Die Konzeption von moralischen Werten unter besonderer Beachtung des Emotivismus


Hausarbeit, 2017

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1.0 Einleitung

Moralische Werte sind in der Philosophie immer schwer zu finden, zu begründen, oder sogar zu beweisen. Sie sind nicht messbar, nicht immer klar definiert und das Spektrum der menschlichen Handlungen ist zu vielfältig, um immer eine klare Handlungsanweisung zu erhalten, sodass sich das Finden eines moralischen Urteils verei

nfacht. Dabei spielen moralische Werte im Alltag eine immense Rolle, sowohl in der Erziehung, im Berufsleben und im Sozialleben. Es gibt kaum einen Tag, an dem man nicht das Wort „gut“ benutzt und meint damit so etwas wie: „Mir gefällt, dass du das getan hast“ oder vielleicht auch „ich halte deine Handlung für richtig“. Doch was ist „gut“ eigentlich? Woher stammen moralische Werte und wer bestimmt sie? Gibt es so etwas wie moralische Werte überhaupt?

In der Geschichte der Philosophie begegnet man vielen Philosophen, die sich mit genau diesem Thema befasst haben: in der Antike war es Aristoteles, der in der „Nikomachischen Ethik“ die Philosophie an sich als das „höchste Gut“ ansah1, dem Gut, „[dem] Ziel, zu dem alles strebt“2. Auch heute herrscht noch ein Diskurs über die bloße Existenz von moralischen Werten. Viele, darunter auch bedeutende Philosophen, haben versucht, dieses Problem zu lösen. Sie hatten verschiedene Ansätze und Argumentationsformen. Doch letztendlich hat es kein Philosoph geschafft, eine zufriedenstellende Definition für moralisch „schwierige“ Begriffe und Werte, wie z.B. „gut“, „schön“ oder auch „schlecht“ und „böse“ zu geben, mit der sich letztendlich alle zufrieden geben. Doch wieso können wir trotzdem sagen, dass etwas „gut“ ist, wenn wir doch gar nicht genau sagen können, was „gut“ eigentlich bedeutet?

Um dies herauszufinden, werde ich mich dem philosophischen Gebiet des Emotivismus zuwenden. Dieser ist Teil des Nonkognitivismus und dieser wiederum der Metaethik. Ich werde zunächst darstellen, was die Begriffe im Thema der Hausarbeit ausmachen, Kants Definition von „Wert“ darstellen und außerdem auch was die Metaethik im Groben ausmacht, welche Aspekte den Nonkognitivismus auszeichnen und schlussendlich werde ich den Emotivismus genauer betrachten. Danach werde ich anhand der gewonnenen Erkenntnisse die Konzeption von moralischen Werten im Emotivismus erläutern.

2.0 Definitionen

Es ist in jedem Falle absolut obligatorisch, alle Begriffe der Fragestellung, sowie auch der Prämissen eines Arguments genau zu definieren, damit eine besonders trifftige Argumentation zustande kommen kann.3 Deshalb wende ich mich zunächst den Begriffen „moralisch“ und „Wert“ zu.

2.1 Moralisch

„Moralisch“ ist das Adjektiv zu „Moral“; das ist trivial. Doch was genau bedeutet denn „Moral“? Darüber gibt es seit vielen Jahrhunderten Debatten und Unklarheit, weshalb ich mich mit einer recht weit gefassten Definition von „Moral“ zufrieden geben muss:

Moral ist eine Handlungsanweisung, die sich nach bestimmten „begründeten und legitimen Werten“4 und gesellschaftlichen Konventionen richtet. Diese hat den Anspruch innerhalb einer bestimmten Gruppe mit konvergenten Sitten und Konventionen gültig zu sein (vergleiche hierzu Fußnote 11). Moral und deren Anerkennung ist im historischen Verlauf wandelbar, obzwar sie einen universell gültigen Anspruch hat5. Robert Spaemann spricht sogar von einem „natürlichen Sittengesetz“, welches als „allgemeingültig“ angesehen und sogar „objektiv“ erkannt werden kann6, welches Spaemann als das, „was wir unter sittlichem Bewusstsein oder Gewissen verstehen7“ bezeichnet.

Hoerster zweifelt an, dass sich Aussagen über die Moral wirklich objektiv begründen lassen.8 Mithilfe dieser Aussage lässt sich Hoerster leicht unter die Nonkognitivisten ordnen. Was das allerdings bedeutet, folgt in Kapitel 3.0.

2.2 Wert

Selbst ein so trivial erscheinender Begriff wie „Wert“ lässt sich in der Philosophie recht schwierig definieren. Zunächst gilt es, den Begriff in zwei kategoriale Definitionsmöglichkeiten einzuteilen: 1. ökonomischer Wert (eher vergleichbar mit dem Begriff „Preis“) und 2. moralischer Wert9, welches nun auf die Ausgangsfrage der Hausarbeit hinweist. Auch bei der zweiten Definitionsmöglichkeit gibt es etliche verschiedene Varianten, welches sich an dem Umfang, den die verschiedenen Definitionen von „Wert“ in den von mir aquirierten Lexika einnehmen, erkennen lässt. Somit ist eindeutig, dass es keine universal geltende Definition gibt. Allerdings sahen es die Philosophen, die in ihrer Philosophie den Begriff verwandten, ebenfalls als obligatorisch an, den Begriff für sie selbst geltend und valide zu definieren. Wie dies genau im Emotivismus aussieht, wie sich Werte konzipieren und was genau „Wert“ ist, wird im Kapitel 3.2 genauer betrachtet.

Nichtsdestotrotz muss zumindest ein ungefährer Überblick über den Begriff geliefert werden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Werte sich zum ersten auf Personen oder Sachen beziehen können. Zweitens können Werte „als selbstständige, abstrakte Gegenstände, als übergreifende, überzeitliche und allgemeingültige Weisheiten10 “; ergo als objektive Werte, welche als „Wertabsolutismus“ bezeichnet wird, verstanden werden. Zum Dritten sind Werte keins von beidem des oben Erwähnten, sondern ein Wertrelativismus, dessen Definiendum sich durch die Histoire des Definierenden hinweg, verändert. Der Wortbestandteil „Relativismus“ verdeutlicht, dass dies wandelbar ist und somit keinen universell gültigen Charakter hat11. Die letzte Definition ist die für den Emotivismus wichtige und am meisten verwendete. Dies wird im dritten Teil der Hausarbeit genauer erläutert.

2.2.1 Kants Begriff der Würde, des Wertes und des Guten

Es ist erforderlich, dass auch Kant in dieser Hausarbeit nicht unberücksichtigt bleibt, gerade wenn es um einen komplexen Begriff wie „Wert“ geht.

Gleich zu Beginn der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ fällt der Begriff des „guten Willen“, eine Wertung also, welches verdeutlicht, dass Kant dieser Wert besonders wichtig ist12. Genauer wird gesagt, dass „nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich [ist], was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter

Wille.“13, was den Bogen zur Einleitung zurück spannt: Was genau bedeutet „gut“ und was genau ist ein „Wert“ (bei Kant)?

Bei Kant ist es nicht erforderlich, einen Unterschied zwischen „Wert“ und „Zweck“ herzustellen, da diese Begriffe fast synonym verwendet werden. Kant sagt, dass jedes Wesen, das die Natur hervorgebracht hat, einen Zweck/Wert14 hat; entweder als Zweck zur Erreichung eines Mittel (wie z.B. vernunftlose Lebewesen) oder eben als „Zweck an sich selbst“, welche dann „Personen“ genannt werden und nicht als Mittel zum Zweck verwendet werden dürfen. Das Dasein der Personen ist Zweck an sich selbst. Das bedeutet vereinfacht, dass der Mensch sich, eben weil er ein vernunftbegabtes Lebewesen ist und sich somit von allen anderen „Zwecken“ und „Mitteln“ abgrenzen kann, als das Wertvollste ansehen kann, was die Natur hervorgebracht hat.15

Das „Gute“, das Kant zu Beginn der GMS erwähnt, verkonkretisiert er, in dem er sagt, dass es nichts Besseres gibt, als den guten Willen zu haben, den nur vernunftbegabte Menschen fähig sind zu besitzen.

[...]


1 Steenblock, Volker: „Philosophisches Lesebuch. Von den Vorsokratikern bis heute“. Reclam. Stuttgart 2007. S. 75.

2 ebd.

3 Damschen, Gregor; Schönecker, Dieter: „Selbst philosophieren. Ein Methodenbuch“. De Gruyter. Berlin/Boston 2012. S. 23.

4 Hoertser, Norbert: „Was ist Moral? Eine philosophische Einführung“. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2008. S. 11 f.

5 ebd. S. 16.

6 Spaemann, Robert: „Gut und böse - relativ? Über die Allgemeingültigkeit sittlicher Normen“. Freiburg 1992. S. 1.

7 ebd. S. 7.

8 Hoertser, Norbert: „Was ist Moral? Eine philosophische Einführung“. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2008. S. 28.

9 Bien, Günther; et al.; Ritter, Joachim (Hrsg.); Gründer, Karlfried (Hrsg.); Gabriel, Gottfried (Hrsg.): „Historisches Wörterbuch der Philosophie“. Neubearbeitete Ausgabe des ‚Wörterbuchs der philosophischen Begriffe‘ von Rudolf Eisler. Basel 2004. S. 556.

10 Ulfig, Alexander: „Lexikon der philosophischen Begriffe“. Wiesbaden 1997. S. 473.

11 „universell“ ist hier besonders schwierig, da der Definierende zum einen die Meinung vertreten könnte, dass sein Wert einen universellen Charakter haben könnte/sollte aber nicht hat. Zum anderen kann er auch als universell innerhalb der Gruppe gelten, der ihn als „universell“ daklariert. Das bedeutet genauer, dass Leute innerhalb einer Gruppe sagen können, dass Mord kategorisch und universell verboten ist. Allerdings sei Mord außerhalb der Gruppe durchaus legitim. Dadurch würde der universelle Charakter des Wertes nicht verloren gehen. Das gleiche Dilemma erscheint ebenfalls bei der „Moral“ in Kapitel 2.1.

12 Ähnlich wie Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes stehen die wichtigen Artikel in einer Art hierarchischer Reihenfolge. Der Artikel 1 ist somit am wichtigsten und am deutlichsten von allen anderen exkludiert. Ich unterstelle Kant eine ähnliche Hierarchie, wobei Argumentationsstrukturen nicht miteinbezogen sind.

13 Kant, Immanuel; Timmermann, Jens (Hrsg.): „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. [GMS: 393/1]. Göttingen 2004. Hier: S. 9.

14 Im Folgenden werde ich, der Originalausgabe Kants entsprechend, die Begriffe „Zweck“ und „Wert“ verwenden, auch wenn ich sie als synonym verstehe.

15 Kant, Immanuel; Timmermann, Jens (Hrsg.): „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. [GMS: 428/48]. Göttingen 2004. Hier: S. 43.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Konzeption von moralischen Werten unter besonderer Beachtung des Emotivismus
Hochschule
Universität Siegen  (Philosophie)
Veranstaltung
Kants Begriff der Würde
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V369359
ISBN (eBook)
9783668470620
ISBN (Buch)
9783668470637
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Würde, Philosophie, Emotivismus, Konzeption moralischer Werte, Konzeption, moralische Werte, Metaphysik, Nonkognitivismus, Alfred Jules Ayer
Arbeit zitieren
Simon Antonius Heitlage (Autor), 2017, Die Konzeption von moralischen Werten unter besonderer Beachtung des Emotivismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369359

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