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Sehnsucht nach Sinn - Zur Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung

Title: Sehnsucht nach Sinn - Zur Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 20 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Thomas Schröder (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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„Was kann ich mit meinem Leben sinnvolles anfangen?“ ist eine Frage, die sich heutzutage besonders viele junge Menschen stellen. Die Antwort liegt für die meisten nicht – und vor allem: nicht mehr – nur in der Wahl und Ausübung des vermeintlich richtigen Berufes. Die Kriterien, die der Beantwortung dieser Frage heute zugrunde gelegt werden, sind vielfältig und komplex. Die Antwort heißt nicht (mehr) einfach: „Wenn ich eigenes finanzielles Einkommen habe, kümmert mich alles Übrige nicht oder zweitrangig“. Die Fülle von möglichen Antworten, die es heute auf diese Frage gibt, und derer jede einzelne beinahe ein eigenständiges Sinnsystem voraussetzt, macht die Lage so unübersichtlich und für viele so ausweglos. Die Orientierung an der eigenen Biografie verknüpft themenübergreifend diese vereinzelten Handlungsstränge und –motivationen.
Der Themenbereich der Biographisierung erweist sich bei der Bearbeitung als außerordentlich komplex und vielfältig. Er stellt ein ideales Anwendungsfeld für interdisziplinäre Ansätze dar, auf dem beispielsweise Einzelanschauungen aus der Soziologie, der Sozialpsychologie, der Sozialphilosophie, aber auch der Politikwissenschaft und nicht zuletzt, in Anbetracht der Verwendbarkeit sozialisationstheoretischer Analysen, der Pädagogik zur Aufklärung der Problematik beitragen.
In der vorliegenden Arbeit wird das Theoriepotential eines noch immer wenig erschlossen Forschungsfeldes umrissartig angedeutet und ansatzweise erhellt. Ziel der Arbeit ist es nicht, die historische Perspektive auszuleuchten, das heißt den Wandel von „früher war alles einfacher“ zu „heute ist alles so komplex“ zu belegen. Vielmehr wird herausgestellt, inwiefern die aktuelle Situation strukturimmanente Schwierigkeiten bei der konkreten und planerischen Orientierung individuellen Handelns innerhalb eines Lebenslaufes aufweist. Eine gelegentliche Bezugnahme auf historisierende Betrachtungen erweist sich hierbei als hilfreich

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Narrative Biographieforschung und ihre theoretischen Prämissen

1.1. Identität als leitendes Prinzip der narrativen Selbstdarstellung

1.2. Erinnerung als retrospektives Element der Selbstwahrnehmung

1.3. Erfahrung als konstitutives Element des Lebenslaufs

2. Wichtige Einflussgrößen der zeitgenössischen Biographiegestaltung.

2.1. Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung

Parenthese: Kritik an Gehlens Institutionsbegriff

2.2. Das Paradox der Individualisierung

3. Sinnverlust – Biographisierung als neuer Sinn?

4. Gestaltungsprinzipien des Lebenslaufes: Biografisierung oder Alltagsbewältigung ?

5. ArbeiterInnenbiographien: Ein generalisierbares Fallbeispiel?

6. Anstelle eines Fazit: Versuch einer analytischen Thesengenerierung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern die moderne Gesellschaft durch den Wegfall traditioneller Institutionen einen Strukturwandel erlebt, der das Individuum dazu zwingt, seine eigene Biografie zum zentralen, sinnstiftenden Bezugspunkt der Lebensplanung zu machen. Dabei wird analysiert, ob diese „Biographisierung“ tatsächlich Sinn stiftet oder lediglich ein Ausdruck des Verlusts sozialer Orientierung ist.

  • Theoretische Grundlagen der narrativen Biographieforschung
  • Institutionalisierung und Individualisierungsprozesse in der Moderne
  • Das Verhältnis von Sinnverlust und biographischer Selbstgestaltung
  • Handlungsautonomie vs. sozialstrukturelle Determiniertheit
  • Analyse von ArbeiterInnenbiographien als Fallbeispiel

Auszug aus dem Buch

6. Anstelle eines Fazit: Versuch einer analytischen Thesengenerierung

Ein kurzes Beispiel soll noch einmal veranschaulichen, wie sich Alltagsfragen problemlos zu Lebensfragen von richtungsweisender Tragweite abstrahieren lassen: Warum überquerte das Huhn die Straße? Kindergärtnerin: Um auf die andere Straßenseite zu kommen. Plato: Für ein bedeutenderes Gut. Aristoteles: Es ist die Natur von Hühnern, Straßen zu überqueren. Karl Marx: Es war historisch unvermeidlich. Timothy Leary: Weil das der einzige Trip war, den das Establishment dem Huhn zugestehen wollte. Moses: Und Gott kam vom Himmel herab, und er sprach zu dem Huhn: "Du sollst die Straße überqueren." Und das Huhn überquerte die Straße. Machiavelli: Das entscheidende ist, dass das Huhn die Straße überquert hat. Wer interessiert sich für den Grund? Die Überquerung der Straße rechtfertigt jegliche möglichen Motive. Freud: Die Tatsache, dass Sie sich überhaupt mit der Frage beschäftigen, dass das Huhn die Straße überquerte, offenbart Ihre unterschwellige sexuelle Unsicherheit. Einstein: Ob das Huhn die Straße überquert oder die Straße sich unter dem Huhn bewegt hat, hängt von Ihrem Referenzrahmen ab. Darwin: Hühner wurden über eine große Zeitspanne von der Natur in der Art ausgewählt, dass sie jetzt genetisch bereit sind, Straßen zu überqueren. Buddha: Mit dieser Frage verleugnest du deine eigene Hühnernatur. Die Antwort auf die Frage lieget darin, einfach nicht weiter darüber nachzudenken. Ernest Hemingway: Um zu sterben. Im Regen.

In dem Beispiel sind mit den verschiedenen Antworten ganze Systeme zur kognitiven und intellektuellen Erfassung von Welt verbunden. Einzelne Antworten auf Fragen und also auch Lebensfragen rekurrieren innerhalb einer Gesellschaft immer auf ein ganzes Geflecht, Netzwerk oder – zeitgemäßer gesagt – System von Begründungen und Bedeutungen. Somit sind auch Entscheidungen – denn Antworten bedeuten Entscheidungen für mögliche Antworten – immer geknüpft an jeweilige Netzwerke von Bedeutungen und Begründungen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit thematisiert die komplexe Suche junger Menschen nach Sinn in einer Welt, in der die Orientierung an der eigenen Biografie zur zentralen Anforderung geworden ist.

1. Die Narrative Biographieforschung und ihre theoretischen Prämissen: Dieses Kapitel erläutert das narrative Interview als Erhebungsinstrument und diskutiert, wie Identität, Erinnerung und Erfahrung den Lebenslauf konstruieren.

2. Wichtige Einflussgrößen der zeitgenössischen Biographiegestaltung.: Hier wird der Prozess der Deinstitutionalisierung analysiert, bei dem das Individuum zum neuen Zentrum des sozialen Handelns wird und ein paradoxes Spannungsfeld zwischen Wahlfreiheit und Entscheidungszwang entsteht.

3. Sinnverlust – Biographisierung als neuer Sinn?: Aufbauend auf Habermas wird diskutiert, ob der Verlust traditioneller Lebenssinn-Systeme zur Kompensation durch eine ästhetisch-hedonistische Lebensführung oder durch eine Überhöhung der eigenen Biographie führt.

4. Gestaltungsprinzipien des Lebenslaufes: Biografisierung oder Alltagsbewältigung ?: Es wird der Frage nachgegangen, ob die Biographisierung eine bewusste Gestaltung darstellt oder lediglich eine Reaktion auf die Zerstörung lebensweltlicher Selbstverständlichkeiten ist.

5. ArbeiterInnenbiographien: Ein generalisierbares Fallbeispiel?: Anhand von Fallbeispielen wird gezeigt, dass bei ArbeiterInnen oft die unmittelbare Alltagsbewältigung dominiert, während weitreichende biographische Entwürfe durch soziale Rahmenbedingungen eingeschränkt sind.

6. Anstelle eines Fazit: Versuch einer analytischen Thesengenerierung: Abschließend wird mittels eines Gleichnisses verdeutlicht, wie kognitive Netzwerke und Letztbegründungen das menschliche Handeln leiten und wie deren Wegfall zu einer existenziellen Verunsicherung führen kann.

Schlüsselwörter

Biographieforschung, Individualisierung, Identität, Narrative Interviews, Lebenslauf, Sinnverlust, Soziale Orientierung, Institutionalisierung, ArbeiterInnenbiographien, Handlungsautonomie, Lebensgestaltung, Moderne, Alltagsbewältigung, Identitätskonstitution, Moderne Gesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse der "Biographisierung" als moderne Strategie zur Lebensführung in einer Zeit, in der traditionelle soziale Institutionen an Bindungskraft verloren haben.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die Themen Narrative Biographieforschung, der Prozess der Individualisierung, die Problematik von Sinnverlust sowie die Unterschiede zwischen bewusster Lebensplanung und alltäglicher Bewältigungspraxis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das Theoriepotential eines Forschungsfeldes auszuloten und herauszustellen, welche strukturimmanenten Schwierigkeiten das Individuum bei der Planung seines Lebenslaufs in der modernen Gesellschaft erfährt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der auf soziologischen Konzepten (u.a. von Schütze, Gehlen, Kohli und Habermas) basiert und diese anhand empirischer Fallbeispiele aus der Biographieforschung kritisch reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Voraussetzungen narrativer Biographieforschung dargelegt, die paradoxen Folgen der Individualisierung für das Individuum untersucht und anhand von Arbeiterbiographien die Grenzen biographischer Handlungsautonomie aufgezeigt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Biographieforschung, Individualisierung, Lebenslaufregime, Identität, Sinnverlust, Institutionalisierung und Handlungsautonomie sind die prägenden Begriffe.

Warum wird im letzten Kapitel ein Huhn als Beispiel verwendet?

Das Beispiel soll abstrakt verdeutlichen, dass jede Antwort – und damit jede Lebensentscheidung – auf ein tieferliegendes System von Begründungen zurückgreift, ohne das das Individuum in eine Sinnkrise geraten kann.

Welche Rolle spielen "ArbeiterInnenbiographien" in der Analyse?

Sie dienen als empirisches Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, dass nicht jeder Mensch über denselben Handlungsspielraum verfügt, um eine "Biographisierung" zu vollziehen, da oft soziale Rahmenbedingungen die Handlungsfreiheit determinieren.

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Details

Title
Sehnsucht nach Sinn - Zur Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung
College
University of Göttingen  (Soziologisches)
Grade
1,1
Author
Thomas Schröder (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V36931
ISBN (eBook)
9783638364317
ISBN (Book)
9783638762069
Language
German
Tags
Sehnsucht Sinn Biografisierung Handlungsorientierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Schröder (Author), 2004, Sehnsucht nach Sinn - Zur Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36931
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