Förderinstrumente der KfW Mittelstandsbank. Bedeutung für mittelständische Unternehmen in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

52 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kreditanstalt für Wiederaufbau
2.1 Gründungsjahre der KfW
2.2 Rechtliche Verhältnisse
2.3 Mittelbeschaffung der KfW
2.4 Aufbau und Aufgaben der KfW

3 Der Mittelstand in Deutschland
3.1 Qualitative und Quantitative Definition
3.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands
3.3 Finanzierungsquellen des Mittelstandes

4 Förderinstrumente der KfW Mittelstandsbank
4.1 Finanzierung von Gründervorhaben
4.2 Allgemeine Unternehmensfinanzierung
4.3 Bereitstellung von Beteiligungs- und Nachrangkapital
4.4 Beratung und Information von KMU

5 Bedeutung der KfW für den Mittelstand
5.1 Erfolge der KfW Mittelstandsbank
5.2 Aktuelle Situation der KfW Mittelstandsbank

6 Fazit

7 Anhang
7.1 Anlage zur Prüfung „Innovative Unternehmen“
7.2 GRW-Fördergebiete 2014-2020

8 Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Standorte und weltweite Repräsentanzen der KfW

Abbildung 2: Strategische Beteiligungen der KfW

Abbildung 3: Refinanzierung der KfW nach Währungen. Stand 2015

Abbildung 4: Geschäftsfelder und Tochterfirmen der KfW

Abbildung 5: Durchleitungsprinzip der KfW

Abbildung 6: Förderungsschwerpunkte der KfW im Inland

Abbildung 7: Internationale Förderungsschwerpunkte der KfW

Abbildung 8: KMU-Definition der EU und des IfM/Bonn

Abbildung 9: Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland 2013

Abbildung 10: Deutsche Hidden Champions im internationalen Vergleich

Abbildung 11: Systematisierung der Unternehmensfinanzierung

Abbildung 12: Konditionen ERP-Gründerkredit - StartGeld

Abbildung 13: Bonitätsklassen der KfW

Abbildung 14: Besicherungsklassen der KfW

Abbildung 15: Preisklassen der KfW

Abbildung 16: Konditionen ERP-Gründerkredit – Universell

Abbildung 17: Konditionen KfW-Unternehmerkredit (KMU-Fenster)

Abbildung 18: Kriterienkatalog "KfW-Unternehmerkredit Plus"

Abbildung 19: Konditionen KfW-Unternehmerkredit Plus

Abbildung 20: Konditionen ERP-Regionalförderprogramm

Abbildung 21: Konditionen ERP-Kapital für Gründung

Abbildung 22: Beratungszuschuss BAFA

1 Einleitung

„Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft und Motor für Wachstum und Beschäftigung. Mittelständische Unternehmen in Deutschland entwickeln dank ihrer Kreativität und Marktnähe besonders viele innovative Produkte und Dienstleistungen.“[1] Vorrangiges Ziel der Bundesrepublik Deutschland ist daher die Schaffung von idealen Voraussetzungen in mittelständischen Unternehmen, damit diese neue Arbeitsplätze schaffen und durch Investitionen die deutsche Wirtschaft stärken. Vor allem sind es kleine und mittlere Unternehmen, die neben global handelnden Weltkonzernen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden. 60 Prozent aller Arbeitnehmer sind in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt. Der deutsche Mittelstand bildet über 83 Prozent aller Ausbildenden aus und sichert damit qualitativ und quantitativ die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes.[2] Strukturelle Nachteile des Mittelstandes, wie der Unternehmensgröße oder einem eingeschränkten Unternehmensstandort, sind durch eine nachhaltige Wirtschaftsförderung der Politik auszugleichen, um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht zu gefährden. Hier nimmt die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Deutschlands drittgrößtes Kreditinstitut und die größter Förderbank der Welt, eine entscheidende Rolle ein. Dabei wurden die Aufgaben in der Gründungsphase der KfW kaum auf die Förderung des deutschen Mittelstands ausgerichtet.[3] Der Fokus wurde auf die Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen und der Industrie in den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt. Erst Jahre später folgte eine bewusste Förderung des Mittelstands durch die KfW, die sich seither zu einem der Schwerpunkte der Förderstrategie entwickelt hat - vorrangig in strukturschwachen Regionen Deutschlands.[4] Die von der KfW durchgeführten Fördermaßnahmen leisten ihren Beitrag zum Erreichen der wirtschaftspolitischen Wachstums- und Beschäftigungsziele Deutschlands. Die Förderinstrumente werden dabei an sich ständig verändernde Gegebenheiten angepasst oder für den Mittelstand neu entwickelt.[5] Die neusten Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Bundesministeriums für Finanzen umfassen beispielsweise den Einsatz eines neuen Fonds über zehn Milliarden Euro um vor allem Unternehmensgründer noch stärker zu unterstützen.[6] „Nach Plänen des Bundesfinanzministeriums soll der Fonds ebenfalls bei der staatlichen Förderbank KfW angesiedelt sein und Firmengründern für jeden Euro an Wagniskapital einen Euro Kredit zu vergünstigten Konditionen bereitstellen.“[7]

Die nachfolgende Ausarbeitung gibt einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Kreditanstalt für Wiederaufbau, deren Aufgaben sowie über organisatorische und finanzielle Strukturen der Förderbank. Anschließend wird ein Fokus auf den Mittelstand mit Abgrenzung zu den Großunternehmen gelegt und die Besonderheiten Deutschlands herausgearbeitet. Im dritten Teil werden die aktuellen Förderinstrumente der KfW Mittelstandsbank vorgestellt und die vergangenen Erfolge sowie die aktuelle Situation vergleichen und analysiert. Eine kritische Würdigung der durchgeführten Untersuchung bildet den Abschluss dieser Arbeit.

2 Kreditanstalt für Wiederaufbau

Hermann Josef Abs, der erste Vorstandssprecher der KfW, wäre heute stolz.[8] Denn er war der maßgebliche Ideengeber der KfW und konnte diese in Zusammenarbeit mit den Alliierten in der deutschen Nachkriegsgeschichte verwirklichen. In diesem Kapitel werden die entscheidenden Gründungsjahre der KfW beschrieben, die sich noch heute, knapp 70 Jahre später, auf die Förderprogramme für den deutschen Mittelstand auswirken. Weiterhin werden die rechtlichen Verhältnisse der KfW-Bankengruppe, deren Aufbau mit strategischen Beteiligungen sowie die Refinanzierung über den internationalen Geld- und Kapitalmarkt beschrieben.

2.1 Gründungsjahre der KfW

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau wurde am 18. November 1948 auf Grundlage des Gesetzes über die Kreditanstalt für Wiederaufbau gegründet.[9] Wenige Monate nach Einführung der Deutschen Mark und wenige Monate vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Die KfW stellte rund drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein Teil des Konzeptes für den wirtschaftlichen Aufbau Westdeutschlands dar und hatte das Ziel, für diesen Wiederaufbau ausreichend Finanzierungsmittel bereitzustellen.[10] Grundlage des Konzeptes ist das am 05. Juni 1947 vom amerikanischen Außenminister George C. Marshall verkündete wirtschaftliche Wiederaufbauprogramm für Europa namens „European Recovery Programm“, welches allgemeiner unter dem Namen „Marshallplan“ Bekanntheit findet und sich abgekürzt (ERP) bis heute in einigen KfW-Programmen wiederfinden lässt.[11] Anstatt aus den Mitteln des Marshallplans einmalige Zuschüsse zum Wiederaufbau Deutschlands zu vergeben, wurde über die KfW eine Art revolvierender Kreditfonds geschaffen. Die beiden zuständigen Alliierten der Bizone[12], Amerika und Großbritannien, einigten sich darauf, dass lediglich Richtlinien für ein Konzept der KfW erstellt werden. Die Umsetzung der Details wurden den Gremien in Deutschland überlassen. Die KfW kann also für sich in Anspruch nehmen, die erste vom deutschen Gesetzgeber nach dem Krieg geschaffene öffentlich-rechtliche Bank zu sein. Die Eigentumsverhältnisse der KfW waren bei der Gründung paritätisch auf eine jeweils fünfzigprozentige Beteiligung der Bizone und der entsprechenden Länder verteilt.[13] Nach Inkrafttreten des Grundgesetztes am 24. Mai 1949 wurde die KfW eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Zum ersten Vorsitzenden des vierzehnköpfigen Verwaltungsrates der KfW wurde am 8. Dezember 1948 Otto Schniewind bestellt.[14] In seiner ersten Sitzung am 21. Dezember 1948 delegierte der Verwaltungsrat die Herren Hermann Josef Abs und Walter Tron in den Vorstand. Später komplettierten Otto Neubauer und Dr. Herbert Martini den ursprünglich dreiköpfigen Vorstand, dessen personelle Begrenzung bei der nächsten Gesetzesnovellierung aufgehoben wurde.

Das zukünftige Verhältnis der neu gegründeten KfW zu den zwar noch existierenden aber zum Teil zerschlagenen Geschäftsbanken im Nachkriegsdeutschland führte zu einigen Bedenken von Vertretern der deutschen Wirtschaft. Das laufende Kontokorrentgeschäft sowie der Effektenhandel für fremde Rechnung wurde der KfW daher verboten.[15] Das von den Alliierten verlangte Subsidiaritätsprinzip der KfW wurde gleichzeitig durch den Grundsatz der Bankendurchleitung ergänzt, so dass die KfW keine Konkurrenz darstellte, sondern eine übergeordnete Rolle bei der Versorgung von Finanzierungsmitteln für den anstehenden Wiederaufbau Deutschlands einnahm. Die Refinanzierung der KfW sollte nach Vorstellung der Alliierten vollständig aus dem Haushalt oder dem deutschen Kapitalmarkt erfolgen, was jedoch auf Grund der instabilen wirtschaftlichen Situation und dem schwachen Vertrauen in die Stabilität der jungen Währung unrealistisch war. Im September 1949 wurden erstmals Anleihen der KfW am Markt platziert, worauf lediglich 30 Millionen Deutsche Mark erzielt wurden. Die KfW erhielt daher neben erwarteten Mittel aus dem Marshallplan (1949: 94 Millionen Deutsche Mark / 1950: 1.665 Millionen Deutsche Mark) zusätzliche Mittel aus dem GARIOA-Programm[16] (1949: 265 Millionen Deutsche Mark)[17]. Erst nach neun Jahren konnte sich die KfW mit nachhaltigem Erfolg auf dem Kapitalmarkt refinanzieren.[18]

Im August 1961 verabschiedete der Bundestag die bisher umfangreichste Reform. Neben einer Erhöhung des Grundkapitals von einer Million auf eine Milliarde Deutsche Mark wurden auch Teile der 1949 aus dem Marshallplan eingebrachten Mittel der KfW in Grundkapital umgewandelt und stehen der KfW bis heute als Eigenkapital zur Verfügung. Die bisherigen Aufgaben der KfW, die inländische Wirtschaftsförderung und die Exportfinanzierung, wurden um Förderungsmaßnahmen für wirtschaftlich unterentwickelte Länder ergänzt.

2.2 Rechtliche Verhältnisse

Die KfW ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Frankfurt am Main und Zweigniederlassungen in Berlin, Bonn und Köln.[19] Des Weiteren werden 80 Büros und Repräsentanzen weltweit unterhalten und dabei insgesamt 5.518 Mitarbeiter beschäftigt.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Standorte und weltweite Repräsentanzen der KfW[21]

Das Grundkapital der Anstalt beträgt 3,75 Milliarden Euro, woran die Bundesrepublik Deutschland mit 3,00 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 80 Prozent, und die Bundesländer mit 0,75 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 20 Prozent, beteiligt sind. Von dem Grundkapital sind derzeit 3,30 Milliarden Euro eingezahlt. Die Einzahlung der verbleibenden 0,45 Milliarden Euro kann vom Verwaltungsrat der Anstalt beschlossen werden, soweit es zur Erfüllung der Verbindlichkeiten erforderlich ist. Auf den von der Bundesrepublik Deutschland eingezahlte Teil des Grundkapitals entfällt ein Betrag von 1.820.876.331,00 Euro auf das ERP-Sondervermögen, welches bis heute gesondert ausgewiesen wird. Die Bundesrepublik Deutschland haftet für alle Verbindlichkeiten und Kredite der KfW. Eine Gewinnausschüttung an die Anteilseigner erfolgt nicht.[22]

Seit der Verschmelzung mit der einstigen Deutschen Ausgleichsbank im Jahr 2003 tritt die KfW mit ihren hundertprozentigen Töchtern, der KfW IPEX-Bank GmbH, der Finanzierungs- und Beratungsgesellschaft mbH, der Technologie- und Beteiligungsgesellschaft mbH und der Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH als KfW-Bankengruppe auf.[23] Weitere strategische Beteiligungen mit Unternehmen wurden eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Strategische Beteiligungen der KfW[24]

Die KfW ist kein Kreditinstitut im Sinne des Kreditwesengesetzes und unterlag lange Zeit der alleinigen Aufsicht des Bundesfinanzministeriums im Dialog mit dem Bundeswirtschaftsministerium. Zum 13. Juli 2013 trat eine Änderung des KfW-Gesetzes in Kraft, wonach die Vorschriften des Kreditwesengesetzes auch für die KfW Anwendung finden. Einhergehend erfolgt zukünftig eine laufende Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen. Die vollständige Rechtsverordnung trat zum 01. Januar 2016 in Kraft. Die KfW gilt aber auch weiterhin nicht als Kreditinstitut oder Finanzdienstleistungsinstitut im Sinne des Kreditwesengesetzes, um die besondere Rolle als Förderbank zu berücksichtigen.[25]

Die KfW besteht aus zwei Organen. Dem Vorstand, bestehend aus mindestens zwei Mitgliedern, und dem Verwaltungsrat, bestehend aus 37 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden. Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte in eigener Verantwortung und vertritt die Anstalt gerichtlich und außergerichtlich.[26] Aktuell gehören dem Vorstand der KfW sechs Personen unter dem Vorsitz von Dr. Ulrich Schröder an. Der siebenunddreißigköpfige Verwaltungsrat überwacht und berät den Vorstand bei der Geschäftsführung. Der Verwaltungsrat wird im Sinne des KfW-Gesetzes dauerhaft von sieben Ministerinnen und Ministern des Bundes, sieben weiteren Mitgliedern des Bundestages, sieben Mitgliedern des Bundesrates, je einem Vertreter der Realkreditinstitute, der Sparkassen, der genossenschaftlichen Kreditinstitute, der Kreditbanken und eines auf dem Gebiet des Industriekredites maßgebenden Kreditinstituten besetzt. Zwei weitere Vertreter aus Industrie, je einem Vertreter der Gemeinden, der Landwirtschaft, des Handwerks, des Handels und der Wohnungswirtschaft sowie vier Vertreter der Gewerkschaften komplettieren den Verwaltungsrat. Die Amtsdauer der Mitglieder, mit Ausnahme der dauerhaft vertretenen Ministerinnen und Minister des Bundes, beträgt drei Jahre. Jedes Jahr scheidet ein Drittel der nicht dauerhaften Mitglieder (zehn Personen) aus.[27] Der Vorsitz des Verwaltungsrates obliegt dem Bundesminister der Finanzen und dem Bundesminister für Wirtschaft im Wechsel. Aktuell ist Herr Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Vorsitzender des Verwaltungsrates. Stellvertreter ist Herr Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen.

Neben den beiden Organen unterhält die KfW mit dem Mittelstandrat ein weiteres Beratungsgremium. Das elfköpfige Gremium des Mittelstandsrates konkretisiert den staatlichen Auftrag und beschließt über Vorschläge zur Förderung der KfW unter Berücksichtigung der Gesamtgeschäftsplanung der Anstalt.[28]

2.3 Mittelbeschaffung der KfW

Die KfW darf per Gesetz über keine Kundeneinlagen oder laufende Kundenkontokorrentkonten verfügen.[29] Die Refinanzierung erfolgt fast vollständig über die internationalen Geld- und Kapitalmärkte, vor allem in Euro und US-Dollar. Weitere wichtige Währungen sind australische Dollar, britische Pfund, japanische Yen und kanadische Dollar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Refinanzierung der KfW nach Währungen. Stand 2015[30]

Die KfW ist seit Jahren eine der weltweit größten und aktivsten Emittitentin von Anleihen an den internationalen Kapitalmärkten und wird regelmäßig für ihre Kapitalmarktaktivitäten ausgezeichnet.[31] Bei der Refinanzierung profitiert die KfW in erheblichem Maße durch die Garantie des Bundes auf Haftung für alle von der Anstalt aufgenommenen Darlehen und begebenen Schuldverschreibungen. Aufgrund dieser Bundesgarantie verfügt die KfW über eine gute Bonitätseinschätzung und erreicht bei den Ratingagenturen Moody’s, Scope Ratings und Standard & Poors die bestmöglichen Triple-A-Ratings.[32]

Im Kalenderjahr 2015 wurden 175 Anleihen in 14 Währungen mit einem Gesamtvolumina von 62,6 Milliarden Euro an institutionelle Investoren verkauft.[33] Durch die Vielzahl von Anleihen in unterschiedlichen Währungen ist die KfW jederzeit in der Lage, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Im Kalenderjahr 2015 war es der KfW aufgrund des günstigen Zinsniveaus und der Garantie des Bundes erstmals möglich, Investoren einen negativen Zins anzubieten. Diese Refinanzierungssätze waren bis dato einmalig in der Geschichte der KfW.[34]

2.4 Aufbau und Aufgaben der KfW

Die KfW bietet Förderleistungen in unterschiedlichen Geschäftsfeldern an.

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Abbildung 4: Geschäftsfelder und Tochterfirmen der KfW[35]

Über rechtlich unselbstständige, jedoch innerhalb der KfW organisatorisch weitestgehend verselbständigte Sparten werden die jeweiligen inländischen Förderleistungen erbracht.[36] Dabei unterhält die KfW kein eigenes Filialnetzt. Es gilt das sogenannte Durchleitungsprinzip, wie in Abbildung 5 skizziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Durchleitungsprinzip der KfW[37]

Die Hausbank bleibt zentraler Ansprechpartner für die Kunden. Eine direkte Kreditaufnahme bei der KfW ist im standardisierten Kreditprozess nicht beabsichtigt. Die gesamte Abwicklung, so wie die grundsätzliche Risikoübernahme, erfolgt bei der Hausbank. Die KfW stellt eine günstigere Refinanzierung in den entsprechenden Kreditprogrammen zur Verfügung, die gefördert werden sollen. Eine fest vereinbarte Marge gilt damit die gesamte Zinsbindung des Förderkredites. Durch die Auslagerung der Verwaltungsleistung können bei der KfW Kosten eingespart werden, die sich wiederrum positiv auf die Zinsstruktur auswirken.

Die KfW unterstützt in Deutschland Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bei ihren Zukunftsinvestitionen.

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Abbildung 6: Förderungsschwerpunkte der KfW im Inland[38]

Mit einem Fördervolumen von 19,9 Milliarden Euro bildet dabei die Gründungs- und Unternehmensfinanzierung über die KfW Mittelstandsbank den wichtigsten Schwerpunkt, die Wachstum und Innovation fördert. Hierfür hat die KfW gesonderte Programme zur Nutzung erneuerbarer Energien, zur Steigerung der Energieeffizienz sowie zur Förderung innovativer Technologieunternehmen aufgelegt. Privatpersonen werden über die Privatkundensparte bei dem Erwerb von Eigentum, dem energieeffizienten oder altersgerechten Bau oder Umbau von Wohngebäuden sowie finanziell bei speziellen Aus- und Weiterbildungen unterstützt. Dritter Baustein der Inlandsförderung ist die Förderung und Sicherung der kommunalen und sozialen Infrastruktur über die Kommunalbank- bzw. Kreditinstitutssparte.[39]

Das internationale Geschäft der KfW wird über Tochtergesellschaften, der IPEX Bank GmbH und der Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, dargestellt. Mittel- bis langfristige Finanzierungen zur Unterstützung der Exportwirtschaft, zur Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur sowie für Vorhaben des Klima- und Umweltschutzes werden bereitgestellt.[40] Zudem berät und finanziert die KfW explizit Unternehmen, die in betriebswirtschaftlich und entwicklungspolitisch nachhaltige Vorhaben investieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Internationale Förderungsschwerpunkte der KfW[41]

Neben den deutschen Standorten wird das internationale Geschäft an weltweiten Standorten in den wichtigsten Wirtschafts- und Finanzzentren der Welt geführt.[42] Gleichzeitig unterhält die KfW den Geschäftsbereich der Entwicklungsbank, in dem gezielt der soziale Fortschritt in Entwicklungs- und Schwellenländer gefördert wird. Dieser Bereich ist der multilateralen Ebene der Bundesrepublik Deutschland zuzuordnen und soll an dieser Stelle nicht weiter beschrieben werden.

Der Überblick über die Förderzahlen des Gesamtgeschäftes per 31. Dezember 2014 soll die Gewichtung der einzelnen Geschäftsfelder der KfW verdeutlichen. Nach Aufspaltung der Förderzahlen auf die unterschiedlichen Zielgruppen zeigt sich, dass die KfW Mittelstandsbank mit einem Fördervolumen von 19,9 Milliarden den größten Anteil des Geschäftsvolumens darstellt.[43] Es ist zu erkennen, dass der Mittelstand im starken Fokus der Kreditanstalt für Wiederaufbau steht.

3 Der Mittelstand in Deutschland

Historisch betrachtet, entwickelte sich im Mittelalter aus der Ständegesellschaft die Gruppe der Kaufleute und Handwerker, die den mittleren Stand bildeten. Insbesondere in Deutschland hat sich daraus eine Mittelstandskultur entwickelt, die noch heute in abgewandelter Form sichtbar ist.[44] Der deutsche Mittelstand gilt als zentrales Element der sozialen Marktwirtschaft und wird von vielen Institutionen und Politikern als Synonym und Quelle für Innovation, Wachstum und Beschäftigung genutzt. Weltweit gibt es keine Nation mit einem vergleichbar ausgeprägten mittelständischen Sektor.[45] In diesem Kapitel wird auf die Definition des Mittelstandes, die Abgrenzung der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie auf die Bedeutung des Mittelstandes eingegangen.

3.1 Qualitative und Quantitative Definition

Für den Begriff Mittelstand gibt es keine gesetzliche oder allgemein gültige Definition. In erster Linie ist der Begriff Mittelstand ein qualitativer Begriff. Unternehmen gehören demnach zum Mittelstand, wenn vor allem eine enge Verbindung von Eigentum und der unternehmerischen Verantwortung bestimmt ist. Im Gegensatz zu managementgeführten Unternehmen werden in mittelständischen Unternehmen nicht nur langfristige Ziele verfolgt sondern ebenso eine traditionelle und nachhaltige Unternehmensentwicklung in den Vordergrund gestellt.[46] Werden in größeren Familienunternehmen teilweise angestellte Geschäftsführer in die Unternehmensleitung involviert, behalten sie den Status des mittelständischen Unternehmens bei, solange die Eigentümer weiterhin die strategische Entscheidung an dem Unternehmen innehaben. Ebenso ist auch die Rechtsform der Gesellschaft von untergeordneter Rolle. Der hohe Spezialisierungsgrad und die Stärke, Ideen schnell in marktfähige Produkte umzusetzen und innovative Nischen zu besetzen, zeichnet den Mittelstand ebenso aus wie das hohe Verantwortungsgefühl der Eigentümer gegenüber der eigenen Belegschaft.

Um Bedingungen für Fördermöglichkeiten und der klaren wissenschaftlichen Abgrenzung zu ermöglichen, hat sich international für den Mittelstand der Begriff „small and medium-sized enterprises“ (SME) etabliert, der seine deutsche Entsprechung in „kleine und mittlere Unternehmen“ (KMU) gefunden hat.[47] Hierbei erfolgt die Abgrenzung rein nach quantitativen Unternehmensdaten wie den Beschäftigtenzahlen, der Höhe des Jahresumsatzes und der bilanziellen Größe eines Unternehmens.[48] Der Begriff der kleinen und mittleren Unternehmen kann anhand der nachfolgenden zwei anerkannten Kriterienkataloge unterschieden werden. In der volkswirtschaftlichen Betrachtung spielt die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM/Bonn) eine entscheidende Rolle, wenn es um die Bedeutung des Mittelstands oder Maßnahmen in der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland geht.[49] Im europäischen Kontext werden nach der KMU-Definition der Europäischen Union aus 2005 andere Kriterien herangezogen, an der sich auch die KfW zur Abgrenzung der förderberechtigten Unternehmen orientiert.[50] Seit dem 01. Januar 2016 hat sich die KMU-Definition des IfM/Bonn stark an die KMU-Definition der EU-Kommission angepasst um eine Harmonisierung im Kleinst- und Kleinunternehmenssegment herbeizuführen. Für mittlere Unternehmen liegt der Schwellenwert beim IfM/Bonn jedoch weiterhin bei 499 Beschäftigten, um die volkswirtschaftliche Besonderheit des deutschen Mittelstandes herauszustellen.[51]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[52] [53] [54]

Abbildung 8: KMU-Definition der EU und des IfM/Bonn

Die Schnittmenge von mittelständischen Unternehmen nach qualitativen Kriterien und nach der quantitativen Einteilung der KMU ist sehr groß. Zugleich zählen weitläufig aber auch Unternehmen mit 500 Personen und mehr Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz zum Mittelstand. Kleine und mittlere Unternehmen, die in Abhängigkeit zu einem anderen Unternehmen stehen, werden durch Konzernstrukturen nicht zum Mittelstand gezählt.[55]

Im weiteren Verlauf dieser wissenschaftlichen Arbeit wird der Mittelstand in Form der KMU-Kriterien der Europäischen Kommission definiert. Eventuelle Abweichungen dazu werden in den entsprechenden Grafiken und Statistiken kenntlich gemacht.

3.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands

Die Einschätzung, dass der Mittelstand für das Wachstum, den Strukturwandel und die Beschäftigung einer Volkswirtschaft sehr wichtig ist, ist stark verbreitet. „Mittelständler denken nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen.“[56] Sie entwickeln ihre besondere Stärke aus den langfristigen Beziehungen zu ihren Beschäftigten, Lieferanten und Kunden.[57] Es verwundert daher nicht, dass politische Entscheidungsträger immer wieder auf die durchgeführten und geplanten wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Förderung des Mittelstandes hinweisen.[58]

Unter Berücksichtigung der geltenden KMU-Definition der Europäischen Kommission zeigen sich in der folgenden Abbildung die Anteile der Kleinstunternhemen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen an ausgewählten Merkmalen für das Geschäftsjahr 2013.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland 2013[59]

Über 99 Prozent aller in Deutschland ansässigen Unternehmen gehörten 2013 zu den kleineren und mittleren Unternehmen, also zum Mittelstand. Den größten Anteil dabei haben die Kleinstunternehmen, mit einem Anteil von 80,7 Prozent, die jedoch nur einen äußerst geringen Anteil von rund sechs Prozent am Gesamtumsatz in Deutschland tätigen. Zwar dominieren diese Kleinstunternehmen mit rund 2,95 Millionen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern den KMU-Sektor, allerdings ist die wirtschaftliche Bedeutung der weiteren 18,6 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen, mit einer Mitarbeiteranzahl von 10 bis 249 Personen ebenfalls hoch. Im Europavergleich sind die deutschen Unternehmen des Mittelstandes verhältnismäßig groß. Im EU-27-Durchschnitt haben nur acht Prozent der KMU mehr als zehn Mitarbeiter.[60]

2013 hatten die kleinen und mittleren Unternehmen einen Anteil von rund 60 Prozent der rund 26,5 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sowie einen Anteil von rund 83 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland, bezogen auf Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten.[61] Diese Unternehmen tätigten zusammen einen Umsatz von 1,93 Billionen Euro. Das entspricht 31,8 Prozent des Gesamtumsatzes und lag damit deutlich über den Umsatzerlösen aller 30 DAX-Unternehmen inklusive aller ausländischen Konzerntöchter von 1,19 Billionen Euro im Geschäftsjahr 2011.[62] Vor allem mit seinem Ausbildungsangebot trägt der deutsche Mittelstand maßgeblich zur international vergleichsweise niedrigen Jungendarbeitslosenquote von 7,7 Prozent im Jahr 2014 bei. Der Durchschnitt der Eurozone betrug zeitgleich 22,2 Prozent - in Spanien waren innerhalb der Referenzgruppe der 15 bis 24 jährigen 53,2 Prozent erwerbslos.[63] Der prognostizierte Fachkräftemangel wird sich in Deutschland entsprechend milder auswirken als in den anderen Mitgliedsstaaten der EU.

Die Bedeutung der KMU variiert je nach Wirtschaftsbereich. Eine besonders große Rolle spielen sie im Bau- und Gastgewerbe, wo im Geschäftsjahr 2013 mehr als 83 Prozent des Umsatzes und rund 90 Prozent der tätigen Personen zu den KMU zuzuordnen sind. Auch im Dienstleistungssektor dominieren die kleinen und mittleren Unternehmen.[64] Rund ein Viertel aller Mittelständler gehören dabei zu den Handwerksbetrieben, die sowohl in Ballungsgebieten als auch in strukturschwachen Regionen präsent sind. Größere Mittelständler sind bereits im verarbeitenden Gewerbe aktiv. „Großunternehmen im verarbeitenden Gewerbe, im Verkehr und der Lagerei sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche erzielen höher Umsätze als die KMU. Der Wirtschaftsbereich mit dem geringsten Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen war die Energieversorgung.“[65]

Untersuchungen haben ergeben, dass es in keinem anderen Land so viele Hidden Champions[66] gibt wie in Deutschland.[67] In der Abbildung 9 ist ein internationaler Vergleich der vorhandenen Hidden Champions aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Deutsche Hidden Champions im internationalen Vergleich, Stand 2012[68]

Insgesamt wurden weltweit 2.734 Unternehmen als Hidden Champion identifiziert. „Rund 1.300 deutsche Mittelständler haben mit ihren Produkten erfolgreich Nischen als Marktführer besetzt.“[69] Neben den bekannten Großunternehmen werden diese oft nicht wahrgenommen, bilden jedoch eine zentrale Säule der deutschen Wirtschaft.[70] Mit einer hohen Innovationsorientierung und einer starken Fokussierung auf die Forschung entwickeln diese den Wirtschaftsstandort Deutschland maßgeblich weiter.[71] Besonders stark sind diese im Maschinenbau sowie in den Bereichen Elektroindustrie und Industrieprodukte vertreten.[72] Im Gegensatz zu Unternehmen in anderen europäischen Volkswirtschaften sind deutsche mittelständische Unternehmen bereits stark auf den Auslandsmärkten vertreten. Jedes zweite kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen zwei und zehn Millionen Euro ist bereits direkt oder als Zulieferer im Export tätig.[73]

Angesichts der Globalisierung, des demografischen Wandels mit wachsenden Fachkräfteengpässen und der Energiewende müssen Unternehmen passende Lösungen und Strategien entwickeln. Mittelständische Unternehmen stehen vielfach aufgrund ihrer Größe und ihrer Führungs- und Beschäftigungsstruktur vor besonderen Herausforderungen.[74] Gleichzeitig gehört die Unternehmensnachfolge für viele mittelständische Unternehmen zu den zentralen Herausforderungen. Vielen Unternehmern gelingt es nur schwer, die Nachfolgeregelung im Unternehmen problemlos zu lösen. Die KfW schätzt, dass bis 2017 noch rund 580.000 mittelständische Unternehmen vor dem Generationswechsel stehen.[75] Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die große Bedeutung des Mittelstandes in der deutschen Wirtschaft und die zentralen Herausforderungen erkannt. Mit einem im Jahr 2015 veröffentlichten Aktionsprogramm mit zehn Handlungsfeldern soll der Mittelstand angesichts der Herausforderungen stark und innovativ bleiben.[76] Neben den angesprochenen Problemen der Fachkräfteengpässen und der Unternehmensnachfolge zielt das Aktionsprogramm explizit auf die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung ab, da der Zugang zu geeigneten Finanzierungsmodellen vor allem für mittelständische Unternehmen weiterhin eingeschränkt bleibt.[77] Ein ausreichendes Kreditangebot zu angemessenen Konditionen ist für kleine und mittlere Unternehmen besonders wichtig.

3.3 Finanzierungsquellen des Mittelstandes

Bei der Unternehmensfinanzierung wird grundsätzlich zwischen der Herkunft des Kapitals (Innen- bzw. Außenfinanzierung) und der Rechtsstellung der Kapitalgeber (Eigen- bzw. Fremdfinanzierung) unterschieden.[78] In der folgenden Grafik sind die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten skizziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11 : Systematisierung der Unternehmensfinanzierung [79]

Eigen- wie auch Fremdkapitalfinanzierungen können sowohl in der Innen- als auch in der Außenfinanzierung abgebildet werden. Ausschlaggebender ist die Herkunft des Kapitals. Außerdem sind auch sogenannte Mezzanine-Finanzierungen möglich, die eine Mischform aus Fremd- und Eigenkapital darstellen.[80] Die Zuordnung nach der Rechtsstellung hängt von der jeweiligen Ausgestaltung des Finanzierungsinstrumentes ab und erfährt nach und nach zunehmende Bedeutung. Für internationale Fondsanbieter sowie Private Equity ist der deutsche Mittelstand ein bevorzugtes Ziel geworden.[81] Die Entscheidung über die Art der Finanzierung schlägt sich unmittelbar auf die Kapitalstruktur, wie beispielsweise der Eigenkapitalquote und der Kreditwürdigkeit, des Unternehmens aus.

Traditionell erfolgt die Finanzierung mittelständischer Unternehmen zum einen aus Mitteln der Innenfinanzierung, z.B. durch Thesaurierung der Gewinne, und zum anderen aus der Kreditfinanzierung über Banken, als Form der Außenfinanzierung.[82] Dabei ist der Hausbankkredit bei niedriger Eigenkapitalquote das typische Finanzierungsmuster kleiner und mittlerer Unternehmen.[83] Es beruht auf einer langfristigen und auf persönlichen Beziehungen angelegten Verbindung zwischen Unternehmen und Banken. Dabei erhalten Banken einen guten Einblick in die Unternehmenslage, in die finanziellen Verhältnisse des Unternehmens und in die Qualität des Managements. Dieses in Deutschland etablierte Modell hatte zur Folge, dass der Zugang zu Bankkrediten leichter und günstiger war als in vielen anderen Ländern der EU. Aufgrund des hohen Wettbewerbs zwischen den Banken und öffentlichen Förderinstrumenten waren langfristige Bankkredite oftmals günstig. Die starke Bindung des einzelnen Unternehmens an die Hausbank wird unter anderem dadurch deutlich, dass sich durchschnittlich etwa 75 Prozent der gesamten Verschuldung eines kleinen bis mittelgroßen Unternehmens auf die Hausbank konzentriert.[84] Vor allem die räumliche Nähe von Sparkassen und Genossenschaftsbanken begünstigt den persönlichen Kontakt sowie den Aufbau einer langfristigen Geschäftsbeziehung. Je nach Größe des Unternehmens unterhalten diese teilweise nur eine aktive Bankverbindung.

Nicht zuletzt durch die Bankenkrise aus dem Jahr 2008 und der Einführung von Basel II und III haben sich die Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten deutlich verschärft. Angesichts der gestiegenen Anforderungen an die Kreditvergabe und der Möglichkeit, Einzelrisiken durch eingeführte Ratingsysteme besser beurteilen zu können, sind die Kreditinstitute kosten- und risikobewusster geworden. Sie fordern auch von kleinen- und mittelständischen Unternehmen aussagekräftigere Informationen zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und oftmals mehr Sicherheiten als in der Vergangenheit. In Beobachtungen zur ifo-Kredithürde ist aber auch zu beobachten, dass der Zugang zu Bankkrediten für kleine Unternehmen oftmals schwieriger ist, als für mittlere bis große Unternehmen.[85] Je mehr Professionalität durch interne Abteilungen in einem Unternehmen zur Verfügung stehen, desto besser können die gestiegenen Anforderungen der Banken bedient werden. Insgesamt ist der Zugang zu Bankkrediten in Deutschland derzeit gut und der Bankkredit weiterhin von hoher Bedeutung.[86]

„Der Bankkredit ist damit die bedeutendste Quelle für die Fremdfinanzierung für Unternehmen in Deutschland.“[87] Die Bedeutung von Schuldverschreibungen für kleine und mittlere Unternehmen als Finanzierungsinstrument ist in Deutschland dagegen gering. Eine direkte Finanzierung über den Kapitalmarkt war daher aufgrund des guten Zugangs zu Bankkrediten und der engen Bindung an die Hausbank für mittelständische Unternehmen in der Vergangenheit keine Option, so dass dieser Bereich als unterentwickelt gilt.[88] Für Unternehmen mit bis zu 50 Millionen Euro Jahresumsatz, deren durchschnittlicher Finanzierungsbedarf bei 150.000 – 200.000 Euro liegt, stehen die Kosten zur Ausgabe von Mittelstandsanleihen in keinem Verhältnis zu möglichen Zinsersparnissen.[89] Vorhandene Intransparenz bei kleineren, familiengeführten Unternehmen führen zu einer eingeschränkten Risikobewertung von externen Investoren. Schlechtere Finanzierungskonditionen bis zu einer Zurückhaltung von Kapital sind die Folge für diese Unternehmen. Damit unterscheiden sich die Finanzierungsoptionen deutlich von derjenigen großer oder konzerngebundener Unternehmen, die auf dem Kapitalmarkt oder einer unternehmensgruppeninternen Finanzierung zugreifen können.

Vor allem Familienunternehmen sind darauf bedacht, ihren unternehmerischen Einfluss mit der Wahl der Finanzierungsinstrumente nicht zu gefährden. Unterschiedliche Finanzierungsquellen sind je nach Unternehmensgröße gewollt, es werden aber die Instrumente bevorzugt, die dem Finanzierungsgeber keine Mitspracherechte einräumen. Beteiligungskapital sowie Mezzanine-Kapital sind bei der klassischen Finanzierung von bestehenden Mittelständlern daher oftmals von untergeordneter Rollen. Bei Finanzierungen von Existenzgründern und Startups gelten dagegen andere Prioritäten. Um einen Ausgleich der strukturellen Nachteile von mittelständischen Unternehmen zu erreichen, bieten verschiedene öffentliche Förderungseinrichtungen den Unternehmen eine günstige Finanzierung sowie insgesamt einen besseren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, durch beispielweise einer Risikoübernahme, an. Hierbei handelt es sich um staatliche Eingriffe zugunsten des Mittelstandes, um den Wettbewerb mit großen Unternehmen intakt zu halten. Die in Deutschland größte Einrichtung zur Begleitung von Mittelstandsfinanzierungen ist die KfW Mittelstandsbank. Weitere staatliche Institutionen einzelner Bundesländer sind beispielsweise mit der NBank Investitions- und Förderbank Niedersachsen GmbH oder mit der Hamburgischen Investitions- und Förderbank vorhanden, die eng mit der KfW zusammenarbeiten.

4 Förderinstrumente der KfW Mittelstandsbank

Staatliche Eingriffe in einen privatwirtschaftlichen Wettbewerb bedürfen einer Begründung. Nur wenn Marktversagen vorliegt, sind Staatseingriffe auch zu befürworten.[90] Diese sind im Wesentlichen bei dem Unterschied der Unternehmensgröße vorhanden. Die KfW hat mit ihrem Geschäftsbereich der „KfW Mittelstandsbank“ die Aufgabe, im staatlichen Auftrag Fördermaßnahmen in Form günstiger Finanzierungen oder Haftungsübernahmen, vor allem für Existenzgründer, Freiberufler und kleinen und mittleren Unternehmen, durchzuführen.[91] Dabei spielen sowohl langfristige Förderdarlehen als auch innovative Förderinstrumente wie beispielsweise Mezzanine-Kapital und Beteiligungsfinanzierungen eine Rolle.[92] Außerdem werden Zuschüsse für die qualifizierte Beratung von Existenzgründern und Unternehmen vergeben. Vermehrt werden auch Themen des betrieblichen Umweltschutzes und der Energieeffizienz von der Mittelstandsbank in die Förderprogramme integriert, welche zuvor ausschließlich von der Privatkundenbank aufgegriffen wurden. Die Themenbereiche Umweltschutz und Energieeffizienz werden in der folgenden Ausführung nicht gesondert behandelt, da hierbei keine spezielle Förderung der kleinen und mittleren Unternehmen gegenüber Großunternehmen vorliegt.

„Als Tatbestände des Markversagens im Hinblick auf die kleinen und mittleren Unternehmen sind wettbewerbspolitische Gründe, Informationsasymmetrien und positive externe Effekte zur Rechtfertigung einer speziellen Mittelstandsförderung zu nennen.“[93] Insbesondere eine hohe Wettbewerbsintensität kann nur gewährleistet werden, wenn der Markt nicht nur von wenigen großen Unternehmen beherrscht wird, sondern auch von einer Vielzahl an leistungsfähigen kleinen und mittleren Unternehmen stetig neu belebt wird. „Die Mittelstandsförderung der KfW knüpft an den Folgen des Marktversagens an und versucht, die bestehenden Nachteile kleiner und mittlerer Unternehmen bei der Finanzierung auszugleichen.“[94] Dabei pflegt die KfW Mittelstandsbank ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Hausbanken. Als durchleitende Kreditinstitute führen diese die Bonitätsprüfung durch und übernehmen in der Regel die Haftung gegenüber der KfW.[95]

[...]


[1] o.V. (2010): S. 3.

[2] Vgl.: Eigener Textbeitrag, Abschnitt 3.2.

[3] Vgl.: Eigener Textbeitrag, Abschnitt 2.1.

[4] Vgl.: Ebenda.

[5] Vgll: Eigener Textbeitrag, Abschnitt 4.

[6] Vgl.: Specht, F. / Wocher, M. (2016): Start-ups – Fördermittel für Gründer, Handelsblatt v. 26.07.2016.

[7] Specht, F. / Wocher, M. (2016): Start-ups – Fördermittel für Gründer, Handelsblatt v. 26.07.2016.

[8] Schröder, U. (2014): Modell der KfW wurde international zum Vorbild, Abruf vom 11.07.2016.

[9] Vgl.: KfW (2013a): Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Abruf vom 22.04.2016.

[10] Vgl.: Harries, H. (1998): S. 1.

[11] Vgl.: Ebenda.

[12] Bizone oder Vereinigtes Wirtschaftsgebiet ist die Bezeichnung für den Teil Deutschlands, der nach dem Zweiten
Weltkrieg der US-amerikanischen und der britischen Besatzungsmacht unterstellt war.

[13] Vgl.: Harries, H. (1998): S. 14.

[14] Vgl.: Harries, H. (1998): S. 18.

[15] Vgl.: Harries, H. (1998): S. 14.

[16] US-Hilfeprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg für die besetzten Länder Japan, Österreich und die von den Alliierten

besetzten Zonen in Deutschland.

[17] Vgl.: Harries, H. (1998): S. 31.

[18] Vgl.: Harries, H. (1998): S. 36.

[19] Vgl.: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, Abruf vom 22.04.2016.

[20] Vgl.: Ebenda.

[21] Vgl.: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, S. 5, Abruf vom 23.04.2016.

[22] Vgl.: KfW (2013a): Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Abruf vom 22.04.2016.

[23] Vgl.: KfW (2016b): Gemeinsam stark, Abruf vom 22.04.2016 sowie Carsten, M. / Abraham, N. (2009): S. 51.

[24] Vgl.: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, S. 21, Abruf vom 23.04.2016.

[25] Vgl.: KfW (2013b): KfW-Verordnung in Kraft getreten, Abruf vom 22.04.2016.

[26] Vgl.: KfW (2013a): Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Abruf vom 22.04.2016.

[27] Vgl.: KfW (2013a): Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, Abruf vom 22.04.2016.

[28] Vgl.: Ebenda.

[29] Vgl.: Ebenda.

[30] Vgl.: KfW (2015a): KfW im Überblick – Zahlen und Fakten, Abruf vom 22.04.2016.

[31] Vgl.: Ebenda.

[32] Vgl.: Ebenda.

[33] Vgl.: KfW (2016c): KfW im Überblick – Zahlen und Fakten, Abruf vom 23.04.2016.

[34] Vgl.: Paul, H. (2015): Geld für den Investitionsfonds, Abruf vom 20.04.2015.

[35] Eigene Abbildung in Anlehnung an: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, S. 2, Abruf vom 23.04.2016.

[36] Vgl.: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, Abruf vom 23.04.2016.

[37] KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, Abruf vom 22.04.2016.

[38] Vgl.: Eigene Abbildung in Anlehnung an: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, S. 9-14, Abruf vom 23.04.2016.

[39] Vgl.: KfW (2016c): KfW im Überblick – Zahlen und Fakten, Abruf vom 22.04.2016.

[40] Vgl.: Ebenda.

[41] Eigene Abbildung in Anlehnung an: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, S. 9-14, Abruf vom 23.04.2016.

[42] Vgl.: KfW (2016c): KfW im Überblick – Zahlen und Fakten, S. 6, Abruf vom 22.04.2016.

[43] Vgl.: KfW (2016b): Die KfW stellt sich vor, S. 9., Abruf vom 22.04.2016.

[44] Vgl.: Langer, C. / Eschenburg, K. / Eschbach, R. (2013): S. 5.

[45] Vgl.: Goeke, M. (2008): S. 9.

[46] Vgl.: Welter, F. (2014): S. 6.

[47] Vgl.: BMWi (2016a): Politik für den Mittelstand, Abruf vom 23.04.2016.

[48] Herzinger, T. (2010): Seite 5.

[49] Vgl.: Welter, F. (2014): S. 6 sowie Wolf, J. / Paul, H. / Zispe, T. (2009): S. 157.

[50] Vgl.: KfW (2012): KMU-Definition, Abruf vom 16.05.2015.

[51] Vgl.: IfM/Bonn (2016a): KMU-Definition des IfM Bonn, Abruf vom 23.04.2016.

[52] Vgl.: KfW (2012): KMU-Definition, Abruf vom 16.05.2015.

[53] Vgl.: IfM/Bonn (2016a): KMU-Definition des IfM Bonn, Abruf vom 23.04.2016.

[54] Vgl.: Welter, F. (2014):, S. 6.

[55] Vgl.: Ifm/Bonn (2016b): Mittelstandsdefinition des IfM Bonn, Abruf vom 23.04.2016.

[56] BMWi (2016a): Politik für den Mittelstand, Abruf vom 23.04.2016.

[57] Vgl.: BMWi (2016a): Politik für den Mittelstand, Abruf vom 23.04.2016.

[58] Vgl.: Söllner, R. (2014): Die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland, Abruf vom 16.05.2015.

[59] Vgl.: Statistisches Bundesamt (2016a): Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen, Abruf vom 23.04.2016.

[60] Vgl.: Bundesministerium für Wirtschaft (2015): Wirtschaftsmotor Mittelstand, S. 2

[61] Vgl.: IfM/Bonn (2016c): Mittelstand im Überblick, Abruf vom 23.04.2016.

[62] Vgl.: BMWi (2014a): S. 6.

[63] Vgl.: Statistisches Bundesamt (2016b): Jugendarbeitslosigkeit in der EU, Abruf vom 23.04.2016.

[64] Vgl.: Statistisches Bundesamt (2016a): Kleine und mittlere Unternehmen, Abruf vom 23.04.2016.

[65] Statistisches Bundesamt (2016a): Kleine und mittlere Unternehmen, Abruf vom 23.04.2016.

[66] Der breiten Öffentlichkeit unbekannte Unternehmen, die in ihrem Markt Weltmarktführer sind

[67] BMWi (2014a): S. 8.

[68] Deutsche Welle (2012): Hidden Champions in Deutschland, Abruf vom 23.04.2016.

[69] BMWi (2014a): S. 9.

[70] Vgl.: BMWi (2015b): S. 2.

[71] Vgl.: Rammer, C. (2015): Hidden Champions in Deutschland, 11.06.2015.

[72] Vgl.: Ulrich, K. (2012): Hidden Champions in Deutschland, Abruf vom 23.04.2016.

[73] Vgl.: BMWi (2014a): S. 9.

[74] Vgl.: DSGV (2016): S. 7-8.

[75] Vgl.: BMWi (2015b): S. 4.

[76] Vgl.: Ebenda.

[77] Vgl.: BMWi (2015b): S. 2-3.

[78] Vgl.: IfM/Bonn (2015) S. 3.

[79] Vgl.: Ebenda.

[80] Vgl.: Goeke, M. (2008): S. 135.

[81] Vgl.: Goeke, M. (2008): S. 137.

[82] Vgl.: DSGV (2016): S. 52-53.

[83] Vgl.: Kienbaum / Börner (2012): S. 12.

[84] Vgl.: Kolbeck / Wimmer (2002): S. 38.

[85] Vgl.: IfM/Bonn (2015): S. 20.

[86] Vgl.: IfM/Bonn (2015): S. V.

[87] IfM/Bonn (2015): S. 22.

[88] Vgl.: Klaus, P. (2008): S. 196.

[89] Vgl. DSGV (2015): S. 22-23.

[90] Vgl.: Klaus, P. (2008): S. 198.

[91] Vgl.: Carsten, M. / Abraham, N. (2009): S. 51-52.

[92] Vgl.: Wolf, J. / Paul, H. / Zispe, T. (2009): S. 159.

[93] Klaus, P. (2008): S. 198.

[94] Klaus, P. (2008): S. 199.

[95] Vgl.: KfW (2016a): Die KfW stellt sich vor, Abruf vom 22.04.2016.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Förderinstrumente der KfW Mittelstandsbank. Bedeutung für mittelständische Unternehmen in Deutschland
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
52
Katalognummer
V368926
ISBN (eBook)
9783668480445
ISBN (Buch)
9783668480452
Dateigröße
1600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, Mittelstand, Mittelstandsförderung, KMU, HiddenChampions, Mittelstandsbank, Gründung, Unternehmensgründung, Nachfolge, Beteiligungskapital, Nachrangkapital, ERP, Marshallplan
Arbeit zitieren
Nils Sumfleth (Autor), 2016, Förderinstrumente der KfW Mittelstandsbank. Bedeutung für mittelständische Unternehmen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368926

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