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Gesichter des Bösen. Wie die Darstellung des Bösen in Peter Weiss’ Werk "Die Ermittlung" funktioniert

Title: Gesichter des Bösen. Wie die Darstellung des Bösen in Peter Weiss’ Werk "Die Ermittlung" funktioniert

Term Paper , 2016 , 12 Pages , Grade: 1.5

Autor:in: Sarah Kunz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Durch Taten, Worte und Charaktere wird das Böse lebendig gemacht und nimmt am Handlungsstrang teil. Unter anderem ist das Böse auch in Peter Weiss‘ "Die Ermittlung" zu finden, einem dokumentarischen Theater über die Frankfurter Prozesse. Das Böse ist in diesem Oratorium allgegenwärtig. Vor allem lässt es sich in den Täterfiguren, zu deren Anklagen mehrere Zeugen herbeigerufen werden, beobachten. Die grausamen Taten der SS-Besatzung machen die Figuren selbst zur Verkörperung des Bösen und spiegeln die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges. Ziel dieser Arbeit ist es, die Erscheinung des Bösen aufzuzeigen und zu analysieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Definition „das Böse“

3. Das Böse in Die Ermittlung

3.1. Darstellung im Gericht

3.2. Darstellung durch Erzählungen der Zeugen

4. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Erscheinungsformen des Bösen in Peter Weiss’ dokumentarischem Theaterstück Die Ermittlung aufzuzeigen und durch eine Analyse der Täterfiguren sowie der Zeugenaussagen zu untersuchen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie das Böse in diesem Oratorium über die Frankfurter Prozesse literarisch dargestellt wird und ob sich durch das Ausbleiben eines Gerichtsurteils im Werk eine spezifische Perspektive auf die NS-Grausamkeiten ergibt.

  • Philosophische und theologische Grundlagen des Bösen (nach Kant und Arendt)
  • Die Darstellung von Täterfiguren und deren Strategien der Schuldabweisung
  • Die Rolle der Sprache und der Nüchternheit im dokumentarischen Theater
  • Die Bedeutung der Zeugenaussagen für die Sichtbarmachung des Bösen
  • Die ethische Funktion des fehlenden Urteils im Werk

Auszug aus dem Buch

3.2. Darstellung durch Erzählungen der Zeugen

Das Stück ist so aufgebaut, dass der Leser eine imaginäre Wanderung durch das Lager antritt und den Leidensweg der Juden vor Augen hat. Die Grausamkeiten, von denen erzählt wird, lassen sich kaum in Worte fassen und doch stehen sie schwarz auf weiss auf Papier. Diese Gräueltaten, die im KZ von den Aufsehern begangen worden sind, werden durch Erzählungen der Zeugen geschildert und belaufen sich auf Experimente, Ermordungen und psychischer und physischer Folter. Verschiedene medizinische Vorgänge werden gennant, wie die Todesspritzen durch Phenol, welche den Häftlingen in den Arm gespritzt wurde oder die zementartige Flüssigkeit, die Frauen injiziert wurde, um die Gebärmutter zu verkleben und an welchen beinahe alle Versuchspersonen verendeten. Diese Experimente haben einen vordergründigen wissenschaftlichen Zweck, dienen schlussendlich jedoch nur der schmerzhaften Hinrichtung der Insassen. Es wird ersichtlich, dass zwar experimentiert wurde, um Wissen über den menschlichen Körper zu erhalten, jedoch wurden diese Experimente soweit vorangetrieben, wie sie kaum ein menschlicher Körper aushalten kann.

Folglich sind diese Experimente Arten der Hinrichtung. Zusätzlich zu diesen werden die Insassen auch erschossen und vergast, oder einfach auf sonst eine Weise getötet. Die körperliche Gewalt und das Übel, das den Insassen somit zugefügt wird, sind Verkörperungen des Bösen, welche durch die Erzählungen dem Zuschauer vor Augen geführt werden. Psychische und physische Folter wird ebenfalls an mehreren Stellen beschrieben. So erzählt Zeuge 8, wie der Angeklagte Boger einen Insassen sowohl psychisch wie auch physisch folterte, indem er ihn zwang, einen Salat mit versalzenen Heringen zu essen. „Sie waren so versalzen daß ich erbrach / Ich musste das Erbrochene und den Rest der Heringe / aufschlecken“, beschreibt der Zeuge die Erniedrigung. Nicht nur, dass hierbei eine körperliche Folter beschrieben wird, sondern der Insasse wird auch noch erniedrigt, indem er wie Vieh sein eigenes Erbrochenes fressen muss. Hierbei lässt sich die animalische Sicht des Bösen erkennen. Insassen werden den Tieren gleichgestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Das Kapitel führt in die Thematik des Bösen ein, erläutert dessen literarische Bedeutung und stellt das Werk Die Ermittlung von Peter Weiss als Fallbeispiel für eine dokumentarische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit vor.

2. Definition „das Böse“: Hier werden philosophische Konzepte des Bösen, insbesondere die Lehren von Immanuel Kant und Hannah Arendt, sowie theologische Aspekte der Teufelsfigur zur theoretischen Fundierung der Arbeit dargelegt.

3. Das Böse in Die Ermittlung: Dieses Hauptkapitel analysiert, wie das Böse im Werk durch die Grausamkeiten der Täter und die sachliche, distanzierte Erzählweise des Autors manifestiert wird.

3.1. Darstellung im Gericht: Dieser Unterpunkt untersucht das Auftreten der Angeklagten im Gerichtssaal, insbesondere deren Strategien zur Abstreitung und Verharmlosung ihrer Taten, sowie die Rolle der sozialen Integration nach dem Krieg.

3.2. Darstellung durch Erzählungen der Zeugen: Dieser Unterpunkt befasst sich mit der Schilderung der physischen und psychischen Gräueltaten in den Konzentrationslagern, wie sie durch die Zeugen im Stück rekonstruiert werden.

4. Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Freiheit des Menschen zur moralischen Entscheidung und reflektiert über das Ausbleiben eines expliziten Urteils im Theaterstück.

Schlüsselwörter

Die Ermittlung, Peter Weiss, das Böse, Nationalsozialismus, Dokumentarisches Theater, Schuld, Grausamkeit, Kant, Hannah Arendt, Banalität des Bösen, Zeugenaussagen, Täterfiguren, Ethik, Gerechtigkeit, Auschwitz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Darstellung und Manifestation des Bösen in Peter Weiss’ Theaterstück "Die Ermittlung", das auf den historischen Frankfurter Auschwitz-Prozessen basiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die philosophische Definition des Bösen, die psychologische Schuldabwehr der Täter, die Rolle von Zeugenaussagen bei der Aufarbeitung historischer Verbrechen sowie die ethische Dimension eines fehlenden richterlichen Urteils im literarischen Werk.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Die Autorin möchte aufzeigen, wie das Böse in dem Werk "Die Ermittlung" durch Taten, Worte und Charaktere greifbar gemacht wird und welche Funktion die künstlerische Nüchternheit des Stücks dabei einnimmt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse philosophischer und theologischer Texte (u.a. Kant, Arendt) sowie auf eine textnahe Untersuchung und Interpretation des Primärwerkes "Die Ermittlung".

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird die Manifestation des Bösen durch die SS-Täter analysiert, deren Strategien zur Schuldleugnung beleuchtet sowie die drastische Schilderung der Lagergrausamkeiten durch die Zeugen untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Banalität des Bösen", "Radikalität des Bösen", "Schuldabwehr", "Zeugenaussagen" und "Dokumentarisches Theater" definiert.

Warum spielt die Person Robert Mulka im Kontext des Schlusses eine wichtige Rolle?

Robert Mulka dient als Beispiel für einen Angeklagten, der die Verantwortung von sich weist und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus als verjährt abtun möchte, womit er die Unbelehrbarkeit des Bösen verdeutlicht.

Welche Bedeutung hat das Fehlen eines Urteils im Stück laut der Autorin?

Das Ausbleiben eines richterlichen Urteils zwingt den Zuschauer in die Rolle des Richters und unterstreicht die Auffassung, dass die Tat selbst bereits Anklage genug ist und das Böse oft ungestraft bleibt.

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Details

Title
Gesichter des Bösen. Wie die Darstellung des Bösen in Peter Weiss’ Werk "Die Ermittlung" funktioniert
College
University of Bern
Grade
1.5
Author
Sarah Kunz (Author)
Publication Year
2016
Pages
12
Catalog Number
V368596
ISBN (eBook)
9783668480681
ISBN (Book)
9783668480698
Language
German
Tags
gesichter bösen darstellung peter weiss’ werk ermittlung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Kunz (Author), 2016, Gesichter des Bösen. Wie die Darstellung des Bösen in Peter Weiss’ Werk "Die Ermittlung" funktioniert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368596
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