Zur Bildlichkeit in der Religion. Die weiblichen Hauptcharaktere in Friedrich Schillers "Maria Stuart"


Hausarbeit, 2017

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Maria Stuart
2.1 Charakterisierung
2.2 Zur religiösen Bildlichkeit

3 Elisabeth
3.1 Charakterisierung
3.2 Zur religiösen Bildlichkeit

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kein anderes Drama Schillers wurde derart subjektiv beurteilt, wie Maria Stuart. So bietet es auch über 200 Jahre nach seiner Uraufführung noch genügend Aspekte, um es aus immer neuen Blickwinkeln zu interpretieren.

Maßgeblich für diese Forschungsarbeit ist, dass sich im Drama nicht nur zwei Königinnen gegenüberstehen, vielmehr sind es zwei Frauen, die unter anderem konträre Herrschaftsformen sowie Konfessionen repräsentieren. Wenngleich der historische Sachverhalt in erster Linie politische Aspekte in sich birgt, sind es im Drama doch die privaten Interessen der beiden Frauen, die von Belangen sind. Vor diesem Hintergrund weichen die beiden Frauenfiguren teilweise stark von ihren historischen Vorbildern ab. So vereint Maria, trotz der Vielschichtigkeit beider Figuren, insgesamt viel positivere Eigenschaften in sich, als ihre Kontrahentin.

Ein Umstand, der im Drama gleichermaßen auf beide Frauen zutrifft ist, dass beide wesentlich jünger sind, als sie es zum Zeitpunkt des historischen Geschehens eigentlich waren, sodass Maria und Elisabeth jugendlicher und attraktiver dargestellt werden konnten. Folglich ist es die Schönheit beider, die im Drama immer wieder, vor allem durch die männlichen Figuren, aufgegriffen wird.

Da Maria zudem als Katholikin für eine sehr bildhafte und anschauliche Religion steht und Elisabeth als Protestantin eine sich auf Wort und Schrift berufende und sehr abstrakte Religion repräsentiert, ergab sich daraus somit das Thema für diese Forschungsarbeit.

Im Folgenden wird untersucht werden, wie Schiller anhand seiner beiden weiblichen Hauptfiguren und insbesondere deren äußerer Wirkung, die Bildlichkeit in der Religion darstellt, respektive diskutiert. Daraus abgeleitet ergibt sich der Aufbau der Arbeit, indem zunächst die Figuren der Maria und der Elisabeth jeweils mit besonderem Augenmerk auf ihre äußere Wirkung charakterisiert werden. Darauf aufbauend werden die Parallelen zur Bildlichkeit in der Religion analysiert werden.

2 Maria Stuart

2.1 Charakterisierung

Wenngleich den beiden weiblichen Hauptcharakteren im Drama gleich viel Raum gelassen wird, ist es doch die katholisch-vormoderne, teilweise lasterhafte Maria, in die sich der Rezipient von Beginn an einfühlt und ihr, trotz ihrer Vergehen, zugetan bleibt.[1] So ist es Marias Aufrichtigkeit, die letztlich ihre Schwächen adelt.[2] Trotz der negativen Beschreibung durch ihren Bewacher Paulet,[3] gelingt es der Figur der Maria dies durch ihr Auftreten zu revidieren und beim Zuschauer konstant Mitleid zu erregen. Obwohl Maria von unterschiedlichen Figuren im Stück ebenso unterschiedlich wahrgenommen wird und auch in der Forschungsliteratur als ambivalentes Wesen gesehen wird,[4] wird sie dennoch durchweg als von schöner Gestalt dargestellt.[5] Ein Aspekt, der Maria teilweise zum Verhängnis wird, darf sie deshalb nicht an ihrer eigenen Verhandlung teilnehmen, aus Angst, sie können mit ihrer Schönheit das Urteil der männlichen Richter beeinflussen.[6]

Dennoch zeichnet sich Maria nicht nur durch ein schönes Äußeres aus, vielmehr ist es das Idealbild der bürgerlichen Frau im ausgehenden 18. Jahrhundert, welches sie widerspiegelt.[7] Doch trotz dieser für eine Frau der Goethezeit wünschenswerten Eigenschaften, sind es jene, aufgrund derer sie zum Spielball männlicher Interessen wird. So hängt ihr Schicksal im Drama teilweise von den männlichen Figuren desselben ab. Neben Leicester, Marias ehemaligem Geliebten, dem sie sich zwecks ihrer Befreiung als Preis in Aussicht stellt,[8] ist es vor allem Mortimer, die einzig von Schiller erfundene Figur, welche teilweise zur näheren Charakterisierung von Maria und Elisabeth dient,[9] der sich Marias Rettung annimmt. Doch geschieht dies letztlich nur aufgrund des Wunsches, Maria als Frau besitzen zu wollen.[10] Marias Schönheit wird somit abermals zum Objekt männlichen Herrschaftsverlangens, indem Mortimers Begehren zudem im III. Akt in Gewalt umschlägt.[11] Darüber hinaus begehrt er Maria nicht nur wegen ihrer äußerlichen Schönheit, er geht sogar dazu über, ihre Erscheinung zu sakralisieren und schafft in ihr somit eine Art Ikone.[12] Marias Existenz wird durch Mortimer also als Bild verhandelt und wird folglich zum Gegenstand ästhetischer Beurteilung.

2.2 Zur religiösen Bildlichkeit

Die Figur der Maria wird von Beginn an als gläubige Katholikin in das Geschehen eingeführt, deren Glaube im Zuge der Gefangenschaft in seine volle Bedeutung eintritt.[13] Als in Unfreiheit gereifte Person, tritt sie „im Schleier, ein Kruzifix in der Hand.“[14] auf und nutzt hierin ihren Körper als Projektionsfläche ihres vormodern-katholischen Weltbildes. Wenngleich Marias Letztverständnis von der Religion unter anderem durch Mynarek als ein sehr oberflächliches kritisiert wird,[15] ist ihre Verbundenheit zu Gott und dem Katholizismus doch immer wieder an ihrem Äußeren festzumachen. Hierbei ist es Marias gesamtes Schönheitskonzept, das auf ihrer Einheit mit Gott beruht.[16] In diesem Zusammenhang ist es nahezu unvermeidlich, die Funktion von Mortimer zu betrachten. Wie bereits erwähnt, wird Marias Existenz und somit insbesondere ihre äußere Wirkung, durch ihn als Bild verhandelt, entzündet sich Mortimers Leidenschaft für Maria doch anhand eines Bildes von ihr.[17] Mortimer als ehemaliger Protestant bringt darin das zum Ausdruck, was die Verdrängung des Katholizismus durch den Protestantismus zur Folge hatte: Ein Verlust des historischen Bilderlebnisses.

Der vormoderne Mensch, der dem Willen Gottes unterlag, hat sich zur Moderne hin zum selbstbestimmten Individuum gewandelt, auf der Suche nach der Möglichkeit, das Gefallen an der Schönheit des Sakralen nun anderweitig zu kompensieren.[18]

[...]


[1] Vgl. Kristina Bonn: Vom Schönen. Schönheitskonzeption bei Lessing, Goethe und Schiller. Bielefeld 2008, S. 196.

[2] Vgl. Wolfgang Wittkowski: Maria Stuart: Können Frauen regieren? In: Schiller. Ethik, Politik und Nemesis im Drama. Hg. v. Stefanie Kufner, Wolfgang Wittkowski. Frankfurt am Main 2012, S 317 — 345, hier S. 324.

[3] Vgl. Friedrich Schiller: Maria Stuart. Ein Trauerspiel. Anmerkungen von Christian Grawe. Stuttgart 2001 [1800], Vers 101 ff.

[4] Vgl. Rachid Jai Mansouri: Die Darstellung der Frau in Schillers Dramen. Frankfurt am Main 1988, S. 289.

[5] Vgl. Schiller: Maria Stuart, Vers 1396 f.

[6] Vgl. Schiller: Maria Stuart, Vers 990 ff.

[7] Vgl. Gert Sautermeister: Maria Stuart. In: Schillers Dramen. Hg. v. Walter Hinderer. Stuttgart 1997, S. 174 — 216, hier S. 186

[8] Vgl. Schiller: Maria Stuart, Vers 1818 ff.

[9] Vgl. Mansouri: Die Darstellung der Frau in Schillers Dramen, S. 279

[10] Vgl. Schiller: Maria Stuart, Vers 2543 ff.

[11] Vgl. Schiller: Maria Stuart, Vers 2575 ff.

[12] Vgl. Schiller: Maria Stuart, Vers 2469 ff.

[13] Vgl. Matthias Schulze-Bünte: Die Religionskritik im Werke Schillers. In: Frankfurter Hoschschulschriften zur Sprachtheorie und Literaturästhetik. Hg. v. Dieter Kimpel. Bd. 7. Frankfurt am Main 1993, S. 195.

[14] Schiller: Maria Stuart, S. 9

[15] Vgl. Markus Mynarek: Spiritualität — Religion — Kirche bei Friedrich Schiller. Essen 2012, S. 56.

[16] Vgl. Kristina Bonn: Vom Schönen, S. 192.

[17] Vgl. Schiller: Maria Stuart: Vers 501 ff.

[18] Vgl. Bonn: Vom Schönen, S. 174.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Zur Bildlichkeit in der Religion. Die weiblichen Hauptcharaktere in Friedrich Schillers "Maria Stuart"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Neuere Deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Klassisch-romantische Dramen
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V368891
ISBN (eBook)
9783668477063
ISBN (Buch)
9783668477070
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Friedrich Schiller, Maria Stuart, Bildlichkeit, Religion, Klassik, Romantik, Neuere Deutsche Literatur
Arbeit zitieren
Melina Schönknecht (Autor), 2017, Zur Bildlichkeit in der Religion. Die weiblichen Hauptcharaktere in Friedrich Schillers "Maria Stuart", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368891

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