Diese Arbeit widmet sich der Fragestellung, inwieweit zwei verschiedene Fürstenspiegel miteinander vergleichbar sind respektive verglichen werden können. Deshalb wird anhand einer vergleichenden Gegenüberstellung ausgewählter Aspekte beider Fürstenspiegel versucht, sowohl Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede in den zu Grunde liegenden Werken – Machiavellis „Der Fürst“ und „Über die Herrschaft des Fürsten“ von Thomas von Aquin –zu identifizieren und einander gegenüberzustellen. Von besonderer Bedeutung ist dabei, wie beide Autoren jeweils mit dem Aspekt der Moral in Herrschaft und Politik umgehen.
Fürstenspiegel haben in der Geschichte der politischen Theorie seit jeher eine besondere Bedeutung. Von der Antike bis zur näheren Gegenwart wurde auf dem Weg des Fürstenspiegels immer wieder versucht, beratenden Einfluss auf die Art und Weise der Herrschaftsausübung mittels der unterschiedlichsten Kriterien zu nehmen. Fürstenspiegel ermöglichen so unterschiedliche zeitgenössische Perspektiven auf das Thema Herrschaft, dass seit dem Beginn politischen Denkens eine wesentliche Rolle in der Auseinandersetzung mit Macht und Politik spielt. Ein Fürstenspiegel sticht aus der Masse ganz besonders heraus, nämlich Niccolò Machiavellis Werk „Der Fürst“. Dieses Werk und sein Autor haben eine bewegende Geschichte hinter sich. Das Werk selbst stand bereits auf dem päpstlichen Index, weil es von der katholischen Kirche als „von der Hand des Teufels geschrieben“ angesehen wurde, und diente als geistige Legitimationsschrift vieler politisch und moralisch zweifelhafter Regime, auch einigen des 20. Jahrhunderts. Sein Autor, Niccolò Machiavelli, gilt als der Begründer des Machiavellismus, laut Duden eine „politische Lehre und Praxis, die der Machtpolitik den Vorrang vor der Moral gibt“. Was verbirgt sich also hinter Machiavelli und dem „Fürsten“? Um dieser Frage nachzugehen, wird Machiavellis Fürstenspiegel einem weiteren bekannten Vertreter dieser Gattung, nämlich „Über die Herrschaft des Fürsten“ von Thomas von Aquin, gegenübergestellt. In beiden Werken hat angewandte Moral eine herausragende Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
1 Fürstenspiegel in der politischen Theorie
2 Übersicht über die zu vergleichenden Werke Niccolò Machiavellis und Thomas von Aquins
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Zusammenfassung des Inhalts von Machiavellis Der Fürst
2.3 Zusammenfassung des Inhalts von Thomas von Aquins Werk Über die Herrschaft des Fürsten
3 Gegenüberstellender Vergleich des Fürstenspiegels von Machiavelli mit dem von Thomas von Aquin
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Untersuchte Vergleichskategorien
3.2.1 Grundlegende Charakteristika und Intentionen beider Autoren
3.2.2 Persönliche Anforderungen an den Fürsten
3.2.3 Machterlangung des Fürsten
3.2.4 Machterhalt des Fürsten
3.2.5 Ausübung der fürstlichen Macht
4 Diskussion der Untersuchungsergebnisse
5 Ambivalente Bewertungs- und Deutungsmöglichkeiten von Fürstenspiegeln
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Fürstenspiegel von Niccolò Machiavelli und Thomas von Aquin, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Auffassung von Herrschaft und Politik zu identifizieren. Dabei steht insbesondere der konträre Umgang beider Autoren mit dem Aspekt der Moral im Zentrum der Fragestellung.
- Vergleichende Analyse politischer Theoriegeschichte
- Gegenüberstellung von idealistischen und realistischen Herrschaftskonzepten
- Untersuchung der moralischen Legitimation fürstlichen Handelns
- Rolle von Tugend, Macht und Religion in der Herrschaftspraxis
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Grundlegende Charakteristika und Intentionen beider Autoren
Machiavellis schreibt den Fürsten hauptsächlich im Jahr 1513. Damit unterscheidet er sich zeitlich deutlich von Thomas, dessen Werk bereits ca. 1265/66 geschrieben wurde. Damit ist Machiavelli in der frühen Neuzeit, Thomas aber dem Mittelalter zuzuordnen, wodurch sich beide Fürstenspiegel bereits zeitlich sowie epochal erheblich unterscheiden. Beide Werke wurden mit einem zeitlichen Abstand von rund 250 Jahren verfasst.
Des Weiteren ist auffällig, dass Thomas als Dominikanermönch verständlicherweise sehr von der christlichen Heilslehre, insbesondere vom Katholizismus seiner Zeit, geprägt ist. Ferner wurde Thomas sehr von der Philosophie des Aristoteles beeinflusst. So übernimmt er beispielsweise im untersuchten Werk die Klassifizierung von guten wie schlechten Herrschaftsformen direkt von Aristoteles. Zudem zieht Thomas zur Erläuterung und Untermauerung seiner Argumentation immer wieder Zitate aus der Bibel heran. Dennoch bescheinigen sowohl Mensching, als auch Miethke der untersuchten Arbeit des Thomas einen eindeutig politisch bzw. polittheoretisch motivierten Charakter.
Machiavelli scheint demgegenüber mehr von seinen Erfahrungen als Politiker und von seiner Wahrnehmung damaliger Realpolitik geprägt zu sein. Auch Ottmann geht davon aus, dass Machiavelli als Realist bzw. als Realpolitiker zu bezeichnen ist. Er bescheinigt Machiavelli zwar, auch auf antike Philosophen einzugehen, diese bestimmen jedoch nicht in gleicher Weise sein Denken und sein Werk in ähnlich starkem Maße wie bei Thomas. Somit lässt sich konstatieren, dass Thomas eine eher idealistisch-abstrakte Herangehensweise an sein Werk hat, Machiavelli dagegen eine eher realistisch-konkrete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fürstenspiegel in der politischen Theorie: Das Kapitel führt in die historische Bedeutung der Fürstenspiegel ein und stellt die beiden zu untersuchenden Werke in ihren Kontext.
2 Übersicht über die zu vergleichenden Werke Niccolò Machiavellis und Thomas von Aquins: Es erfolgt eine kernaussagenorientierte Zusammenfassung der Werke Machiavellis und Thomas von Aquins inklusive einleitender Vorbemerkungen.
3 Gegenüberstellender Vergleich des Fürstenspiegels von Machiavelli mit dem von Thomas von Aquin: Das zentrale Kapitel führt den direkten Vergleich anhand ausgewählter Kategorien wie Charakteristika, Anforderungen, Machterlangung, Machterhalt und Machtausübung durch.
4 Diskussion der Untersuchungsergebnisse: Hier werden die im Vergleich gewonnenen Erkenntnisse reflektiert und die Differenzen in der moralischen Auffassung sowie der normativen Ausrichtung beider Werke zusammenfassend diskutiert.
5 Ambivalente Bewertungs- und Deutungsmöglichkeiten von Fürstenspiegeln: Das abschließende Kapitel resümiert die Schwierigkeiten und die Ambivalenz bei der Deutung von Fürstenspiegeln unter Berücksichtigung der Betrachterperspektive.
Schlüsselwörter
Fürstenspiegel, Niccolò Machiavelli, Thomas von Aquin, Politische Theorie, Herrschaft, Moral, Tugend, Realpolitik, Machiavellismus, Staatsraison, Macht, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Gemeinwohl, Politische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich dem vergleichenden Studium zweier bedeutender Fürstenspiegel, um herauszuarbeiten, wie sich die Konzepte der Herrschaft bei Niccolò Machiavelli und Thomas von Aquin unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die Rolle von Moral und Tugend in der Politik, die Anforderungen an Herrscher, Strategien zur Machterlangung und zum Machterhalt sowie die Stellung der Religion im politischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwieweit die Werke miteinander vergleichbar sind und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede bezüglich ihres Umgangs mit Moral in der Herrschaftsausübung existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Gegenüberstellung (komparative Analyse) basierend auf Fachliteratur und den Primärtexten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf spezifische Vergleichskategorien, die von den Intentionen der Autoren bis hin zur praktischen Machtausübung und den Folgen von Herrschaftsverlust reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fürstenspiegel, Macht, Moral, Tugend, Realpolitik, Staatsraison, Gemeinwohl und politische Ethik.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Thomas von Aquin von dem Machiavellis in Bezug auf die Moral?
Thomas von Aquin vertritt einen stark normativ-idealistischen Ansatz, in dem Tugend und Gemeinwohl feste Grundpfeiler sind, während Machiavelli Moral utilitaristisch betrachtet und sie der politischen Notwendigkeit unterordnet.
Welche Rolle spielt die Religion in den Herrschaftskonzepten beider Denker?
Thomas von Aquin integriert die christliche Heilslehre fest in seine Staatskonzeption, während Machiavelli Religion primär als nützliches Instrument zur Festigung der politischen Macht begreift.
- Arbeit zitieren
- Florian Schlereth (Autor:in), 2017, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Niccolò Machiavellis "Der Fürst" und Thomas von Aquins "Über die Herrschaft des Fürsten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369137