung im Rahmen von Bürgerbefragungen strukturieren den Inhalt des Kapitels C Methodische Grundla­g­en.

1. Qualitative Interviewmethoden

Im Bereich der qualitativen Interviewmethoden werden nachstehend das Leitfadeninterview, das problemzentrierte Interview und die Methodik der Gruppendiskussion vorgestellt. Im Anschluss an diesen Teil der qualitativen Methoden schließt jener Teil der quantitativen Methoden an und wird vom Mixed-Methods Teil komplettiert.

1.1 Leitfadeninterviews

Leitfadeninterviews werden auch teilstrukturierte Interviews oder semistrukturierte Interviews genannt und weisen im Bereich der teilstrukturierten Interviews die Untergruppen der klinischen Interviews, Struktur- oder Dilemma-Interviews, biografischen Interviews und des problemzentrierten Interviews auf (vgl. Hopf 1995: 177). „[…] Die Kommunikation in einem Leitfadeninterview wird mittels eines Interviewleitfadens strukturiert, so dass der Interview­verlauf einem bestimmten vorgegebenen Themenweg bzw. einer bestimmten Phasendynamik folgt.“ (Kruse 2015: 203). Die Struk­tur kann von Leitfadeninterview zu Leitfaden­interview variieren, da es statt einem kon­stan­ten Strukturniveau verschieden stark ausgeprägte Struktur­niveaus gibt (vgl. ebd.: 203). Ganz gleich, ob der Leitfaden des Interviews eher weniger oder stärker strukturiert bzw. formalisiert ist, ist eines beiden Vorgehensweisen gemeinsam: die Fragen sollen stets offen formuliert sein und erzählgenerierend wirken. Wird die Struktur eher offengehalten, so zeigt sich dies darin, dass dem Leitfaden, welcher dem Interview zu Grunde liegt, nicht mehr als die Rolle einer Gedächtnisstütze zukommt. Die Funktion des Leitfadens besteht in diesem Fall in einem groben Ablaufplan, der mit groben Fixpunkten vergleichbar ist, welche in dem Interview angesteuert werden sollen.

In einem stärker strukturierten Interview kommt dem Leitfaden eine größere Rolle und Bedeutung zu als in einem offen strukturierten Leitfadeninterview. Die stärker ausgeprägte Struktur des Leitfadens gleicht hier einem fixen Fahrplan, in dem die einzelnen Stationen des Interviews klar vorgegeben sind, die Strecke zu ihnen aber weiter erzählgenerierend offengehalten wird. Der konkrete Inhalt des strukturierten Leitfadeninterviews wird maßgeblich von den Interviewten bestimmt, ihr Erzählfluss und ihre inhaltlichen Relevanzsetzungen bestimmen die Länge der einzelnen Sequenzen und die Richtung des möglichen Schwerpunktes. Der Interviewer kann aufgrund seiner Gedächtnisstütze auf einzelne Punkte, die im Leitfaden enthalten sind, zurückkommen, sollten sie nicht selbstständig beantwortet werden. Eine Lenkung des Interviews findet daher in offen strukturierten Interviews nur in einzelnen kleinen Sequenzen statt, nämlich dann, wenn ein Interviewter nicht von selbst auf einen Punkt eingeht, der für den Interviewer aber wichtig ist.

Bei den stärker strukturierten Leitfadeninterviews deutet bereits die Bezeichnung an, dass sie nicht dieselbe Offenheit in ihrer Struktur aufweisen wie die oben erwähnten offen strukturierten Leitfadeninterviews. Im Vergleich zu diesen liegt das stärker strukturierte Leitfadeninterview eher in der Hand des Interviewers. Sein Fragenkatalog beinhaltet zwar ebenfalls offene, erzählgenerierende Fragen, doch sind sie in einem Ablaufplan organisiert, welchen der Interviewer mit dem Interviewten quasi Schritt für Schritt durchgeht. Zwar kann und soll der Interviewte auch hier frei erzählen, doch die Richtung des Interviews kann er durch seine Erzählungen nicht so stark beeinflussen, da die restlichen Fragen, welche im Gesamtbild des Interviews eine Richtung erkennen lassen, bereits vor dem Interview vom Interviewer festgelegt wurden. Solche stark strukturierten Interviews können so zum Beispiel eingesetzt werden, um Hypothesen zu überprüfen, ohne die Antwortmöglichkeiten den Interviewten vorab, wie in einem standardisierten Fragebogen üblich, vorzugeben.

1.1.1 Vor- und Nachteile

Ein Vorteil des Leitfadeninterviews ist, unabhängig davon, ob es offen oder stärker strukturiert ist, dass es auf offenen, erzählgenerierenden Fragen fußt, welche es ermöglichen, persönliche Einstellungen, Meinungen und Sinnzusammenhänge von den Interviewten zu erfahren. Es können somit große Mengen an Daten gewonnen werden, die eine hohe Komplexität aufweisen.

Nachteilig ist, dass der Erzählfluss von einzelnen Interviewpartner(inn)en sehr umfassend sein kann und mitunter viel Zeit oder gegebenenfalls sogar mehrere Termine angesetzt werden müssen, was zu erhöhten Kosten und zusätzlicher zeitlicher Belastung führen kann. Auch kann der Erzählfluss nicht nur sehr umfassend sein, er kann manchmal auch zäh sein, was allerdings nicht als Indikator genommen werden kann, die „falsche“ Person zu einem Thema interviewen zu wollen: vielmehr ist hier das Fingerspitzengefühl des Interviewers gefragt, in der Interaktion mit dem Interviewten eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, um so den Erzählfluss flüssiger und ergiebiger zu gestalten. Es ist allerdings anzumerken, dass die Eigenschaft des ausgiebigen Erzählens nicht jedem Menschen zu eigen ist.

Die Nachteile, dass bei zu großem Erzählfluss gegebenenfalls Folgetermine vereinbart werden müssten, welche wiederum zu Zeitverzögerungen führen können, und dass bei zu geringem Erzählfluss die gewonnene Datenmenge schrumpft und nicht zu den erhofften Ergebnissen führen kann, können im Vergleich zum Vorteil, nämlich der Möglichkeit der Erhebung breiter und komplexer Daten, nicht ins Gewicht fallen. Das Leitfadeninterview ist, ganz gleich ob offen oder stärker strukturiert eine geeignete qualitative Methode um Daten erheben zu können.

In Bezug auf die fiktive Bürgerbefragung der Modellgemeinde Musterhausen liegen die Vorteile deutlich darin, dass es anhand dieser Methode möglich ist die freien und komplexen Meinungen der Interviewten abzubilden. Darüber hinaus ist anzumerken, dass ein Leitfaden, ganzgleich ob dieser wenig oder stärker strukturiert ist, eine leichtere Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Fällen ermöglicht.

Leitfadeninterviews bieten die Möglichkeit die Akteure unter vergleichbaren Bedingungen zu festgelegten Themen zu Wort kommen zu lassen, sodass sie in Bezug auf Bürgerbefragungen einer Kommune eine geeignete Methode darstellen.

Im nachfolgenden Kapitel wird ein Untergruppentyp des Leitfadeninterviews, das problemzentrierte Interview, auf seine Anwendbarkeit für die zugrundeliegende Fragestellung geprüft.

1.2 Das problemzentrierte Interview

Witzel erörtert, dass beim problemzentrieten Interview die Konstruktionsprinzipien auf eine unvoreingenommene Erfassung von individuellen Handlungen und subjektiven Wahrnehmung­en der gesellschaftlichen Realität fußen (vgl. Witzel 2000: 1). „Im problemzentrierten Interview ist der Forscher schon vor dem Interview mit einem theoretischen Konzept ausgestattet. Diese Theoretischen Vorstellungen werden durch das Interview mit der sozialen Realität konfrontiert, plausibilisiert oder modifiziert.“ (Lamnek 2010: 349). Mit diesen Worten erläutert Lamnek kurz und bündig was ein problemzentriertes Interview kennzeichnet.

Zunächst ist für die Methode des problemzentrierten Interviews festzuhalten, dass bei diesem Verfahren ein bereits vorhandenes theoretisches (und empirisches) Vorwissen vorausgesetzt wird. Dieses Vorwissen wird dann in der Datenerhebungsphase, sprich dem Interview, als heuristisch-analytischer Rahmen für den Dialog von Interviewer und Interviewtem genutzt (vgl. Witzel 2000: 2). Mit diesem Hintergrund werden die drei Grundpositionen des problem­zentrierten Interviews deutlich: die Problemzentrierung, die Gegenstandsorientierung und die Prozessorientierung.

Unter der Problemzentrierung versteht Witzel die Orientierung des Interviews an einem gesellschaftlich relevanten Problem. Zeitgleich charakterisiere die Problemzentrierung die Organisation der Vorinterpretation (vgl. Witzel 2000: 2).

Verallgemeinert lässt sich die Problemzentrierung mit einer Speerspitze vergleichen, bei der das durch das Vorwissen abgegrenzte Gebiet durch präzise Fragen immer weiter auf das untersuchte Problem zugespitzt wird. Ein breites und differenziertes Datenmaterial entsteht.

Eine weitere Grundposition ist die Gegenstandsorientierung. Der Fokus liegt hier auf der Flexibilität im Vergleich zu den verschiedenen Anforderungen des Untersuchungsobjektes. So bietet diese Methode die Möglichkeit im Zusammenspiel mit einer anderen weiteren Methode ihre Fähigkeiten zur Datengewinnung vollkommen zu erschöpfen. Möglichkeiten zur Koppelung mit einer anderen Befragungsmethode sind etwa quantitative Designs wie Fragebögen oder qualitative Gruppenbefragungen (vgl. Witzel 2000: 2).

Auf beide Methoden sowie den Ansatz der Kombination von Methoden wird im späteren Verlauf der Arbeit eingegangen. An diesem Punkt ist festzuhalten, dass die Flexibilität ein großer Pluspunkt ist, da dies das Annähern an den Untersuchungsgegenstand erheblich vereinfacht.

Die dritte Grundposition im problemzentrierten Interview ist die Prozessorientierung. Diese „bezieht sich auf den gesamten Forschungsablauf und insbesondere auf die Vorinterpretation.“ (Witzel 2000: 2). Die Methodik soll an diesem Punkt sicherstellen, dass sie Offenheit erzeugen kann, wodurch dem Befragten kommuniziert wird, dass sich der Interviewer vollends ihrer Problemperspektive annimmt und diese, zum Beispiel durch gezielte Nachfragen, verstehen möchte. Dieser Prozess ist entscheidend, da nur in einem vertrauensvollen Verhältnis von Interviewer und Interviewtem davon ausgegangen werden kann, dass das Erzählte tatsächlich die Sicht des Interviewtem ist und er nicht aufgrund eines äußeren Gefühls des nicht Vertrauens sich verstellt und damit die Ergebnisse verfälscht (Stichwort „soziale Erwünschtheit“).

Als Instrumente des problemzentrierten Interviews können neben dem Leitfaden weitere Instrumente eingesetzt werden, zum Beispiel ein qualitativer Kurzfragebogen zur Ermittlung der persönlichen Daten und Entlastung des Interviews durch Frage-Antwort Kategorien oder Postskripte als Ergänzung der Tonbandaufzeichnungen (vgl. Witzel 2000: 2). Die Gestaltung des problemzentrierten Interviews unterteilen Witzel und Reiter (2012) in drei Phasen: I. Organisation, II. Durchführung des Interviews und III. Auswertung (vgl. Witzel & Reiter 2012: 36). Phase I beginnt mit den Punkten der Recherche von Interessen, Ansätzen sowie einem späteren Design und geht dann zur Rahmensetzung, Leitfaden Erstellung und des vorhandenen Wissens über, nach einem anschließenden optionalen Interviewer Training endet Phase I mit dem Punkt der Stichprobe und ihrem Zugang (vgl. ebd.: 36).

Die zweite Phase teilt sich selbst noch einmal in drei Untersektionen auf. Sie beginnt in der ersten Untersektion mit den Punkten der Interviewsituation und den Verhältnissen gefolgt von einer einführenden Erläuterung und endet mit dem Punkt der Vorbereitung zum Gespräch welcher die Schnittstelle zur Untersektion zwei bildet, welche mit dem Start der Aufzeichnungen beginnt und mit der Eröffnungsfrage gefolgt von der Eröffnungserzählung. (vgl. ebd.:36).

An dem Punkt Ende der Transkription schließt die zweite Untersektion und die dritte Untersektion beginnt mit dem Punkt der sozialen und persönlichen Charakteristiken, gefolgt von einem (Kurz) Fragebogen und dem Ausklang des Interviews, welcher mit dem Ende der Tonbandaufzeichnung sowohl die dritte Untersektion, als auch die Phase II schließt. Phase III beginnt mit dem Punkt Postskript, welchem die Transkription folgt und schließt mit der Analyse und Interpretation. An dem Punkt der Analyse und Interpretation ist hervorzuheben, dass ein Bogen zurück zu Phase I Punkt Stichprobe und Zugang aufgezeigt wird, wodurch die Möglichkeit besteht einzelne Ergebnisse einem ihnen eigenen Forschungsprozess zu unterziehen und so aus dem gewonnen Datenmaterialien größtmöglicher Nutzen gezogen werden kann. (vgl. ebd.: 36).

Für das problemzentrierte Interview ist festzuhalten, dass es eine Methode der qualitativen Datenerhebung ist, welches als Untergruppe der Leitfadeninterviews es ermöglicht, eine breite Masse an Daten zu erheben und diese durch offengehaltene präzise Fragestellungen auf den Punkt zu zentrieren.

1.2.1 Vor- und Nachteile

Der offensichtlichste Vorteil dieser Methode liegt darin, dass es ermöglicht breite und differenzierte Daten zu erheben. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass der Charakter eines problemzentrierten Interviews dem eines informierten Gesprächs gleicht, da der Interviewer mit seinem theoretischen Vorwissen und der Interviewte mit seinem Alltagswissen das Problem gemeinsam aushandeln.

Der hohe Aufwand, welchen diese Methode fordert, kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein. Vorteilig an ihm ist, dass durch die gezielte Zuspitzung des Problems inhaltliche Umwege vermieden werden können, was ein sehr gerichtetes Vorgehen gewährleistet.

Nachteilig ist der hohe Aufwand insofern, als dass er durch seinen erhöhten Arbeitsaufwand keine spontane Methode darstellt.

Mit Blick auf die fiktive Bürgerbefragung ist festzuhalten, dass das problemzentriete Interview es ermöglicht, die Perspektiven der Kommune und Bürger als Interviewer und Interviewten im Dialog abzubilden und somit dem gegenseitigen Verständnis dienen kann.

1.3 Gruppendiskussionen

Gruppendiskussionsverfahren zählen, aufgrund ihrer methodologischen Lagerung, die eher mit einer Moderationstechnik zu vergleichen ist, streng genommen nicht zu der Gruppe der Interviewverfahren (vgl. Kruse 2015: 186).

„Gruppendiskussionsverfahren sind als eine relevante Datenerhebungsmethode in der qualitativen Interviewforschung anzuerkennen, da sie sich komplementär zu qualitativen Interviewverfahren verhalten. In vielen Forschungsprojekten ist es fruchtbar qualitative Interviews mit Gruppendiskussionen zu kombinieren.“ (ebd.: 187).

Gruppendiskussionen können demnach insbesondere als ergänzende Methode zur Datengewinnung eingesetzt werden. In wie weit diese Ergänzung in Kombinationen mit der quantitativen Methode einer anonymisierten Online-Befragung ist, wird im Kapitel des Mixed-Methods-Ansatzes vertieft.

Die Daten die mit einer Gruppendiskussion gesammelt werden können haben in zwei Punkten große Bedeutung: „(1) hoher Realitätsgehalt der Aussagen korrespondiert mit geringer Reichweite, (2) die subjektiven Sinnkonstruktionen der Betroffenen umfassen Aussagen und Interpretationen, die im Zuge der Auswertung wieder rekonstruiert werden müssen.“ (Dreher & Dreher 1995: 187). Ein wichtiger Punkt welcher maßgeblich die Ergebnisse beeinflussen kann ist die Gruppenzusammensetzung. Wird die Gruppe zu homogen zusammengesetzt besteht die Gefahr der Verzerrung der Ergebnisse, da diese eindeutig, einseitig ausschlagen könnten. So ist es wichtig nicht nur eine gesellschaftliche Gruppe diskutieren zu lassen, sondern auch die Gruppen mit Gegenargumenten mit einzubeziehen. Mayring (2016) gibt hierzu zu bedenken: „viele Meinungen und Einstellungen aber sind so stark an soziale Zusammenhänge gebunden, dass sie am besten in sozialen Situationen – also in der Gruppe – erhoben werden können. […] Durch Gruppendiskussionen kann man an so etwas wie eine öffentliche Meinung, kollektive Einstellungen, Ideologien herankommen.“ (Mayring 2016: 76f).

Da eine Gruppendiskussion die vielfältigsten Meinungen abbilden kann und soll, ist es nicht nur möglich, sondern auch empfehlenswert eine größere Stichprobe hierfür zu ziehen. Durch die erhöhte Anzahl der Stichprobe und deren Heterogenität ist mit einer Dynamisierung der Gruppendiskussion im Verlauf zu rechnen. Die Gefahr hier ist, dass je nach der Emotionalität des Diskussionsgegenstandes, die Sachlichkeit schwinden kann. In solch einem Fall obliegt es einem der Moderierenden die Sachlichkeit wiederherzustellen, da die Ergebnisse zwar Daten liefern, allerdings emotional verfälschte und demnach keine sachlichen, rational abgewogenen Diskussionsdaten darstellen.

Einer Gruppendiskussion liegt ein Ablaufplan zu Grunde, so beginnt die Gruppendiskussion in ihrer Einstiegsphase mit einem sogenannten Grundreiz, einem ersten Diskussionsstimulus, welcher visueller Natur sein kann oder auch sprachlicher in Form einer Frage etwa (vgl. Kruse 2015: 202).

Nachdem die Gruppendiskussion begonnen hat tritt sie in eine erhöhte Aktionsphase ein, in der die Diskussion nicht mehr zwangsweise aufrechterhalten werden muss und die verschiedenen Meinungen, Ideologien und Einstellungen offenbart werden, nach anschließender ausgiebiger Diskussion endet die Gruppendiskussion mit einer Abschlussmarkierung durch die Gruppe und läuft durch den Dank für die Teilnahme und des Sammelns der Einverständniserklärung/ Vertrauensschutzerklärung sowie des Erstellens des Postskripts aus (vgl. ebd.: 202).

Zur Analyse ist es hilfreich die gesamte Diskussion nicht nur klassisch mit einem Tonbandgerät aufzuzeichnen, sondern auch mit einer Videokamera, filmtechnisch zu dokumentieren um die Transkription zu erleichtern.

1.3.1 Vor- und Nachteile

Der offensichtlichste Vorteil eines Gruppendiskussionsverfahrens liegt darin begründet, dass die Methode mit einer größeren Stichprobe durchgeführt werden kann und viele verschiedene Daten auf einmal generieren kann. Es können hierrüber kollektive Meinungen, Ideologien, Einstellung und Vorurteile offenbart und ausgewertet werden. Auch die Gegenargumente können gehört werden, sodass bei einer genügenden Heterogenität der Gruppe ein tatsächlich repräsentatives Meinungsabbild der betroffenen (lokalen) Gemeinschaft erstellt werden kann.

Nachteilig ist die Gefahr, dass die Diskussion aufgrund von der Emotionalität des Themas überflutet werden kann und die Daten von der Emotionalität verfälscht werden könnten. Auch ist es sicherlich bei Tumult schwierig in der Phase der Transkription den Überblick zu behalten. Hier helfen aber die Auswertungsmethoden der Bild- wie auch Tonaufzeichnung weiter.

Ein weiterer Nachteil ist, sollten nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen der Diskussions­einladung folgen und die Gruppendiskussion einseitig durch die Homogenität der Gruppe gelenkt wird, dass die Daten keinen tatsächlichen Rückschluss auf kollektive Meinungen und Ideologien zulassen.

Allgemein lässt sich festhalten, dass Gruppendiskussionsverfahren dazu geeignet sind zu bestimmten Themen gezielte Diskussionen von verschiedenen Akteuren in Gang zu bringen, ohne dass diese Diskussionen einer starken Diskussionsführung bedürfen; sie können so ein vielfältiges Meinungsbild darstellen.

2. Anonymisierte Online-Befragungen

Eine anonymisierte Online-Befragung zählt zu den quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung und wird nachstehend näher erläutert.

Um zeitnah und mit – im Vergleich zu einer postalischen Pen- & Paper-Befragung – verhältnismäßig geringem Aufwand eine größere Stichprobe quantitativ per Fragebogen befragen zu können, wird der Vorteil der Digitalisierung genutzt und die Fragebögen im Internet als Online-Befragung zugänglich gemacht. Der verwendete Digitalfragebogen unterscheidet sich dabei von dem Printfragebogen in dem Punkt, dass er per Mausklick und/ oder Tastatureingaben ausgefüllt wird und dass das Ausfüllen bequem von nahezu überall und jederzeit erfolgen kann.

Die Fragebögen folgen einem Leitfaden der die Fragen entweder einzeln oder in logischen Frageblöcken zu einem übergeordneten Thema stellt. Die Frage des Datenschutzes spielt bei Fragebogenerhebungen, wie auch bei allen anderen Methoden zur Datengewinnung, eine sehr wichtige Rolle. Soziodemographische Merkmale, die in der Regel anonymisiert dennoch erfasst werden, sind beispielsweise, das Geschlecht, Alter (oder zumindest Altersklassen), höchster Bildungsabschluss, Durchschnittseinkommen pro Haushalt und aktuelle Tätigkeit in Kategorien wie Student/ Schüler/ Auszubildender, Arbeitslos, Angestellter etc.. Bei der Datenerhebung muss gewährleistet werden, dass anhand der erhobenen Daten keine konkreten Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.

Der anonymisierte Online-Fragebogen ist längst eine gängige Methode und wird in vielen Bereichen wie etwa der Marktforschung, Meinungsforschung und Sozialforschung angewendet.

2.1 Vor- und Nachteile

Der Vorteil ist, dass die Online-Befragung quasi mit dem Trend des Online-Lebens gegangen ist, und sie daher flexibler und ungezwungener in der Teilnahme erscheint als die Befragung in der Fußgängerzone. Der Fragebogen kann während der Bahnfahrt beantwortet werden, im Büro oder von zu Hause auf dem Sofa aus. Er passt sich daher flexibel den Befragten an und wird daher auch eher positiv wahrgenommen. Die meisten Online-Befragungen können sogar unterbrochen und später weiter fortgesetzt werden. Dies ist in keiner anderen Methode zeitlich so flexibel möglich.

Gewiss kann auch ein Interview unterbrochen werden, doch ist diese Unterbrechung eher kurzfristig. Die 24-Stunden-Erreichbarkeit des Fragebogens durch das Onlinestellen schafft einen temporären Vorteil.

Es ist möglich, dass mehrere Personen gleichzeitig den Fragebogen ausfüllen, ohne das Wartezeiten entstehen, wie es denkbar wäre, wenn der Fragebogen in der Fußgängerzone von fünf Interviewern erhoben werden würde. Die Anzahl der Personen, die den Fragebogen beantworten können, wäre in einem solchen Fall fest durch die Anzahl der Interviewer beschränkt; diese Beschränkung fällt durch den Onlinezugriff weg.

Nachteilig an der Onlinemethode ist allerdings, dass es bei Fragen während der Bearbeitung Schwierigkeiten geben kann und inhaltliche oder Verständnisfragen nicht unmittelbar geäußert werden können. Insgesamt ist die anonymisierte Online-Befragung eine quantitative Methode, die durch ihre Art und Weise, wann und wo sie durchgeführt wird, sehr flexibel einsetzbar ist. Die Anzahl der Fälle, die mit ihr erfasst werden können, ist theoretisch größer als die Datenmengen, die aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Fußgängerzone gesammelt werden können.

Hinsichtlich der klaren und verständlichen Darstellung ist der Veranstalter der Befragung gefordert, die Fragen so deutlich zu formulieren, dass diese von allen Teilnehmer(inne)n verstanden werden, der Aspekt der leichten Sprache ist hier zu nennen. Auch sind nähere Informationen, wie etwa „Bitte wählen Sie alles aus, was auf Ihre Situation zutrifft.“, per Mausklick denkbar, die dann die entsprechende Frage spezifizieren.

3. Mixed-Methods-Ansatz

Neben rein qualitativen oder rein quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung steht der Ansatz der Mixed-Methods, in dem qualitative und quantitative Methoden untereinander, aber auch miteinander, gemixt werden (vgl. Kuckartz 2014a: 57).

Der Mixed-Methods-Forschung können fünf Gebiete zugeordnet werden, aus denen sich ihre Aufgaben ergeben: Triangulation, Entwicklung, Komplementarität, Expansion und Initiation. Bei der Triangulation steht die Übereinstimmung der Ergebnisse der kombinierten Methoden im Fokus. Die Komplementarität hingegen ist als jeweilige Ergänzung, bis hin zur Vervollständigung der Ergebnisse durch die Ergebnisse der jeweils anderen Methode zu verstehen.

In dem Gebiet der Entwicklung liegt der Fokus auf dem was die Ergebnisse der einen Methode für die andere Methode leisten können in der Hinsicht, wie auf sie aufgebaut werden kann, während die Initiation auf Widersprüche und paradoxe Ergebnisse fußt, um die Ergebnisse aus einer anderen methodischen Sicht neu zu untersuchen. Die Expansion hat die Ausdehnung der Ergebnisse zum Ziel. (vgl. ebd.: 58)

Kuckartz (2014a) führt als Gegenstück des parallelen Designs jenes sequenzielle Design an, in dem die quantitative und qualitative Studie gestaffelt, hintereinander ablaufen und die Ergebnisse der ersten Studie die Folgestudie beeinflussen (vgl. ebd.: 77). Das sich aus diesem Vorgehen ergebende zwei-Phasen-Design eines qualitativ-vertiefenden Designs ist dadurch gekenn­zeichnet, dass zunächst die quantitative Studie durchgeführt und ausgewertet wird und die qualitative Studie dann hieran anschließt, es ergibt sich demnach folgende Terminologie: QUANT → QUAL, da sie zwar nacheinander Abfolgen, dennoch aber die gleiche Priorität besitzen (vgl. ebd.: 78). Der Ablauf im sequenziellen Vertiefungsdesign soll anhand des nachstehenden grafischen Prozesses verdeutlicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1 Vor- und Nachteile

Der Vorteil liegt eindeutig darin, dass durch die Kombination zweier Methoden die bestmöglichen Voraussetzungen geschaffen werden können, um zum einen (quantitativ) optimale Messungen vornehmen und die gewonnen Daten validieren zu können und um andererseits (qualitativ) der Komplexität des Themas gerecht zu werden. Nachteilig ist, dass die Methode den gleichzeitigen Einsatz und Ablauf von zwei Methoden fordert, wodurch hier größere Kapazitäten in den Bereichen Zeit, finanzielle Ressourcen und Personal besteht, als bei einer Untersuchung mit nur einer Methode.

Dennoch ist anzumerken, dass die benötigten Kapazitätsgrößen auch schwanken können, wenn zum Beispiel nur zwei kleine Teilstudien durchgeführt werden sollen anstatt einer großen Studie.

4. Zwischenfazit und Festlegung

Nachdem nun die verschiedenen Methoden sowohl der qualitativen als auch der quantitativen Methodik sowie des Mixed-Methods-Ansatzes vorgestellt wurden, ist festzuhalten, dass jede der Methoden sich vom methodologischem Hintergrund her eignet, um als Instrument einer Bürgerbefragung eingesetzt zu werden, es gibt allerdings nur einen Ansatz der im weiteren Verlauf verfolgt und angewandt wird.

Wie bereits im Kapitel 3. Mixed-Methods-Ansatz aufgezeigt, ist es im qualitativ-vertiefenden-Design möglich eine Kombination von einer quantitativen und qualitativen Methode, welche die gleiche Priorität genießen, zu wählen. Dieser sequenzielle Designansatz wird für die fiktive Bürgerbefragung der Modellgemeinde Musterhausen verwendet, in dem die Methoden einer Online-Befragung als quantitativer Teil und einer Gruppendiskussion als qualitativen Teil gemixt werden. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Gruppendiskussion die Ergebnisse der Online-Befragung vertiefen und damit besser verständlich machen soll, sodass die Kommune als Kostenträger ein stabiles Abbild der tatsächlichen kollektiven Meinung ihrer Bürger bekommt und somit ihr Vorgehen unter Berufung auf den Volkswillen legitimieren kann, und sich daher des Mittragens der Entscheidung durch die Bürger(innen) sicher sein kann.

Im anschließenden Teil D wird zunächst die Modellgemeinde Musterhausen vorgestellt und anhand des fiktiven Gegenstandes der Bürgerbefragung das nähere Vorgehen des qualitativ-vertiefenden-Designs erläutert.

D Anwendung am Modell

Wie bereits erwähnt steht hinter dieser Arbeit die fiktive Modellgemeinde Musterhausen in der eine, ebenfalls fiktive, Bürgerbefragung durchgeführt wird. Die folgenden Kapitel werden unter Bezug auf die vorangegangenen Kapitel die Durchführbarkeit des ausgewählten sequenziellen Vertiefungsdesigns des Mixed-Methods-Ansatzes untersuchen.

1. Vorstellung der Modellgemeinde „Musterhausen“

Die Modellgemeinde Musterhausen liegt wie bereits oben erwähnt auf dem Gebiet des Bundeslandes Niedersachsens. Musterhausen umfasst 60.000 Einwohner(innen) und entspricht einer klassischen Kleinstadt mit guter Infrastruktur, zu der unteranderem ein Schwimmbad gehört, welches sich in öffentlicher Hand befindet. Die Verwaltungsstruktur der Gemeinde Musterhausen entspricht dem Bürgermeister als Verwaltungsspitze und wird vom Rat politisch komplettiert, auf der anderen Seite unterstützt ihn die Verwaltung auf organisatorischer, juristischer und verwaltungstechnischer Ebene.

1.1 Vorstellung der fiktiven Bürgerbefragung

Gegenstand der fiktiven Bürgerbefragung ist das Schwimmbad. Dieses erfreut sich einer hohen Auslastung und schreibt schwarze Zahlen, es ist in der Bevölkerung gut angesehen und präsentiert sich mit einem vielfältigen Programm, welches etwa Schwimmkurse für jedes Alter umfasst und wird von den ortsansässigen Schulen zum Schwimmunterricht mitgenutzt.

Aufgrund erhöhter Nachfrage von Vereinen, Schulen und Privatpersonen käme eine Erweiterung und damit eine Vergrößerung in Betracht, um die Kosten des Baues und der erhöhten Betriebskosten auffangen zu können, müsste der Eintrittspreis um 1,50 € je Tarif erhöht werden. Da der Rat sich uneins ist, ob weiterhin mit einer solch hohen Nachfrage zu rechnen ist, wenn die Preise erhöht werden, beschließt er in der aktuellen Ratssitzung im Rahmen einer Push-Kommunikation eine Bürgerbefragung gemäß des § 35 NKomVG zu initiieren. In seinem Beschluss gibt der Rat den Auftrag zur Durchführung an den Bürgermeister ab, da dieser als Hauptverwaltungsbeamter nicht nur die politische Spitze der Kommune bildet, sondern auch Leiter der Verwaltung ist.

Die Akteure werden im nachstehenden Unterkapitel näher behandelt.

1.1.1 Vorstellung der Akteure

Der Rat als politische Instanz hat die Durchführung einer Bürgerbefragung nach § 35 NKomVG beschlossen und den Bürgermeister als Schnittstelle von politischer und verwaltungstechnischer Seite mit dem Prozess beauftrag. Wie bereits unter Punkt B beschrieben, liegt durch die Kommunikationsinitiative seitens der Verwaltung eine Push-Kommunikation vor. Die Verwaltung agiert demnach als Kommunikationsinitiator und lässt ihren Bürger(inne)n zunächst Informationen zukommen. Der Bürgermeister wird auf der Seite der Verwaltung von verwaltungs­­technischem Personal unterstützt, welches allerdings keine Sozialforscher umfasst.

An dieser Stelle offenbart sich ein Problem: Die Kommunalverwaltung besitzt kein geeignetes Personal um eine Bürgerbefragung nach Sozialforschungsgesichtspunkten durchführen zu können. Es bieten sich zwei Lösungsmöglichkeiten an: 1. Ausgewähltes Personal wird geschult und von den eigentlichen Tätigkeiten abgezogen um die Befragung vorzubereiten, durchzuführen, auszuwerten und zu präsentieren. 2. Es wird ein Meinungsforschungsinstitut beauftragt, welche das gesamte Projekt der Befragung abwickelt, die Kommune würde hier lediglich als Auftraggeber fungieren.

Kosten entstehen bei beiden Varianten, allerdings würden die Kosten bei Variante eins, die eigenen Mitarbeiter umzuschulen wohl höher sein, da die Arbeit die durch ihren Wegfall entsteht aufgefangen werden muss und zumindest zeitweise eventuell Personal eingestellt werden muss. Auch ist hier der zeitliche Aufwand höher als bei der Beauftragung eines Institutes, da dies bereits ausgebildete Mitarbeiter besitzt.

Für das weitere Vorgehen dieser Arbeit wird folgender Ansatz weiterverfolgt: Die Gemeinde hat sich aufgrund von Empfehlungen eines Meinungsforschungsinstitutes dazu entschlossen, im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes ein sequenzielles Vertiefungsdesign, bestehend aus anonymisierten Online-Fragebögen und eines Gruppendiskussionsverfahrens, durchzuführen.

Die Umsetzbarkeit dieses Forschungsdesigns wird in den nachfolgenden Kapiteln untersucht.

[...]

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Details

Titel
Quantitative und qualitative Methoden der Sozialforschung als Instrumente der kommunalen Bürgerbeteiligung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Politikwissenschaftliche Methoden A: Von der Fragestellung bis zur Auswertung: Die praxisbezogene Wahl angemessener qualitativer Erhebungs- und Auswertungsmethoden
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V368594
ISBN (eBook)
9783668476530
ISBN (Buch)
9783668476547
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mixed-Methods, Bürgerbefragung, Politikwissenschaftle Methoden, Soziologie
Arbeit zitieren
Anika Laukart (Autor), 2016, Quantitative und qualitative Methoden der Sozialforschung als Instrumente der kommunalen Bürgerbeteiligung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368594

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