Prüfung von Rechtschreibkompetenzen. Hamburger Schreibprobe und Oldenburger Fehleranalyse im Vergleich


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hamburger Schreibprobe
2.1 Durchführung
2.2 Auswertung
2.3 Chancen und Grenzen der Hamburger Schreibprobe
2.3.1 Rolle der Mehrsprachigkeit
2.3.2 Förderung

3. Oldenburger Fehleranalyse
3.1 Durchführung
3.2 Auswertung
3.3 Chancen und Grenzen der OLFA im Vergleich zur HSP
3.3.1 Rolle der Mehrsprachigkeit
3.3.2 Förderung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit den Ergebnissen der ersten Pisa-Erhebung im Jahr 2000 wurden landesweit die bildungspolitischen Voraussetzungen verbessert und Maßnahmen zur Interkation von Schülerinnen und Schülern[1] mit Defiziten ergriffen mit dem Ziel, die schulischen Leistungen zu steigern (vgl. May/Balhorn 2012:5).

Schon in der Grundschule spielt die Auseinandersetzung mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten eine große Rolle. Nach Herné werden Rechtschreibleistungen in der Schule meist nur nach der Anzahl der richtig beziehungsweise falsch geschriebenen Wörter beurteilt. Eine zufriedenstellende Diagnose und Förderung kann so allerdings nicht stattfinden (2004: 6). Dabei sind eine individuelle Diagnose und Förderung besonders wichtig wie Steinig/Huneke herausstellen:

Beim Rechtschreiberwerb handelt es sich um die eigenaktive, tentative Konstruktion eines Wissenssystems durch die einzelnen Schülerinnen und Schüler. Der Rechtschreibunterricht kann dieses Wissenssystem nicht in die Köpfe der Schüler implantieren, er kann nur möglichst günstige Bedingungen dafür schaffen, dass sie es sich aneignen können – und sich auch aneignen wollen (2004: 131).

Im Laufe der Zeit wurden einige Verfahren entwickelt, Rechtschreibkompetenzen von Schülern zu ermitteln.

Diese Arbeit hat zum Ziel, die Chancen und Grenzen testabhängiger und testunabhängiger Verfahren im Hinblick auf Diagnose im Bereich der Orthografie am Beispiel der Hamburger Schreibprobe (HSP) und der Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) zu beleuchten.

Zunächst wird die HSP kurz vorgestellt. Dazu wird ihr Konzept sowie das Durchführungs- und Auswertungsverfahren näher erläutert. Danach werden die Chancen und Grenzen der HSP im Hinblick auf allgemeine Vor- und Nachteile sowie die Rolle der Mehrsprachigkeit und die Fördermöglichkeiten aufgeführt. Im Anschluss daran wird die OLFA nach dem gleichen Muster vorgestellt und mit der HSP verglichen. Zum Schluss wird ein Fazit gezogen mit dem Ergebnis, dass beide Verfahren sich für unterschiedliche Diagnosezwecke eignen und in gegenseitiger Unterstützung Lehrern zur Analyse und Förderung der Rechtschreibkompetenz von Schülern dienen können.

2. Hamburger Schreibprobe

Die HSP ist ein testabhängiges Verfahren zur individuellen Erfassung der grundlegenden Rechtschreibstrategien oder des orthografischen Strukturwissens von Schülern (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 7). Im Fokus liegen nicht die Fehler der Schüler, sondern die bereits erfolgreich angewandten Strategien, die auf vorhandene Kompetenzen schließen lassen (vgl. May/Balhorn u.a.2012: 7).

Als Grundlage für die HSP dient ein Forschungsprojekt von Peter May. Dieses beschäftigt sich mit der Herausbildung orthografischer und textualer Kompetenz im schulischen Kontext (vgl. May/Balhorn 2012: 12). Aus von Schülern geschriebenen Einzelwörtern, Sätzen und Aufsätzen zu verschiedenen Themen wurden insgesamt über 2000 Wörter für die Aufgaben der HSP ausgewählt (vgl. May 2009: 13). Die Einzelwörter und Sätze in der HSP werden von der Lehrperson vorgelesen und sollen von den Schülern geschrieben werden. Die zu schreibenden Begriffe werden durch Illustrationen veranschaulicht. Sie dienen den Kindern als Unterstützung dafür, sich an die ihnen vorgelesenen Wörter zu erinnern. Außerdem gelingt es ihnen mit Hilfe von Illustrationen leichter, die Bedeutungen der zu schreibenden Wörter zu erfassen (vgl. May/Balhorn u.a.2012: 10). Die Wortauswahl ist auf keinen bestimmten Grund- oder Übungswortschatz zurückzuführen. Die mit der HSP erfassten orthografischen Phänomene werden systematisch variiert, um verschiedene Anforderungsniveaus zu gewährleisten (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 18). Nur so stellt die HSP gleichermaßen genügend hohe Anforderungen an sichere und unsichere Schreiber (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 14).

Das Konzept der HSP beruht auf der Annahme, dass es bei der Rekonstruktion der Schreibungen von Sätzen und Wörtern grundlegende Regeln gibt. Diese Regeln entdeckt der Schriftlerner im Schriftspracherwerb und folgt diesen stufenweise. Anhand der bereits angewandten Rechtsschreibstrategien orientiert sich die gezielte individuelle Förderung von Schülern (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 12). Durch die weitreichende Differenzierung im unteren Leistungsbereich ist die HSP zur Bestimmung der Förderbedürftigkeit, der sogenannten LRS-Diagnose, einsetzbar (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 10).

2.1 Durchführung

Die HSP kann sowohl als Gruppen- als auch als Einzeltest durchgeführt werden. Für die Dauer der Durchführung ist weniger als eine Unterrichtsstunde vorgesehen (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 10). Allerdings kann der Test auch auf mehrere Zeitpunkte verteilt werden, um so mögliche Überforderungen bei schwächeren Schülern auszuschließen (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 7).

Eine Durchführung der HSP läuft wie folgt ab: Zunächst können die Kinder Vermutungen über die Bedeutung der verschiedenen abgebildeten Illustrationen äußern. Das hilft ihnen, die Wörter zu behalten und ihre Bedeutung zu verinnerlichen. Anschließend werden die zu schreibenden Wörter so oft wie nötig von der Lehrperson vorgelesen und von den Kindern aufgeschrieben. Hierbei muss die Lehrperson darauf achten, dass die Wörter in gewohnter Alltagssprache artikuliert werden (vgl. May 2009: 8). Hinweise auf Groß- oder Kleinschreibung dürfen nicht gegeben werden. Satzzeichen hingegen werden den Kindern angesagt (vgl. May 2009: 7). Während der gesamten Durchführungsdauer der HSP sollte die Lehrperson darauf achten, dass die Kinder nicht voneinander abschreiben und auch keine weiteren Hilfsmittel verwenden (vgl. May 2009: 7).

2.2 Auswertung

Da der Prozess des Schreibens selbst und die geistige Tätigkeit von Schülern für die Lehrperson nicht direkt beobachtbar und somit nicht zugänglich sind, wird über die Auswertung der individuellen Rechtschreibleistung auf diese geschlossen (vgl. May 2009: 41). Hierzu werden die Anzahl richtig geschriebener Wörter, Graphemtreffer und Lupenstellen bestimmt (vgl. May 2009: 12). Die wortbezogene Auswertung, also das Zählen der richtig geschriebenen Wörter, bietet sich zunächst für einen quantifizierenden Vergleich an (vgl. May 2009: 11). Im weiteren Verlauf können verschiedene Großgruppen, beispielsweise Klassen, miteinander verglichen werden. Hierfür liegen bundesweite Vergleichswerte vor mit denen der sogenannte Potenzrang eines Kindes ermittelt werden kann. Darüber hinaus können aber auch Leistungen eines Kindes im Rechtschreiben können seinen anderen schulischen Leistungen gegenübergestellt und so miteinander verglichen werden (vgl. May 2009: 19).

Eine wortbezogene Auswertung kann auf den ersten Blick schwierig erscheinen, wenn Schüler Wörter ausgelassen haben. Denn mögliche Ursachen hierfür können zum Einen Motivationsverlust oder Unaufmerksamkeit sein, zum Anderen aber auch das Ausweichen vor der Aufgabe oder Resignation. Aus diesem Grund dürfen ausgelassene Wörter nicht einfach als falsch gewertet werden. Stattdessen sollten sie, wenn möglich, nachgeschrieben werden oder die Werte sollten unter Berücksichtigung des Lernstandes des Kindes geschätzt werden (vgl. May 2009: 10).

Um den Lernzuwachs zu bestimmen oder Unterrichtserfolge einer bestimmten Methode eines Schülers zu erfassen, ist die wortbezogene Auswertung nicht ausreichend. Deshalb sollte bei Kindern, deren Rechtschreibleistung schwach erscheint oder erwartungswidrig ausfällt, zusätzlich eine Auswertung der Anzahl der richtig geschriebenen Buchstaben (Graphemtreffer) und Lupenstellen stattfinden (vgl. May 2009: 19).

Mit Hilfe der Auswertung der Graphemtreffer wird zunächst das Niveau der Rechtschreibung eingeschätzt. In den teilweise richtig geschriebenen Wörtern zeigen sich fast immer gelungene Operationen. Bei der Auswertung wird zwischen unterschiedlichen Schreibweisen differenziert, die die verschiedenen Lernstände zum Ausdruck bringen (vgl. May 2009: 19).

Die Auswertung der Lupenstellen zeigt an, inwieweit die verschiedenen Rechtschreibstrategien bereits angewendet werden. Unterschieden wird in HSP eins bis drei zwischen alphabetischen, orthografischen und morphematischen Strategien. Ab HSP 4 wird auch die wortübergreifende Strategie mit einbezogen. Des Weiteren finden überflüssige orthografische Elemente und Oberzeichenfehler Beachtung.

Die alphabetische Strategie gibt Auskunft darüber, wie gut die Fähigkeit beherrscht wird, die artikulierten Laute zu verschriftlichen. Die Zugriffsweise auf diese Strategie basiert auf der Analyse des eigenen Sprechens.

Bei der orthographischen Strategie findet eine Laut-Buchstaben-Zuordnung unter Beachtung orthografischer Regeln und Prinzipien statt. Hierbei unterscheidet man zwischen Merkelementen und Regelelementen. Das sind jene Elemente, die Schüler sich merken müssen, weil sie von der Verschriftlichung der eigenen Artikulation abweichen oder Elemente, deren Verwendung regelhaft hergeleitet werden kann (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 11).

Eine weitere Strategie, die morphematische Strategie untersucht, ob Rechtschreiblerner die Fähigkeit besitzen die morphematische Struktur bei dem Herleiten der Schreibung von Wörtern zu beachten.

Die wortübergreifende Strategie zeigt, ob weitere sprachliche Aspekte Beachtung finden, wie zum Beispiel Groß- und Kleinschreibung, Zusammen- und Getrenntschreibung, Kommasetzung und weitere Aspekte (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 11).

Überflüssige orthografische Elemente deuten auf Unsicherheiten beim Anwenden der orthografischen Strategie hin. Je nach erreichtem Lernstand können diese von unterschiedlicher Bedeutung sein. Zum Beispiel werden orthografische Elemente beim Überformen der alphabetischen Strategie zunächst übergeneralisiert oder Morpheme werden nicht genügend beachtet (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 11). Oberzeichenfehler geben Hinweise auf mangelnde Sorgfalt und geringe Achtsamkeit bei der Schreibkontrolle (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 46).

Anzeichen für Schwächen in der Lernentwicklung kann beispielsweise willkürliche Schreibung sein, die sogenannte Pseudoschreibung. Außerdem kann eine diffuse Verwendung orthografischer Elemente ohne Berücksichtigung struktureller Aspekte oder eine Vielzahl von Flüchtigkeitsfehlern auf eine Rechtschreibschwäche hindeuten (vgl. May 2009: 48). Rechtschreibschwächen lassen sich nicht direkt mit der HSP nachweisen. Dennoch gibt der Vergleich einzelner ermittelter Teilleistungen von Kindern Hinweise auf eine Schwäche und mögliche Ursachen (vgl. May 2009: 48).

2.3 Chancen und Grenzen der Hamburger Schreibprobe

Das Verfahren der HSP hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Als besonders vorteilhaft gewertet werden kann zunächst einmal ihr geringer zeitlicher Aufwand der HSP. Weder die Dauer der eigentlichen Durchführung noch die Auswertung, sei es online oder manuell sind zeitintensiv.

Betrachtet man das Durchführungsverfahren der HSP, erkennt man, dass es sich zwar um eine Testsituation handelt; allerdings entfällt aufgrund der vorhandenen Illustrationen beispielsweise das in Diktaten verwendete gleichschrittige Schreiben (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 10). So kann eine Überforderung von schwächeren Schülern verhindert werden. Die Illustrationen unterstützen jedoch nur Schüler, die das geprüfte Wort in ihrem aktiven Wortschatz integriert haben. Für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache[2] können die Illustrationen auch Nachteile haben. Auf diese wird detailliert in dem folgenden Kapitel eingegangen.

Die Autoren der HSP werben damit, dass das Verfahren die Rechtschreibleistung mit einer vergleichsweise geringen Zahl von Wörtern zuverlässig und ökonomisch erfassen kann. Mit Hilfe der Auswertung von Graphemtreffern können auch bei orthografisch schwierigen Wörtern Näherungslösungen gewertet werden (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 11). Die HSP gibt an, dass die Wortauswahl bewusst auf orthographisch repräsentative und gleichzeitig gehaltvolle und transparente Wörter und Sätze abzielt und auf ungebräuchliche und weniger aussagekräftige Sätze verzichtet (vgl. Becker/Siekmann 2012: 104). Allerdings ist fragwürdig, ob die Orthografie weniger, vorgegebener Wörter und Sätze den gesamten Rechtschreibwortschatz von Schülern repräsentieren kann (vgl. Becker/Siekmann 2012: 174). Bei der HSP handelt es sich demnach um einen Test mit einer hohen Itemkomplexität und einer unnatürliche Ballung von Wörtern mit orthographischen Schwierigkeiten (vgl. Becker/Siekmann 2012:176). Es wird nicht der individuell verwendete Wortschatz von einzelnen Schülern überprüft. Die Wörter können zwar in dem aktiven Sprachwortschatz von Kindern enthalten sein, sind aber nicht immer auch Teil ihres aktiven Schreibwortschatzes (vgl. Becker/Siekmann 2012:176).

[...]


[1] In der Folge dieser Arbeit wird aus Gründen der Lesbarkeit auf eine geschlechterdifferenzierende Bezeichnung verzichtet. Es sind aber stets, sofern nicht explizit darauf hingewiesen, beide Geschlechter gemeint.

[2] Im Folgenden mit DaZ abgekürzt

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Prüfung von Rechtschreibkompetenzen. Hamburger Schreibprobe und Oldenburger Fehleranalyse im Vergleich
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V369082
ISBN (eBook)
9783668474055
ISBN (Buch)
9783668474062
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prüfung, rechtschreibkompetenzen, hamburger, schreibprobe, oldenburger, fehleranalyse, vergleich
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Prüfung von Rechtschreibkompetenzen. Hamburger Schreibprobe und Oldenburger Fehleranalyse im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369082

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