Herausforderungen der Integration von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) in den Schweizer Arbeitsmarkt

Ursachen und Hintergründe


Forschungsarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problem- und Ausgangslage
1.2 Fragestellung
1.3 Begründung für Auswahl der Theoriebezüge und Wissenschaftsdisziplinen
1.4 Definitionen der relevanten Begriffe
1.5 Beschreibung des Vorgehens zur Suche von Literatur und statistischen Quellen

2. Asylgesuche der UMA in der Schweiz
2.1 Die Jahre 2014 bis 2016

3. Herausforderungen für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden
3.1 In der Heimat
3.2 In der Schweiz
3.3 Asylverfahren der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden

4. Möglichkeiten für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden
4.1 Chancengleichheit in der Bildung
4.2 Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz
4.3 Möglichkeiten der Integration in den Arbeitsmarkt nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit
4.4 Die Risiken und Massnahmen der Volljährigkeit für die UMA

5. Diskussion
5.1 Erkenntnisse
5.2 Weiterführende Überlegungen

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1.Anzahl der UMA im Vergleich mit dem Total aller Asylgesuche von 2014 bis 2016.

Abbildung 2.Die Etappen der Betreuung.

Abbildung 3.Die Schritte der Vorbereitung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1.Arbeitslosenquote nach Herkunft und Alter

1. Einleitung

1.1 Problem- und Ausgangslage

Ein stets wichtiges Thema im politischen Diskurs ist die Frage nach dem richtigen Umgang mit Migration und den damit einhergehenden Folgen. Wie mit diesen Themen umgegangen werden soll, wird oft in gegensätzlichen Theorien und Ansätzen diskutiert. Die Zuwanderung kann viele Gründe haben, seien es militärische Konflikte, wirtschaftliche Krisen oder Unterdrückung. Laut Adam und Asshauer (2009, S. 155) ist die Zivilbevölkerung in der heutigen Zeit immer mehr von Kriegen und Terrorangriffen betroffen. Zuwanderung kann einerseits als etwas Bereicherndes und wirtschaftlich Notwendiges angesehen werden. Anderseits gibt es auch Stimmen, die meinen, dass Zuwanderung zu sozialen Unruhen und Arbeitslosigkeit führt.

Aber Gaillard & Baumberger äussern: «Trotz Wirtschaftskrise, Öffnung des Arbeitsmarktes und Strukturwandel hat sich der Schweizer Arbeitsmarkt über die Jahre als ausgesprochen aufnahmefähig erwiesen» (2015, S. 90). Weiter erwähnt Duff 2008: «Jeder 20. Asylsuchende in der Schweiz ist ein unbegleitetes Kind oder Jugendlicher» (S. 69). Die Zukunft ist für viele offen und ungewiss. Der Aufenthaltsstatus bietet in der Regel wenige Aussichten auf eine längerfristige Perspektive in der Schweiz (Duff, 2008, S. 150).

Gegenüber UMA stellen sich sehr hohe Herausforderungen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, im Vergleich zu Schweizer Kindern und Jugendlichen. Die ankommenden Kinder und Jugendlichen müssen sich in einer fremden Kultur ohne Kenntnisse der Sprache, oft sogar ohne Familie zurechtfinden, erwähnt Marion Heidelberger, Präsidentin der Sonderpädagogischen Kommission LCH und Vizepräsidentin LCH in einem Interview im Magazin «Bildung Schweiz» (2017, S. 17).

1.2 Fragestellung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Fragestellung,welche Herausforderungen sich für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) bei derIntegration in den Schweizer Arbeitsmarktergeben. Der Fokus wird auf die Gründe für die Hürden bei der Integration in den Arbeitsmarkt nach der obligatorischen Schulzeit gelegt. Darüber hinaus befasst sich die Arbeit mit den vorhandenen Möglichkeiten, die sich den UMA bieten, wenn sie das obligatorische Schulalter überschritten haben und sie sich nicht in die Arbeitswelt integrieren konnten.

1.3 Begründung für Auswahl der Theoriebezüge und Wissenschaftsdisziplinen

Das fundamentale Thema, mit dem sich die vorliegende Arbeit beschäftigt, sind die Herausforderungen welche sich bei der Integration der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in den Schweizer Arbeitsmarkt ergeben. Ins Zentrum des Interesses rücken mögliche Ursachen sowie Möglichkeiten für eine bessere Integration. Diese Themen sind hauptsächlich Gegenstand von der Sozialpädagogik. Im weiteren Sinne geht es aber auch um Kinder – und Jugendhilfe, Arbeitsagogik und Human Diversity.

1.4 Definitionen der relevanten Begriffe

Folgend sind Begriffe, welche zu einem Grundverständnis der Thematik notwendig sind, genauer erklärt.

Asylist gemäss dem Nachschlagewerk Duden (2017) die Aufnahme, die Zuflucht und den Schutz, den ein Staat den politisch oder religiös Verfolgten gewährt.

Migrationist gemäss dem Nachschlagewerk Duden (2017) «Wanderung oder Bewegung bestimmter Gruppen von Tieren oder Menschen». Oder auch als Abwanderung in eine andere Gegend, ein anderes Land oder an einen anderen Ort zu verstehen. In dieser Arbeit geht es um die Zuwanderungsbewegung von ausländischen Staatsangehörigen in die Schweiz.

Minderjährigsind nach Artikel 14 ZGB (Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 SR210) Personen, die nicht volljährig sind. Volljährig ist, wer das 18. Lebensjahr erreicht hat.

Unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA)sind laut den „Richtlinien über allgemeine Grundsätze und Verfahren zur Behandlung asylsuchender unbegleiteter Minderjähriger“ des Amtes des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) aus dem Jahre 1997 folgendermassen definiert:

Ein unbegleitetes Kind ist eine Person, die das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt, und die von beiden Elternteilen getrennt ist und nicht von einem Erwachsenen betreut wird, dem die Betreuung des Kindes durch Gesetz oder Gewohnheit obliegt.

1.5 Beschreibung des Vorgehens zur Suche von Literatur und statistischen Quellen

Für die vorliegende Arbeit wurde in der Datenbank Sowiport mit den Schlagwörtern «Asylsuchende» und «Flüchtlinge» gesucht. Für die erweiterte Eingrenzung wurden Begriffe wie «unbegleitet», «Migration Schweiz», «minderjährig», «Zuwanderung Schweiz», «Asyl Schweiz Ausbildung» verwendet. Über das Suchportal NEBIS wurde auf die ISSN- bzw. ISBN Nummer in der Datenbank «Sowiport» zugegriffen. Die Literatur wurde direkt über das Suchportal NEBIS bezogen, welche mit dem Metakatalog Swissbib verlinkt ist. Die Statistiken wurden vom Bundesamt für Statistik (BFS) und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) übernommen. Sie sind jederzeit auf der Homepage abrufbar.

2. Asylgesuche der UMA in der Schweiz

2.1 Die Jahre 2014 bis 2016

In der untenstehenden Abbildung mit Daten des SEM aus dem Jahr 2016 sind die Asylgesuche der unbegleiteten Minderjährigen neben dem Total aller Asylgesuche aufgeführt.

Der markante Anstieg von 1941 Gesuchen im Jahre 2014 im Vergleich zum Vorjahr 2015 ist offenkundig. Im Jahre 2016 ist ein allgemeiner Rückgang der Asylgesuche zu erkennen. Im Jahr 2016 sind es 742 weniger Gesuche von UMA eingereicht worden.

Aus der Statistik lässt sich der Grund für den Rückgang der Gesuche nicht erschliessen. Die Statistik gibt keine Auskunft darüber, ob das aufgeführte Alter geprüft wurde oder auf der Eigenangabe der UMA beruht.

Statistiken- und Vergleichstabelle UMA 2014 - 2016

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Anzahl der UMA im Vergleich mit dem Total aller Asylgesuche von 2014 bis 2016.

Quelle: Eigene Darstellung (basierend auf Daten des Staatssekretariats für Migration SEM, 2016)

3. Herausforderungen für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden

3.1 In der Heimat

Krieg, Verfolgung und Armut werden oft als Gründe angegeben von UMA, die eigene Heimat zu verlassen. Gründe für die Jugendlichen, ihr Land zu verlassen, sind gemäss Detemple (2016, S. 15 - 16) meist: Zwangsheirat, Misshandlungen oder fehlende Bildungsmöglichkeit. Auch in der Schweiz sind die meistgenannten Fluchtursachen Armut, Krieg, Bedrohung, Misshandlungen oder der Verlust der Eltern oder gar aller Angehörigen im Krieg (Hochuli, 2013, S. 6). Wiederum andere wurden mit der Hoffnung losgeschickt, in der Fremde erfolgreich zu sein und Hinterbliebene dann finanziell unterstützen zu können (Hochuli, 2013, S. 6).

Laut dem Bericht von Hochuli aus dem Jahre 2013 sind die häufigsten Herkunftsländer Eritrea, Tunesien, Somalia und Afghanistan. Um an einem Beispiel das Ausmass zu verdeutlichen, wird hier Afghanistan genauer betrachtet. Im Rahmen dieser Arbeit wird nicht auf alle spezifischen Risiken, welchen die Jugendlichen in den verschiedenen Ländern ausgesetzt sind, eingegangen. Laut dem UNHCR sind Kinder und Jugendliche in Afghanistan Kinderarbeit, Kinderhandel, Kinderprostitution, Kinderpornografie, häuslicher Gewalt und Zwangsrekrutierungen ausgesetzt. Die Zahl der verletzten und getöteten Jugendlichen nimmt stetig zu (2013, S. 57 - 63).

3.2 In der Schweiz

Nach der Ankunft in der Schweiz sind «migrierende UMA mit verschiedenen Schwierigkeiten und Hürden konfrontiert» (Kurt, Panicara, & Strickler, 2014, S. 9). «Mangelnde Sprachkenntnisse, das Zurechtfinden in einer neuen Situation, die Konfrontation mit einer fremden Kultur und die Konflikte mit den eigenen Wertvorstellungen führen zu Verunsicherung. Hinzu kommen zusätzliche Herausforderungen wie Armut, Diskriminierung und der soziale Ausschluss» (Kurt, Panicara, & Strickler, 2014, S. 9). Deshalb ist es umso wichtiger, die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden vertrauensvoll und eng zu begleiten. Dazu trägt aber das schweizerische Asylverfahren nicht bei (Kurt, Panicara, & Strickler, 2014, S. 9). «Es fällt in den Verantwortungsbereich der Gesellschaft, adäquate Bedingungen für die Aufnahme dieser Jugendlichen zu schaffen, die individuelle Entwicklung der jungen Menschen zu fördern und ihren weiteren Lebensweg mit ihnen zusammen zu gestalten» sagt die schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes (SSI) (2016, S. 6).

3.3 Asylverfahren der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden

Hochuli erwähnt, dass die Jugendlichen eine äusserst schwierige Situation erleben. Viele der Jugendlichen trauern womöglich um getötete Familienangehörige oder sind in einer fremden Kultur auf sich alleine gestellt. Des Weiteren beherrschen sie am Anfang die Sprache kaum (2013, S. 6).

Deshalb ist ein feinfühliger Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden unumgänglich (SSI, 2016, S. 4). Um ihnen die Angst zu nehmen und bestmögliche Perspektiven zu ermöglichen, hat das SSI eine Interventionskette mit 9 verschiedenen Etappen erstellt, welche auf der Abbildung 2 ersichtlich ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Die Etappen der Betreuung.

Interventionskette des SSI

Quelle: Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes (SSI), 2016, S. 18.

Das SSI erläutert, dass «die Einhaltung der Kinderrechte und die Suche nach einer dauerhaften individuellen Lösung in den Mittelpunkt gestellt werden» (2016, S. 5). Eine dauerhafte Lösung muss den Kindeswohlvorrang berücksichtigen. Sie muss laut der UN - Kinderrechtskonvention dem unbegleiteten Kind eine Umgebung bieten können, welche seinen Bedürfnissen und seinen Rechten entspricht, damit dieses behütet aufwachsen kann. Unter keinen Umständen darf es einem Verfolgungsrisiko oder Schäden ausgesetzt werden (UNHCR und UNICEF, 2016, S. 45).

4. Möglichkeiten für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden

4.1 Chancengleichheit in der Bildung

Das Recht auf Bildung ist gemäss Fritzsche ein gut geschütztes und ein relativ weit anerkanntes kulturelles Recht (2009, S. 104). Berufliche Qualifikation wird als zentrales Kriterium für die Herausbildung von Arbeitsmarktsegmentation erwähnt. Die zentrale Bestimmungsgrösse für die individuellen Zugangschancen zum Arbeitsmarkt ist der Bildungserfolg. Daneben sind auch noch Geschlecht, soziale Herkunft, Alter, Gesundheit, Wohnort und die ethnische Zugehörigkeit ausschlaggebend (Georg & Sattel, 2006, S. 125 - 126).

In der Schweiz ist seit Einführung der Bundesverfassung (BV) 1874 in Artikel 27 Absatz 2 BV[1](Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874, SR 101) das Grundrecht auf obligatorischen, unentgeltlichen und ausreichenden Grundschulunterricht in der Schweiz verfassungsrechtlich verankert. Seit 1999 ist dies in Artikel 19 BV (Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999, SR 101) geregelt. Wie für UMA so auch für asylsuchende Kinder ist der Grundschulunterricht in allen Kantonen obligatorisch (Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK, 1991, S. 24).

[...]


[1]Stand am 20. April 1999

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Herausforderungen der Integration von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) in den Schweizer Arbeitsmarkt
Untertitel
Ursachen und Hintergründe
Hochschule
ZHAW - Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften  (Soziale Arbeit)
Note
1.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V369603
ISBN (eBook)
9783668488304
ISBN (Buch)
9783668488311
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
UMA, Asylsuchende, Asyl, Migration, Herausforderung, Integration, minderjährige, unbegleitete, Schweizer, Arbeitsmarkt, unbegleitet, Unbegleitete minderjährige Asylsuchende, Zuwanderung, ZHAW, Ursachen Hintergründe, Hintergründe, Ursachen
Arbeit zitieren
Tolga Yildiz (Autor), 2017, Herausforderungen der Integration von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) in den Schweizer Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369603

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