Der Ödipuskomplex nach Freud in Franz Kafkas "Das Urteil". Zwei Charaktere geprägt durch ihre phallische Phase


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychoanalytische Grundlagen
2.1 Ich, Über-Ich und Es
2.2 Ödipuskomplex
2.2.1 Der (positive) Ödipuskomplex
2.2.2 Der negative Ödipuskomplex

3. Das Urteil
3.1. Der Vater
3.1.1 Die erste ödipale Krise
3.1.2 Die zweite ödipale Krise
3.2 Georg Bendemann

4. Fazit

5. Bibliographie
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Demnach bezieht sich Kafka nicht bloß in Hinwendung und Abkehr auf die Psychoanalyse; sein Werk entspricht und unterliegt ihr vielmehr“[1]. So fasst Heinrich Anz in seinem Aufsatz ' Umwege zum Tode. Zur Stellung der Psychoanalyse im Werk Franz Kafkas' dessen Gebrauch psychoanalytischer Mittel zusammen.

In seinem Werk 'das Urteil' steht besonders der Konflikt zwischen Vater und Sohn im Mittelpunkt, ausgelöst durch psychische Instabilität. Diese kann, durch die Auseinandersetzung mit Freuds psychoanalytischen Ansätzen, erläutert werden.

Generell beschränkt sich der Begriff der Psychoanalyse in dieser Arbeit auf die Theorien und Thesen Sigmund Freuds. Mit Sicherheit haben weitere Psychoanalytiker bedeutende Fortschritte zu ihrem Fachbereich beigetragen, welche jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht ausgeführt werden können. Auf der Ebene der psychoanalytischen Untersuchung, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, welche Rolle der Ödipuskomplex, spielt und welche Auswirkungen es auf die zu vergleichenden Instanzen hat, diesen nicht zu überwin- den.

Damit dies nachvollziehbar erläutert werden kann, gilt es zunächst jene Freudschen Theorien zu erläutern, die für die Fragestellung von Bedeutung sind. Das sind zum einen seine These über das Ich, das Es und das Über-Ich und zum anderen jene zum Ödipuskomplex. Da sich die Analyse von 'das Urteil' recht komplex gestaltet wird zunächst das Verhalten des Vaters im Bezug auf ödipale Auffälligkeiten untersucht.

Im nächsten Schritt erfolgt selbiges zu Georg Bendemann als Protagonist. Generell sollen diese Analysen jedoch nur andeuten, welche möglichen Strukturen sich in den Psychen der Charaktere befinden. Eine genaue, tiefenpsychologische Auswertung ist im Rahmen dieser Arbeit leider nicht möglich.

Im Fazit soll abschließend zusammengefasst werden, was die Charaktere psychoanalyti- sche prägt, insbesondere im Bezug auf das Überwinden der freudschen ödipalen Konstruk- tion. Zusätzlich werden die Personen, hinsichtlich der einfangs formulierten Fragestellung, gegenüber gestellt.

Ausschlaggebend für die vorliegende Arbeit wa r neben Freuds Theorien, die Monographie Rainer J. Kaus'. In seinem Werk ' Erz ä hlte Psychoanalyse bei Kafka' verknüpft er bereits ei- nige Aspekte des Textes mit den Freudschen Theorien. Diese Theorien sollen der Inhalt des folgenden Abschnittes sein.

2. Psychoanalytische Grundlagen

Bereits seit der Mitte des 18.Jahrhunderts war die Philosophie davon geprägt, dass sich ihr Kerngedanke, bezüglich der Positionierung des Menschen in seiner Umgebung, veränderte. Während Kant den Menschen noch als Herrscher über die Natur und damit über sich selbst sah, erlebte das Ich in den Folgejahren eine ansteigende Dezentralisierung. Karl Marx setz- te diese Dezentralisierung in Abhängigkeit zu den damaligen Revolten. Er setze der Auto- nomie des Seins, die Fremdbestimmung durch Obrigkeiten als ausschlaggebenden Faktor vor. Schopenhauer fasst diesen Gedanken auf, jedoch entwickelt er die Abhängigkeit von der Obrigkeit weiter, zu einer generellen Abhängigkeit vom anonymen Weltwillen, der das Handeln bestimmt. Einige Jahre bevor Freud diesen äußeren Weltwillen als Über-Ich beti- telt, erörtert Nietzsche, dass es das natürliche Bestreben eines Menschen sei, möglichst mächtig zu sein. Der Wille zur Macht als innerer Trieb, dem der Verstand ausgeliefert sei, bildet die Grundlage dessen, was Freud später als Es bezeichnet.

Begründet durch Freuds erstes Werk ' die Traumdeutung', welches zur Jahrtausendwende des 20. Jahrhunderts erschien, sollten die Fortschritte der psychologischen Forschung die Literatur und Anthropologie ihrer Zeit tief gehend beeinflussen. Erstmals wurde dem Men- schen gezielt vorgeworfen, dass er Instanzen ausgeliefert sei, die er selbst nicht kontrollie- ren könne.[2]

Diese Annahme bildet bis heute die Grundlage der Psychoanalyse und war maßgeblich für Freuds spätere Schriften.

2.1 Ich, Über-Ich und Es

1923 veröffentlicht Freud seine Abhandlung ' Das Ich und das Es '. Einleitend definiert er die „Grundvoraussetzung der Psychoanalyse[:] die Unterscheidung des Psychischen in Be- Menschen, durch die Evolutionstheorie (survival of the fittest), die religiöse Sphäre. Übertroffen wurde dies nur durch Freuds These, dass der Mensch nicht einmal über sich selbst frei verfügen könne (Psychoanalyse). wußtes und Unbewußtes“.[3]

Er bezieht sich auf Georg Groddeck, der in seinem Werk ' das Buch vom Es ' (ebenfalls 1923) den inneren Trieben, die das Handeln bestimmen, einen Namen ('Es') gibt. Freud führt aus: „Das Ich repräsentiert, was man Vernunft [...] nennen kann, im Gegensatz zum Es, welches die Leidenschaften enthält“.[4] Er revidiert seine vorangegangene Annahme, dass der Akt der Verdrängung eine Vorgehensweise des Bewusstseins sei. Verantwortlich sei dafür das Ich, welches die zu vergessenden Inhalte ins Es, ins Unbewusstsein, schiebt.[5] Er definiert also das Ich und das Es, grenzt beide Instanzen voneinander ab und stellt sie insoweit in Beziehung zueinander, als dass das Ich die kontrollierende Instanz über dem Es darstellt.[6]

Allerdings gilt es das Ich, als den Teil des Es, welcher sich im alltäglichen Handeln reali- siert, weiter zu differenzieren. Freud führt die dritte Instanz, das Über-Ich, ein. Diese ent- wickelt sich im Laufe der ödipalen Phase, im Zuge des Ödipuskomplexes. Hier erlebt das heranwachsende Kind erstmals eine eindeutige Grenze, die ihm durch die Eltern entgegen- gestellt wird.[7] Das, in der Entwicklung fundamentale, Inzest-Tabu führt zur Abspaltung des Über-Ichs vom Ich.[8] Das Über-Ich repräsentiert nun fortlaufend die Moral, der ein Indivi- duum durch „Mahnung[en]“ und „Verbot[e]“ ausgesetzt ist, es fungiert somit „als Gewis- sen“.[9]

Festzuhalten gilt es noch, dass diese Instanzen in „dynamischen Beziehungen“[10] zueinan- der stehen. Nicht alles, was vom Ich ins Es abgeschoben und verdrängt wurde, bleibt ver- drängt. Andererseits lassen sich im alltäglichen Handeln eines Menschen Situationen fin- den, die eine zeitweise Übermacht des Es (und des Über-Ichs) vermuten lassen.[11] Abhängig von diesen Instanzen ist die Ausbildung der menschlichen Psyche.

[...]


1 Anz, Heinrich: Umwege zum Tode. Zur Stellung der Psychoanalyse im Werk Kafkas. In: Text & Kontext. Literatur und Psychoanalyse, hg. Von Klaus Bohnen zusammen mit Paolo Chiarini, Claude David et al. Band 10. Kopenhagen: Wilhelm Fink 1981, S. 212f.

2 Freud bezeichnet dies als die dritte Kränkung der Menschheit. Nachdem Kopernikus vermittelt hatte, dass die Erde (und somit auch der Mensch) nicht das Zentrum des Universums sei, nahm Darwin dem

3 Freud, Sigmund: Das Ich und das Es, Leipzig: Internationaler Psychoanalytischer Verlag 1923, S.2.

4 Ebd., S.8.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Siehe hierzu Absatz 2.2 „Der Ödipuskomplex“.

8 Das Ich und das Es, S.13.

9 Ebd.

10 Ebd. S.16.

11 Gemeint sind hier Aspekte, wie zum Beispiel die 'Freudsche Fehlleistung'. Sie impliziert, dass ein Mensch eine Handlung/eine Aussage tätigt, die sie nicht im Begriffe war zu tun/zu sagen. Begründet sei dies dadurch, dass man innerhalb dieser Missetaten die unbewussten Wünsche und Triebe an die Außenwelt preis gibt. Ein weiterer Aspekt sind die nächtlichen Träume. Beim träumen wird das Ich passiv und Über- Ich und Es arbeiten an einer Kompromissfindung zwischen Träumen und Normen (vgl. ausführend hierzu ' die Traumdeutung ' von S.Freud).

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Details

Titel
Der Ödipuskomplex nach Freud in Franz Kafkas "Das Urteil". Zwei Charaktere geprägt durch ihre phallische Phase
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der RWTH Aachen)
Veranstaltung
Psychoanalytische Literaturwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V369344
ISBN (eBook)
9783668472440
ISBN (Buch)
9783668472457
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kafka, Freud, Ödipuskomplex, phallische Phase
Arbeit zitieren
Laura Hagemeier (Autor), 2015, Der Ödipuskomplex nach Freud in Franz Kafkas "Das Urteil". Zwei Charaktere geprägt durch ihre phallische Phase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369344

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