Burnout und Depressionen. Eine systematische Analyse von Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Zusammenhängen im Arbeitskontext


Bachelorarbeit, 2017
73 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Psychische Erkrankungen
2.2 Burnout
2.3 Depressionen
2.4 Burnout und Depressionen als Stressfolge

3 Empirischer Teil
3.1 Methodisches Vorgehen bei der Literaturanalyse
3.2 Vergleichende Analyse von Burnout und Depressionen im Arbeitsleben

4 Diskussion
4.1 Einschränkungen der Studien
4.2 Praktische Implikationen

5 Fazit

6 Tabellenverzeichnis

7 Abkürzungsverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

Abstract

Fast alle Menschen fühlen sich einmal niedergeschlagen und antriebslos oder verzweifeln an bestimmten Dingen im Alltag oder Beruf. Es ist auch nicht selten, dass Depressionen und Burnout für dieselbe Krankheit gehalten werden. Die Thesis beschäftigt sich deshalb mit der systematischen Analyse von Depressionen und Burnout in Bezug auf Arbeit. Es werden Gemeinsamkeiten verdeutlicht, aber auch Aspekte genannt, in denen sich die Erkrankungen unterscheiden. Zudem wird darauf eingegangen, ob es eventuell auch Zusammenhänge gibt. Der erste Teil befasst sich mit dem Zustand des Burnouts. Was ist überhaupt eine psychische Erschöpfung und wann tritt diese auf? Der nächste Schritt ist die Analyse der Depression. Daraufhin werden als ein möglicher Ansatzpunkt zur Entstehung von depressiven bzw. Burnout-Symptomen im Arbeitsleben, Stressmodelle behandelt. Ergänzend werden die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und auch Zusammenhänge der beiden Erkrankungen ausgearbeitet. Danach sollen empirische Studien die gewonnenen Erkenntnisse stützen. Letztendlich wird dann ein Fazit gebildet, das entweder zu dem Ergebnis führt, dass es sinnvoll ist Depressionen und Burnout voneinander zu trennen oder nicht.

1 Einleitung

Immer häufiger leiden Menschen im Beruf unter dem Wandel der Arbeitswelt und den dadurch ständig wachsenden Aufgaben an sich selbst. Die psychische Gesundheit der Betroffenen wird dadurch enorm belastet und sie leiden unter den überdurchschnittlich hohen Anforderungen, mental als auch emotional (vgl. Jung, 2011, S.20). Die Entstehung einer psychischen Erkrankung aufgrund von Stress ist häufig die Folge dieser Fehlbelastung am Arbeitsplatz. Entwickelt sich aufgrund dessen, Burnout oder eine Depression im Beruf, so hat dies schwerwiegende Auswirkungen für den Erkrankten und das Unternehmen. Die Unterscheidung dieser beiden Phänomene fällt aber nicht nur Laien schwer, auch der aktuelle Wissenstand der Forschung ist sich nicht einig.

Diese Bachelorthesis dient dazu, Aspekte zu erwähnen, die Burnout und Depressionen gemeinsam haben wie auch Kriterien, die die beiden unterscheidet. Außerdem soll auch der Zusammenhang zwischen Burnout und Depression geklärt werden. Insgesamt ist das Ziel, ein besseres Verständnis für diese Begrifflichkeiten zu vermitteln, theoretisch als auch empirisch.

2 Theoretischer Teil

2.1 Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind in der heutigen Gesellschaft keine Seltenheit mehr. Die Fehltage aufgrund seelischer Belastungen sind enorm gestiegen und haben ihren Höchststand erreicht. Die meisten Fehltage sind auf Depressionen zurückzuführen, dicht gefolgt von Burnout. Zudem leiden Frauen viel häufiger an einer psychischen Krankheit als Männer. Sie verzeichnen 60 Prozent mehr Fehltage als Männer. Zudem sind psychische Störungen bei Frauen die häufigste Diagnose (vgl. DAK Gesundheit, 2016).

Um die Unterscheidung zwischen einem gesunden und einem kranken Menschen vornehmen zu können, sollen die 2 Begrifflichkeiten Gesundheit und Krankheit zunächst einmal definiert werden. Die wohl bekannteste Definition von Gesundheit ist die der World Health Organization (WHO): „Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ (Weltgesundheitsorganisation, 2014, S.1) Pschyrembel (2014, S.14) beschreibt Krankheit als „Störungen der Lebensvorgänge in Organen oder im gesamten Organismus mit der Folge von subjektive empfundenen oder objektiv feststellbaren körperlichen, geistigen oder seelischen Veränderungen.“

Hautzinger & Thies (2009) gehen davon aus, dass Betroffene einer psychischen Störung (z.B. Burnout oder Depression) in ihrem Erleben und Verhalten von sozialen Wertvorstellungen und Normen abweichen. Dadurch wird auch ihre Lebensführung schwer beeinträchtigt. Beispielsweise fällt es einem Menschen schwer, der an einer Sozialphobie leidet, sich an einer Teambesprechung bei der Arbeit zu beteiligen. Dies kann sich im Arbeitsleben dann negativ auswirken. Zudem werden psychische Erkrankungen von Mitmenschen oft als unangemessen wahrgenommen. Des Weiteren ist das persönliche Leid der Betroffenen nicht zu unterschätzen. Viele sind oft einsam, bedrückt, niedergeschlagen oder negativ eingestellt aufgrund ihrer Erkrankung. Eine psychologische Behandlung ist meistens der einzige Ausweg. Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freund sieht die Ursache psychischer Störungen, nach dem psychodynamischen Paradigma, in unbewussten Prozessen. Das Verhalten des Menschen resultiert aus der Interaktion dreier psychischer Instanzen (Ich, Es, Über-Ich), die verschiedene Ziele verfolgen und im Laufe der persönlichen Entwicklung gelingen oder nicht. Im Gegenzug zum psychodynamischen Paradigma gehen Vertreter des lerntheoretischen Paradigmas davon aus, dass gestörtes Verhalten genauso erlernt wird wie normales Verhalten. Beim kognitiven Ansatz wird davon ausgegangen, dass Kognitionen, also Denk- und Wahrnehmungsvorgänge im lerntheoretischen Ansatz, das entscheidende Element in der Entstehung einer psychischen Störung sind.

2.1.1 ICD­10­Klassifikation psychischer Störungen

Das aktuell international gültige Diagnoseklassifikationssystem ICD-­10 (International Classification of Diseases), das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird, dient der weltweit einheitlichen Einstufung psychischer Störungen. Depressionen fallen nach dieser Klassifikation unter die Kategorie der Affektiven Störungen. Man findet diese unter dem Diagnoseschlüssel F30 (vgl. Dilling, Freyberger, Cooper, & Weltgesundheitsorganisation, 2013, S.119). Affektive Störungen beschreiben die Veränderung der Stimmung und des Aktivitätsniveaus einer Person. Diese beeinflussen das Individuum in ihrem sozialen und beruflichen Umfeld enorm (vgl. Asanger & F. A. Brockhaus GmbH, 2009, S.17). Sucht man in der Systematik nach Burnout, so wird deutlich, dass es für diesen Begriff keine eigenständige Kategorie gibt wie für die depressive Erkrankung. Burnout findet man unter dem Diagnoseschlüssel Z73.0 und ist nach der WHO nicht als eigenständige Krankheit deklariert, sondern als Zusatzdiagnose.

2.1.2 Relevanz in der Arbeitswelt

Psychische Erkrankungen sind nicht nur für die Betroffenen ein Problem, auch die Arbeitswelt verändert sich dadurch drastisch. Der BKK Gesundheitsreport betitelt psychische Erkrankungen als zweitwichtigste Ursache für Fehltage. Der Anteil beträgt 14,7 Prozent (235 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Beschäftigte) an allen AU-­Tagen der beschäftigten Mitglieder. Am häufigsten von seelischen Erkrankungen sind Beschäftigte im Sozialwesen betroffen (415 AU-Tage je 100 Mitglieder). Daraufhin folgen Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung (333 AU-­Tage je 100 Mitglieder). Viel weniger Fehlzeiten aufgrund einer psychischen Störung zeigen hingegen Mitarbeiter in der Land- und Forstwirtschaft (vgl. Knieps & Pfaff, 2015, S.247). Außerdem ist es relevant die Krankheitsdauer der psychischen Erkrankungen zu erwähnen. Die durchschnittliche Falldauer beträgt 39,1 Tage im Jahr. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen, beispielsweise Verletzungen mit 18,3 Prozent (vgl. Knieps & Pfaff, 2015, S.39). Gründe für die Entwicklung einer psychischen Störung im Beruf liegen in der heutigen Zeit oft an dem Wandel der Arbeitswelt, von einer Industrie- in eine Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft (vgl.Treier, 2009). Der Fehlzeitenreport geht davon aus, dass psychische Störungen in der Arbeitswelt auch durch die ungünstig gestalteten Beziehungen innerhalb der Organisation zustande kommen (vgl. Badura u. a., 2016). Ein Zitat aus demJournal of Clinical Psychologyverdeutlicht dies:

„Das Burnout von heute stammt überwiegend von dem Druck, die eskalierenden Ansprüche Anderer zu erfüllen, oder von der intensiven Konkurrenz, besser als andere in derselben Organisation oder Firma zu sein, oder von dem Antrieb, immer mehr Geld zu machen, oder von dem Gefühl, es werde einem etwas vorenthalten, was man offensichtlich verdient.“ (Farber, 2000, S.592)

2.2 Burnout

Früher wurde Burnout oft alsManagerkrankheitdeklariert. Nur Menschen mit hohem Stressanteil bei der Arbeit würden unter dieser Erkrankung leiden. DieMidlife-Crisisist ein weiterer gängiger Begriff gewesen, um Burnout zu beschreiben. Also eine Krise in der Mitte des Lebens sozusagen. In unserer heutigen Gesellschaft, in Zeiten der Globalisierung und der sich ständig verändernden Arbeitswelt hat sich das Phänomen Burnout zu einer Art Volkskrankheit entwickelt (vgl. Waadt & Acker, 2013).

2.2.1 Definition und Eingrenzungsmöglichkeiten

Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger führte den Begriff Burnout 1974 in die Psychologie ein und bezeichnete anfänglich das totale Erschöpfen und Aufopfern von Menschen in helfenden Berufen (vgl. Freudenberger, 1974). Der Ausdruck Burnout ist in unserem heutigen Sprachgebrauch weit verbreitet. Demerouti (1999) geht davon aus, dass es Menschen leichter fällt unter der Diagnose Burnout zu leiden als unter einer Depression. Leiter & Maslach (2007, S.2) sind der Auffassung, dass Burnout mehr ist als nur niedergeschlagen zu sein oder mal einen schlechten Tag zu erleben. Sie beschreiben Burnout als einen chronischen Zustand, in dem das Individuum nicht im Einklang mit sich selbst und seiner Arbeit ist. Stress, Erschöpfung und verlorene Begeisterung für den Beruf sind wesentliche Merkmale dieses Leidens. Sie beschreiben die Erkrankung als ein Syndrom, welches aus drei Faktoren besteht. Nämlich der Dimension einer emotionalen Erschöpfung, der Gleichgültigkeit im sozialen Umfeld und der geminderten individuellen Leistungsfähigkeit im Beruf. Es heißt zudem, dass wer ausbrennt, muss vorher gebrannt haben (vgl. Nelting, 2011) . „Ausbrennen“ bedeutet, dass man die eigenen körperlichen und seelischen Reserven verbraucht (vgl. Rook, 1998, S.109). Es liegt die Vermutung nahe, dass Burnout oftmals die Menschen trifft, die viel Ehrgeiz, Leidenschaft und Individualismus in ihrem Tun beinhalten (vgl. Nelting, 2011, S.27). Maslach & Leiter (2001) bestätigen diese Ansicht. Burnout kann bei Individuen auftreten, welche mit Menschen zusammenarbeiten, und die bis an die Grenze ihrer eigenen Leistungsfähigkeiten gehen. Es gibt eine Vielfalt an Definitionen und Erklärungen zu dieser Erkrankung. Eine detaillierte Definition lautet:

„Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand >>normaler<< Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anpassung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht.“ (Schaufeli & Enzmann, 1998, S. 36)

Man kann sagen, dass Burnout in der Gesamtheit ein Zustand der seelischen Erschöpfung ist und Diskrepanzen zwischen dem Selbst und der Arbeit aufzeigt. Es treten zudem psychische als auch physische Beschwerden bei den Betroffenen auf. Die „eine“ Definition gibt es aufgrund der Heterogenität, der vielfach vorhandenen Begriffsbestimmungen nicht. Außerdem fällt eine Eingrenzung schwer. Einen Versuch, Burnout zu klassifizieren, haben Schaufeli und Enzmann ebenfalls angestrebt. Sie assoziierten die Krankheit Neurasthenie mit Burnout, vorausgesetzt die Neurasthenie bezieht sich auf den Beruf (Müßigbrodt, 2010, S.88). Außerdem wird Burnout heutzutage oft mit Depressionen gleichgestellt und für die gleiche Krankheit gehalten. Die Erkrankung ist auch von dem Wort Stress zu trennen. Die Begriffe weisen Gemeinsamkeiten auf, aber auch klare Unterschiede. Eine Eingrenzung, was Depression oder Stress überhaupt ist, wird im weiteren Verlauf meiner Arbeit ersichtlich werden. Burnout ist zudem von dem Ausdruck der „inneren Kündigung“ zu trennen. Nach Brinkmann & Stapf (2005) beschreibt dieser Begriff eine gewollte herabgesetzte Leistungsfähigkeit eines Individuums in seinem Beruf. Im Gegensatz dazu, beschreibt Burnout, dass die Leistungsminderung durch ungewollte Abflachung der eigenen Leistung im Arbeitsleben zustande kommt.

Letztlich ist noch zu klären, ob Burnout eine eigenständige psychologische Erkrankung ist. Wie in dem Kapitel 2.1 schon erwähnt, wird das Phänomen Burnout nach dem ICD-­10 nicht als eigenständige psychische Krankheit deklariert, sondern nur als Zusatzdiagnose, also ein Zustand der die Gesundheit verändert. Dies verdeutlicht ein Zitat:

„Das Burnout-­Syndrom ist kein spezifisches Krankheitsbild mit eindeutig definierten Kriterien. Bis heute existieren weder ein objektiver Krankheitsmarker noch eine einheitliche Definition der Symptome, welche ein Burnout-­Syndrom charakterisieren. [...] Damit hat das Burnout-­Syndrom zwar Krankheitswert, ist aber keine anerkannte somatische oder psychiatrische Krankheit.“ (von Känel, 2008, S.479)

Um den Lesefluss zu erleichtern wird aber im weiteren Verlauf der Arbeit von Erkrankung, Krankheit und Fehlbelastung des Burnouts gesprochen.

2.2.2 Messung von Burnout

Zur Evaluierung von Burnout werden zwei gängige Instrumente verwendet. Zum einen das Tedium Measure (TM) nach Pines, Aronson, & Kafry (2006) und zum anderen das Maslach Burnout Inventory, kurz MBI (vgl. Maslach, Jackson, & Leiter, 1996, S.191-­218). In meiner Arbeit werde ich das wichtigste Messinstrument, das MBI näher erläutern. Es ist ein standardisierter Fragebogen der erfasst, wie Beschäftigte ihren Beruf und ihre Tätigkeit erleben. Nach Maslach & Leiter (2001, S.161-­162) soll dieser Fragenkatalog außerdem dazu dienen, eine allumfassende Übersicht über die Leistung und die Einsatzbereitschaft eines Mitarbeiters wiederzugeben. Mittlerweile sind drei Version des MBI vorhanden. Die ursprüngliche Ausarbeitung des MBI findet man heute unter dem BegriffHuman Services Survey(MBI-­HSS), welches für Dienstleistungsunternehmen konzipiert gewesen ist. Die zweite Ausarbeitung ist dasMBI Educators Survey(MBI-­ES), welches für pädagogische Berufe gedacht ist. Die letzte Version ist dasMBI General Survey(MBI-­GS), das für alle Berufe gilt (vgl. Burisch, 2014). Außerdem gibt es noch andere Messinstrumente, die die Entstehung von Burnout erfassen können. Im empirischen Teil diese Arbeit finden einige von ihnen Anwendung.

Das MBI besteht aus drei unterschiedlichen Dimensionen der Berufserfahrung eines Arbeiters: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierug und der (Un)zufriedenheit der eigenen Leistung (vgl. Maslach & Leiter, 2001). Die emotionale Erschöpfung ist durch die seelische Überforderung und das Ausgelaugt sein, in Bezug auf den Umgang mit Mitmenschen, geprägt. Die Depersonalisierung ist gekennzeichnet von gefühlslosen, beleidigenden und gleichgültigen Reaktionsweisen und der Vermeidung von angebotenen Hilfeleistungen. Die persönlich reduzierte Leistungsfähigkeit beschreibt die eigene Empfindung in Hinblick auf das eigene Handeln. Die Betroffenen fühlen sich inkompetent und zweifeln an ihren Leistungen. Sie sind der Ansicht, dass Erfolgserlebnisse ausbleiben (vgl. Litzcke, Schuh, & Pletke, 2013). In Bezug auf Teams ergänzte Fengler (2015, S.19f.) eine Dimension, nämlich den Kohäsionsverlust, sprich dem Zerfall der Gruppe.

Die Testpersonen müssen das MBI mit insgesamt 25 Fragen beantworten. Die Fragen werden dann mittels einer 7-­Punkte-­Skala ausgewertet. Maslach & Leiter (2001, S.162) sind der Auffassung, dass Personen, die ein hohes Maß an emotionaler Erschöpfung und Depersonalisierung aufweisen, mit gleichzeitig geringer Zufriedenheit mit der eigenen Leistung, an Burnout leiden. Eine niedrige emotionale Erschöpfung und Depersonalisation, bei überwiegend positiven Erfolgen bei der Arbeit führt demnach zu einer erhöhten Identifikation mit dem Beruf. Jaggi (2008, S.2) sieht Nachteile des Fragekatalogs in der zu langen Bearbeitungsdauer, die 10-­15 Minuten dauert. Er kritisiert auch, dass keine Messwertverteilung möglich ist. Das MBI war anfangs nicht für alle Berufe konzipiert, sondern für das Berufsumfeld Medizin. Zudem ist das MBI seiner Ansicht nach, mit zu wenigen Hintergrundinformationen ausgestattet, wie die Verhaltensbeobachtung durch Dritte oder die fehlende Angabe der Fehltage bei der Arbeit. Durch das MBI ist es möglich eine Selbsteinschätzung der Gefühle und Gedanken, die Berufstätige in ihrer Arbeit haben, festzustellen. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Fragebogen keine Diagnose in dem Sinne darstellt, sondern eher eine mögliche Entwicklung zum Burnout aufzeigt.

2.2.3 Entstehung und Ursachen von Burnout

Nach der Arbeit noch schnell ein paar Emails beantworten, morgens eine Stunde früher zur Arbeit fahren, um das Arbeitspensum für den Tag zu schaffen, das Wochenende nutzen, um Geschäftspartner zu treffen. Wer kennt das nicht? Oft werden die alarmierenden Signale eines Burnouts gar nicht oder viel zu spät wahrgenommen. Nach Burisch (2014) entsteht Burnout in erster Linie durch Stress. Diesen Begriff werde ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit erläutern. Außerdem entwickelt sich Burnout aufgrund der durch Stress resultierenden Hilflosigkeit. Beispielsweise kann ein Berufswechsel Hilflosigkeit, wegen der neuen Tätigkeiten auslösen. Überwiegt diese Hilflosigkeit in mehreren Situationen oder sogar in allen, dann spricht Burisch eindeutig von Burnout. DieVolkskrankheitentwickelt sich zudem durch persönliche Faktoren. Nach Schaufeli & Enzmann (1998) ist eine emotionale Instabilität in der Person für Burnout verantwortlich. Burisch (2014) ist der Ansicht, dass ein instabiles Selbstbild und geringe Selbstachtung auch Gründe sind, die die Betroffenen in diesen Krankheitszustand geführt haben. Er geht davon aus, dass Menschen die keine ausreichende Leistung erbringen oder eine nicht hinreichende Ausbildung haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an leichten Aufgaben scheitern werden, was wiederum zum Burnout führt. Zusätzlich ignorieren die Betroffenen, dass sie für manche Tätigkeiten nicht die nötige Belastbarkeit aufweisen. Außerdem kann eine unrealistische Erwartungshaltung, die dann mit Enttäuschungen verbunden ist, auch die Entwicklung eines Burnouts begünstigen (vgl. Schmitz, Hillert, Lehr, Pecho, & Deibl, 2002, S.417). Perfektionismus und mangelnde Distanz zum Beruf, sind nach Heyse, Krampen, Schui, & Vedder (2004, S.373-­379) auch Personenfaktoren, die zu diesem negativen psychischen Zustand führen. Außerdem sind noch situative Faktoren mit-einzubeziehen, die zur Entstehung von Burnout beitragen.

Burisch (2014) unterscheidet hierbei zwischen Aufgaben-­, Organisationsund Kontrollmerkmalen. Eine andauernde Arbeitsbelastung, keine positive Rückmeldung oder hoher Zeitdruck sind Aufgabenmerkmale. Aspekte, die die Organisation betreffen sind beispielsweise die ungleiche Verteilung der Rollen oder Konflikte innerhalb dieser Rollen. Die Unsicherheit, den Arbeitsplatz verlieren zu können ist auch ein Organisationsmerkmal. Soziale Merkmale beschreiben die fehlende Hilfe, arbeitsbezogen, aber auch privat. Die fehlende Kollegialität ist auch ein negativer sozialer Faktor, der die Betroffenen in ein Burnout führt. Burisch erwähnt auch, dass die fehlende Machtausübung, beispielsweise als Angestellter, auch ein Faktor für die Entwicklung von Burnout sein kann. Neue, schwierige Ereignisse wie zum Beispiel Krankheit der Berufstätigen oder Kündigung der Arbeitsstelle können die Entstehung von Burnout begünstigen. Enzmann (1996) ist der Ansicht, dass bei längerer Berufserfahrung die persönlichen Faktoren eher zu Burnout führen als die situativen Aspekte. Ein möglicher Grund ist für Ihn, dass die Gewöhnung an den Beruf und die damit verbundenen Tätigkeiten, aufgrund der Dauer schneller und leichter funktionieren. Bestätigung findet diese Aussage bei Richter & Hacker (2014, S.149).

Außerdem sind Maslach & Leiter (2001, S.41-­64) der Überzeugung, dass Burnout durch sechs Ursachen zustande kommt. Zum einen durch die zunehmende Arbeitsbelastung sind Berufstätige heute gefährdeter an der Diagnose Burnout zu leiden. Fehlende Kontrollübernahme bei der Arbeit als auch unzureichende Belohnung für sein Tun im Beruf sind weitere Ursachen. Das Gemeinschaftsgefühl im Job wird zudem gemindert. Einen Grund hierfür sehen die Autoren in der immer wachsenden Unsicherheit, den Arbeitsplatz zu verlieren. Fehlende Fairness, also Gerechtigkeit zwischen den Kollegen und der Organisation, ist auch ein Indiz um an Burnout zu erkranken. Der letzte Auslöser für eine Burnout Erkrankung sind die widersprüchlichen oder fehlenden Werte in der Organisation. Heutzutage sind die Unternehmen darauf ausgerichtet ihren Gewinn zu maximieren. Dies wirkt sich dann negativ auf die Qualität der Arbeit aus. Richter & Hacker (2014, S.147ff.) sehen die Ursachen ähnlich. Unter- und Überforderung bei den Arbeitsanforderungen führen in die Diagnose eines Burnouts. Außerdem fügen Sie hinzu, dass die berufliche und die persönliche Lebenssituation bei der Erkrankung eine Rolle spielen. Nicht zu vergessen sind außerdem noch die gesundheitlichen Probleme, wie beispielsweise Übergewicht, die in die Burnout Spirale führen können (vgl. Nelting, 2011, S.98f.).

2.2.4 Krankheitsbild: Symptomatik und Verlauf

Heutzutage ist eine Vielzahl an Symptomen für die Entstehung einer Burnout Erkrankung bekannt. Die wichtigsten sind zu Beginn die erhöhte Arbeitsleistung und Selbstüberschätzung, dann die Erschöpfung, die Reizbarkeit und Verzweiflung, schließlich der totale Rückzug. Eine übersichtliche und detaillierte Zusammenfassung der Anzeichen für Burnout liefert Burisch schon 1994. Er ist der Auffassung, dass Burnout in 7 Phasen verläuft und sich durch 130 Symptome erkennen lässt (vgl. Burisch, 2014).

Die Phasen nach Burisch:

- Phase 1: Warnsymptome der Anfangsphase
- Phase 2: Reduziertes Engagement
- Phase 3: Emotionale Reaktionen, Schuldzuweisungen
- Phase 4: Abbau
- Phase 5: Verflachung
- Phase 6: Psychosomatische Reaktionen
- Phase 7: Verzweiflung

Die erste Phase lässt sich in zwei Ebenen unterteilen. Zum einen das vermehrte Engagement für Ziele und zum anderen die Erschöpfung. Die auftretenden Symptome in der ersten Ebene sind beispielsweise: Hyperaktivität, freiwillige unbezahlte Mehrarbeit, Verleugnung der eigenen Bedürfnisse, die Verdrängung von Misserfolgen und die Beschränkung der sozialen und beruflichen Kontakte. Die Erschöpfung (zweite Ebene in der ersten Phase) zeichnet sich durch chronische Müdigkeit, Energiemangel und erhöhte Unfallgefahr aus.

Die zweite Phase beschreibt das reduzierte Engagement. Hier wird unterschieden zwischen der Einsatzbereitschaft gegenüber Klienten, Patienten usw. und dem Einsatz in Hinblick auf die Arbeit. Eine weitere Unterteilung ist der reduzierte Einsatz, der für die Allgemeinheit gilt. Die letzte Ebene in der zweiten Phase sind dann die erhöhten Ansprüche des Burnout Betroffenen. Typische Symptome in Bezug auf den Klienten, Patienten etc. sind die Desillusionierung, Verlust positiver Gefühle und Meidung des Kontakts mit Klienten, aber auch Kollegen. Außerdem treten Aufmerksamkeitsstörungen bei dem Burnout Betroffenen auf. In Hinblick auf die geminderte Einsatzbereitschaft für die Arbeit können folgende Symptome auftreten: Negative Arbeitseinstellung, Enttäuschung, Fehlzeiten, Fluchtphantasien und Tagträume. Nimmt man in der zweiten Phase Bezug auf die Allgemeinheit, dann sind folgende Anzeichen charakteristisch: Verlust der Empathie, Abnahme der Hilfsbereitschaft, Verständnis- und Rücksichtslosigkeit. In der letzten Unterteilung der zweiten Phase verliert der Betroffene das Gefühl der Anerkennung, seinen Idealismus und er hat das Gefühl, dass die eigenen Ansprüche Priorität haben. Eifersucht, Partnerprobleme oder Konflikte mit anderen können ebenfalls auftreten.

Die dritte Phase ist unterteilt in Depression und Aggression. Bei einer entstehenden Depression sieht Burisch beispielsweise die folgenden Anzeichen: Schuldgefühle, reduzierte Selbstachtung, Selbstmitleid, Ruhelosigkeit, Hilflosigkeit und Pessimismus. Die Aggression ist durch die folgenden Symptome gekennzeichnet: Reizbarkeit, negative und defensive Einstellung, Schuldzuweisungen, Vorwürfe und Konflikte mit anderen, wie auch Intoleranz.

Die vierte Phase beschreibt den Abbau im Verlauf des Burnouts. Es beginnt mit dem reduzieren der kognitiven Leistungsfähigkeit. Der Betroffene hat Konzentrations- und Gedächtnisprobleme und ist unfähig Entscheidungen zu treffen. Des Weiteren beginnt der Abbau der Motivation. Der Erkrankte zeigt keine Eigeninitiative oder Produktivität mehr bei seiner Arbeit. Zudem nimmt die Kreativität ab. Letztlich zeigen Burnout Betroffene Widerstand gegenüber Veränderungen.

Nach Burisch beschreibt die fünfte Phase die Verflachung des emotionalen-, sozialen- und geistigen Lebens. Die Emotionen nehmen ab und es tritt eine gewisse Gleichgültigkeit ein. Die sozialen Kontakte werden reduziert und die Betroffenen fühlen sich einsam. Es werden Gespräche gemieden und die Personen beschäftigen sich nur mit sich selbst. Es werden Tätigkeiten aufgegeben, die früher Spaß bereitet haben. Desinteresse und Langeweile sind typische Anzeichen in dieser Phase.

Daraufhin folgen in der nächsten Stufe die psychosomatischen Reaktionen, also psychische Probleme, die sich anhand körperlicher Beschwerden äußern. Hier zählt Burisch eine Vielzahl von Symptomen auf. Einige davon sind: Schwächung der Immunreaktion, Schlafstörungen, Herzklopfen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Gewichtsveränderungen und die Zunahme des Konsums von Alkohol, Kaffee oder anderen Drogen.

Die letzte Phase beschreibt die Verzweiflung des Burnout Betroffenen. Es entwickelt sich eine negative Lebenseinstellung. Das Gefühl der Sinn- und Hoffnungslosigkeit tritt ein. Das Leiden kann zudem zu Selbstmordgedanken führen, wie auch zur Verzweiflung über die eigene Existenz.

Schaufeli und Enzmann (1998) versuchten vier Jahre nach Burisch ebenfalls eine Übersicht der Symptome einer Burnout Erkrankung zusammenzustellen. Auch Sie haben eine Vielzahl an Beschwerden festgestellt. Sie unternahmen aber einer Aufteilung nach Ebenen:

- Symptome auf interindividueller Ebene
- Symptome auf interpersoneller Ebene
- Symptome auf institutioneller Ebene

Die Ebenen wurden in fünf Symptombereiche eingeteilt: Affektive-, Kognitive- und Physische Symptome wie auch Verhaltens- und Motivationsanzeichen. Da sich die Anzeichen für eine Burnout Erkrankung nach Burisch sehr ähneln, nur die Aufteilung unterschiedlich ist, werden lediglich ein paar Symptome genannt.

Auf der interindividuellen Ebene treten affektive Anzeichen in Form von emotionaler Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit ein. Kognitive Symptome sind Hilflosigkeit, geringes Selbstwertgefühl und Einsamkeit. Kopfschmerzen, Übelkeit, körperliche Schwäche und hoher Blutdruck sind physische Beschwerden in der interindividuellen Ebene. Die Betroffenen zeigen zudem Verhaltensprobleme auf wie Hyperaktivität und ein erhöhter Konsum an Drogen aller Art. Burnout Erkrankte leiden zudem an Motivationsproblemen. Resignation, Enttäuschung, Desillusionierung und Langeweile sind typische Anzeichen des Motivationsverlusts. Die zweite Ebene, die interpersonelle Ebene beschreibt Reizbarkeit, emotionale Empathie und auch Überempfindlichkeit als affektive Beschwerden. In Bezug auf kognitive Anzeichen überwiegen Negativismus und Stereotypisierung in Bezug auf Klienten, Paranoia und Feindseligkeit. Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich in Form von Gewalt, Konflikte innerhalb der Familie und mit sich selbst, Eifersucht oder Einsamkeit. Die Betroffenen verlieren ihr Interessenbedürfnis und sind entmutigt. Auf institutioneller Ebene weisen Burnout Betroffene eine erhöhte Arbeitsunzufriedenheit auf. Sie misstrauen den Arbeitskollegen wie auch dem Vorstand. Auffällig in der Phase ist nur, dass es keine physischen also körperlichen Probleme gibt. Im Verhalten zeigen sich aber Auffälligkeiten. Fehltage, Unpünktlichkeit und kein Zeitmanagement sind mögliche Symptome. Zudem sinkt die Arbeitsmotivation.

Eine weitere Theorie welche Symptome Burnout aufweist und wie die Erkrankung verläuft haben Freudenberger, North, & Herbst (1992, S.121-­161) gezeigt. Sie gehen von einem Burnout-Zyklus aus, der sich in 12 Stadien unterteilen lässt:

Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen.

Diese Phase ist besonders schwer zu erkennen. Schlagwörter für diese Phase sind hohe Erwartungen, Leistung, Erfolg. Wenn das Bedürfnis sich zu beweisen zu stark wird, kann aus dem Wunsch schnell ein Zwang entstehen.

Stadium 2: Verstärkter Einsatz.

Die Betroffenen sind so sehr auf ihre Arbeit konzentriert, dass sie ungerne Hilfe von außen annehmen. Sie erhöhen ihre Leistungsbereitschaft, um die gegebene Aufgabe oder das Arbeitspensum zu schaffen.

Stadium 3: Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse.

Die Betroffenen fühlen sich überlastet, sei es in Bezug auf ihr Zeitmanagement oder körperlich und seelisch. Die Aufmerksamkeit wird in diesem Stadium nur auf die Arbeit reduziert, die eigenen Bedürfnisse werden vernachlässigt.

Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen.

In dieser Phase fallen den Betroffenen die inneren Konflikte und ihr verändertes Verhalten auf. Das Problem hierbei ist, dass diese Auffälligkeiten bei den Personen immer noch keine Relevanz finden.

Stadium 5: Umdeutung von Werten.

Die Zeit spielt in dieser Lage eine wichtige Rolle. Beispielsweise sagen Burnout Betroffene aus, dass sie in den nächsten Jahren keine Zeit haben werden für eine Beziehung oder für Freundschaften. Die eigenen Ziele stehen immer noch im Vordergrund. Die Werte werden umfunktioniert.

Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme.

In dieser Phase soll die Erkrankung verheimlicht werden. Die Verheimlichung von Bedürfnissen wird verstärkt. Ein ernstzunehmendes Symptom in diesem Stadium ist die Intoleranz gegenüber der Außenwelt.

Stadium 7: Rückzug.

Die Betroffenen ziehen sich nun aufgrund der unbefriedigten Bedürfnisse zurück.

Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderungen.

In dieser Phase wird Kritik von den Betroffenen nicht mehr angenommen. Es ist für die Personen schwierig, zwischen gewünschten Bedürfnissen und gefürchteten Angriffen zu unterscheiden. Das Urteilsvermögen ist eingeschränkt und das Verhalten verändert sich negativ.

Stadium 9: Depersonalisierung/Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit. Die Betroffenen erkennen sich selbst nicht mehr wieder. Es kommt zu einer schweren Form des Rückzugs, der Depersonalisierung. Burnout Erkrankte haben eine pessimistische Einstellung in Hinblick auf sich selbst und der Verstand reduziert sich.

Stadium 10: Innere Leere.

In diesem Stadium fühlen sich die Betroffenen innerlich leer. Ein Anzeichen für diese Phase ist, dass die Personen das versuchen zu verheimlichen, indem sie sich mich kurzfristigen Belohnungen befriedigen, beispielsweise mit dem Konsum von Alkohol.

Stadium 11: Depression.

Das Leben erscheint den Erkrankten sinnlos, trüb. Sie sind verzweifelt und fühlen sich erschöpft. Hoffnungslosigkeit ist ein Symptom dieser Phase, wie auch die Verdrängung der Realität. Es kann zu Suizidgedanken kommen.

Stadium 12: Völlige Burnout Erschöpfung.

Die psychische, wie auch die physische Erschöpfung in diesem Stadium ist lebensbedrohlich. Das Leben ist wie in Phase 11 sinnlos und ohne Aussicht auf Besserung. Die Erkrankten befinden sich in einer ernstzunehmenden Krise.

Schlussfolgernd ist anzumerken, dass die Autoren der genannten Verläufe und Symptome selbst der Ansicht sind, dass Burnout nicht die aufgezählte Reihenfolge einhält oder alle Symptome auftreten müssen. Es kann zu Abweichungen kommen. Auffällig ist jedoch bei allen Modellen, dass zu Beginn der Burnout Erkrankung eine erhöhte Begeisterung für den Beruf oder eben die auszuführende Tätigkeit besteht. Der Burnout Zyklus schließt sich aber mit dem totalen Rückzug der Person von der Außenwelt, Erschöpfung, Verzweiflung und Selbstzweifeln sind gegenwärtige Symptome. Nachteile an den Burnout Anzeichen sieht Rösing (2003, S.64) darin, dass es keine spezifischen Symptome für Burnout gibt. Sie ähneln sich zwar, aber welches ist das ausschlaggebende Symptom, dass Burnout diagnostiziert? Erhöhter Blutdruck, Müdigkeit oder der Zustand der Erschöpfung könne auch Indiz für eine andere Erkrankung sein. Sie beschreibt die Symptome als Möglichkeit Burnout ansatzweise zu erkennen, aber Sie sieht sie nicht als Basis für die Forschung. Eine Übereinstimmung in Bezug auf den Verlauf der Burnout Erkrankung haben Savicky & Cooley (1983, S.236) genannt. Die Diagnose Burnout ist ein langer, anstrengender Prozess, der langsam, nach und nach einsetzt.

2.2.5 Theoretische Burnout Konzepte

In der bisherigen Burnout Forschung ist noch keine einheitliche Theorie über die Entstehung der Erkrankung bekannt. Jedoch kann man aufgrund der vielen verschiedenen Teilansätze zwischen drei Erklärungsebenen unterscheiden, nämlich der intrapersonalen, der interpersonellen- und der organisationalen Ebene.

2.2.5.1 Intraindividueller Ansatz

Auf der intrapersonalen Ebene geht es um Ansätze wie Desillusionierung, dem Verlust von Idealen, Träumen und der Existenz. Der Pionier der Burnout Forschung Freudenberger (1974) ist der Auffassung, dass sich die Krankheit aufgrund der psychischen, individuellen Strukturen als langjähriger Prozess entwickelt. Typische Symptome sind Erschöpfung, Reizbarkeit und die Angst, nicht akzeptiert zu werden. Nach dem intraindividuellen Ansatz geht Freudenberger davon aus, dass ein enormes, noch aus der Kindheit stammendes Bedürfnis, anerkannt zu werden, welches zu erhöhtem Engagement und unrealistischen Bewertungserfahrungen im Beruf führt, der Grund für eine chronische Müdigkeit ist. Daraus folgen eine gesunkene Leistungsbereitschaft der Person wie auch Versagensängste. Ein typischer Abwehrmechanismus ist dann die Verdrängung, die durch Gleichgültigkeit und unterdrückte Gefühle gekennzeichnet ist. Freudenberger verweist darauf, dass besonders Menschen in helfenden Berufen wie Krankenschwestern, Altenpflegern oder Ärzten von Burnout betroffen sind. Freudenberger & Richelson (1980) bezeichneten Burnout zudem als Krankheit unter der nur Idealisten leiden würden, die im Beruf zielorientiert, charismatisch und sehr dynamisch sind. Pines (1993 zitiert nach: Schaufeli, Maslach, Marek, Taylor & Francis, 1996, S.33) erwähnt zudem, dass Menschen, die den Sinn des Lebens in ihrem Beruf suchen und diesen nicht finden würden, an Burnout leiden (vgl. Lauck, 2003).

2.2.5.2 Interindividueller Ansatz

Das berühmteste Konzept auf interindividueller Ebene ist, wie schon in der Arbeit erwähnt, der Ansatz von Maslach (1986) . Es wird davon ausgegangen, dass Burnout in drei Stufen stattfindet (Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung, Verringerung der Leistungsfähigkeit). Maslach ist der Auffassung, dass es zwei Ursachenfelder gibt. Einerseits die Wechselwirkung der beinhalteten Interaktion in einer Helfer-­Klienten-­Beziehung und andererseits die Gegebenheiten, unter denen diese Interaktion stattfindet, also in Bezug auf den Beruf, die organisationalen Bedingungen. Die Unterschiede in der interindividuellen Theorie liegen darin, dass die organisationalen Gegebenheiten, wie beispielsweise Arbeitsüberlastung, schlechtes Mitarbeiterklima oder Konflikte in der Führungsebene, die Ursachen für Burnout außerhalb der Person sehen. Hingegen die Ursachen der Helfer-­Klienten-­Beziehung aus der Interaktion zwischen Person und Umwelt resultiert. Die Entstehung von Burnout sieht Burke (1989, S.23-­32) anders. Er geht davon aus, dass zunächst der Leistungsabfall erfolgt, dann die Depersonalisierung und zum Schluss tritt die emotionale Erschöpfung ein. Myers (2000, S.56-­67) unterstützt diesen Standpunkt. Eine dritte Theorie auf interindividueller Ebene ist die von van Dierendonck, Schaufeli, & Buunk (2001,S.43-­52). Burnout kommt hier erst durch die geminderte Arbeitsleistung zustande, welche zu emotionaler Erschöpfung führt und dann zur Depersonalisierung.

2.2.5.3 Organisationaler Ansatz

Der organisationale Ansatz oder auch Person-­Institutionen-­Ansatz beinhaltet die Interaktion zwischen der Person und der Organisation. Passen die Erwartungen der Person nicht mit den Bedingungen überein, die die Organisation stellt, dann entsteht Burnout (vgl. Maslach & Leiter, 2001). Lauck (2003) ist der Auffassung, dass eine fehlende Grenzziehung zwischen Person und Organisation der Grund für die Entwicklung von Burnout ist.

2.2.6 Folgen von Burnout im Arbeitskontext

Wenn Mitarbeiter im Unternehmen von Burnout betroffen sind, dann hat dies erhebliche Folgen für den Leidenden, aber auch für den Betrieb. Es summieren sich zunächst Überstunden, die daraufhin durch die totale Erschöpfung zu Arbeitsausfällen führen. Für das Unternehmen entstehen durch die Arbeitsunfähigkeit enorme Kosten. Außerdem ist die Wiedereingliederung psychisch erkrankter Mitarbeiter ein organisatorischer und kostenintensiver Aufwand (vgl. Kollak, 2008).

2.3 Depressionen

Depressionen werden im Volksmund, genau wie Burnout oft alsVolkskrankheitdeklariert. Sie sind einer der am öftesten auftretenden psychischen Erkrankungen weltweit und treten in jedem Alter und Lebensabschnitt auftreten (vgl. Hautzinger, 1998, S.3). Etwa vier Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Depression. Mehr als 11 000 psychisch Erkrankte begehen in Deutschland jedes Jahr Selbstmord. Die meisten dieser Handlungen sind auf Depressionen zurückzuführen (vgl. Hegerl, Althaus, & Reiners, 2006, S.13). In Hinblick auf die lange Krankheitsdauer, die oft wiederkehrenden Symptome und den Schwierigkeitsgrad der Erkrankung haben Depressionen eine hohe Relevanz für die Bevölkerung, aber auch für den Wirtschaftssektor (vgl. Wittchen, Jacobi, Klose, & Ryl, 2010).

2.3.1 Definition und Eingrenzungsmöglichkeiten

Depressionen gehören zu den affektiven Störungen. „Störungen, die sich auf das Gemüt und das Gefühlsleben bzw. auf die Stimmung und die Affekte – und im weiteren Verlauf auch auf die Energie und den Antrieb auswirken, bezeichnet man als affektive Störungen.“ (Riechert, 2015, S.54). Affektive Störungen werden zudem in unipolare Depression, bipolare Störung, Manie und anhaltende affektive Störungen eingeteilt. Nach der ICD-­10Klassifikation findet man Depressionen unter dem Diagnoseschlüssel F30 (Affektive Störungen). Die Einteilung dieser Erkrankung wird nach ICD-­10 in fünf Kategorien eingeteilt. Die erste Gruppe beschreibt die bipolaren affektiven Störungen (F31). Hier wird unterschieden zwischen der Art der Episode, also depressiv oder manisch, zwischen dem Schweregrad der Erkrankung und dem Ablauf einer Depression. Der Diagnoseschlüssel F32 beschreibt die depressive Episode. Hier findet eine Unterscheidung zwischen dem Schweregrad der Erkrankung (leicht, mittel, schwer) statt und es wird unterschieden zwischen psychotischen und somatischen Ausprägung der Symptome und deren Auftreten. Die rezidivierende depressive Störung beschreibt die dritte Einteilung affektiver Störungen nach ICD-­10 und ist ähnlich wie F33, lediglich wird hier noch der Verlauf der Depression beachtet. Die vierte Gruppe (F34) beinhaltet anhaltende affektive Störungen wie beispielsweise Zyklothymia. Die letzte Einteilung, der Diagnoseschlüssel F35 beschreibt letztlich andere affektive Störungen (vgl. Dilling u. a., 2013, S.119ff.). Eine umfangreiche und allgemeingültige Definition für die Diagnose Depression lautet:

[...]

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Burnout und Depressionen. Eine systematische Analyse von Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Zusammenhängen im Arbeitskontext
Hochschule
Business and Information Technology School - Die Unternehmer Hochschule Iserlohn
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
73
Katalognummer
V369209
ISBN (eBook)
9783668485228
ISBN (Buch)
9783960950950
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depressionen, Burnout, Arbeit, Wirtschaftspsychologie, Depression, Burnout und Depressionen, Psychologie, Analyse, Bachelorarbeit, 2017
Arbeit zitieren
Amra Rastoder (Autor), 2017, Burnout und Depressionen. Eine systematische Analyse von Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Zusammenhängen im Arbeitskontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369209

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Burnout und Depressionen. Eine systematische Analyse von Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Zusammenhängen im Arbeitskontext


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden