Kurfürst Friedrich August der Gerechte und der sächsische Bauernaufstand von 1790


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der kursächsische Bauernaufstand von 1790

2. Die Gegenmaßnahmen der kurfürstlichen Regierung

3. Die Politik Friedrich Augusts des Gerechten in den Jahren 1768 bis und die „Nicht-Revolution“ des Jahres 1790

4. Theoretische Grundlagen der Politik Friedrich Augusts III
4.1. Grundsätze seiner Regierung
4.2. Friedrich August III. - ein „aufgeklärter“ Herrscher?
4.3. Zum Problem des Absolutismus in Kursachsen

5. Der sächsische Kurfürst im europäischen Vergleich

Resümee

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wir erklären zugleich hiermit nochmals, wie Wir auch bereits gegen einzelne Gemeinden

und Ortschaften gethan, daß Wir allen billigen und gerechten Klagen Unserer Unterthanen nicht nur Gehör geben, sondern auch auf deren, so viel nur immer möglich, schleunige Ab-

stellung Bedacht nehmen werden...“.1

Mit dieser Zusage hatte sich der sächsische Kurfürst Friedrich August III. drei Wochen nach Ausbruch der Bauernunruhen im August 1790 an seine Untertanen gewandt. Die Worte spie-geln einen Teil der Reaktionen Friedrich Augusts wider, der zur Beendigung des Aufstandes nicht allein auf repressive Maßnahmen setzte, sondern auch durch Zugeständnisse eine Beru-higung der Lage zu erreichen versuchte. Die Gegenmaßnahmen der kurfürstlichen Regierung sind daher insgesamt als durchaus gemäßigt zu bewerten, auch waren sie scheinbar erfolg-reich, denn der Aufstand der sächsischen Bauern hatte schon nach kurzer Zeit ein weitgehend unblutiges Ende gefunden.

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll nun die Frage stehen, inwiefern diese gemäßigten Reaktionen Friedrich Augusts III. und das relativ schnelle Einlenken der Bauern in Zusam-menhang mit einer „aufgeklärten Regierung“ des sächsischen Kurfürsten gebracht werden können. Dazu sollen, nach einer kurzen Darstellung zu Ursachen und Verlauf der Bauernun-ruhen, die Gegenmaßnahmen der kurfürstlichen Regierung, danach die Politik Friedrich Au-gusts III. von der Zeit des Rétablissement bis zum Ausbruch der Französischen Revolution sowie die Grundsätze seiner Regierung näher beleuchtet werden. Dabei gilt es folgende Fra-gen zu beantworten: Warum richtete sich der Aufstand nicht gegen den Landesherrn oder zu-gespitzt formuliert, warum kam es in Kursachsen zu keiner Revolution? Welches sind die Re-gierungsgrundsätze Friedrich Augusts und inwieweit sind sie von den Gedanken der Aufklä-rung geprägt? Wie „aufgeklärt“ war also seine Politik und kann man dabei von einem Aufge-klärten Absolutismus sprechen?

Als grundlegende Literatur für diese Arbeit müssen besonders die Aufsätze von Karlheinz Blaschke und Michael Wagner zu Ursachen und Verlauf des Bauernaufstandes hervor geho- ben werden sowie die beiden Arbeiten von Dorit Petschel zu Person und Politik des Kurfürs-ten Friedrich August III.2.

1. Der kursächsische Bauernaufstand von 1790

Der sächsische Bauernaufstand gehört in den Kontext einer Vielzahl ländlicher Erhebungen, welche nach 1789, vom Vorbild der Französischen Revolution beeinflusst, in den deutschen Ländern ausbrachen. Dabei sind die Ursachen des Aufstandes in Kursachsen weniger in der Ausbreitung revolutionärer Ideen zu suchen, diese gaben schließlich nur den unmittelbaren Anlass, sondern primär in den inneren Problemen des sächsischen Staates, in der bedrücken-den wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bauern. Vorausgegangen war ein Jahrzehnte lan- ger Konflikt zwischen Bauern und Gutsbesitzern um die stetige Intensivierung der Grundherr-schaft3. Diese Intensivierung war einerseits auf den Wiederaufbau der sächsischen Wirtschaft nach dem Siebenjährigen Krieg zurückzuführen, andererseits aber auch auf das Streben der Gutsbesitzer ihre Einnahmen zu erhöhen4. So bedeutete die Steigerung des landwirtschaftli-chen Ertrages auch vermehrte Abgaben und Frondienste, besonders stellte etwa die Vergrö-ßerung der gutsherrlichen Schafherden eine enorme Belastung für den Bauern dar5. Belas-tungen dieser Art waren vor allem bei den schriftsässigen Rittergütern zu beobachten, denn die „privaten Inhaber von Grundherrschaft“, der grundbesitzende Adel, hatten natürlich ein anderes wirtschaftliches Interesse als der Landesherr, weshalb eine Verschlechterung der La-ge der Bauern dort besonders evident war6. Nach den Missernten des Jahres 1789 und der Dürre von 1790 wurden die zu erbringenden Feudalleistungen nun als umso bedrückender empfunden. So verfehlten Nachrichten vom Ausbruch und Fortgang der Französischen Revo-lution in dieser Situation nicht ihre Wirkung. Die sächsischen Bauern wurden ermutigt ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen: „Das revolutionäre Frankreich bot den unzufrie-denen sächsischen Bauern eine konkrete positive Alternative und wies ihnen einen Weg, wie die Verhältnisse zum Besseren gewendet werden konnten“7.

Bereits im Mai 1790 erfolgte ein erster Akt des Ungehorsams. In Wehlen in der Sächsischen Schweiz waren die Bauern gegen landesherrliche Wildbestände vorgegangen und hatten das Wild nicht nur von den eigenen Feldern, sondern auch aus den benachbarten landesherrlichen Wäldern verjagt. Dieses Beispiel hatte Auswirkung auf weitere Dörfer der Umgebung, jedoch waren bereits Anfang Juli wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt.8

Der eigentliche Aufstand brach dann Anfang August zuerst in den Dörfern der Rittergüter Schleinitz und Petzschwitz bei Meißen aus, welche ihre Frondienste verweigerten und den Gutsbesitzer gewaltsam zum schriftlichen Verzicht auf diese Dienste zwangen. Nach zwei Wochen hatten sich dann bereits mehr als 50 Dörfer diesem Vorbild angeschlossen, Einheiten der kursächsischen Armee in diesem Gebiet waren einfach entwaffnet worden. In der Folge breiteten sich die gewaltsamen Unruhen auch in anderen Teilen des Landes aus, so dass schließlich der Großteil Kursachsens von dieser Erhebung betroffen war. Am Ende hatten sich einige tausend Bauern im Gebiet zwischen Meißen und Nossen zusammengerottet und waren bewaffnet vor die Stadt Meißen gezogen, wo sie die Freilassung ihrer festgesetzten Verhand-lungsführer erzwangen.9

„Das feudale System war an dieser Stelle für den Augenblick zusammengebrochen.“10

2. Die Gegenmaßnahmen der kurfürstlichen Regierung

Während der Wildunruhen im Mai und Juni hatte das Vorgehen der Bauern noch kein ent-

schiedenes Eingreifen der kurfürstlichen Regierung provoziert, vielmehr war man in Dresden zu partiellen Zugeständnissen bereit. Der Kurfürst hatte Anweisung gegeben die landesherr-lichen Wildbestände zu vermindern, so dass man aufgrund dieser gemäßigten Haltung schnell wieder Herr der Lage geworden war11. Im August 1790 war die Bedrohung dagegen zunächst wohl völlig unterschätzt worden12. Jedoch hatte sich die Lage nach drei Wochen so entwi-ckelt, dass eine Unterdrückung des Aufstandes mit militärischen Mitteln notwendig wurde, weshalb am 24. August ein Armeekorps in Stärke von 5600 Mann ins Zentrum des Aufstands-gebietes entsandt wurde, welches dort bereits wenige Tage nach seinem Eintreffen die Ord- nung wieder herstellen konnte - sechs Wochen später, im Oktober 1790, war dann auch der letzte bäuerliche Widerstand in Kursachsen gebrochen13.

Dieser Erfolg war aber nicht allein auf den Einsatz des Militärs zurückzuführen, vielmehr ver-folgte die kurfürstliche Regierung eine Doppelstrategie. Wieder wurden den Bauern partielle Zugeständnisse gemacht. So wurde auch eine Regierungskommission, welche die Beschwer-den der Bauern prüfen sollte, ins Aufstandsgebiet entsandt.14

Damit sollte also, indem die Abstellung der Missstände in Aussicht gestellt wurde, eine wei-tere Radikalisierung der Erhebung verhindert werden.

Die kursächsische Regierung hat dabei wohl nur eine Zeit lang tatsächlich die primäre Ursa-che des Aufstandes in der Verbreitung der Ideen der Französischen Revolution gesehen15. Auf die Verbreitung solcher Gedanken wurde mit einer verschärften Zensur reagiert, in einem neuen Generale vom September 1790 wurden etwa Schriften mit Bezug zu den Menschen-rechten oder Schriften aufrührerischen Inhaltes verboten16. Der Verweis auf die Französische Revolution kann jedoch als „bequemes Alibi“ der Regierung gedeutet werden, um sich die Missstände im eigenen Land nicht eingestehen zu müssen, denn man hatte durchaus erkannt, dass die Ursachen des Aufstandes zum größten Teil in den konkreten wirtschaftlichen und so-zialen Problemen der Bauern begründet lagen17. Aus diesem Grund mussten Zugeständnisse gemacht werden, auch wenn sie letztendlich nur teilweise in die Tat umgesetzt wurden. So hat man etwa die Beschleunigung von Gerichtsverfahren zugunsten der Bauern angeordnet18 und nicht versucht das Recht auf Prozessführung gegen die Obrigkeit zu beschneiden, wie dies in anderen Territorien der Fall gewesen ist19. Auch wurden konkrete Reformvorschläge erarbei-tet, die jedoch mit Rücksicht auf die adligen Gutsbesitzer und aus Angst, die Bauern würden so nur zu weiteren Forderungen ermutigt am Ende nicht umgesetzt wurden20.

Damit war der Bauernaufstand letztendlich erfolglos geblieben - an den bestehenden Verhält-nissen hatte sich nichts geändert. Kleinere Zugeständnisse des Kurfürsten entsprachen zwar durchaus seiner bisherigen Politik und seinem Herrschaftsverständnis, was in den folgenden

[...]


1 Auszug aus dem Mandat Friedrich Augusts III. vom 26. August 1790, Stadtarchiv Plauen, Zeitschriften- sammlung Napoleonische Zeit, zitiert aus: Petschel, Dorit: Die Persönlichkeit Friedrich Augusts des Gerech- ten, Kurfürsten und Königs von Sachsen, in: Schirmer, Uwe (Hrsg.): Sachsen 1763-1832: zwischen Réta- blissement und bürgerlichen Reformen, Beucha 1996, S. 77-100, hier S. 94.

2 Blaschke, Karlheinz: Ereignisse des Bauernkrieges 1525 in Sachsen. Der sächsische Bauernaufstand 1790, Berlin 1978. Wagner, Michael: Der sächsische Bauernaufstand und die Französische Revolution in der Per- zeption der Zeitgenossen, in: Berding, Helmut (Hrsg.): Soziale Unruhen in Deutschland während der Fran- zösischen Revolution, Göttingen 1988, S. 149-165. Petschel, Dorit: Die Persönlichkeit Friedrich Augusts des Gerechten (siehe Anm. 1). Dies.: Sächsische Außenpolitik unter Friedrich August I.: zwischen Rétablissement,

Rheinbund und Restauration, Köln, Weimar, Wien 2000.

3 Siehe Blaschke, Ereignisse, S. 13. 4 Vgl. Wagner, Bauernaufstand, S. 152.

5 Siehe Groß, Reiner: Geschichte Sachsens, Berlin 22002, S. 162f.

6 Blaschke, Ereignisse, S. 11f.

7 Wagner, Bauernaufstand, S. 153. 8 Siehe Blaschke, Ereignisse, S. 12.

9 Siehe Groß, Geschichte, S. 177f. 10 Blaschke, Ereignisse, S. 13.

11 Vgl. Wagner, Bauernaufstand, S. 150. 12 Vgl. ebd., S. 151.

12 Vgl. ebd., S. 151.

13 Siehe Blaschke, Ereignisse, S. 14. 14 Vgl. Wagner, Bauernaufstand, S. 151.

15 Vgl. ebd., S. 161.

16 Siehe dazu Hoyer, Siegfried: Die Ideen der Französischen Revolution und der kursächsische Bauernaufstand 1790, in: NASG 65 (1994), S. 61-76, hier S. 66f.

17 Ebd., S. 76. 18 Siehe Wagner, Bauernaufstand, S. 162.

19 Siehe Speitkamp, Winfried: Soziale Unruhen und ständische Reaktion in Hessen-Kassel zur Zeit der Fran- zösischen Revolution, in: Berding, Soziale Unruhen (siehe Anm. 2), S. 130-148, hier S. 139.

20 Vgl. Wagner, Bauernaufstand, S. 162.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kurfürst Friedrich August der Gerechte und der sächsische Bauernaufstand von 1790
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V36910
ISBN (eBook)
9783638364157
ISBN (Buch)
9783656661870
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kurfürst, Friedrich, August, Gerechte, Bauernaufstand
Arbeit zitieren
Daniel Jacob (Autor), 2004, Kurfürst Friedrich August der Gerechte und der sächsische Bauernaufstand von 1790, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36910

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