Kreditderivate als Möglichkeit der Transformation von Risiken im Kreditgeschäft


Hausarbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einführung in die Thematik der Kreditderivate

2 Risiken der Kreditvergabe

3 Grundlagen der Kreditderivate
3.1 Begriffsabgrenzung
3.2 Entwicklung

4 Arten von Kreditderivaten
4.1 Credit Default Produkte
4.2 Total Return Swap
4.3 Credit Spread Produkte
4.3.1 Credit Spread Option
4.3.2 Credit Spread Forward
4.4 Credit Linked Note
4.5 Absicherung der Risikotypen durch die einzelnen Produkte des Marktes für Kreditderivate

5 Einsatzmöglichkeiten der Kreditderivate
5.1 Aktivmanagement
5.1.1 Absicherung durch Veräußerung von Kreditrisiken
5.1.2 Erwerb von Kreditrisiken
5.1.3 Optimierung des Kreditportfolios
5.2 Passivmanagement
5.3 Eigenhandel
5.4 Bilanzstrukturmanagement

6 Nachteile

7 Schlussbetrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einführung in die Thematik der Kreditderivate

Die Hereinnahme von Finanzmitteln überliquider Wirtschaftssubjekte und die Weitergabe dieser Mittel an kreditnachfragende Wirtschaftssubjekte gehören zu den volkswirtschaftlichen Grundfunktionen und zum Kerngeschäft der Kreditinstitute (Hahn/Wilkens 2001, 7).

Wachsende Konkurrenz, globale Märkte und steigender technischer Fortschritt lassen den Kapitalbedarf von Unternehmen fortlaufend ansteigen. Dabei lässt jedoch allein die nach Auskunft der Creditreform gegenüber dem Vorjahr um 0,3% gestiegene Anzahl von 39.600 Insolvenzen deutscher Unternehmen im Jahr 2004 bereits die Schlussfolgerung zu, dass der Rückfluss der ausgereichten Finanzmittel nicht immer sichergestellt ist (vgl. Lauble 2005, 4).

Bei der befristeten Überlassung von Kreditmitteln setzen sich Kreditinstitute somit dem latenten Risiko aus, dass einzelne Schuldner die Rückzahlung des überlassenen Kapitals zum vereinbarten Zeitpunkt und in der vereinbarten Höhe nicht erbringen können oder wollen (vgl. Becker/Peppmeier 2000, 124 und 376).

Da hinter den Risiken jedoch auch die Chancen stehen, hinsichtlich eines Geldgewinns besser abzuschneiden als dies ohne Eingehen des Risikos der Fall wäre, werden diese bewusst in Kauf genommen (vgl. Hanker 1998, 17).

Verschiedene Methoden der Bonitätsanalyse, also der Prüfung der Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Kreditnehmers, sowie ein leistungsfähiges Kreditrisikomanagement sollen helfen, insbesondere Kreditrisiken zu erkennen, zu quantifizieren und analysieren sowie zu vermeiden und zu steuern, um so eine rentable Kreditvergabe zu ermöglichen.

Als alternative und ergänzende Möglichkeit haben sich in den letzten Jahren mit dem Markt für Kreditderivate Wege eröffnet, Kreditrisiken zu separieren, um so die Voraussetzung für die Handelbarkeit dieser Risiken zu schaffen (vgl. Schiller/Tytko 2001, 276).

Im Rahmen dieser Abhandlung werde ich auf wesentliche Risiken als Bestandteil des Kreditgeschäfts eingehen, Kreditderivate als Möglichkeit der Steuerung dieser Kreditrisiken definieren, ihre Entwicklung kurz skizzieren, sowie einzelne Arten, deren Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten und Nachteile beschreiben.

2 Risiken der Kreditvergabe

Bei der Kreditvergabe gehen die Kreditgeber eine Vielzahl unterschiedlicher Risiken ein, die sich nach Heidorn in erster Linie in Marktrisiken und Adressenrisiken unterteilen lassen (vgl. Heidorn 1999, 4).

Marktrisiken sind durch die Gefahr von Ertragsnachteilen in Folge ungünstiger Entwicklung von Marktpreisen gekennzeichnet (vgl. Krummow u.a. 2002, 903). Beispielhaft sei hier das Zinsänderungsrisiko erwähnt, welches unter anderem dann zu negativen Ertragsentwicklungen führt, wenn sich die Zinserträge aus der Kreditvergabe und die Zinsaufwendungen für die Refinanzierung dieses Kredites auseinander entwickeln. Dies kann dann der Fall sein, wenn der Kredit mit einem fest vereinbarten Zinssatz nicht laufzeitkongruent[1], sondern kurzfristig zu variablen Zinssätzen am Kapitalmarkt refinanziert wird und diese Kapitalmarktzinsen ansteigen. Da eine Veränderung des fest vereinbarten Kreditzinses nicht möglich ist, sind Ertragsnachteile für den Kreditgeber die Folge. Diesen Marktrisiken kann mit Finanzderivaten[2], im Falle des Zinsänderungsrisikos beispielsweise mit einem Zinsswap, entgegengewirkt werden. Bei einem Zinsswap vereinbaren die Handelspartner ihrer Kreditzinserträge aus unterschiedlicher Zinsfixierung, also feste Zinserträge gegen variable Zinserträge, untereinander zu tauschen um so Zinserträge zu erhalten, die der jeweiligen Refinanzierungsform entsprechen.

Die das Kapitel abschließende Abbildung gibt eine grobe Aufgliederung der Marktrisiken wieder. Da diese für die nachfolgende Abhandlung jedoch nur von untergeordneter Bedeutung sind, soll auf eine detailliertere Erläuterung hier verzichtet werden.

Das wesentlich bedeutsamere Risiko der Kreditvergabe, das Adressenrisiko, auch als Kreditrisiko bezeichnet, welches sich in ein Bonitätsänderungs- und Ausfallrisiko aufgliedern lässt, soll nachfolgend beschrieben werden (vgl. Heidorn 1999, 4; Krummow u.a. 2002, 844; Läger 2002, 20).

Vergibt ein Kreditinstitut als Gläubiger einen Geldkredit, hat dieses dadurch Ansprüche gegenüber dem Schuldner. So hat der Gläubiger zum einen Anspruch auf Rückzahlung der Kreditsumme, zum anderen ein Anrecht auf Zahlung von Zinsen als Preis für die befristete Geldüberlassung (vgl. Läger 2002, 19).

„Wesentliches Merkmal von Krediten ist, dass der Kreditgeber seine Leistung ... sofort erbringt, während die Gegenleistung des Kreditnehmers erst später erfolgt.“ (Becker/Peppmeier 2000, 124). Während der Zeit zwischen Leistung an den Kreditnehmer und dessen Gegenleistung werden unterschiedlichste Faktoren auf den Kreditnehmer selbst sowie seine Umwelt einwirken, die ursächlich dafür sein können, dass die Gegenleistung nicht vereinbarungsgemäß erbracht wird. Kreditinstitute versuchen daher, bereits bei Kreditvergabe die Bonität[3] des Kreditnehmers zu prüfen.

Eine bereits anfänglich falsch bewertete oder sich während der Kreditlaufzeit verschlechternde Bonität des Kreditnehmers kann zur Verzögerung bei den Zins- und Tilgungszahlungen oder zu endgültigen Forderungsausfällen führen.

Der Forderungsausfall als Möglichkeit, dass eine Forderung teilweise oder vollständig nicht zurückgezahlt wird, stellt die Extremform des Kreditrisikos dar und wird als Adressenausfall- oder Ausfallrisiko bezeichnet (vgl. Krummow u.a. 2002, 230). „Das Risiko, dass der Geschäftspartner aus mangelnder Bonität seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann“, kennzeichnet das Adressenausfallrisiko (Schmoll 1999, 22). Jedoch besteht hier auch die Möglichkeit, dass der Schuldner die Verpflichtungen gar nicht erfüllen will.

Da die Möglichkeit des Forderungsausfalls nicht wie eben beschrieben zwingend in der Bonität des Schuldners begründet ist, ist eine weitere Unterteilung des Ausfallrisikos in Bonitäts- und Länderrisiko möglich. So kann beim Länderrisiko beispielsweise die Unmöglichkeit der Zahlung durch politisch bedingte Behinderungen des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs zu Forderungsausfällen führen, obwohl der ausländische Schuldner zahlungswillig und -fähig ist (vgl. Läger 2002, 23).

Des weiteren ist eine Aufgliederung des Forderungsausfallrisikos möglich in Terminrisiko, als Gefahr der nicht termingemäßen Zahlung, in Gläubigerrisiko, als Möglichkeit der endgültigen Nicht-Zahlung durch Zahlungsunfähigkeit oder –willigkeit und in Besicherungsrisiko, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Forderung auch nach Verwertung von Sicherheiten nicht getilgt ist (vgl. Läger 2002, 20).

Jedoch können einem Gläubiger auch dann Nachteile entstehen, wenn den Verpflichtungen aus dem Gläubiger-Schuldner-Verhältnis fristgerecht und entsprechend den weiteren Vereinbarungen nachgekommen wird. So kann bereits die sich verschlechternde Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Schuldners zu einem sinkenden Marktwert der Forderung führen. Da der zu zahlende Zins auch ein Entgelt für das durch den Gläubiger übernomme Risiko darstellt, sollte dieser bei sich verschlechternder Bonität steigen. Die Zinsmarge, als Zinsdifferenz zwischen einer risikolosen und einer ausfallbehafteten Forderung stellt somit auch ein Maß für die Schuldnerbonität dar und wird als Credit Spread bezeichnet (vgl. Schiller/Tytko 2001, 284).

Verschlechtert sich die Bonität des Schuldners ohne dass der zu zahlende Zins angehoben wird, ist der Credit Spread für das übernommene Risiko zu gering. Demzufolge führt die Verschlechterung der Schuldnerbonität über eine Unterbewertung der Forderung am Markt (im Falle von Anleihen über fallende Kurse) zu einer Ausweitung des Credit Spread. Die Forderung kann hierbei in ihrer aktuellen Bewertung unter dem Rückzahlungsbetrag fallen. Da der Nominalzins unverändert bleibt, erzielt ein Käufer durch die positive Differenz zwischen Kaufpreis und Rückzahlungsbetrag bei Fälligkeit einen Ertrag, der insgesamt über dem Nominalzins liegt. Der Credit Spread als Spiegel des Bonitätsrisikos konnte somit erhöht werden.

Sofern der bisherige Gläubiger die Forderung jedoch nicht (zu dem gefallenen Wert) verkauft, sondern in seinem Portfolio[4] belässt, wird er weiterhin den Nominalzins erhalten, der seinem Risiko aus der verschlechterten Bonität nicht entspricht und insoweit auch nicht marktüblich ist.

Diese Gefahr wird auch als Bonitätsänderungsrisiko oder Spread Risiko bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die nachfolgende Abbildung soll die Zusammenhänge der vorgenannten

Kreditrisiken nochmals überblickartig verdeutlichen.

Abbildung 1: Risikokategorien (in Anlehnung an: Heidorn 1999, 4 und Läger 2002, 20 ff.)

3 Grundlagen der Kreditderivate

3.1 Begriffsabgrenzung

Die Möglichkeit, Kreditrisiken handelbar zu machen, ohne dass der Schuldner zustimmen muss, ist das Wesen der Kreditderivate (vgl. Hanker 1998, 286). Kreditderivate als Finanzkontrakte[5] ermöglichen es, „das Kreditrisiko eines Basiswertes von einer Partei ... auf den Kontraktpartner zu transferieren.“ (Läger 2002, 42). Hierzu wird das Kreditrisiko von den weiteren Risiken des Basiswertes getrennt (insbesondere Marktrisiken wie das Risiko einer Änderung des Marktzinses) und isoliert gehandelt. Durch die Übertragung des Kreditrisikos wird das zugrunde liegende Geschäft nicht berührt, so dass es zu keiner Veränderung der Kreditbeziehung kommt (vgl. Läger 2002, 42).

[...]


[1] Laufzeitkongruenz (auch Fristenkongruenz): In dem Maße, in welchem für einen Kredit ein fester Zinssatz für eine bestimmt Laufzeit vereinbart wurde, sollten diese Finanzmittel dem Kreditgeber für die gleiche Zeit zu vorab vereinbarten festen Konditionen zur Verfügung stehen, also laufzeitkongruent refinanziert werden. Unterscheiden sich die Laufzeiten oder Zinsbindungsfristen der aufgenommenen und der ausgeliehenen Gelder besteht die Gefahr, dass sich die Refinanzierung für den Kreditgeber verteuert oder ihm sogar Finanzmittel entzogen werden (vgl. Büschgen 1998, 39).

[2] Finanzderivate: „Termingeschäfte auf der Grundlage von bestimmten Basiswerten (Unterlyings).“ (Krummow u.a. 2002, 324). Bei Finanzderivaten stammen diese Basiswerte aus dem finanzwirtschaftlichen Bereich (Zinsen, Wechselkurse, Aktien, Indizes etc.). Als Termingeschäft verfügen sie über ein in die Zukunft gerichtetes Vertragselement. Der Preis oder Wert des Finanzderivates wird vom Preis bzw. Wert des Underlyings bestimmt (vgl. Büschgen 1998, 449).

[3] Bonität (auch Kreditwürdigkeit): als Erwartung der vertragsgemäßen Erfüllung eingegangener Kreditverpflichtungen, die eine Kreditvergabe unter persönlichen und sachlichen Gesichtspunkten vertretbar erscheinen lässt. (vgl. Grill/Perczynski 1995, 239; Krummow u.a. 2002, 852).

[4] Portfolio, insbesondere Kreditportfolio: Der Gesamtbestand an Krediten einer Bank. Durch die Kreditpolitik wird die Struktur des Portfolios hinsichtlich Branchen, Privat- und Firmenkunden, Kreditrisiko, Sicherheiten etc. gesteuert. (vgl. Krummow u.a. 2002, 844)

[5] Finanzkontrakte: Vertragsverhältnis zwischen zwei Parteien mit standardisierten Vertragsgegenstand, in diesem Falle einem Vermögensgegenstand (vgl. Eilenberger 1993, 111, 164).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Kreditderivate als Möglichkeit der Transformation von Risiken im Kreditgeschäft
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V36967
ISBN (eBook)
9783638364539
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeit, Transformation, Risiken, Kreditgeschäft
Arbeit zitieren
Ronny Reißmann (Autor), 2005, Kreditderivate als Möglichkeit der Transformation von Risiken im Kreditgeschäft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36967

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