1. Einleitung
Aufgrund der Anwerbeabkommen die Deutschland zunächst mit Italien und unter anderem 1961 mit der Türkei getroffen hat, sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Menschen nach Deutschland emigriert. Heute leben ca. 1,2 Mio. Türken in diesem Land und betrachten es als ihr „Zuhause“. Dieses Leben zwischen zwei Kulturen ist verbunden mit unterschiedlichen Chancen und Schwierigkeiten. Besonders die Kinder und Jugendlichen türkischer Herkunft sind mit der Bewältigung der sich widersprechenden Anforderungen konfrontiert, die das türkische sowie das deutsche Normen- und Wertesystem an sie stellt. Ziel meiner Arbeit ist es, die Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher innerhalb ihrer Familie zu erläutern. Ferner soll die interkulturelle Erziehung und Bildung in der Schule als eine Möglichkeit vorgestellt werden, Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft eine pädagogische Hilfestellung zum Aufbau von Handlungsfähigkeit in zwei Kulturen zu geben. Vor diesem Hintergrund wird ein Beispiel interkulturellen Lernens im Deutschunterricht dargestellt.
Aus dieser Zielsetzung heraus wird im zweiten Kapitel darüber berichtet, wie Deutschland sich zu einem Einwanderungsland entwickelt hat und aus dem türkischen Arbeitsmigranten ein Einwanderer wurde.
In dem dritten Kapitel geht es um die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft innerhalb ihrer Familie. Es wird untersucht, welchen Sozialisationsbedingungen die Entwicklung ihrer Identität unterliegt.
Im weiteren Verlauf der Arbeit geht es um das Interkulturelle Lernen im Unterrichtsfach Deutsch. Zunächst wird in diesem Kapitel der Begriff Interkulturelles Lernen definiert. Weiterhin geht es um die Ziele und Aufgaben Interkultureller Erziehung und Bildung. Im Anschluss folgt das Kapitel `Sprichwörter als kulturelle Brücke im Unterricht. Hier wird die Unterrichtsstunde `Deutsche und türkische Sprichwörter- kennen/ erkennen/ verstehen` als Beispiel interkulturellen Lernens vorgestellt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arbeitsmigration der türkischen Bevölkerung in die Bundesrepublik Deutschland
3. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft innerhalb ihrer Familien
3.1 Begriffsbestimmung `Sozialisation`
3.2 Die Auswirkungen der Migration auf die türkische Familienstruktur
3.2.1 Bedeutung für die Sozialisation
3.3 Wohnsituation
3.3.1 Wohnsituation als Hindernis
3.4 Familie und Schule
3.5 Konflikte bedingt durch die Sozialisation in Familie und deutscher Gesellschaft
3.6 Identität zwischen zwei Kulturen
4. Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht
4.1 Interkulturelles Lernen- Verwendete Begriffe
4.2 Interkulturelle Erziehung und Bildung in der Schule
4.3 Ziele und Aufgaben Interkultureller Erziehung und Bildung
4.4 Sprichwörter als kulturelle Brücke im Unterrichtsfach Deutsch
4.4.1 Begründung des Einsatzes im Unterricht
4.4.2 Sachanalyse
4.4.3 Didaktische Analyse
4.4.4 Die Unterrichtsziele
4.4.5 Methodische Überlegungen
4.4.6 Detaillierte Beschreibung der Unterrichtsstunde: Deutsche und türkische Sprichwörter- kennen/ erkennen/ verstehen
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Sozialisationsbedingungen türkischer Kinder und Jugendlicher in Deutschland, insbesondere das Spannungsfeld zwischen familiären Traditionen und den Anforderungen der Aufnahmegesellschaft, und leitet daraus Ansätze für interkulturelles Lernen im Deutschunterricht ab.
- Sozialisationsprozesse türkischer Migrantenfamilien
- Identitätsbildung zwischen zwei Kulturen
- Interkulturelle Erziehung und Bildung in der Schule
- Sprichwörter als Brücke für interkulturelles Lernen
Auszug aus dem Buch
Die Auswirkungen der Migration auf die türkische Familienstruktur
Akgün beschreibt die Migrantenfamilie in Westeuropa, als eine Familie im Übergang. Diese entstammt meist ländlich-bäuerlichen Lebensbedingungen. Die Familienstruktur ist bestimmt durch die Faktoren: Großfamilie mit patriarchalischen Bindungen, hohe Geburtenrate und einem niedrigen Status der Frau. Gegenseitige Abhängigkeit der Familienmitglieder, enge Familien– und Gruppenbindungen und die Bevorzugung männlicher Nachkommen gelten als gesellschaftliche Werte. In der Migration begegnet die Familie der Lebensform der westlichen Gesellschaft. Diese Lebensform ist bestimmt durch Industrie und Technik und die Familienstruktur durch eine Kernfamilie, eine niedrige Geburtenrate und einen hohen Status der Frau. Charakteristische Merkmale der westlichen Wohlstandsgesellschaft sind Werte wie Unabhängigkeit des Individuums, Selbstverwirklichung und Individualität. Die Familie in der Migration befindet sich in einem Übergang zwischen diesen beiden gegensätzlichen Lebensformen.
Beeinflusst durch die Migration verändern sich die Lebensbindungen der türkischen Familien. Ihr Leben wird bestimmt durch Verstädterung, Industrie und Technik und einem steigenden Lebensstandard. Die Migranten haben andere Konsumgewohnheiten als die Aufnahmegesellschaft, da sie ein Teil ihres Einkommens dazu benutzen, landwirtschaftliche Güter oder Immobilien in der Türkei anzuschaffen. Was von der Aufnahmegesellschaft als Geiz wahrgenommen wird, beinhaltet den Wunsch nach Sicherheit und Rückkehr in die Heimat. Weitere Veränderungen der Familienstruktur sind eine abnehmende Geburtenrate und ein steigender Status der Frau. Die Familie unterliegt dem Einfluss der Aufnahmegesellschaft und der Ursprungsgesellschaft und die gesellschaftlichen Werte sind dadurch zunehmend bi-kulturell gefärbt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Herausforderungen der Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher und führt in das Konzept des interkulturellen Lernens im Deutschunterricht ein.
2. Arbeitsmigration der türkischen Bevölkerung in die Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung Deutschlands vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland und die Situation der Arbeitsmigranten nach.
3. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft innerhalb ihrer Familien: Hier werden die komplexen, oft spannungsgeladenen Sozialisationsbedingungen und Identitätsbildungsprozesse in türkischen Familien analysiert.
4. Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht: Der theoretische und praktische Teil erläutert Ziele, Aufgaben und didaktische Möglichkeiten des interkulturellen Lernens anhand des Beispiels von Sprichwörtern.
5. Schluss: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer interkulturellen Erziehung zur Förderung der gegenseitigen Akzeptanz und Identitätsfindung.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Migration, türkische Familien, Interkulturelles Lernen, Identitätsbildung, Sprichwörter, Deutschunterricht, Akkulturation, Bikulturalität, Migrationspädagogik, interkulturelle Erziehung, Integrationsprobleme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie türkische Kinder und Jugendliche in Deutschland unter dem Einfluss widersprüchlicher Normen ihrer Herkunfts- und Aufnahmekultur sozialisiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der türkischen Familienstruktur im Wandel, der Identitätsbildung in einer bikulturellen Lebenswelt und den pädagogischen Möglichkeiten des interkulturellen Lernens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Sozialisationsbedingungen dieser Kinder zu erläutern und ein konkretes Beispiel interkulturellen Lernens (Sprichwörter) für den Deutschunterricht vorzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Ansätze der Sozialisationsforschung mit fachdidaktischen Konzepten zur interkulturellen Erziehung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Migrationsgeschichte, den Sozialisationsprozess, Hindernisse wie die Wohnsituation und schulische Kontexte sowie den Einsatz von Sprichwörtern als interkulturelle Brücke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialisation, Bikulturalität, Identitätsbildung, Interkulturelles Lernen, Migration und Sprichwörter.
Warum eignen sich Sprichwörter besonders für das interkulturelle Lernen?
Sprichwörter sind kulturelle Güter, die Lebensweisheiten verdichten. Ihre Analyse erfordert das Verstehen von Metaphern und Kontexten, was den interkulturellen Austausch und das Verständnis für andere Wertesysteme fördert.
Wie beeinflusst die Wohnsituation die Sozialisation laut der Autorin?
Die Konzentration in nationalhomogenen Wohnvierteln kann zu sozialer Isolation und Einschränkungen bei der sprachlichen sowie sozialen Interaktion mit der Aufnahmegesellschaft führen.
- Quote paper
- Havva Yuvali (Author), 2004, Die Sozialisation türkischer Kinder und Jugendlicher innerhalb ihrer Familien und ein Beispiel interkulturellen Lernens im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36894