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Das Ende des sakralen Imperiums. Papst und Kaiser zwischen Recht und Macht

Title: Das Ende des sakralen Imperiums. Papst und Kaiser zwischen Recht und Macht

Seminar Paper , 2004 , 14 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Diplom Staatswissenschaftler Alexander Salatzkat (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Summary Excerpt Details

[...] Der römische Bischof erhob sich aus der städtischen Bedeutung und von nun an kann „kein Rechtssatz und kein Buch ohne seine Autorität als kirchenrechtlich verbindlich gelten […].“ Die Abspaltung der oströmischen Kirche und die zunehmende Verweltlichung innerhalb der Kirche hatten zu einem Reformbedarf geführt. Die alten Ordnungen schienen nicht mehr zu gelten und die „einzig wahre“ Kirche erhob nun auch ihren Anspruch, in weltlichen Dingen mitzureden. Dies waren aber nur einige der Ursachen für den so genannten Investiturstreit. Von all den Ereignissen ist der sprichwörtliche: „Gang nach Canossa“ am meisten bekannt. Drei Tage soll Heinrich IV. barfüssig und im Büßergewand vor der Burg Canossa gewartet haben, bis Papst Gregor VII. ihn auf Drängen seines Umfeldes wieder in den Kreis der Christen aufgenommen hat.2 Der Vorfall in den Bergen wäre heute wohl kaum von Interesse, wenn nicht die beiden Großen ihrer Zeit daran beteiligt gewesen wären. Der Konflikt war aber „[…] nicht nur ein kirchenpolitischer[…]“ sondern es wurden „[…] gleichgewichtig Fragen des Reichsrechts und der zwischen König und Fürsten politisch spielenden »gewêre« an rechtlich vielschichtigen Zonen und Schichten der Herrschaft“ ausgetragen.3 „Aus dem ‚Ringen’ zwischen Kaiser und Papst über die ‚rechte Ordnung der Welt’ […], gingen neue Formen und Ebenen von Kommunikationen hervor […]“, um sich so Zustimmung und Unterstützung der wankelmütigen Parteigänger zu sichern.4 In der (parteiischen) Berthold-Chronik kann man lesen, dass der (überaus unfehlbar dargestellte) Papst die „Zeichen seiner [des Kaisers] Unreinheit“ („indicium impuriatis“) erkennen und er „in keiner Weise, seinen Worten vollen Glauben schenken“ konnte.5 [...] 2 Man nimmt heute an, dass Heinrich IV nicht wirklich barfüssig und halb nackt vor der Burg gestanden hat, dennoch war sein Verhalten, als auch der seines „kleinen“ Hofstaates demütig. 3 Kämpf, Hellmut: Vorwort, S. IX in: Kämpf, Hellmut (Hrsg.): Canossa als Wende. Ausgewählte Aufsätze zur neueren Forschung, Berlin 1976. 4 Suchan, Monika: Publizistik im Zeitalter Heinrichs VI. S. 29 in: Hruza, Karel: Propaganda, Kommunikation und Öffentlichkeit (11.-16. Jahrhundert), Wien 2002. 5 Robinson, Ian Stuart: Bertholds und Bernolds Chroniken, Darmstadt 2002, S.132f.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. IMPERIUM UND SACERDOTIUM

3. VON RECHT UND UNRECHT

4. CIVITAS DEI UND CIVITAS TERRENA

5. PAPST ZWISCHEN MACHT UND LEHRE

6. BEGINN EINES WANDELS DER KIRCHE?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den historischen Investiturstreit zwischen dem Papsttum und dem römisch-deutschen Kaisertum im 11. Jahrhundert. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der rechtlichen und machtpolitischen Argumentationen beider Parteien, die den Anspruch auf die „rechte Ordnung der Welt“ erhoben und damit die Transformation der kirchlichen Machtstruktur maßgeblich einleiteten.

  • Machtkampf zwischen kaiserlicher Gewalt und päpstlichem Autoritätsanspruch.
  • Theologische Begründungen und die Interpretation der Zwei-Reiche-Lehre.
  • Die Rolle von Augustins Staats- und Kirchenverständnis im Investiturstreit.
  • Wandlungsprozesse der Kirche hin zu einer eigenständigen politischen Machtinstanz.
  • Historische Einordnung des „Gangs nach Canossa“ als politisches Instrument.

Auszug aus dem Buch

Von Recht und Unrecht

Keine zwei Jahre nach der tumultartigen Erhebung zum Papst (1073), verbietet Gregor VII. jede Übertragung eines Kirchenamtes durch Laienhand, insbesondere die Investitur von Bischöfen durch den deutschen König. Heinrich IV. (seit 1065 für volljährig erklärt) besetzt, nach gültigem alten Recht weiterhin Bischofsstühle im Reichsgebiet. Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen besetzte der König die Bischofsstühle; mit der Übergabe von Ring und Stab. Neben der Nähe zur Simonie kritisierte man den Einfluss, den die Könige auf die Bischöfe (und deren Vergabe) hatten. Denn man war grundsätzlich der Ansicht, dass nur Bischof werden könne, wer von Geistlichen gewählt, von der Bevölkerung erbeten oder von den Bischöfen einer Kirchenprovinz geweiht worden war.

Der Papst griff aber auch persönlich in die gesamte europäische Politik ein. Von Norwegen bis Afrika, von Spanien bis Kleinasien ging seine Korrespondenz. Auch in den „ungarischen Thronstreit griff Gregor im März 1074 zugunsten Gézas I. ein [und] wies den König Salomo zurück, weil er Lehnsmann des deutschen Königs geworden war […].“ Er bestand darauf, dass „Ungarn […] in der Freiheit der Römischen Kirche verbleiben […]“ müsse. Derartige Einmischungen in die Reichspolitik konnte Heinrich IV. nicht hinnehmen, zumal er und nicht der Papst Herrscher des deutschen Reiches war.

Letztendlich gipfelt der Konflikt in der Absetzung des Papstes auf dem Reichstag in Worms. Heinrich selbst klagt dabei den Papst in einem Brief an, ein falscher Papst zu sein, der nur Verwirrung gestiftet hat.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Darstellung des 11. Jahrhunderts als Epoche tiefgreifender Umbrüche und Einführung in den Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII.

IMPERIUM UND SACERDOTIUM: Untersuchung der historischen Ursprünge des Konflikts, von Konstantin dem Großen bis zur Entstehung des christlichen Weltreichs unter den Franken.

VON RECHT UND UNRECHT: Analyse des direkten Macht- und Rechtsstreits zwischen Papst und Kaiser sowie der gegenseitigen Vorwürfe der Amtsanmaßung und Simonie.

CIVITAS DEI UND CIVITAS TERRENA: Beleuchtung der theologischen Fundamente durch Augustinus und deren Auswirkungen auf das Verhältnis von irdischem Staat und Gottesstaat.

PAPST ZWISCHEN MACHT UND LEHRE: Diskussion über die Rolle Gregors VII. als Benediktinermönch und die Konsequenzen seiner „Dictatus Papae“ für das kirchenrechtliche Verständnis.

BEGINN EINES WANDELS DER KIRCHE?: Resümee über die langfristigen Folgen der Auseinandersetzung, die zur Etablierung der Kirche als eigenständiger Machtfaktor führten.

Schlüsselwörter

Investiturstreit, Papst Gregor VII., Kaiser Heinrich IV., Sacerdotium, Imperium, Canossa, Zwei-Reiche-Lehre, Simonie, Dictatus Papae, Augustinus, Civitas Dei, Kirchenreform, Machtkampf, Christentum, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die konfliktgeladene Beziehung zwischen Papsttum und Kaisertum im 11. Jahrhundert, wobei insbesondere die rechtliche und machtpolitische Dimension des Investiturstreits beleuchtet wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die Autonomie der Kirche, die Rolle der christlichen Weltordnung, das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht sowie die historischen Reformbestrebungen der Kirche.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Legitimität päpstlichen und kaiserlichen Handelns im Kontext des Investiturstreits zu beurteilen und aufzuzeigen, wie sich die Kirche durch diesen Konflikt als eigenständiger Akteur etablierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, kirchlicher Lehren sowie einer Interpretation der politischen Ereignisse zwischen 1056 und 1122 basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Machtansprüche, die rechtliche Auseinandersetzung um die Einsetzung von Bischöfen, die theologischen Bezüge zu Augustinus und die radikale Neuordnung des kirchlichen Gehorsams durch Papst Gregor VII.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Inhalt?

Zentrale Begriffe sind der Investiturstreit, das „Dictatus Papae“, die „Civitas Dei“, das Spannungsfeld zwischen „Sacerdotium“ und „Imperium“ sowie der Prozess der Verrechtlichung der Kirche.

Welche Rolle spielt der „Gang nach Canossa“ in dieser Arbeit?

Der Autor ordnet das Ereignis nicht nur als historisches Faktum ein, sondern analysiert es als politisches Instrument, das eher machtpolitisch als moralisch motiviert war.

Wie interpretiert der Autor die „Zwei-Reiche-Lehre“ im Kontext des 11. Jahrhunderts?

Der Autor zeigt auf, dass Gregor VII. diese Lehre radikal zugunsten eines päpstlichen Machtzuwachses umdeutete, was zu einer klaren Unterordnung der weltlichen Repräsentanten unter das Papsttum führte.

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Details

Title
Das Ende des sakralen Imperiums. Papst und Kaiser zwischen Recht und Macht
College
University of the Federal Armed Forces München  (Insitut für Theolgie und Gesellschaft. Lehrstuhl für Evangelische Theologie unter besonderer Berücksichtigung der Sozialethik.)
Course
Kirchengeschichte und Kirchenlehre
Grade
1,7
Author
Diplom Staatswissenschaftler Alexander Salatzkat (Author)
Publication Year
2004
Pages
14
Catalog Number
V36935
ISBN (eBook)
9783638364324
Language
German
Tags
Ende Imperiums Papst Kaiser Recht Macht Kirchengeschichte Kirchenlehre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom Staatswissenschaftler Alexander Salatzkat (Author), 2004, Das Ende des sakralen Imperiums. Papst und Kaiser zwischen Recht und Macht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36935
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