Der Einfluss von institutionalisierter Bildung auf das Einkommen


Hausarbeit, 2014

39 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung

3 Humankapitaltheorie

4 Forschungsstand

5 Datengrundlage

6 Methodisches Vorgehen

7 Operationalisierung

8 Auswertung
8.1 Deskriptive Analysen
8.2 Regressionsmodell
8.3 Diagnostik
8.4 Interpretation der Ergebnisse

9. Zusammenfassung

Literatur

Anhang: Do-File

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerung 2002 nach Geschlecht und Bildungsabschluss

Abbildung 2: Schulbildung in Jahren nach Geschlecht

Abbildung 3: Prozentuale Verteilung Berufsabschluss

Abbildung 4:Prozentuale Einkommensverteilung

Abbildung 5: Geschlechtsspezifische Einkommensverteilung

Abbildung 6: Normalverteilung der Residuen

Abbildung 7: Scatterplot von den Residuen und Schätzwerten

Abbildung 8: Modell 1 und 2: Ausreißer der unabhängigen Variablen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mittelwertvergleich Einkommen und Bildung

Tabelle 2: H1: Einkommen und Schulbildung

Tabelle 3: H2:Einkommen und Berufsbildung

1 Einleitung

„Man lernt nicht für die Schule sondern für das Leben“ ist ein Satz, den jedes Kind nur allzu oft von seinen Eltern oder Großeltern zu hören bekommen hat. Er bedeutet an sich, dass Individuen nicht für die Noten lernen, sondern um das Wissen im Leben anwenden zu können. Dies entspricht jedoch nur der halben Wahrheit. Je mehr eine Person gelernt hat und dies auch nachweisen kann, desto mehr verdient diese Person tendenziell im Leben. Glaubt man vielen Studien, dann haben institutionalisierte Bildung und beglaubigte Abschlüsse großen Einfluss auf das spätere Einkommen und dementsprechend auch auf den Lebensstandard und die -qualität. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, konnte anhand monetärer Beträge aufzeigen, dass sich Bildung ein Leben lang auszahlt. Eine Person mit Abitur erhält demnach etwa 500.000 Euro, mit Fachhochschulstudium 900.000 Euro und mit einem Hochschulstudium 1.250.000 Euro mehr als eine Person ohne Berufsausbildung. Somit lernt man in der Tat nicht für die Schule an sich, aber für die institutionalisierten Abschlüsse, die einen erheblichen Einfluss auf das Einkommen einer Person zu haben scheinen.

Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, ob sich institutionalisierte Bildung auf das Einkommen auswirkt? Institutionalisierte Bildung setzt sich in Deutschland einerseits aus Schulbildung und andererseits aus beruflichen Abschlüssen wie Lehre oder Universität zusammen. Auf diese beiden Bildungsdimensionen liegt der Fokus dieser Arbeit, da hierbei die höchste Vergleichbarkeit zu erwarten ist. Einkommen und Bildung stellen zwei zentrale Themenbereiche der Soziologie dar, die einen elementaren Einfluss auf das individuelle Leben in positiver wie negativer Weise ausüben. Demzufolge ist dieser Zusammenhang von hoher soziologischer Relevanz und sollte stetig untersucht werden.

Um eine holistische Sichtweise auf die Frage zu ermöglichen und eine angemessene Auswertung und Antwort geben zu können, werden zunächst die zentralen Begriffe Einkommen und Bildung definiert und für diese Arbeit eingegrenzt. In einem weiteren Schritt werden die theoretischen Grundlagen geschaffen, um anschließend die zu untersuchenden Hypothesen generieren zu können. Nachfolgend wird passend zu den Hypothesen der aktuelle Forschungsstand skizziert und anschließend der verwendete Datensatz des Mikrozensus 2002 beschrieben. Als Vorbereitung zur Untersuchung wird das methodische Vorgehen erklärt und die nötigen Variablen operationalisiert. Im nächsten Schritt erfolgt die Auswertung zunächst in deskriptiver Weise und anschließend anhand multipler linearer Regressionsmodelle. Um die Aussagekraft der Ergebnisse einschätzen zu können, werden im Anschluss verschiedene Methoden der Modelldiagnostik eingesetzt. Abschließend werden die gewonnenen Ergebnisse interpretiert und mit der zu Grunde gelegten Theorie in Verbindung gebracht.

2 Begriffsbestimmung

Um den Effekt der Bildung auf das Einkommen empirisch untersuchen zu können, müssen zunächst einige verwendete Begriffe definiert und theoretische Grundlagen geschaffen werden.

Bildung bezieht sich im Wesentlichen auf Prozesse und Ergebnisse der individuellen Verarbeitung und Aneignung. Bildung lässt sich unterscheiden in Bildung des menschlichen Individuums und deren Persönlichkeit sowie Aneignung von Wissen. Ersteres ist zum einen kaum messbar und zum anderen nicht an ökonomische Zwecke gebunden. Bildung in Form von Wissensaneignung, welches anhand von Zeugnissen und Abschlüssen messbar ist, kann bei Institutionalisierung einem Vergleich unterzogen werden. Zudem stellt diese Art von Bildung die Grundlage für spätere Erwerbstätigkeit dar. Aus diesem Grund konzentriert sich diese Arbeit ausschließlich auf institutionalisierte Schul- und Berufsabschlüsse, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse so gut wie möglich gewährleisten zu können.

Als Einkommen wird der Reinvermögenszugang einer natürlichen Person oder eines Haushalts im volkswirtschaftlichen Sinne innerhalb eines bestimmten Zeitraums (i.A. ein Kalenderjahr bzw. ein Geschäftsjahr) verstanden.

Arbeitseinkommen entsteht durch die Produktion oder den Tausch von Gütern, durch Leistung abhängiger Arbeit gegen Arbeitsentgelt und anderen Ansprüchen in einem Markt (vgl. Juraforum 2013). In dieser Arbeit stellt Einkommen das durchschnittliche Nettogehalt einer erwerbstätigen Person beziehungsweise eines Haushaltsmitgliedes dar.

Nach Festlegung der verwendeten Begriffe wird im Folgenden die theoretische Grundlage dieser Untersuchung geschaffen.

3 Humankapitaltheorie

Das auf Gary S. Becker zurückgehende „Humankapital“ beschreibt „die Summe aller Fähigkeiten und Wissensbestände einer Person […], welche diese im Zeitverlauf akkumuliert und welche sich positiv auf deren Produktivität auswirken“ (Bozoyan/ Wolbring 2012: 3). Dieses Wissen und die Fähigkeiten liegen jedoch nicht gegeben vor, sondern müssen von dem Individuum unter Kosten erworben werden, die nicht nur monetärer Art sind, sondern sich durch eingesetzte Zeit und intellektuelle Anstrengung auszeichnen. Da sich die Aneignung von Fähigkeiten in der Regel erst in der Zukunft auszahlt, kann hier von einer Investition in die eigene Zukunft gesprochen werden (vgl. Mincer 1989: 27).

Neben Bildungsinvestitionen steigern auch alle Aktivitäten, welche die Produktivität, Effizienz und Qualität einer Person erhöhen, das individuelle Humankapital. Eine Person kann durch Bildung, berufliche Qualifikationen und Erfahrungen in sein Humankapital investieren sowie dieses ausbauen, welches schließlich untrennbar mit ihm verbunden bleibt (vgl. Abraham/ Hinz 2005: 33).

Das individuelle Humankapital setzen Personen im Produktionsprozess ein, um monetäre und nicht-monetäre Erträge zu erwirtschaften. (Vgl. Rissiek, J. 1998: 2). Das Arbeitsvermögen beziehungsweise Humankapital als ,,Wert des Leistungspotentials von Wirtschaftssubjekten, das zur Einkommenserzielung eingesetzt werden kann (Wissen, Fertigkeiten)" (Baßeler, U. / Heinrich, J. 2001: 679), kann ,,theoretisch in Geld bewertet werden" (ebd.). Baßeler und Heinrich betonen die Schwierigkeit der Erfassung und Bewertung des Humankapitals: ,,Am einfachsten ist es, das Geldvermögen (Finanzvermögen) zu erfassen, recht schwierig ist die Erfassung und Bewertung des Realvermögens (Sachvermögen) und praktisch fast unmöglich ist die Ermittlung des Arbeitsvermögens" (ebd.). Dennoch wird die Berechnung des Humankapitals auf volkswirtschaftlicher Ebene schon seit Jahren praktiziert.

Die Entlohnung eines Arbeiters hängt somit von seiner Produktivität ab, also von den Humankapitalvariablen Schulbildung, Berufsbildung, Berufserfahrung und weiterer Qualifikationen. Auf einem annähernd perfekten Arbeitsmarkt herrscht zudem Wettbewerb unter den Arbeitsnachfragern, so dass die Entlohnung ihrer Arbeit ihrer Grenzproduktivität entspricht. Arbeitgeber entrichten den Arbeitnehmern einen (Gleichgewichts-) Lohn, der mit ihrer jeweiligen Leistung (Humankapital) übereinstimmt. Im Laufe des Lebens akkumuliert sich das Humankapital und das Lebenseinkommen wird durch Investitionen maximiert (vgl. Abraham/ Hinz 2005: 36; Bozoyan/ Wolbring 2012: 230).

Das humantheoretische Kernmodell geht also von einem vollständig rationalen Akteur auf einem perfekten Arbeitsmarkt aus, der seinen Nutzen mit den investierten Kosten des Humankapitals zu seinem Vorteil angleicht. Die Humankapitaltheorie stellt eine kausale Wirkungskette auf, die besagt, dass Bildungsaktivität zu gesteigerter Produktivität und damit zu einer höheren Entlohnung führt (vgl. Becker 1964: 17). Die Zeit, die in Bildung und Karriere investiert wird, bestimmt somit den Lohnstatus und Wachstum einer Person in seinem gesamten Erwerbsleben. Das Einkommen hängt somit wesentlich von der investierten Zeit in Bildung ab.

Investitionstheoretisch liegt die Annahme zugrunde, dass Menschen solange in ihr Humankapital investieren, ,,wie die Kosten geringer sind, als die langfristig zu erwartenden Erträge"( Reinhardt, R. 2002: 67). Sie handeln bei der eigenen Humankapitalbildung immer streng nach einem Kosten-Nutzen-Kalkül, ähnlich den Entscheidungen über Investitionen in Sachkapital. (Vgl. Wagner, H. 2005: 328). Allgemein lassen sich Humankapitalinvestitionen bezeichnen, als alle Handlungen, die die Produktivität in der Zukunft beeinflussen. Dabei kann man sagen, dass die Arbeitskraft zum Investitionsgut wird, da das durch Ausbildung gebildete Humankapital einen Wert darstellt, welcher durch einzelwirtschaftliche Kalkulation ermittelt werden kann, dessen Nutzung dann in Form von Löhnen bezahlt wird. Unterschieden werden dabei zwei Formen. Auf der einen Seite gibt es Investitionen vom Staat oder Arbeitsanbieter, welche als „schooling“ bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um die allgemeine Ausbildung von verschiedenen Tätigkeiten (allgemeine Ausbildung, verschiedenen Tätigkeiten). Auf der anderen Seite gibt Investition der Unternehmen in seine Arbeitnehmer. Diese Investitionen werden als „training-on-the-job“ bezeichnet und beinhalten spezifische Ausbildungen für bestimmte Tätigkeiten. Durch die von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Investitionen können menschliche Individuen am Arbeitsmarkt nicht länger als homogen betrachtet werden, sondern müssen zwingend ,,als qualitativ differenziert verstanden werden" (Mikl-Horke, G. 2000: 294).

Empirisch gesehen hat die Humankapitaltheorie eine besondere Bedeutung, da sie die zu stark abstrahierte Homogenitätsbedingung in Bezug auf die Arbeitskräfte aufhebt und dadurch den Produktionsfaktor „Arbeit“ einer differenzierten Analyse zugänglich macht. Zudem trägt sie wesentlich zu Erklärung des Arbeitsmarktes und seiner Struktur bei. Dabei kann sie auch zur Erklärung von Lohnniveau und der Struktur der Arbeitslosigkeit herangezogen werden.

Da Personen unterschiedliche Bildungsabschlüsse erlangen und somit auch über unterschiedliche Humankapitalausstattungen verfügen, kommt es zu Einkommensunterschieden in der Gesellschaft. Institutionalisierte Abschlüsse wie etwa ein Abitur oder ein Universitätsabschluss sind aufgrund ihrer „Einheitlichkeit“ besser vergleichbar als andere Qualifikationen oder Erfahrungen, die ebenfalls in das Humankapital mit einfließen. Aufgrund der Vergleichbarkeit konzentriert sich diese Arbeit ausschließlich auf institutionalisierte Bildungsabschlüsse, die sich auf die schulische und berufliche Ausbildung beziehen. So ergeben sich zwei zu untersuchende Hypothesen:

H1: Mit steigender Schulbildung erhöht sich das Einkommen

H2: Je höher der Berufsabschluss, desto höher das Einkommen

Jedoch ist bekannt, dass Frauen bei gleicher Bildung wie Männer weniger Einkommen erhalten, was nicht durch die Humankapitaltheorie vollständig erklärt werden kann. Geht man davon aus, dass die Gleichung Humankapital das Einkommen hinreichend gut abbildet, geht der Anteil unerklärter Varianz somit auf Diskriminierungsprozesse zurück (vgl. Abraham/ Hinz 2005: 36). Jedoch müssen die Leistungs- beziehungsweise Bildungsunterschiede zwischen zwei Individuen kontrolliert werden, bevor man von einem Diskriminierungseffekt aufgrund beispielsweise Geschlechtes sprechen kann.

Gary Becker entwickelte neben der Humankapitaltheorie auch in seinem Werk „The Economics of Discrimination“ (1957,1971) eine ökonomische Theorie der Diskriminierung. Hierbei geht er von der Annahme aus, dass keine Produktivitätsunterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen vorliegen und dass die ungleiche Behandlung von potenziell gleich produktiven Individuen Diskriminierung darstellt (vgl. Achatz 2005: 268). Becker begründet dieses Verhalten mit einer Präferenz der Diskriminierung, „taste for discrimination“, die bei jedem Individuum mehr oder weniger in verschiedenen Formen vorliegen und sich in monetären Größen messen lässt (vgl. Becker 1957: 16). Dies betrifft alle Seiten des Arbeitsmarktes, so diskriminieren sowohl Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Kollegen als auch die Konsumenten, was sich durch Lohnabschläge und Lohnprämissen oder gezieltes Einkaufen auszeichnet (vgl. ebd. 15). Aufgrund der möglichen Diskriminierungseffekte, die nicht durch die Humankapitaltheorie vollständig abgebildet werden kann, wird das Merkmal Geschlecht und die damit verbundenen Phänomene in dieser Untersuchung zusätzlich genauer betrachtet.

Diese Diskriminierungseffekte beziehen sich nicht nur auf das Merkmal Geschlecht, sondern können weit vielfältiger sein. So ist bekannt, dass Personen, die nicht aus Deutschland stammen, ebenfalls weniger verdienen als deutsche Arbeitnehmer. Bildungsabschlüsse die aus dem Ausland stammen, sind mit Lohnabschlägen auf dem deutschen Arbeitsmarkt verbunden. Dies könnte zum einen an unterschiedlichen Kompetenzniveaus, aber auch an Anerkennungsschwierigkeiten der Abschlüsse liegen (vgl. Anger/ Plünnecke/ Schmidt 2010: 4). Aufgrund dieser Unterschiede wird in der späteren Auswertung der vorliegenden Untersuchung die Herkunft als Kontrollvariable mit aufgenommen.

Nach Behandlung der theoretischen Grundlage und Ableitung der zu untersuchenden Hypothesen, wird im Folgenden auf den aktuellen Forschungsstand zu dieser Thematik eingegangen.

4 Forschungsstand

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen ist durch zahlreiche Studien belegt worden, von denen im Folgenden ausgewählte Ergebnisse präsentiert werden.

Allgemein ist für Deutschland festzuhalten, dass sowohl der Bildungsstand in den letzten beiden Jahrzehnten gestiegen als auch hierdurch bedingt die Erwerbsbeteiligung. Die Auswertungen des IAB-Betriebspanels 2012 konnte für Personen mit Hochschulabschluss eine Erwerbstätigenquote von 87 Prozent feststellen, während Personen mit Hauptschulabschluss oder keinem Abschluss 2010 nur eine Quote von 55 Prozent erreichten. Somit erhöht eine bessere Bildung zum einen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, zugleich aber auch die Motivation eine Erwerbstätigkeit nachzugehen. In den letzten Jahren stieg der Anteil jener Männer, die keinen beruflichen Abschluss erlangen, während der Anteil der Frauen gesunken ist (vgl. Bechmann et al. 2013: 15).

Im Jahre 2002 setzte sich der Bildungsstand der deutschen Bevölkerung wie folgt zusammen:

Abbildung 1: Bevölkerung 2002 nach Geschlecht und Bildungsabschluss

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Statistischem Jahrbuch 2003

Das Balkendiagramm verdeutlicht, dass von beiden Geschlechtern gleichermaßen der Hauptschulabschluss am häufigsten erreicht wurde, während im Vergleich der Anteil ohne Abschluss relativ gering ausfällt. Der Anteil der Frauen mit Haupt- oder Realabschluss ist jeweils größer als bei den Männern, bei der Fachhoch-schul- oder Hochschulreife jedoch geringer.

Eine weitere Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung konnte anhand monetärer Beträge aufzeigen, dass sich Bildung ein Leben lang aus-zahlt. So erhält eine Person mit Abitur, unabhängig ob mit oder ohne Berufs-ausbildung etwa 500.000 Euro, mit Fachhochschulstudium 900.000 Euro und mit einem Hochschulstudium 1.250.000 Euro mehr als eine Person ohne Berufsausbildung. Zwar unterscheiden sich zu Beginn des Erwerbslebens die Gehälter der Personen mit unterschiedlicher Bildung nicht wesentlich voneinander, aber der Abstand wächst bis zur Mitte der Erwerbskarriere deutlich an und bleibt meist bis zum Ende des Arbeitslebens stabil. Diese sogenannten Bildungsprämien sind für alle Personen positiv, jedoch bei Männern und in Westdeutschland stärker ausgeprägt (vgl. Schmillen/ Stüber 2014: 1f).

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln untersuchte 2010 die Bildungsrenditen, also den monetären Netto-Ertrag, den höhere Bildung im Verlauf des Erwerbslebens abwirft und Lohnprämien beziehungsweise den durchschnittlichen Lohnabstand zwischen verschiedenen Qualifikationsgruppen in Deutschland. Sie stellten fest, dass in den letzten Jahren die Bildungsrendite angestiegen ist. Für das Jahr 2007 führte jedes weitere Bildungsjahr in Westdeutschland zu einer Bildungsrendite von 9,9 Prozent, in Ostdeutschland zu 9,6. Hochschulabsolventen in Westdeutschland verdienten 78 Prozent mehr als Personen, die kein Abitur oder beruflichen Bildungsabschluss erreicht hatten. Die Lohnprämie eines Meisters oder Technikers betrug 46 Prozent und bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung 26 Prozent. Es kann festgehalten werden, dass ein akademischer Abschluss am besten geeignet ist, um das Lebenseinkommen zu maximieren und durch Bildungsanstrengungen ein hohes Vermögen zu generieren (vgl. Anger/ Plünnecke/ Schmidt 2010: 4).

Bezüglich der Herkunft konnte diese Studie zeigen, dass die Migranten, die ihre Bildung in Deutschland erhalten hatten, ähnliche Lohnprämie erhielten, wie Nicht-Migranten. Allerdings sind Bildungsabschlüsse aus dem Ausland, insbesondere akademische Abschlüsse, mit Lohnabschlägen auf dem deutschen Arbeitsmarkt verbunden. Dies könnte an unterschiedlichen Kompetenzniveaus, aber auch an Anerkennungsschwierigkeiten der Abschlüsse liegen (vgl. ebd.:5).

Eine Studie der Bildungsberichterstattung aus dem Jahre 2014 beschäftige sich unter anderem mit den Einkommensunterschieden bei identischem Ausbildungsniveau zwischen Frauen und Männern. Sie stellten fest, dass auch nach Kontrolle der Beschäftigungsfelder mit ihren unterschiedlichen Gehaltsstrukturen sich die geschlechtsspezifischen Differenzen hielten. Somit erhielten Vollzeit beschäftigte Männer mit Hochschulabschluss ein um 40 Prozent höheres mittleres Einkommen als Frauen mit den gleichen Merkmalen. Demnach verdienen Vollzeit beschäftige Frauen mit einem Hochschulabschluss im Median etwa so viel wie Männer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014: 213f).

Andere Studien zeigen allerdings auf, dass die Bildungsrenditen der Frauen einen höheren Wert ausweisen als die der Männer. So erhalten nach Steiner und Lauer 2000 Frauen mit 10 Prozent eine signifikant höhere Bildungsrendite als Männer mit 8 Prozent (vgl. Steiner/ Lauer 2000: 26). Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung untersuchte 2012 zwölf westeuropäische Länder und stellten fest, dass die Bildungsrendite für Frauen in neun Ländern höher ist als für Männer. Allerdings fanden sich in Deutschland nur leichte geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der Bildungsrendite zugunsten der Männer (vgl. Mendolicchio/ Rhein 2012: 1). Die Studie zeigte zudem auf, dass mit steigendem Bildungsniveau sowohl die Erwerbstätigenquote beider Geschlechter steigt, als auch der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer im Vergleich zu Geringqualifizierten sank (vgl. ebd. 5).

Aufgrund der unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Ergebnisse bezüglich Bildung und Einkommen wird in der folgenden Auswertung, wie in der Theorie schon erwähnt, Geschlecht als Variable mit einbezogen. Zudem erfolgt für eine genauere Betrachtung der Auswirkungen von Geschlecht abschließend ein Interaktionsmodell.

5 Datengrundlage

Zur Untersuchung der Auswirkungen von Bildung auf Einkommen wird der CAMPUS-File zum Mikrozensus 2002 herangezogen, der aus insgesamt 672 Variablen sowie 788.049 Datensätzen bestand. Der Übungsdatensatz beinhaltet noch 3,5 Prozent der Wohnungsstichprobe des Originalmaterials, also rund 25.137 Personen sowie 335 Variablen und wurde durch Löschungen einzelner Merkmale und Vergröberungen anonymisiert.

Der Mikrozensus ist die amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland und wird seit 1957-in den neuen Bundesländern seit 1991- erhoben. Der Mikrozensus wird in Deutschland dezentral erhoben. Das Statistische Bundesamt übernimmt hierbei die organisatorische und technische Vorbereitung, die Ausführung der Befragung sowie Daten-aufbereitung obliegt jedoch den Statistischen Landesämtern.

Die Daten liefern statistische Informationen unter anderem über die Bevölkerungsstruktur und den Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche sowie soziale Lage der Bevölkerung, den Haushalts- und Familienzusammenhang, die Aus- und Fort-bildung, die Wohnverhältnisse sowie die Gesundheit der Bevölkerung. Stellvertretend für die gesamte Bevölkerung werden rund 830 000 Personen, also 1 Prozent zu ihren Lebensbedingungen befragt. Die Auswahl erfolgt mithilfe eines statistischen Zufallsverfahrens, bei dem nicht Personen an sich, sondern Gebäude oder Gebäudeteile ausgewählt werden. Grundlage hierfür ist das bewohnte Bundesgebiet, welches in verschiedene Auswahleinheiten mit jeweils sechs bis zwölf Wohnungen eingeteilt wird. Von diesen Auswahleinheiten werden schließlich per Zufall ein Prozent in die Befragung einbezogen, die viermal im Abstand von jeweils einem Jahr stattfindet. Es gilt eine Auskunftspflicht für alle Personen, die einen eigenen Haushalt führen (vgl. Statistisches Bundesamt 2013: 7). Es werden jährlich Informationen aus folgenden Themenbereichen erhoben: Angaben zur Person, Erwerbstätigkeit, Beruf, Arbeitsuche, Schule, Studium, Lebensunterhalt, Einkommen, Altersvorsorge, Wohnsitz sowie Erwerbsbeteiligung. Alle vier Jahre werden zusätzlich folgende Informationen verlangt: Wohnsituation, Migration, Kranken-, Renten- und Lebensversicherung, Pendlerverhalten und Gesundheit. Die wiederholte Befragung ermöglicht zum einen eine hohe Genauigkeit der Ergebnisse, zum anderen aber auch Aussagen über Entwicklungen und Veränderungen in den befragten Haushalten. Die Erhebung des Mikrozensus erfolgt entweder durch persönliche Interviews mit Personen der Statistischen Landesämter oder bei 20 Prozent der Haushalte auch schriftlich mithilfe eines Fragebogens (vgl. ebd.: 15).

Seit 1968 werden zusätzlich noch Fragen der Arbeitskräftestichprobe der Europäischen Union beigefügt, die auch von anderen zufällig ausgewählten Personen in Europa beantwortet werden. Die Statistiken werden zum einen national von Parlamenten und Verwaltungen, aber auch von der Wissenschaft und der Öffentlichkeit genutzt. Zum anderen dienen die Erhebungen internationalen EU-Programme, die zu mehr Beschäftigung und besserer Ausbildungen führen sollen (vgl. ebd.: 5).

Scientific-Use-File ist ein speziell für Lehr- und Übungszwecke erstellter Datensatz. Aufgrund der Stichprobenziehung des Originalmaterials sowie mit der Anonymisierung einhergehenden Vergröberung ergeben sich Beeinträchtigungen bezüglich der Aussagefähigkeit der auf Grundlage des Scientific-Use-Files gewonnen Erkenntnisse. Jedoch gilt für alle Variablen in diesem Datensatz, dass jede Merkmalsausprägung in der Grundgesamtheit mindestens 5000 Fälle aufweisen muss. Um dennoch anhand des Scientific-Use-Files Aussagen über die Grundgesamtheit machen zu können, werden die Hochrechnungsfaktoren für Personen, Haushalte und Wohnungen an die geringere Stichprobe mithilfe der Methode der gebundenen Hochrechnung angepasst. Durch dieses Verfahren ist eine nahezu verzerrungsfreie Hochrechnung der Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung möglich (vgl. ebd.: 7).

[...]

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von institutionalisierter Bildung auf das Einkommen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut der Soziologie)
Veranstaltung
Fortgeschrittene Regressionsverfahren
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
39
Katalognummer
V369274
ISBN (eBook)
9783668472501
ISBN (Buch)
9783668472518
Dateigröße
887 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Einkommen, Humankapitaltheorie, institutionalisierte Bildung, Hypothesen, Forschungsstand, Datensatz, Mikrozensus, multiple lineare Regressionsmodelle, Modelldiagnostik
Arbeit zitieren
Veronika Waldenmaier (Autor), 2014, Der Einfluss von institutionalisierter Bildung auf das Einkommen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369274

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