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Gewalt-Heimat Europa? Über die Probleme einer europäischen Identitätskonstruktion

Title: Gewalt-Heimat Europa? Über die Probleme einer europäischen Identitätskonstruktion

Term Paper , 2003 , 27 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christopher Wertz (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Ob und in welcher Form Europa eine Identität besitzt, besitzen sollte, ob und, wenn ja, wie eine europäische ’Heimat’ aussehen könnte – diese Debatte durchzieht den Kontinent seit langem. Neue Nahrung hat sie bekommen, seitdem 1990 die bipolare Weltordnung ein Ende fand und Europa damit nicht nur das kommunistische Feindbild abhanden kam, sondern sich ihm so auch die Fragen nach einer Osterweiterung, eines Paneuropa – und gleichsam dessen Grenzen – stellten. Gleichzeitig verlangten die entgrenzenden und entgrenzten Globalisierungserscheinungen verstärkt nach einem transnationalen europäischen Politkonstrukts, das demokratisch legitimiert werden kann. Doch die Bürger der EG/EU scheinen weiterhin vor allem regionalen Solidargemeinschaften zu vertrauen. Regionen und Nationalstaaten gewannen als Identifikationsgrößen seit den 1980er Jahren eher an Bedeutung. Die zweckrationale Integration des Kontinents hatte eine soziokulturelle Zusammenführung nicht bezweckt. Um ein handlungsfähiger, demokratisch legitimierter Akteur zu bleiben braucht Europa jedoch ein identitätsbasiertes Solidaritätsbewusstsein der Bürger, ein Bewusstsein für eine ’Heimat’ Europa. Das soziokulturelle Zusammenwachsen des Kontinents hat jedoch zu heftigen Debatten geführt. Während die EG/EU eine identifikationsstiftende Konstruktionspolitik in Form von Einheitssymbolisierung, Historisierung oder etwa akademischer Europäisierung betrieb, richtete sich großer Widerstand gegen diese Homogenisierungsmaßnahmen. Dies lag nicht nur an nationalen Selbsterhaltungstrieb, sondern auch an generellen Vorbehalten gegen die artifizielle und manipulierende Forcierung von Kollektividentitäten. Diese seien nicht nur illusorische Verblendungen, sondern inner- und außergesellschaftlich Abgrenzungen mit hohem Gewaltpotential. Sie seien als Konstrukte zu erkennen und zugunsten einer kosmopolitischen Heimatlosigkeit abzulegen.
Doch dies – so die These dieser Arbeit - scheint keine Antwort auf realpolitische Problem zu sein und an den Bedürfnissen der meisten Menschen vorbeizugehen. Die Globalisierung ruft in den Menschen verstärkt die Sehnsucht nach kollektiv gefühlter Identität, wenn man so will nach ’Heimat’ hervor. Auch aus diesem Grund ist die Gewaltthese von anderer Seite weniger beachtet worden. Europa kann hiernach vielmehr ein Haltepunkt für die Menschen und eine reale politische Einwirkungsmöglichkeit gegenüber Globalisierungsentgrenzungen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kollektive Identität – zur Bestimmung des Begriffs und Einführung in die Problematik

3. Politik als Identitätsschöpfer – Identitätskonstruktion durch die EG/EU

4. Europaidentität : Chance einer Notwendigkeit oder kommende Gefahr?

4.1 Das Kollektivkonstrukt als exklusive Gefahr

4.2 Europaidentität als Chance einer Notwendigkeit

5. Abschließende Betrachtungen

6. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Problematik einer europäischen Identitätskonstruktion unter Berücksichtigung der Spannung zwischen soziokultureller Integration und dem Risiko einer gewaltfördernden Ausgrenzung. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und in welcher Form eine europäische Identität als sinnvoller Haltepunkt gegen Globalisierungsentgrenzungen fungieren kann, ohne dabei autoritäre oder ausschließende Züge anzunehmen.

  • Theoretische Grundlagen kollektiver Identität und deren Konstruktionsmechanismen.
  • Analyse der politischen Bestrebungen der EG/EU zur Identitätsstiftung (Symbolik, Bildung, Medien).
  • Diskurs über die Gefahren eines künstlichen „Europäismus“ als neues Exklusionsinstrument.
  • Untersuchung der Potenziale einer „Einheit in Vielfalt“ als positive utopische Vision.

Auszug aus dem Buch

4.1 Das Kollektivkonstrukt als exklusive Gefahr

Eine skeptische, dekonstruktivistische Haltung gegenüber der europäischen Identitätsfrage nimmt beispielsweise Jacques Derrida in seinem Aufsatz von 1990, Das andere Kap, ein. Europa sei in sich eine utopische Idee, die in der Vergangenheit gesucht oder aber in die Zukunft projiziert werden könne – nie aber sei sie identisch mit dem tatsächliche Gelebten. Es sei gerade das signifikante Charakteristikum von Kultur wie von Identität, nicht identisch mit sich, dem realen Zustand des sich Identifizierenden, zu sein. Vielmehr sei Identität etwas nie Dagewesenes, ein Wunsch und eine Suche nach sich. Und da das sich identifizieren wollende Subjekt nach einer nichtexistenten Utopie suche, müsse diese Suche automatisch immer eine nach dem “Anderen“ sein, dem „anderen Kap“. Eine feste Identität sei demnach nicht denkbar, weil das Wesen von Identität gerade die Differenz von sich selbst sei. Die falschen Versprechen und die Suche nach einer reinen Identität führe letztlich zu ausgrenzenden Reaktionen und hänge eng mit ausländerfeindlicher Gewalt in Europa zusammen.

Eine ähnliche Haltung verfolgen Morley und Robins. Die Suche nach einer Heimat, nach fester Identität sei das Streben nach einer Utopie. Zwar erkennen sie das starke Identitäts- und Heimatbedürfnis des in der haltlosen Modernität leidenden Menschen, jedoch warnen sie vor der Idee einer solchen Heimat: „Whether it is in terms of a national home, a regional home, or a common European home, the motivating force is a felt need for a rooted, bounded, whole and authentic identity. And yet Heimat is a mirage, a delusion.”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um eine europäische Identität vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Suche nach einem handlungsfähigen, demokratisch legitimierten Europa.

2. Kollektive Identität – zur Bestimmung des Begriffs und Einführung in die Problematik: Dieses Kapitel definiert kollektive Identitäten als subjektive, kulturelle Konstrukte, die Sicherheit bieten, aber auch als Instrumente zur Grenzziehung dienen können.

3. Politik als Identitätsschöpfer – Identitätskonstruktion durch die EG/EU: Hier werden die aktiven Bemühungen der EU dargestellt, durch Symbole, Bildung und Medien ein europäisches Zugehörigkeitsgefühl analog zum klassischen Nation-Building zu etablieren.

4. Europaidentität : Chance einer Notwendigkeit oder kommende Gefahr?: Das Kapitel führt den Diskurs zwischen Kritikern, die in der Konstruktion eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt sehen, und Befürwortern, die darin eine Chance für eine demokratische Vielfaltsgemeinschaft erkennen.

5. Abschließende Betrachtungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass eine europäische Identität als „positive Utopie“ integrativ wirken kann, sofern sie auf pluralistischen Werten basiert und eine ehrliche Selbstreflexion zulässt.

6. Bibliographie: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.

Schlüsselwörter

Kollektive Identität, Europa, Europäische Identität, Identitätskonstruktion, Globalisierung, Nation-Building, Soziokulturelle Integration, EU-Politik, Heimat, Abgrenzung, Pluralismus, Demokratiedefizit, Gewaltpotenzial, Wertegemeinschaft, Interkulturalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen und politischen Ansätze zur Schaffung einer europäischen Identität und untersucht die damit verbundenen gesellschaftlichen Chancen und Risiken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte der kollektiven Identitätsbildung, die politische Strategie der EG/EU zur „Europäisierung“ der Bürger sowie die kritische Auseinandersetzung mit den potenziellen Gefahren von Identitätskonstruktionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Diskurs über die europäische Identität nachzuzeichnen und zu bewerten, ob eine solche Identität trotz ihrer Konstruiertheit als notwendige Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung dienen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und diskursanalytische Untersuchung, die auf Basis einer Literaturanalyse verschiedene Autorenpositionen zum Thema Identität und europäische Integration gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Identität, die Darstellung der konkreten EU-Instrumente zur Identitätsstiftung (z.B. Symbole, Bildung) und eine differenzierte Debatte über die positiven und negativen Folgen dieser Politik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind Kollektive Identität, Europaidentität, Identitätskonstruktion, Globalisierung, Nation-Building und Interkulturalität.

Wie steht die Arbeit zur Kritik von Jacques Derrida?

Die Arbeit führt Derridas dekonstruktivistische Sichtweise ein, um aufzuzeigen, dass der Wunsch nach einer „reinen“ oder festen europäischen Identität als gefährliche Utopie wahrgenommen werden kann, die zur Ausgrenzung führen könnte.

Welche Rolle spielen „Symbole“ in der europäischen Identitätskonstruktion?

Symbole wie die Flagge, Hymne oder der europäische Pass werden als Werkzeuge betrachtet, die laut EU-Kommission das Bewusstsein für ein gemeinsames kulturelles Erbe festigen sollen, von Kritikern jedoch als Mittel des nation-building hinterfragt werden.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der „Gefahr“ durch Identität?

Der Autor argumentiert, dass Identitätskonstruktionen zwar mit dem Risiko von Exklusion behaftet sind, eine europäische Identität jedoch als „positive Utopie“ fungieren kann, wenn sie nicht auf Zwang, sondern auf pluralistischen Werten und Toleranz basiert.

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Details

Title
Gewalt-Heimat Europa? Über die Probleme einer europäischen Identitätskonstruktion
College
University of Erfurt
Grade
2,0
Author
Christopher Wertz (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V36923
ISBN (eBook)
9783638364249
Language
German
Tags
Gewalt-Heimat Europa Probleme Identitätskonstruktion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christopher Wertz (Author), 2003, Gewalt-Heimat Europa? Über die Probleme einer europäischen Identitätskonstruktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36923
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