Die Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher innerhalb ihrer Familien und ein Beispiel interkulturellen Lernens im Deutschunterricht


Hausarbeit, 2004
44 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitsmigration der türkischen Bevölkerung in die Bundesrepublik Deutschland

3. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft innerhalb ihrer Familien
3.1 Begriffsbestimmung `Sozialisation`.
3.2 Die Auswirkungen der Migration auf die türkische Familienstruktur
3.2.1 Bedeutung für die Sozialisation
3.3 Wohnsituation
3.3.1 Wohnsituation als Hindernis
3.4 Familie und Schule
3.5 Konflikte bedingt durch die Sozialisation in Familie und deutscher Gesellschaft
3.6 Identität zwischen zwei Kulturen

4. Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht
4.1 Interkulturelles Lernen- Verwendete Begriffe
4.2 Interkulturelle Erziehung und Bildung in der Schule
4.3 Ziele und Aufgaben Interkultureller Erziehung und Bildung
4.4 Sprichwörter als kulturelle Brücke im Unterrichtsfach Deutsch
4.4.1 Begründung des Einsatzes im Unterricht
4.4.2 Sachanalyse
4.4.3 Didaktische Analyse
4.4.4 Die Unterrichtsziele
4.4.5 Methodische Überlegungen
4.4.6 Detaillierte Beschreibung der Unterrichtsstunde: Deutsche und türkische Sprichwörter- kennen/ erkennen/ verstehen

5. Schluss

Anhangsverzeichnis

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufgrund der Anwerbeabkommen die Deutschland zunächst mit Italien und unter anderem 1961 mit der Türkei getroffen hat, sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Menschen nach Deutschland emigriert. Heute leben ca. 1,2 Mio. Türken in diesem Land und betrachten es als ihr „Zuhause“.[1] Dieses Leben zwischen zwei Kulturen ist verbunden mit unterschiedlichen Chancen und Schwierigkeiten. Besonders die Kinder und Jugendlichen türkischer Herkunft sind mit der Bewältigung der sich widersprechenden Anforderungen konfrontiert, die das türkische sowie das deutsche Normen- und Wertesystem an sie stellt.

Ziel meiner Arbeit ist es, die Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher innerhalb ihrer Familie zu erläutern. Ferner soll die interkulturelle Erziehung und Bildung in der Schule als eine Möglichkeit vorgestellt werden, Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft eine

pädagogische Hilfestellung zum Aufbau von Handlungsfähigkeit in zwei Kulturen zu geben. Vor diesem Hintergrund wird ein Beispiel interkulturellen Lernens im Deutschunterricht dargestellt.

Aus dieser Zielsetzung heraus wird im zweiten Kapitel darüber berichtet, wie Deutschland sich zu einem Einwanderungsland entwickelt hat und aus dem türkischen Arbeitsmigranten ein Einwanderer wurde.

In dem dritten Kapitel geht es um die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft innerhalb ihrer Familie. Es wird untersucht, welchen Sozialisationsbedingungen die Entwicklung ihrer Identität unterliegt.

Im weiteren Verlauf der Arbeit geht es um das Interkulturelle Lernen im Unterrichtsfach Deutsch. Zunächst wird in diesem Kapitel der Begriff Interkulturelles Lernen definiert. Weiterhin geht es um die Ziele und Aufgaben Interkultureller Erziehung und Bildung. Im Anschluss folgt das Kapitel `Sprichwörter als kulturelle Brücke im Unterricht. Hier wird die Unterrichtsstunde `Deutsche und türkische Sprichwörter- kennen/ erkennen/ verstehen` als Beispiel interkulturellen Lernens vorgestellt.

2. Arbeitsmigration der türkischen Bevölkerung in die Bundesrepublik Deutschland

Historisch gesehen war Deutschland bis ins frühe 20. Jahrhundert ein Auswanderungsland. In dem Zeitraum von 1800-1930 verließen ungefähr 7 Mio. Deutsche aus materiellen oder politischen Gründen ihre Heimat.[2] Auch während des ersten Weltkrieges spielte die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte nur eine geringe Rolle. Um die Kriegswirtschaft zu ermöglichen, wurden Millionen von Menschen als „Fremdarbeiter“ angeworben oder zu Zwangsarbeitern gemacht. Diese Form der Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften stellte das Muster für die folgende Arbeitspolitik dar, denn sie setzte an den Bestimmungen der nationalsozialistischen Ausländergesetzgebung an.[3]

Der Entschluss, Arbeitskräfte aus den Mittelmeerländern anzuwerben, wurde in der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs getroffen, in der eine Nachfrage an Arbeitskräften eintrat, die durch die inländischen Reserven nicht gedeckt werden konnte. Die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte begann im Jahre 1955 mit dem deutsch-italienischen Anwerbeabkommen, das für die folgenden Abkommen über Anwerbung mit anderen Ländern das Muster abgab.[4] Anfang der sechziger Jahre hielt das Wirtschaftswachstum mit dem Bau der „Mauer“ und dem Ausbleiben des Zustroms von Flüchtlingen aus der DDR an. Es folgten in dem Zeitraum von 1955 bis 1968 mehrere Anwerbeabkommen: Spanien (1960), Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).[5]

Die Einwanderungsgeschichte türkischer Arbeitsmigranten begann am 30.10.1961 mit dem Anwerbabkommen zwischen der BRD und der Türkei. Die bundesdeutsche Wirtschaft war angewiesen auf ihre Arbeitskräfte und die türkischen Arbeitsmigranten erhofften sich die Verbesserung ihres eigenen Lebensstandards. Doch die deutsch-türkische Migrationsgeschichte begann mit dem Missverständnis des begrenzten Aufenthaltes der Arbeitsmigranten, welches durch die Bezeichnung „Gastarbeiter“ verdeutlicht wird. Als die Ölkrise 1973 zu einer Wandlung der wirtschaftlichen Situation der Bundesrepublik führte, entwickelten sich die ausländischen Arbeitskräfte zu einer Belastung für den Arbeitsmarkt. Es wurde eine Anwerbestopp veranlasst, welcher nicht den gewünschten Effekt hatte. 1974 ließ die Bundesregierung die Familienzusammenführung bei ausländischen Ehepartnern und Kindern unter 18 Jahren zu. Dies wurde von den Türken besonders genutzt, da aufgrund der Rezession strengere Regelungen zur Familienzusammenführung befürchtet worden sind. Diese Befürchtung war nicht unbegründet, denn im Dezember 1981 wurde das Nachzugsalter von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt.[6]

In der Phase der Familienzusammenführung zwischen 1974 und 1981 änderte sich die Struktur der ausländischen Bevölkerung. Bis zu dem Anwerbestopp waren vor allem junge Männer im besten erwerbsfähigem Alter nach Deutschland gekommen[7]. Nun kamen Ehefrauen und vor allem viele Jugendliche in die BRD. Die schulische und berufliche Eingliederung dieser jungen Menschen stellte eine neue Herausforderung dar. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt die Gastarbeiter außerhalb der Gesellschaft in Arbeiterwohnheimen untergebracht worden waren, traf man sie nun auch in den Bildungsinstitutionen an. Die sozialen Prozesse, die der Familiennachzug in Gang gesetzt hatte, wurden deutlich und man begriff, dass die Ausländer nicht mehr nur in Deutschland arbeiten, sondern auch leben wollten.[8] Mit diesen Ereignissen stieg auch die Aufenthaltsdauer der Türken in Deutschland. Im Jahre 1980 waren 66,2% der türkischen Arbeitsmigranten bereits länger als zehn Jahre in der Bundesrepublik. Seit dieser Zeit, welche auch als die Phase der faktischen Niederlassung bezeichnet wird, bilden die türkischen Staatsangehörigen einen festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft.

Im Jahre 2002 lebten genau 1 912, 2 Mio. Türken in Deutschland und bildeten mit 28% aller in Deutschland lebenden Ausländer, die größte ausländische Gruppe in Deutschland.[9] Die folgende Grafik stellt die Aufenthaltsdauer der türkischen Bevölkerung in Deutschland dar.

Abbildung 1: Aufenthaltsdauer der türkischen Bevölkerung am 31. Dezember 2002

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Bundesverwaltungsamt. Aufenthaltsdauer der ausländischen Bevölkerung. 12/02

Die Grafik veranschaulicht, dass der größte Anteil der türkischen Bevölkerung einen Aufenthalt von 20Jahren und länger in Deutschland hat. Viele Gastarbeiter der ersten Generation sind also länger in Deutschland geblieben als geplant. Die Hoffnung auf die Rückkehr in die Heimat ist immer noch Bestandteil des Lebens dieser Menschen. Die „Heimkehr“ wurde immer weiter in die Zukunft verschoben, um bei Kindern und Enkelkindern bleiben zu können, die sich in Deutschland ihre Existenz aufgebaut und sich für ein Leben in diesem Land entschieden haben. Ein weiterer Grund für den Verbleib, sind die Entwicklungen in der Türkei. Seit der Migration der ersten Generation, hat sich die Türkei sehr verändert. Für viele Arbeitsmigranten, welche den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Wandel nicht miterlebt haben, ist ihr Herkunftsland fremd geworden. So halten sie fest an Traditionen und ihren idealisierten Vorstellungen, die einen Schutzraum bilden. Wenn das Herkunftsland fremd geworden und das Aufnahmeland fremd geblieben ist, wird eine doppelte Fremdheitserfahrung gemacht und dies beeinflusst die Entscheidung, auch den Lebensabend in Deutschland bei den eigenen Kindern und Enkelkindern zu verbringen[10] So sind einige der Arbeitsmigranten der ersten Generation bis zur Erreichung ihres Rentenalters in Deutschland geblieben, einige werden sogar hier begraben werden.[11] Aus den Gastarbeitern wurden de facto Einwanderer und aus der BRD ein Einwanderungsland wider Willen.

3. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft innerhalb ihrer Familien

3.1 Begriffsbestimmung Sozialisation

Den meisten Sozialisationskonzepten sind die Individuum-Umwelt-Beziehungen gemeinsam. Die Frage: Wie und warum aus einem Neugeborenem ein autonomes, gesellschaftliches Subjekt wird, steht im Vordergrund. Nach Durkheim bringt der Mensch von Geburt an zunächst nur seine Physis mit und auf spätere Eigenschaften nur unbestimmte Dispositionen. Er bezeichnet den Säugling als eine Tabula rasa. Es müsse auf das gesellschaftliche Leben erst vorbereitet, vergesellschaftet, d.h. sozialisiert werden.[12] „In diesem Zusammenhang wird „Sozialisation“ als ein lebenslanger Lernprozess verstanden, in dem das Individuum in Auseinandersetzung mit seiner sozioökologischen Umwelt sozialrelevantes Verhalten erlernt und sich unter den sozioökologischen Umweltbedingungen sozialrelevante Verhaltensmuster aneignet.“[13]

Die Sozialisation ist somit ein lebenslanger Prozess, in dessen Verlauf die Identität eines Menschen gebildet wird. Nach dem interaktionistischen Ansatz von Mead lernt und übernimmt das in die Umwelt hineinwachsende Individuum durch Interaktion und Auseinandersetzung die Normen und Werte der Gesellschaft. Diese Verinnerlichung der Rollenerwartungen wird als Sozialisationsprozess verstanden und ist entscheidend für die Entwicklung der Identität und der Übernahme von sozialen Rollen. Das Individuum hat jedoch auch eigene Erwartungen, werden diese nicht berücksichtigt, wird der Prozess ergebnislos bleiben. Es sei denn, es handelt sich um eine absolute Anpassung. Es wird zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Sozialisation unterschieden. Die primäre Sozialisation findet innerhalb der Familie statt. Die Hauptfelder der sekundären Sozialisation sind Kindergärten und Schule. Neben Familie, Kindergarten und Schule kommen die Gruppen der Gleichaltrigen und nehmen als dritte Sozialisationsinstanz eine wichtige Funktion ein.[14]

Die Identitätsbildung zwischen zwei Welten bezeichnet Nieke als eine Aufrechterhaltung der Identitätsbalance zwischen zwei Kulturen.[15] Auch Weber beschreibt die Konfrontation mit unterschiedlichen Wertmaßstäben der Sozialisationsinstanz Familie einerseits und Schule und deutsche Gleichaltrige andererseits als einen „doppelten Balanceakt.“[16] Haußer spricht von einer Situation zwischen Doppelleben und dem inneren Zwiespalt der durch die Verpflichtung gegenüber beider Kulturen und Lebensbereichen entsteht.[17] Azizefendioglu verdeutlicht das Ausmaß der schwierigen Sozialisationsbedingungen durch seine Benennung der Kinder und Jugendliche der zweiten Generation als „türkisch-deutsche“ und die der dritten Generation als „deutsch-türkische“. Durch diese Betitelungen kennzeichnet er die Bikulturalität der Kinder und Jugendlichen und erklärt die Doppelbelastungen denen sie unterliegen, weil sie sich in unterschiedlichen Gesellschaftsformen zurechtfinden müssen. Da sie in beiden Gesellschaften nicht volle Akzeptanz erlangen, machen sie die Erfahrung einer doppelten Ablehnung.[18]

Die Schwierigkeiten, denen die Kinder und Jugendlichen in der Migration ausgesetzt sind, werden verstärkt durch die schichtspezifischen Benachteiligungen. Die Lebensbedingungen der meisten ausländischen Arbeitnehmer sind gekennzeichnet durch Benachteiligung im sozioökonomischen und rechtlichen Bereich. Die ausländischen Arbeitnehmer befinden sich somit in einer ähnlichen materiell-ökonomischen Situation wie die deutsche Arbeiterschicht, unterscheiden sich von ihnen aber durch die zusätzlichen Defizite in den politischen und sozialen Teilnahmechancen.[19]

3.2 Die Auswirkungen der Migration auf die türkische Familienstruktur

Um sich gesund zu entwickeln, braucht ein Kind besonders im frühen Kindesalter, Geborgenheit, Zuwendung und Sicherheit. In diesem Altersabschnitt spielt die familiäre Erziehung eine wichtige Rolle.

Akgün beschreibt die Migrantenfamilie in Westeuropa, als eine Familie im Übergang. Diese entstammt meist ländlich-bäuerlichen Lebensbedingungen. Die Familienstruktur ist bestimmt durch die Faktoren: Großfamilie mit patriarchalischen Bindungen, hohe Geburtenrate und einem niedrigen Status der Frau. Gegenseitige Abhängigkeit der Familienmitglieder, enge Familien– und Gruppenbindungen und die Bevorzugung männlicher Nachkommen gelten als gesellschaftliche Werte. In der Migration begegnet die Familie der Lebensform der westlichen Gesellschaft. Diese Lebensform ist bestimmt durch Industrie und Technik und die Familienstruktur durch eine Kernfamilie, eine niedrige Geburtenrate und einen hohen Status der Frau. Charakteristische Merkmale der westlichen Wohlstandsgesellschaft sind Werte wie Unabhängigkeit des Individuums, Selbstverwirklichung und Individualität. Die Familie in der Migration befindet sich in einem Übergang zwischen diesen beiden gegensätzlichen Lebensformen.[20]

Beeinflusst durch die Migration verändern sich die Lebensbindungen der türkischen Familien. Ihr Leben wird bestimmt durch Verstädterung, Industrie und Technik und einem steigenden Lebensstandard. Die Migranten haben andere Konsumgewohnheiten als die Aufnahmegesellschaft, da sie ein Teil ihres Einkommens dazu benutzen, landwirtschaftliche Güter oder Immobilien in der Türkei anzuschaffen. Was von der Aufnahmegesellschaft als Geiz wahrgenommen wird, beinhaltet den Wunsch nach Sicherheit und Rückkehr in die Heimat. Weitere Veränderungen der Familienstruktur sind eine abnehmende Geburtenrate und ein steigender Status der Frau. Die Familie unterliegt dem Einfluss der Aufnahmegesellschaft und der Ursprungsgesellschaft und die gesellschaftlichen Werte sind dadurch zunehmend bi-kulturell gefärbt.[21]

Azizefendioglu bewertet die Veränderungen der Familiensituation als positiv. Ein wirtschaftlicher Aufstieg des Gastarbeiters, die Abgrenzung von Ghettos und die Einrichtung der Wohnung an den Wünschen ihrer Kinder sei zu beobachten. Besonders Migrantenfamilien der zweiten Generation, sind durch den sozialen Prozess der Wanderung ins Ausland toleranter und pluralistischer geworden.[22]

3.2.1 Bedeutung für die Sozialisation

Es wurde beschrieben, dass die türkische Familie in der Migration sich zwischen entgegengesetzen Werten und Normen ihrer Herkunftsgesellschaft und denen der westlichen Welt befindet. Lajios beschreibt die spezifischen Lebensbedingungen der ausländischen Familie als eine belastende Wirkung auf die primäre Sozialisation der Kinder.[23]

Akgün bewertet die Sozialisationsprozesse in der türkischen Familie als heimatorientiert (kulturspezifisch), da die Familienstruktur mit Rollenverteilung und Funktionen, Wertorientierung und Erziehungspraktiken der Eltern außerhalb des westeuropäischen Kulturkreises geprägt worden sind. Die isolierte Familie klammert sich stärker an traditionsgebundene Erziehungsmuster. Daher orientiert sich das Erziehungsverhalten an traditionellen Strukturen, erhält in der Aufnahmegesellschaft jedoch Risse. Dies verunsichert das Verhalten der Eltern und beeinträchtigt die Erziehung ihrer Kinder. Die Einstellung der Eltern bezüglich der Zukunft ihrer Kinder ist geprägt von hohen Erwartungen als Gegenleistung für die Kosten der Migration. Diese wurden akzeptiert um der Familie eine gesicherte Existenz zu ermöglichen. Deshalb sind meist beide Eltern berufstätig und haben bis zum Familiennachzug im Jahre 1974 eine Trennung von ihren Kindern in Kauf genommen. Das Lebensziel der türkischen Eltern in der Migration ist es, dass ihre Kinder eine bessere Bildung und somit einen höheren Status in der Gesellschaft erlangen als sie selber.

3.3 Wohnsituation

Die ersten Türken wohnten in Heimen der sie beschäftigenden Firmen. In der Phase der Familienzusammenführung in den 1970er Jahren, wechselten die Türken auf den freien Wohnungsmarkt und konzentrierten sich dabei auf bestimmte Wohngebiete. Auf diese Weise entstanden in zahlreichen Städten Ghettos. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Der Aufenthaltzweck der Migranten war es, in dem vermeintlich befristeten Aufenthalt eine möglichst hohe Sparrate zu erreichen, um in der Türkei ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu erwerben. So ließen sie sich in Wohngegenden nieder, in der nur eine niedrige Miete gezahlt werden musste. Es wurde auf einen angenehmen Wohnkomfort in der Bundesrepublik verzichtet und auf einen hohen Lebensstandard in der Türkei hinausgearbeitet. Mit der Veränderung der Rückkehrabsichten der Türken änderte sich auch ihr Konsumverhalten. Im Jahre 1980 planten 40 Prozent der Türken, in ihre Heimat zurückzukehren, dieser Anteil sank bis 1993 auf 17 Prozent. Mit dem Beschluss, auch den Lebensabend in der Bundesrepublik zu verbringen, ging die Sparquote der türkischen Familien zurück, während der Konsum zunahm. Das Konsumverhalten hat 1992 die 25- Milliarden Grenze überschritten und 45 000 türkische Staatsangehörige haben bis zu diesem Zeitraum eine Wohnung oder ein Haus in Deutschland erworben, sowie 135 000 einen Bausparvertrag abgeschlossen.

[...]


[1] Vgl: Bundesverwaltungsamt: Aufenthaltsdauer der ausländischen Bevölkerung am 31. Dezember 2002. http://www.integrationsbeauftragte.de/download/datentab11.pdf(16.03.2004).

[2] Vgl. Auernheimer, G.: Einführung in die Interkulturelle Pädagogik. 3. Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2003. S.17

[3] Vgl. Ebd. S.18

[4] Vgl. Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg): Band 410. Bonn 2003. S.36

[5] Vgl. Münz, Rainer / Seifert, Wolfgang / Ulrich, Ralf.: Zuwanderung nach Deutschland. Strukturen, Wirkungen, Perspektiven. Frankfurt/Main; New York: Campus Verlag 1997. S.36

[6] Vgl. Azizefendioglu, Hüseyin: Die Zukunftsperspektiven türkischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschlad. Hrsg. von Guido Schmidt. Herbolzheim: Centaurus Verlag 2000. S.13

[7] Vgl. Königseder, Angelika: Türkische Minderheit in Deutschland. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung. Vorurteile- Stereotype- Feindbilder. Heft 271. Bonn 2001.S.18

[8] Vgl. Azizefendioglu, H.: Die Zukunftsperspektiven türkischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland.

[9] Vgl. Königseder, A.: Türkische Minderheit in Deutschland. S.18

[10] Vgl. Akkaya, Cigdem/ Özbek, Yasemin/ Sen, Faruk: Länderbericht Türkei. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1998. S. 307

[11] Vgl. Münz, R./ Seifert W./ Ulrich R.: Zuwanderung nach Deutschland. S. 65

[12] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Einführung in die Sozialisationstheorie. Über den Zusammenhang von Sozialstruktur und Persönlichkeit. 3. Aufl. Weinheim und Basel: Beltz 1990. S.13ff.

[13] Azizefendioglu, H.: Die Zukunftsperspektiven türkischer Jugendlicher in der Bundesrepublik. S.37

[14] Vgl. Lajios, Konstantin: Familiäre Sozialisations-, soziale Integrations- und Identitäsprobleme ausländischer Kinder und Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland. In: Die zweite und dritte Ausländergeneration. Ihre Situation und Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. von Konstantin Lajios. Hemsbach: Leske+ Budrich 1991. S. 44-45

[15] Vgl. Nieke, Wolfgang: Situation ausländischer Kinder und Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland: Vorschule, Schule, Berufsausbildung, Freizeit, Kriminalität. In: Die zweite und dritte Ausländergeneration. Ihre Situation und Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. von Konstantin Lajios. Hemsbach: Leske+ Budrich 1991. S. 15

[16] Vgl. Weber, Cora: Selbstkonzept, Identität und Integration. Eine empirische Untersuchung türkischer, griechischer und deutscher Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin: VWB- Verlag für Wissenschaft und Bildung 1989. S. 38

[17] Vgl. Haußer, Karl: Identitäspsychologie. Berlin: Springer 1995. S. 178

[18] Vgl. Azizefendioglu, H: Die Zukunftsperspektiven türkischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland. S.38

[19] Vgl. ebd. S.39

[20] Vgl. Akgün, Lale: Psychokulturelle Hintergründe türkischer Jugendlicher in der zweiten und dritten Generation. In: Die psychosoziale Situation von Ausländern in der Bundesrepublik. Integrationsprobleme und seelische Folgen. Hrsg. von Konstantin Lajios. Opladen: Leske + Bundrich 1993. S.57

[21] Vgl. Ebd. S.58

[22] Vgl. Azizefendioglu,, H.: Die Zukunftsperspektiven türkischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland. S. 47-48

[23] Vgl. Lajios, Konstantin: Familiäre Sozialisations-, soziale Integrations- und Identitäsprobleme ausländischer Kinder und Jugendlicher in der Bundesrepublik. S. 44

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher innerhalb ihrer Familien und ein Beispiel interkulturellen Lernens im Deutschunterricht
Hochschule
Universität Lüneburg  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Politische Sozialisation in der Familie als Voraussetzung und Gegenstand Politischer Bildung
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
44
Katalognummer
V36894
ISBN (eBook)
9783638364034
Dateigröße
870 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Hausarbeit mit zahlreichen Literaturangaben, einem exemplarischen Unterritsverlauf, Arbeitsvorschlägen für den Unterricht und einem ausführlich dargestellten theoretischem Hintergrund.
Schlagworte
Sozialisation, Kinder, Jugendlicher, Familien, Beispiel, Lernens, Deutschunterricht, Politische, Familie, Voraussetzung, Gegenstand, Politischer, Bildung
Arbeit zitieren
Havva Yuvali (Autor), 2004, Die Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher innerhalb ihrer Familien und ein Beispiel interkulturellen Lernens im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36894

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