Die Volksdemokratie in Ungarn


Referat (Ausarbeitung), 2001
11 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

A. Die Ausgangslage 1945

B. Die Übergangsphase 1945-47

C. Die Phase der Konformität 1947-49

Literaturverzeichnis

„Dieser Krieg ist nicht wie in der Vergangenheit; wer immer ein Gebiet besetzt, erlegt ihm auch sein eigenes gesellschaftliches System auf. Jeder führt sein eigenes System ein, so weit seine Armee vordringen kann. Es kann gar nicht anders sein.“ Stalin, April 1945[1]

„Alle Nationen werden zum Sozialismus gelangen, das ist unausbleiblich, aber keine auf genau die gleiche Art und Weise, jede wird zu dieser oder jener Form der Demokratie [...] etwas Eigenes beitragen. Nichts wäre theoretisch jämmerlicher und in der Praxis lächerlicher als sich [...] in dieser Hinsicht die Zukunft Grau in Grau vorzustellen.“ Lenin, 1916[2]

A. Die Ausgangslage 1945:

Ungarn, das zuvor auf der Seite der Deutschen gekämpft hatte, erklärte am 28. Dezember 1944 dem Deutschen Reich den Krieg. Das Waffenstillstandsabkommen mit den Alliierten, unterzeichnet am 20. Januar 1945 in Moskau, verpflichtete Ungarn zum aktiven Kampf gegen die Wehrmacht, beschränkte das Land auf die Grenzen von 1937 und legte die Reparationszahlungen (unter anderem 200 Millionen Dollar an die UdSSR) fest.[3]

Es gab in Ungarn zu dieser Zeit die folgenden Parteien: die kommunistische Partei Ungarns (MKP), die Unabhängige Partei der Kleinen Landwirte, Landarbeiter und Bürger (FKGP), die Nationale Bauernpartei (NPP) und die Sozialdemokratische Partei (SZDP). Im Jahr 1945 hatte die MKP 30 000, die FKGP über 900 000, die NPP 170 000 und die SZDP 400 000 Mitglieder. Die FKGP verstand sich als eine bürgerlich-demokratische Partei, sie trat unter anderem für freie Religionsausübung und die Verteidigung des Privateigentums ein. Die NPP war eine radikalsozialistische Organisation des Agrarproletariats. Für eine volksrepublika-nische Staatsform und die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien trat die SZDP ein.[4]

Der sowjetischen Führung kam ihre „Vorarbeit“ während des Krieges zugute. Mit dem „Prozent-Handel“ des britischen Premierministers Churchills mit Stalin im Herbst 1944, erkannte Churchill die südosteuropäischen Länder (Rumänien, Bulgarien, Ungarn) als der sowjetischen Zone quasi zugehörig an.[5]

In der Potsdamer Mitteilung vom 2. August 1945 war nicht mehr die in Jalta verwendete Formel, dass diese Länder „dem Volkswillen“ entsprechende „Regierungen auf dem Wege freier Wahlen“ bilden sollten, enthalten.[6] Die sowjetische Regierung war in allen drei Ländern in den Alliierten Kontrollkommissionen federführend.[7] Sie war mit der Schaffung der Ungarischen Provisorischen Nationalregierung am 7. Dezember 1945 in Debrecen, an der hauptsächlich Linksliberale beteiligt waren, den Westalliierten schon einen Schritt voraus. Außerdem hielt die Rote Armee Ungarn seit Herbst 1944 besetzt. Die UdSSR konnte nun das Schicksal Ungarns maßgeblich (mit)bestimmen.[8]

B. Die Übergangsphase 1945 – 1947:

Dadurch, dass die Souveränitätsrechte Ungarns durch das Waffenstillstandsabkommen drastisch beschnitten worden waren, wurde dem Kreml der Aufbau eines neuen Regierungsapparates mit Hilfe eingeschleuster, sowjetischer Experten erleichtert. Nach und nach besetzten loyale Kommunisten alle wichtigen Schaltstellen in der Verwaltung, der Armee und der Polizei.[9]

Ab dem 11. September 1945 fanden in London Gespräche wegen der Friedensverträge mit den ehemaligen Feindstaaten statt. Ohne Zustimmung der Westmächte und vor dem Abschluß der Verträge verkündete der sowjetische Außenminister Molotow am 25. September die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und Budapest. Dies verärgerte die Westmächte nicht nur, sondern ließ sie auch erkennen, dass sie über keinerlei Machtmittel verfügten, um ihren Protesten in der Alliierten Kontrollkommission Ungarns Nachdruck zu verleihen. Nun konnte man der Auffassung Stalins, dass die ehemaligen Feindstaaten in Osteuropa bei den Konferenzen von Teheran und Jalta stillschweigend der sowjetischen Hegemonialsphäre zugeordnet worden waren, nicht mehr viel entgegensetzen. Lediglich die Zusage des Kremls in Ungarn freie Wahlen, an denen alle „demokratischen“ Parteien beteiligt sein sollten, zu gestatten, veranlaßte die amerikanische Regierung ihre diplomatischen Beziehungen zu Ungarn auch zu reaktivieren.[10]

[...]


[1] Milovan Djilas: Gespräche mit Stalin, Frankfurt 1962, S. 146.

[2] W. I. Lenin: Über die Karrikatur auf den Marxismus, in: Werke, Bd. 23, Ost-Berlin 1960, S. 64. Hervorhebung im Text, zit. n. Jens Hacker: Der Ostblock 1939-1980, Baden-Baden 1983, S. 205.

[3] Jörg K. Hoensch: Ungarn-Handbuch, Hannover 1991, S. 91.

[4] Ebd., S. 94/95.

[5] Jens Hacker: Der Ostblock 1939-1980, Baden-Baden 1983, S. 210.

[6] Hacker: Ostblock, S. 208.

[7] Ebd.: S. 210.

[8] Ebd.: S. 205.

[9] Hoensch: Ungarn-Handbuch, S. 94/95.

[10] Hoensch: Ungarn-Handbuch, S. 99.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Volksdemokratie in Ungarn
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Der Aufstieg der UdSSR zur Weltmacht
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
11
Katalognummer
V36939
ISBN (eBook)
9783638364355
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse der Auswirkungen der Konfrontation (Kalter Krieg) zwischen den USA und der UdSSR auf Ungarn 1947-49.
Schlagworte
Volksdemokratie, Ungarn, Aufstieg, UdSSR, Weltmacht
Arbeit zitieren
Julia C. M. Willke (Autor), 2001, Die Volksdemokratie in Ungarn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36939

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