Die special relationship: Tot geglaubte leben länger. Strukturelle Gründe für den Erhalt der special relationship


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die special relationship zu Beginn des Kalten Krieges
2.1. Bedeutung
2.2. außenpolitische Zusammenarbeit
2.3. militärische-; nachrichtendienstliche-; nukleare Kooperation
2.4. ökonomisch Verbindungen
2.5. persönliche Beziehungen/informelle Kanäle

3. Die special relationship unter Blair
3.1. Bedeutung
3.2. außenpolitische Zusammenarbeit
3.3. militärische-; nachrichtendienstliche-; nukleare Kooperation
3.4. ökonomisch Verbindungen
3.5. persönliche Beziehungen/informelle Kanäle

4. Strukturelle Gründe für die Existenz und den Erhalt der special relationship

1. Einleitung

Die außenpolitischen Mechanismen und Motive Großbritanniens und vor allem seine Beziehung zu den USA, als deren wichtigster und verlässlichster Partner es sich bei den Interventionen im Irak und Afghanistan erwiesen hat, rücken zur Zeit wieder zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Der Begriff „special relationship“ ist das Schlagwort, unter dem die Beziehung zwischen den USA und Großbritannien zumindest seit dem zweiten Weltkrieg[1] firmiert und der vor allem auf britischer Seite immer wieder benutzt wird, um die Beziehungen beider Staaten zu umschreiben. Was allerdings das Spezielle an dieser zwischenstaatlichen Beziehung ist und was die tragenden Elemente dabei sind, wird kaum erwähnt. Auch in der Fachliteratur ist eine einheitliche und scharfe Abgrenzung des Begriffs nicht festzustellen. Das Zitat mit dem Richard Hodder-Wiliams die Schwierigkeit einer Begriffsabgrenzung umschreibt scheint in diesem Zusammenhang sehr passend: „I cannot define it, but I know it when I see it.“[2]. Ganz in diesem Sinne werde auch ich nicht versuchen mir eine Definition dieser Beziehung anzumaßen. Vielmehr werde ich die special relationship in zwei ihrer wichtigsten Phasen beschreiben. Einmal zu Beginn des kalten Krieges, als die Beziehung für beide Staaten von großer Relevanz war. Und zweitens unter Tony Blair, der die von vielen schon totgesagte und als nicht zukunftsfähig eingeschätzte Verbindung wieder mit neuem Leben erfüllte und sich in allen wichtigen internationalen Entscheidungen auf die Seite der USA stellte. Bei dieser Beschreibung werde ich diejenigen Gebiete betrachten, in denen tatsächlich Besonderheiten in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten bestehen oder bestanden. Zuerst werde ich die Bedeutung der special relationship für beide Staaten in der Anfangsphase des Kalten Krieges beschreiben. Daraufhin werde ich ins Detail gehen und meinen Focus auf die Gebiete Außen- und Sicherheitspolitik, Kooperationen im militärischen, nachrichtendienstlichen und nuklearen Bereich, ökonomische Beziehungen, und persönliche Kontakte bzw. informelle Kanäle, die bei der Beschreibung und dem Versuch der Erklärung der special relationship eine herausgehobene Rolle spielen, richten. Nachdem ich eine kurze Beschreibung der Entwicklung der Beziehung vom Kalten Krieg bis zu Beginn der Regierung Blair geliefert habe, werde ich das Verhältnis beider Staaten in den oben genannten Bereichen in während der Regierung Blair betrachten.

Ausgehend davon werde ich anschließend bewerten, ob die special relationship tatsächlich etwas Spezielles beinhaltet, oder ob sie eine ganz normale zwischenstaatliche Beziehung ist. Darauf folgend werde ich einige strukturelle Punkte der britischen Politik und Geschichte herausstellen, die geeignet sind den andauernden Fortbestand der special relationship, selbst über solch gravierende geostrategische Veränderungen wie das Ende des kalten Krieges hinaus, zu erklären. Abschließend werde ich eine kurze Zukunftsperspektive für die special relationship entwerfen.

2. Die special relationship zu Beginn des Kalten Krieges

2.1. Bedeutung

Die special relationship hat ihre Wurzeln im zweiten Weltkrieg, auch wenn diese Formulierung schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts gelegentlich verwendet wurde.[3] Während des zweiten Weltkrieges wurden militärische aber auch politische Strategien zwischen den Anglo- Amerikanischen Alliierten eng abgestimmt und auch im Bereich der Geheimdienste und nuklearer Forschung gab es eine enge Kooperation. Außerdem unterstützten die USA schon vor deren offiziellem Kriegseintritt und während des gesamten Krieges die britischen Kriegsbemühungen vor allem durch das lend-lease Programm, in dessen Rahmen Kriegsmaterialien, aber auch zivile Güter zur Verfügung gestellt wurden, die erst zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt werden sollten.[4] Des Weiteren arbeiteten die beiden Partner noch während des zweiten Weltkrieges an Plänen für das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem, das nach Ende des Krieges herrschen sollte. Auch wenn die Zusammenarbeit in diesem Bereich eher von Gegensätzen geprägt war,[5] so wird der Wille zu einer umfassenden Kooperation zu dieser Zeit doch deutlich. Diese Zusammenarbeit wurde auch gefördert durch den engen persönlichen Kontakt zwischen den beiden Regierungschefs während des Krieges, Roosevelt und Churchill, deren schriftliche Korrespondenz während des Krieges über 1700 Nachrichten zählte.[6]

Die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten schwächte sich nach Ende des Krieges erst einmal ab, da der Feind, der als Grund für diese Zusammenarbeit nicht zu unterschätzen ist, besiegt war und da vor allem die Amerikaner sich nun wieder vermehrt innenpolitischen Problemen widmeten. Nach dem Tod Roosevelts und der Abwahl Churchills war außerdem das persönliche Vertrauensverhältnis als wichtiger Aspekt der Beziehung weggefallen. Beispiele für die sich abkühlenden Verhältnisse sind das Ende der nuklearen Zusammenarbeit, das die USA 1946 durch den McMahon Act[7] erklärten und das abrupte Ende des lend-lease Programms nach Ende des Krieges.[8]

Jedoch wurde durch den heraufziehenden kalten Krieg diese Phase der abgekühlten Beziehungen nur zu einem kurzen Zwischenspiel. Als Stalin und sein expansionistisches Vorgehen in Osteuropa die Gefahr eines Konfliktes immer realistischer erscheinen ließen - und spätestens seit der Berlinkrise - verbesserten sich die Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA zusehends und es kam zu einer vielschichtigen Kooperation, da beide die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit unter den neuen geostrategischen Umständen erkannt hatten.[9] Diese Erkenntnis spiegelt sich auch in der Einschätzung des US State Department vom 1.4.1946 wieder, in der es heißt: „If Soviet Russia is to be denied the hegemony of Europe, the United Kingdom must continue in existence as the principal power in Western Europe economically and militarily. The US should, therefore, […] give all feasible political, economic, and if necessary military support…“[10]

2.2. außenpolitische Zusammenarbeit

Im Bereich der Außenpolitik bestanden zwischen beiden Staaten Unterschiede was die Wahrnehmung des britischen Empire anging, allerdings wurde die Bedrohung, die von der Sowjetunion ausging von beiden Seiten gleich gesehen. Daher war die Außenpolitik in Bezug auf die Sowjetunion auch von großer Einigkeit geprägt. Ziel war es eine weitere Expansion des Kommunismus einzudämmen, also den Status quo zu erhalten.

Folgerichtig kam es 1946 in Deutschland zum Zusammenschluss der Besatzungszonen beider Staaten zur Bizone. Ein großer Erfolg bei dem Bestreben Großbritanniens, die USA langfristig in die Verteidigung Westeuropas mit einzubeziehen war die Gründung der NATO 1949. Hierdurch wurde die Verteidigung Europas fest institutionalisiert und die Gefahr eines Rückfalls der USA in den Isolationalismus, der während der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen geherrscht hatte, wurde vermieden.[11] Ebenfalls 1949 wurde während der Berlinkrise die Deckungsgleichheit der beiden Staaten, was das Vorgehen in Europa anging, unter Beweis gestellt. Nach Beginn der Blockade war das Handeln der beiden Staaten von Einigkeit geprägt. Der Erhalt Berlins als freie Stadt wurde als essentiell angesehen und von der Anglo- Amerikanischen Luftbrücke garantiert.[12] Außerhalb Europas war die außenpolitische Zusammenarbeit schwieriger. Da die Briten sich neben den Interessen der USA natürlich dort vor allem auf die des Empire konzentrieren mussten, kollidierten vor allem im mittleren- und fernen Osten die Interessen Großbritanniens und der USA. Dies ist auch dadurch zu erklären, dass die USA zu dieser Zeit einen eher anti- imperialen Kurs verfolgten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Suezkrise, die kurzzeitig für ernsthafte Verstimmungen zwischen den beiden Staaten führte.[13] Gleichzeitig gibt es aber auch Beispiele für enge Kooperationen bei Militärinterventionen außerhalb Europas. So nahmen britische Truppen am Koreakrieg teil und in Jordanien und dem Libanon unterstützten britische und US-amerikanische Truppen 1958 Seite an Seite die dortigen Machthaber gegen mögliche Umsturzversuche.[14] Im Großen und Ganzen aber verfolgten die Briten genau wie die Amerikaner die Strategie der Eindämmung kommunistischer Aktivitäten, die auf denselben Grundannahmen über die vom Kommunismus ausgehenden Gefahren basierten. Daher war Großbritannien bei seinem Stückweise Rückzug vom Kolonialreich auch immer darauf bedacht, kein Machtvakuum entstehen zu lassen, sondern die Sphäre der Macht nahtlos an die USA zu übertragen.[15] Die außenpolitischen Aktivitäten wurden meist intern verhandelt bevor es dann tatsächlich zur Aktion kam und nur wenn es handfeste gegenläufige Interessen gab, kam es nicht zu gemeinsamem Handeln. Dean Rusk, der Staatssekretär John F. Kennedys drückte diesen Sachverhalt folgendermaßen aus: “We can`t break with Britain. We have to be able to discuss world problems with someone. [… ] We and the British don`t always agree. But we discuss.”[16]

[...]


[1] Churchill benutzte diesen Begriff bei seiner wegweisenden „Eiserner Vorhang“ -Rede in Fulton Missouri 1946 vgl. Wither S.2

[2] ursprünglich die Aussage des Richters Potter Stewart über das Konzept der Obszönität in: Hodder-Williams 2000 S.235

[3] vgl. Himmler 1999 S.73

[4] vgl. Sanders 1990 S.33

[5] vgl. Gamble 2003 S.100

[6] vgl. Dickie 1994 S.13

[7] ebd. S.41

[8] ebd. S.34

[9] vgl. Sanders 1990 S.56

[10] Bericht des US State Department vom 01.04.1946 in: Bartlett 1992 S.24

[11] vgl. Sanders 1990 S.71

[12] vgl. Dickie 1994 S.57

[13] vgl. Bartlett 1992 S.77-88

[14] vgl. Sanders S.172

[15] vgl. Mangold 2001 S.71

[16] secratary of state unter Kennedy Dean Rusk in: Bartlett 1992 S.96

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die special relationship: Tot geglaubte leben länger. Strukturelle Gründe für den Erhalt der special relationship
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar (Vergleichende Regierungslehre)
Note
1.7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V36965
ISBN (eBook)
9783638364515
ISBN (Buch)
9783640346110
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Special Relationship, Großbritannien, USA, GB
Arbeit zitieren
Tobias Dondelinger (Autor), 2005, Die special relationship: Tot geglaubte leben länger. Strukturelle Gründe für den Erhalt der special relationship, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36965

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