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Ablauf privater Klagen im Gerichtswesen der athenischen Demokratie zur Zeit des Demosthenes

Title: Ablauf privater Klagen im Gerichtswesen der athenischen Demokratie zur Zeit des Demosthenes

Term Paper , 2001 , 12 Pages , Grade: 2

Autor:in: Julia C. M. Willke (Author)

World History - Early and Ancient History
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I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit bearbeitet und erläutert den Ablauf einer Privatklage im Gerichtswesen des antiken Athens zur Zeit des Demosthenes und des Aristoteles, also zwischen 384 und 322 vor Christus. Das Verfahren wird von der formellen Vorladung und der Vorverhandlung (anakrisis) bei einem Schiedsrichter über die Auslosung der Richter (auch Geschworene genannt) für die am jeweiligen Gerichtstag angesetzten Verfahren bis zur endgültigen Gerichtsverhandlung vor diesen Richtern verfolgt. Dem Vorverfahren kommt dabei nicht eine lediglich vorbereitende Aufgabe für den nachfolgenden Gerichtsprozess zu, sondern die Rolle einer Schlichtungsinstanz, durch die mancher Streit schon endgültig erledigt wird ohne dass er je vor Gericht zu gelangen braucht.

Die Zusammensetzung der Geschworenen, die politische Bedeutung der Gerichte, ihre Tagungsfrequenz und die potentiellen Strafmaße sollen uns hier nur am Rande interessieren. Eine Behandlung der öffentlichen Klagen, welche von den athenischen Bürgern offenbar mit größerem Interesse verfolgt wurden, würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen und ist hier deshalb nicht zu finden.

Die wichtigste Quelle, die uns über das athenische Gerichtswesen im 4. Jahrhundert vor Christi Geburt berichtet, ist „Der Staat der Athener“ von Aristoteles. Detailliert wird die komplizierte Auslosung der Richter und die spätere Abstimmung der Richter über Schuld oder Nichtschuld beschrieben (63-69). Auch die Anakrisis wird kurz geschildert (53).

Die wichtigsten Titel der Literatur sind „The Athenian Democracy“ von Mogens H. Hansen und „Die athenische Demokratie“ von Jochen Bleicken, die die Gerichte Athens in je einem Kapitel behandeln. Douglas M. McDowells „The Law in Classical Athens“ beleuchtet das Thema von der rechtsgeschichtlichen Seite. Hildebrecht Hommel endlich hilft die oben genannte Quelle „Der Staat der Athener“ besser zu verstehen und lässt auch den wissenschaftlichen Forschungsforschritt seit Anfang des 20. Jahrhunderts erkennen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Gerichtsverfahren bei Privatklagen

1. Vor dem Schiedsrichter

2. Die Erlosung der Richter

3. Vor dem Geschworenengericht

III. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert den formellen Ablauf von Privatklagen im antiken Athen zur Zeit des Demosthenes und Aristoteles. Dabei wird insbesondere untersucht, wie das komplexe System aus Vorverfahren, Richterauslosung und Gerichtsverhandlung dazu diente, Rechtssicherheit zu gewährleisten und Korruption im demokratischen Prozess zu verhindern.

  • Struktur des Vorverfahrens und Rolle des Schiedsrichters
  • Komplexität der Richterauslosung als Schutzmaßnahme
  • Funktionsweise des Geschworenengerichts
  • Prozessführung ohne professionelle Juristen
  • Demokratischer Anspruch und Billigkeitsprinzip

Auszug aus dem Buch

2. Die Erlosung der Richter

Bei der Erlosung der Richter handelte es sich um ein ungemein komplexes Verfahren, das vor allem zum Ziele hatte, mögliche Beeinflussungen auf richterliche Amtsträger zu verhindern. Es spielte sich im Wesentlichen wie nachfolgend dargestellt ab.

Am Anfang eines jeden Jahres wurde aus allen männlichen Bürgern Athens, die 30 Jahre alt waren und sich fürs Richteramt gemeldet hatten, 6000 ausgelost. Sie leisteten den Heliasteneid, in dem sie schworen, sich bei der Entscheidungsfindung nach den Gesetzen, und wenn es keine Gesetze gab, sich nach der Gerechtigkeit zu richten. Außerdem schworen sie, dass sie nur über den betreffenden Fall entscheiden und sich nicht von Dingen, die für den Fall irrelevant waren, zu Sympathie oder Abneigung hinreißen lassen wollten. Sie erhielten eine Art Richterausweis (pinákion), auf dem ihr Name, der Name ihres Vaters, der Demos aus dem sie kamen und ein Buchstabe von alpha bis kappa standen.

Die derart allgemein für ein Richteramt Ausgelosten konnten nun ein Jahr lang an jedem der Gerichtstage erscheinen und sich speziell auslosen lassen, um einen Tag lang als Teil der Geschworenen eines Gerichtshofes zu fungieren.. Seit circa 378/77 v.Chr. war die tägliche Richterauslosung als Schutzmaßnahme gegen Bestechungsversuche eingeführt worden. Nach der Auslosung der Richter des Tages begann die Zulosung der Richter zu den Gerichtshöfen. Dieses doppelte Losverfahren machte es praktisch unmöglich im Voraus zu wissen, ob jemand an diesem Tag überhaupt zu Gericht sitzen würde, und wenn ja, bei welchem. Damit konnte man auch kaum wissen, über welchen Fall er mitbefinden würde. Diese Verfahren erschwerten deshalb Bestechungsversuche und ermöglichten zugleich eine gute Umverteilung der Richter sowie eine demokratische Auswahl.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den zeitlichen Rahmen der Arbeit und stellt die methodische Vorgehensweise sowie die zentralen Quellen vor.

II. Gerichtsverfahren bei Privatklagen: Dieses Hauptkapitel erläutert detailliert die drei Phasen des Prozesses von der Schlichtung durch den Schiedsrichter bis zur komplexen Richterauslosung und der abschließenden Verhandlung.

III. Schluss: Das Fazit fasst die Bedeutung des Schiedsverfahrens zusammen und reflektiert über das demokratische Ideal einer Laiengerichtsbarkeit in Athen.

Schlüsselwörter

Athenische Demokratie, Privatklage, Schiedsrichter, Anakrisis, Richterauslosung, Geschworenengericht, Heliasteneid, Kleroteria, Logographen, Wasseruhr, Rechtsprechung, Aristoteles, Demosthenes, Rechtsgeschichte, Laiengerichtsbarkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den Ablauf privater Gerichtsverfahren im antiken Athen während des 4. Jahrhunderts vor Christus.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die zentralen Themen sind das Vorverfahren vor Schiedsrichtern, die komplizierten Auswahlprozesse der Richter durch Losverfahren sowie die Durchführung der Prozesse vor dem Geschworenengericht.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den juristischen Prozessablauf nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie das athenische System durch Verfahrenstransparenz und Losverfahren Bestechung zu unterbinden versuchte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich primär auf zeitgenössische antike Quellen wie Aristoteles' "Staat der Athener" sowie moderne rechtsgeschichtliche Forschungsliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorverhandlung, das technisch aufwendige Losverfahren der Richter und die prozessuale Durchführung der Verhandlung vor dem Geschworenengericht.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen zählen Anakrisis, Kleroteria, Heliasteneid, Schiedsrichter und Laiengerichtsbarkeit.

Warum war das Vorverfahren bei einem Schiedsrichter so wichtig?

Es diente als obligatorische Schlichtungsinstanz, die viele Rechtsstreitigkeiten bereits außergerichtlich klären konnte, bevor es zu einer aufwendigen Hauptverhandlung kam.

Welche Funktion hatten die Losautomaten (Kleroteria) bei der Richterwahl?

Die Losautomaten stellten eine faire und manipulationssichere Zuteilung der Richterkandidaten zu den jeweiligen Gerichtshöfen sicher, um Bestechung durch Vorhersehbarkeit auszuschließen.

Wie wurde verhindert, dass Richter während der Verhandlung bestochen wurden?

Durch ein mehrstufiges, komplexes Losverfahren am Morgen des Gerichtstages war es für Außenstehende nahezu unmöglich, im Voraus zu wissen, welche Richter für welchen Prozess eingeteilt wurden.

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Details

Title
Ablauf privater Klagen im Gerichtswesen der athenischen Demokratie zur Zeit des Demosthenes
College
University of Constance  (Fachbereich Geschichte und Soziologie)
Course
Die athenische Demokratie
Grade
2
Author
Julia C. M. Willke (Author)
Publication Year
2001
Pages
12
Catalog Number
V36943
ISBN (eBook)
9783638364386
Language
German
Tags
Ablauf Klagen Gerichtswesen Demokratie Zeit Demosthenes Demokratie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia C. M. Willke (Author), 2001, Ablauf privater Klagen im Gerichtswesen der athenischen Demokratie zur Zeit des Demosthenes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36943
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