Der Durchbruch der nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland zwischen 1960-2010. Eine kurze Analyse


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Multi-Level Perspective

3. Nachhaltige Landwirtschaft
3.1. Unterschiede zur konventionellen/industriellen Landwirtschaft

4. Die Veränderung der konventionellen und die Fortschritte der nachhaltigen Landwirtschaft
4.1. Phase 1 - Ökologische Konflikte führen zu einer Periode des Zuwachses nachhaltiger Landwirtschaft (1960-1989)
4.2. Phase 2 - Der Schritt aus der Nische (1990-1999)
4.3. Phase 3 - Reformierung & Stabilisierung (2000-2010)
4.4. Einbeziehung der drei Phasen in die MLP
4.4.1. Phase 1 (1960-1989)
4.4.2. Phase 2 (1990-1999)
4.4.3. Phase 3 (2000-2010)

5. Persönliches Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Unterschiede der nachhaltigen zur konventionellen Landwirtschaft

Abbildung 1: Grundmodell Multi-Level Perspective

Abbildung 2: Ökoanbaufläche (Hektar) in Deutschland von 1996 -1999

Abbildung 3: Anzahl der landwirtschaftlichen Ökobetriebe in Deutschland von 1996-1999

Abbildung 4: Ökoanbaufläche (Hektar) in Deutschland von 2000-2010

Abbildung 5: Anzahl der landwirtschaftlichen Ökobetriebe in Deutschland von 2000-2010

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft spielt die Ernährung eine große Rolle, Sie beein- flusst die Lebensweise eines jeden Menschen grundlegend und greift damit in fast alle Aspekte des Lebens mit ein. Dies wird u.a. durch die, fast alltägliche, Konfronta- tion mittels der Medien mit diesem Thema deutlich. Das geschieht in den unterschied- lichsten Facetten, sei es in Form von Nachrichten in denen es um den Hunger in der dritten Welt oder einen neuen Lebensmittelskandal geht, oder in Unterhaltungssen- dungen in welchen nebenbei Werbung für eine schnellwirkende Diät gemacht wird. Das Thema Ernährung ist damit allgegenwärtig. Es spricht jeden Menschen existen- tiell an. Der momentane Wandel unserer Gesellschaft hin zu einem besseren Be- wusstsein für die Umwelt und einem gesunden, Ägrünen“ Lebensstil ist kaum über- sehbar. Jeder Supermarkt hat, anders als noch vor zehn Jahren, eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Produkten in sein Sortiment aufgenommen und sogar große Fastfood-Ketten werben mit Bio-Produkten.

Gemeinsam mit dieser gesellschaftlichen Veränderung der Esskultur, verändert sich auch z.T. die Art der Lebensmittelproduktion. Die industrialisierte konventionelle Landwirtschaft wird von nachhaltigen Landwirtschaftskonzepten abgelöst. Dies geschieht zwar nicht vollständig, jedoch weiten sich diese Konzepte, die zu Beginn nur von kleinen Gruppierungen angenommen worden waren, immer mehr aus. Das Ziel nachhaltiger Landwirtschaft ist es, tiergerechter und umweltschonender als die konventionelle, gesunde Lebensmittel herzustellen.

In dieser Ausarbeitung soll dieser Wandel unter Einbezug der MLP genauer betrachtete werden. Es wird untersucht, ob eine Einordung in die MLP unternommen werden kann, wie es zum Durchbruch dieser Landwirtschaftskonzepte gekommen ist und ob diese als eine erfolgreiche Innovation betrachtet werden kann.

Zunächst wird die Multi-Level Perspective oberflächlich mit ihren konzeptionellen Le- vel erläutert. Im nächsten Abschnitt wird näher auf die nachhaltige Landwirtschaft und die Unterschiede zur konventionellen eingegangen um diese besser zu verstehen. Daraufhin wird der Prozess der nachhaltigen Landwirtschaft, bis zur Etablierung in das bestehende Regime in drei Phasen genauer betrachtet. Diese drei Phasen werden, aufbauend darauf, in das Modell der MLP eingeordnet.

In wissenschaftlichen Ausarbeitungen habe ich keine Hinweise darauf gefunden, dass die MLP bereits auf diesen Prozess angewendet wurde. Es gibt jedoch zahlreiche Debatten über die Vor- und Nachteile der verschiedenen landwirtschaftlichen Konzepte und Abhandlungen über den geschichtlichen Verlauf dieser Veränderungen. Anhand dieser werde ich mich in der folgenden Arbeit orientieren.

Der Einfachheit halber, wird der Begriff Änachhaltig“ in dieser Ausarbeitung mit den Begriffen Äökologisch“ und Äbiologisch“ gleichgesetzt.

2. Multi-Level Perspective

Die MLP ist, laut Geels, von drei konzeptionellen Levels gekennzeichnet.

- Soziotechnologische Landschaft (Makro-Level):

Exogene Umwelt, die hinter dem direkten Einfluss der Akteure steht; beein- flusst sowohl Dynamiken in Regimen als auch Nischen (z.B. Wirtschaftliches Wachstum, politische Koalitionen, kulturelle/normative Werte usw.)  Soziotechnisches Regime (Meso-Level):

Netz aus etablierten Regelungen, Handlungen und Verflechtungen; Akteure sind in die Regime eingebettet; Tief strukturierte Regelungen die die Wahrnehmungen und Handlungen der Akteure koordinieren

- Nischen (Mikro-Level):

Ort an dem sich Neuerungen ungestört vom ‚Mainstream-Markt‘ und äußeren Einwirkungen entwickeln können

Nach Geels entstehen System-Innovationen durch das Zusammenspiel verschiede- ner Prozesse auf den unterschiedlichen Levels. Eine radikale Innovation entwickelt sich in Nischen, oftmals außerhalb der Reichweite von existierenden Regimen, unter- stützt von kleinen unsicheren Netzwerken (vgl. Geels 2002: 1260ff.). In Abbildung 1 ist der Prozess dargestellt, den eine Neuerung durchlaufen kann. Sie scheitert entweder oder etabliert sich im bestehenden Regime bzw. strukturiert dieses um.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundmodell Multi-Level Perspective (Geels 2007: 1415)

3. Nachhaltige Landwirtschaft

Es gibt zahlreiche sehr unterschiedliche Definitionen von Nachhaltigkeit und nachhaltiger Landwirtschaft in der wissenschaftlichen Diskussion. Die meisten stimmen jedoch in sechs wesentlichen Punkten überein (vgl. Christen 1996: 69ff.):

- Verantwortung für zukünftige Generationen (ethnischer Aspekt)  Schutz und Schonung von Ressourcen
- Vorbeugung gegenüber Störungen von Ökosystemen durch die landwirt- schaftliche Nutzung
- Vergewisserung darüber, dass die Betriebe ökonomisch existenzfähig sind
- Verantwortung gegenüber der Gesellschaft über Nahrungsqualität und -versorgung
- Globale Aspekte ökonomischer Entwicklung

Im Folgenden werden die grundlegenden Unterschiede zur konventionellen Landwirtschaft erläutert.

3.1. Unterschiede zur konventionellen/industriellen Landwirtschaft

Christen und O´Halloran-Wietholtz erläutern Indikatoren für eine nachhaltige Land- wirtschaft und stellen diese der konventionellen gegenüber. Um einen kurzen Über- blick zu verschaffen sind die wichtigsten in der anschließenden Tabelle (1) aufgelistet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Unterschiede der nachhaltigen zur konventionellen Landwirtschaft (vgl. Christen/O'Halloran-Wietholtz 2002: 43ff. - eigene Darstellung)

Bei der ökologischen Landwirtschaft kommt es dabei zu einem erhöhten Qualitätsrisiko, geringeren Erträgen und steigenden Produktionskosten (vgl. Dieke/Pallutt/Me- lander/Christen 2008: 198).

4. Die Veränderung der konventionellen und die Fortschritte der nachhaltigen Landwirtschaft

Die Anfänge der modernen nachhaltigen Landwirtschaft liegen bereits in den 1920ern (vgl. Willer/Schmid 2016: 22). Seit diesen Jahren entwickelte er sich jedoch über lange Zeit ausschließlich in Nischen und wurde von der Gesellschaft kaum angenom- men. Die Wahrnehmung durch die allgemeine Bevölkerung begann erst, als sich ei- nige Verbände zusammenschlossen und später in den 1990ern EU-Bestimmungen festgesetzt wurden.

4.1. Phase 1 - Ökologische Konflikte führen zu einer Periode des Zuwachses nachhaltiger Landwirtschaft (1960-1989)

Gegen Ende der 1960er Jahre wurden die negativen Auswirkungen der industriali- sierten Landwirtschaft deutlich. Aus diesem Anlass wurde, laut Willer und Kollegen, eine der bis heute wichtigsten Stiftungen gegründet, die Stiftung Ökologie und Land- bau (SÖL). Zudem gründeten sich mehrere Erzeugerverbände, unter anderem 1971 BIOLAND, welcher die meisten Mitglieder verzeichnen konnte (vgl. Willer/Lün- zer/Haccius 2002: 9). Die meisten Verbände wurden vor allem gegründet, um deutlich zu machen, dass es auch mit einer ökologischen und nachhaltigen Anbauweise mög- lich ist erfolgreich zu wirtschaften (vgl. Willer/Lünzer/Haccius 2002: 10f.). Laut Vogt, kam es durch Maßnahmen der SÖL 1984 dazu, dass einige Verbände allgemeine Rahmenbedingungen festlegten. Zu diesen Verbänden gehörten ANOG, BIOKREIS, BIOLAND, ECOVIN, der DEMETER-BUND, NATURLAND und OSTBAYERN. Aus diesem gemeinsamen Schritt resultierte, dass 1988 ein Dachverband deutscher Ver- bände, die AGÖL, gegründet wurde (vgl. Vogt 2000: 274f.). Zu dieser Zeit kam es auch dazu, dass noch andere Verbände den Rahmenbedingungen zustimmten und in den Dachverband eintraten (vgl. Schaumann/Siebeneicher/Lünzer 2002: 66). Mitt- lerweile spielt die IFAOM (gegründet 1972) die bedeutendste Rolle. Durch die von ihr geschaffenen Richtlinien war es möglich europaweite Bestimmungen für die nachhal- tige Landwirtschaft zu schaffen und die zahlreichen Verbände zu koordinieren (vgl. Schaumann/Siebeneicher/Lünzer 2002: 69f.). 1989 wurden staatliche Fördermaß- nahmen ins Leben gerufen. Das Programm wurde als EG-Extensivierungsprogramm bezeichnet (vgl. Vogt 2000: 276).

Die Zeit zwischen 1960 und 1990 ist als die zu sehen, in welcher die nachhaltige Landwirtschaft begann eine Richtung festzulegen. In den 1970er Jahre gründeten sich in vielen Orten Naturkostläden und auch größere Firmen und Großunternehmen die sich auf die Arbeit mit biologischen Produkten spezialisierten (vgl. Willer/Schmid 2016: 23). Durch die Gründung zahlreicher Verbände wurde das Konzept unterstützt und vorangetrieben und bekam die Möglichkeit sich in Nischen weiterzuentwickeln. Zu dieser Zeit wurden die ‚Anhänger‘ der ökologischen Landwirtschaft von den größ- ten Teilen der Gesellschaft als Hippies und haltlose Weltverbesserer abgetan (vgl. Oppermann 2001: 19).

4.2. Phase 2 - Der Schritt aus der Nische (1990-1999)

Nach Ende der 80er Jahre bekam die nachhaltige Landwirtschaft starken Zulauf. Es fanden verschiedene Vorgänge der internen Strukturierung und Organisation statt, was zu professionelleren Grundlagen und einer Öffnung in den politischen Bereich hin führte. Landwirtschaftliche Institutionen etablierten sich damit in der Gesellschaft und der Politik. Oppermann schreibt, dass der größte Erfolg der ökologischen Land- wirtschaft in der Institutionalisierung das Fußfassen in der Agrarwissenschaft und im landwirtschaftlichen Ausbildungssystem war. Nachdem bereits 1981 der weltweit erste Lehrstuhl für ÄMethoden des alternativen Landbaus“ an der Universität in Wit- zenhausen eingerichtet wurde, bot dieselbe Universität ab dem Wintersemester 1995/96 erstmalig einen neuen Diplomstudiengang ÄÖkologische Landwirtschaft“ an (vgl. Oppermann, 2001: 18).

Die 90er Jahre können als die Zeit gesehen werden, in der die ökologische Landwirt- schaft weitreichende gesellschaftliche Anerkennung erlangte und sich aus ihrer Ni- sche bewegte (vgl. Oppermann 2001: 15). Diese Phase ist durch europäische Zu- sammenarbeit und staatliche Förderung geprägt. Auch landwirtschaftliche Kreise be- gannen sich deutlich positiver als zuvor darüber zu äußern. Es wurde offenbar, dass in diesen Jahren die nötigen Veränderungen stattgefunden hatten um die öffentliche Wahrnehmung zu verbessern. Wie bereits erwähnt, wurde nachhaltige Landwirtschaft in den Jahren zuvor eher abschätzig abgetan und als esoterischer Irrweg diffamiert. Dies geschah, obwohl seine Geschichte sich schon durch viele Jahrzehnte zog, bis in die achtziger Jahre. Oppermann gibt an, dass er politisch als Subkultur, linksalter- nativ und wertkonservativ angesehen wurde. Zu diesem Image hatte bis jetzt beige- tragen, dass Institutionen der industriellen Landwirtschaft diese neuere nachhaltige Art des Landbaus stark ausgrenzten (vgl. Oppermann 2001: 19ff.). Doch durch die Fortschritte in diesem Bereich in den 1990ern konnten sich viele Konzepte nachhalti- ger Landwirtschaft in Deutschland in den nächsten Jahren gut verbreiten. Dazu tru- gen verschiedene politische Initiativen, die in diesem Zeitraum getätigt wurden, bei. Die wichtigsten sind die EG-Verordnungen (jetzt EU) von 1991 1993 und 1999 (vgl. Haccius/Schmidt 2013: 17). Mit diesen Verordnungen zum ökologischen Landbau wurde der Handel mit Bioprodukten geregelt, indem Ausdrücke wie ‚organisch‘, ‚öko- logisch‘ und ‚biologisch‘ für landwirtschaftliche Erzeugnisse definiert wurden (vgl. Haccius/Schmidt 2013: 17). Durch diese Festlegungen werden bis heute Konsumen- ten vor unehrlichem Wettbewerb geschützt. Alle Produkte die in einem EG-Land er- zeugt werden müssen seitdem den Vorgaben dieser Verordnungen entsprechen um als ‚biologisch‘ vermarktet werden zu können. In der BRD fällt die Einhaltung dieser Standards in den Zuständigkeitsbereich der Länder (vgl. Haccius/Schmidt 2013: 15). Laut Willer weiteten sich nach der Wiedervereinigung die nachhaltig bewirtschafteten Flächen schnell auf die neuen Bundesländer aus. Die Vermarktung der so hergestel- len Produkte gestaltete sich dort jedoch schwerer, da bis dahin dort keine Bio-Pro- dukte bekannt waren (vgl. Willer/Lünzer/Haccius 2002: 23). Im Jahr 1995 sagt ein Bauer, der auf ökologische Landwirtschaft umgestellt hat: Äim Moment bin ich zwar noch der einzige Bioland-Bauer im Dorf, aber ich werde von allen akzeptiert und die Hoffnung, daß ich über kurz oder lang einige meiner konventionellen Kollegen vom ökologischen Landbau überzeugen kann bestärkt mich in meiner Arbeit“ (Bioland nach Oppermann 2001: 15). Diese Aussage steht für das, was auch die Statistik zur nachhaltigen Landwirtschaft in dieser Zeit aussagt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Durchbruch der nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland zwischen 1960-2010. Eine kurze Analyse
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V369205
ISBN (eBook)
9783668490109
ISBN (Buch)
9783668490116
Dateigröße
1046 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Multi-Level-Perspektive, Veganer, Vegetarier, Grüner Lebenssil, Bio
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Der Durchbruch der nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland zwischen 1960-2010. Eine kurze Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369205

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